Metzger Fachkraeftemangel

Es geht um die Wurst: In Anbetracht des Fachkräftemangels steht die Zukunft unserer Metzger auf dem Spiel. In Freiburg ist jeder Stadtteil stolz auf seinen Metzger. Noch gibt es in Südbaden ausreichend Betriebe, die in höchster Qualität produzieren. Darauf war die Region immer stolz und dafür ist sie bekannt. Diese Vielfalt ist akut bedroht, weil kaum ein junger Mensch mehr den Beruf erlernen möchte.
 
In anderen Gegenden Deutschlands gibt es Großstädte mit mehreren hundertausend Einwohnern, aber nur noch einem unabhängigen Metzgereibetrieb, hinter dem keine große Fleischfabrik steht. Wenn der derzeitige Trend anhält, dann droht auch uns ein solches Szenario. 
Fakt ist: Der Südbadener geht liebend gerne zum Traditionsmetzger um die Ecke, der genau weiß, von welchem Bauernhof seine Ware stammt. Doch zum Leidwesen der Metzger möchten immer weniger junge Menschen in diesen  Betrieben arbeiten. “Wir haben dieses Jahr sieben Lehrstellen ausgeschrieben. Dafür haben wir nur eine einzige Bewerbung erhalten”, berichtet Peter Winterhalter von der Oberen Metzgerei Franz Winterhalter. “Auf  Dauer kann das nicht funktionieren. Im Endeffekt könnte uns ein Trend zur Industrialisierung der Fleischproduktion drohen. Das heißt, dass Individualität verloren ginge”, sagt er.
Simone Hügle, Inhaberin der gleichnamigen Freiburger Metzgerei, kennt die Problematik. In ihrem Betrieb ist in diesem Jahr keine einzige Bewerbung eingegangen. Womit das zu tun hat, weiß Simone Hügle: “Der Ruf ist leider schlecht. Schon der Begriff Fleischereifachverkäuferin wirkt auf junge Frauen abschreckend”, sagt sie. Dabei sei vielen jungen Menschen gar nicht bewusst, welche Vorzüge die Branche biete: Feste Arbeitszeiten, geregelte Wochenenden und ein absolut krisenfestes Geschäftsmodell. “Wer einmal den Beruf erlernt hat, ist garantiert nie arbeitslos”, verspricht Simone Hügle. Inzwischen hat sich der schlechte Ruf  zu einer sich selbst erfüllen Prophezeiung entwickelt. Zudem fehlt es offenbar an Lobby: “Wenn es bei den Arbeitsämtern darum geht, Auszubildende zu vermitteln, rangiert unser Beruf leider auf den hinteren Plätzen. Seit Jahren schaffen wir es nicht, das Image zu verbessern”, klagt Berthold Disch, Obermeister der Fleischerinnung Freiburg. “Wenn die jungen Leute an Metzger denken, denken sie ans Schlachten und Töten. Dabei  gibt es  inzwischen auch Ausbildungswege, wo das Schlachten nicht zwingend dazugehört”, betont er.
Viele junge Menschen haben eine regelrechte Abneigung gegen echte Handarbeit. Was den meisten vorschwebt, ist ein smarter Computerarbeitsplatz. Daher ist es auch fast egal wie schmackhaft man die Metzgerlehre letztlich verkauft, mehr Sexappeal verleiht ihr das  bei der Zielgruppe nicht.
 Also versucht man es über andere Reize:   Die Ausbildungsvergütung wurde kräftig angehoben, um den Abstand zu den gewerblich-technischen Berufen zu vermindern. Angehende Metzger bekommen ab sofort 20 Prozent mehr Gehalt. Andere Handwerksberufe, die kaum weniger vom Bewerbermangel gebeutelt sind, werden genau verfolgen, wie das Lockmittel wirkt. Während die Betriebe ein Problem haben, blicken kommende Azubi-Generationen goldenen Zeiten entgegen.
7.11.2012, Sven Meyer,  www.freiburger-wochenbericht.de
http://www.facebook.com/pages/Freiburger-Wochenbericht/318265651528960

 

 

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