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Mobbing an Schulen nimmt zu – Digitale Medien verstärken Probleme – Brandbrief Freiburger Mütter – Tägliche Angst: Bei einem Fachtag in Freiburg für Lehrkräfte und Pädagogen zeigte sich jüngst, wie relevant das Thema „Mobbing“ ist: Der Fachtag war restlos ausgebucht, es gab eine lange Warteliste. Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg fordert nun über Sprecher Michael Gomolzig eine feste  Klassenlehrstunde, in der auch Mobbingfälle ein Thema sein könnten.

Yannicks Mutter war stark beunruhigt: Der zwölfjährige Freiburger Realschüler zog sich immer mehr zurück, reagierte zunehmend aggressiv, schlug mit den Fäusten gegen die Türen und redete kaum noch. Mit Einfühlungsvermögen und aufgrund von Andeutungen bei einem Elterngespräch in der Schule fand sie schließlich heraus: Yannick wurde in seiner Klasse gemobbt – seit Monaten und immer schlimmer. Bei Facebook ebenso wie im Schulalltag. Mitunter beginnt es auch schon früher: Luca (9) weigerte sich, in die Schule zu gehen. An einem Morgen hatte er Bauchweh, dann Zahnweh, Beinschmerzen und so weiter. Auch hier ahnten die Eltern irgendwann, was dahinter steckte. Luca galt als Außenseiter, als einer, der sich nicht wehrte. Das machte ihn wohl zum idealen Mobbing-Opfer. „Luca sprach sogar davon, sich umbringen zu wollen – ein Grundschüler, der nicht mehr leben will: Unglaublich!“, sagt seine erschütterte Mutter. Aber gab es das nicht schon immer, dass Kinder gehänselt wurden? Auch bevor es den Begriff Mobbing gab? Vermutlich, doch scheint es immer gravierender zu werden. Auch aufgrund der neuen Medien.
Zwei Mütter von Schülern einer Freiburger Gesamtschule haben vor Kurzem einen Brandbrief an andere Eltern geschrieben: „Aufgrund zahlreicher Vorfälle der letzten Wochen, die bedrohliche und beängstigende Ausmaße angenommen haben, sehen wir uns in der Pflicht, Ihnen dringend zu raten, Ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien zu verbieten oder den respektvollen Gebrauch mit Ihnen gemeinsam einzuüben“, heißt es darin. Dann folgen zahlreiche erschütternde Beispiele von gezielten Diskriminierungen und Beleidigungen zum Beispiel über den Dienst „What´s app“. Beispiel: „Es stört keinen, wenn du tot bist, du Opfer.“ Auch körperliche Auseinandersetzungen werden geschildert, das Abpassen und Verprügeln Einzelner. Diese Schule ist keineswegs ein Sonderfall. Jeder, der „anders“ ist als andere, kann zum Opfer werden – ob Haarfarbe, Sprachfehler oder „uncoole“ Kleidung. Mitunter sind es auch ganze Gruppen, die aufeinander los gehen.
Die beiden besorgten Mütter versuchen derweil das ihre, um gegenzusteuern: Gewalt dürfe nie geduldet werden. Und was die digitalen Medien betrifft: „Überlegen Sie, ob für Ihre Kinder ein Handy ohne Internetzugang ausreicht. Und: Muss ein Facebook-Eintrag sein?“, fragen sie.
14.2.2014, Katrin Hauf und Stefan Ummenhofer, www.stadtkurier.de

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