MTB Giersberg – Kompromiss

Der „Runde Tisch“, der sich in fünf Sitzungen in insgesamt rund 17 Sitzungsstunden mit dem „Entwicklungskonzept für den Giersberg und seine Umgebung“ intensiv befasst habe, hätte zwar auch nicht die Quadratur des Kreises leisten können. Es wäre jedoch gelungen, so Stadtdirektor a.D. Norbert Schröder-Klings als dessen Moderator am Montagabend vor rund 400 Bürgern im Kirchzartener Kurhaus, eine Lösung zu erreichen, die sowohl für den Mountainbikesport als auch für die Naherholung im sensiblen Giersberg-Areal als Kompromiss von nahezu allen Mitgliedern des „Runden Tisches“ mitgetragen werde. Lediglich für die „Interessengemeinschaft (IG) Giersberg“ geht das Ergebnis nicht weit genug, da die Wiese oberhalb der Birkenreute mit ins Trainings- und Wettkampfgelände einbezogen wurde. „Damit sieht die IG Giersberg“, so deren Vorsitzender Günter Möbius, „die Bike-Arena über die Hintertür eingeführt.“
Norbert Schröder-Klings erinnerte nach der Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Hall an die Entwicklung im vergangenen Jahr. Nachdem der SV Kirchzarten seine Ideen einer „Bike-Arena“ in die Öffentlichkeit gebracht hatte, formierte sich lauter Widerstand, der in der Unterschriftensammlung der IG Giersberg für ein Bürgerbegehren seinen Höhepunkt fand. Ende Februar 2012 fasste der Gemeinderat den Beschluss vor einem Bürgerentscheid zunächst mit einem „Runden Tisch“ die Diskussion zu versachlichen und nach Kompromissen zu suchen. Mitglieder dieses Kreises waren neben Vertretern der Kommune, der IG Giersberg, des SV Kirchzarten auch der Schwarzwaldverein, der Forst, der NABU und die Katholische Kirche. Neben Schröder-Klings als Moderator begleiteten Professor Roth und der Kirchzartener Stadtplaner Rolf Fischer die Gruppe als Experten. Jetzt, am Ende des Prozesses, hofft der Moderator, dass die erarbeiteten tragfähigen Kompromisse nach einem Bürgerentscheid im Februar zur Befriedung im Ort beitragen.

MTB- und Naherholungskonzept vorgelegt
Professor Ralf Roth stellte dann die inhaltlichen Ergebnisse des „Runden Tisches“, ein Mountainbike- als auch ein Naherholungskonzept, vor. Auftrag der Gemeinde Kirchzarten sei gewesen, „den Giersberg als vorbildlichen Erholungsraum für alle Bürger nachhaltig zu gestalten“ und auch „zeitgemäße Trainingsstrecken für den Mountainbikesport zu entwickeln und MTB-Veranstaltungen zu ermöglichen“. Das Ergebnis im sportlichen Bereich sieht eindeutig vor, dass der Giersberg – bis auf maximal drei Wettkämpfe, die jeweils nur wenige Stunden an einem Tag dauern – total vom Mountainbikesport freigehalten wird. Bestehende Trainings-Parcours und Trials werden abgebaut und renaturiert. Zwei Trainingsstrecken werden im Hexenwäldle und im Bereich der Birkenreute-Wiese eingerichtet. Die Zufahrt erfolgt vom Stadion über eine neue Osterbachbrücke und einen Weg durch die Felder direkt zur Birkenreute. Der Technik-Parcours soll in die Trainingsstrecke im Hexenwäldle integriert werden. Das Übungsgelände für Kinder kommt in unmittelbare Nähe des Schülerhauses. Die unterschiedlichen Strecken können bei Wettkämpfen zu Strecken, die den Regularien des Bundes Deutscher Radfahrer entsprechen, zusammengestellt werden. Dabei ist eine Durchfahrung des Giersbergwaldes bei den drei Veranstaltungen notwendig. Genutzt würden 3.000 Meter auf bestehenden Trainingsstrecken und nur 800 Meter auf vorhandenen Waldwegen. Dieses MTB-Konzept wird von allen Vertretern des „Runden Tisches“ mit Ausnahme der „IG Giersberg“ mitgetragen. Das einstimmig vom „Runden Tisch“ vorgeschlagene Naherholungskonzept sieht laut Prof. Roth umfangreiche Maßnahmen zur Aufwertung des Umfeldes vor. Dazu gehören sinnvolle Waldbewirtschaftung; Rückbau aller MTB-Trails und -Parcours; Lenkung von Bikern, die z.B. vom Hinterwaldkopf gen Kirchzarten fahren; Biotopschutz; Pflege der Fußwege; Wald- und Naturpädagogik; Rast- und Ruhemöglichkeiten und eine qualitative Weiterentwicklung des Giersberg-Spielplatzes. Ralf Roth sieht im gefundenen Kompromiss u.a. eine gute „Zukunftssicherung und Entlastung des Giersbergs als Naherholungsgebiet, eine klare Trennung von Fußwegen und MTB-Strecken sowie eine gute Umwelt- und Landschaftsverträglichkeit“. Er schlägt die Beibehaltung des „Runden Tisches“ für eine gute Zukunft vor. Und mit geschätzten 70.000 Euro Baukosten, die zu 70 Prozent vom Naturpark Südschwarzwald bezuschusst würden, lägen die Investitionen weit unter den vor einem Jahr genannten Zahlen.

Durchweg Lob für Kompromiss
Bei den Stellungnahmen der am „Runden Tisch“ vertretenen Gruppierungen betonte Sebastian Eckmann vom SV Kirchzarten die Kompromissbereitschaft des Sportvereins: „Das ist jetzt ein gutes Konzept.“ Rolf Fischer zeigte sich auch wegen der vielen MTB-Kids vom Ergebnis überzeugt. Günter Möbius (IG Giersberg) unterstrich die ablehnende Haltung der IG und Uwe Matzeit vom Schwarzwaldverein ist überzeugt: „Wir bekommen Ruhe vom MTB und einen neuen Giersberg.“ Bezogen auf den Bürgerentscheid hofft er, dass „das Recht dem Menschen dient und nicht umgekehrt“. Simone Rudloff vom NABU sieht den MTB-Sport weiterhin kritisch, hat aber keine grundsätzlichen Einwände vom Naturschutz her. Stefan Gönnheimer von der St. Gallus-Pfarrei sieht „den Vorteil und Gewinn von dem, was jetzt kommt“. Er wünscht sich für die Zukunft „mehr Respekt vor religiösen Orten und Zeiten“. Und auch Bürgermeister Andreas Hall betonte: „Ich bin vom Ergebnis überzeugt.“ Der Gemeinderat werde am 18. Dezember über die Vorschläge des „Runden Tisches“ beraten. Im Februar käme es dann zum Bürgerentscheid. Ob der dann sowohl die Fragestellung der „IG Giersberg“ als auch die des „Runden Tisches“ quasi bei zwei Bürgerentscheiden beinhalte, müssten die Juristen noch klären. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gaben dann ihre persönliche Meinung kund. Eindruck erweckten fünf Mädchen und Jungen vom hoffnungsvollen Mountainbike-Nachwuchsteam des SV Kirchzarten: sie warben auf sympathische Art vor 400 Zuhörern für ein gutes Trainingsgelände und Verständnis.
Gerhard Lück, www.dreisamtaeler.de

 

 

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