Mehr jugendliche Komasäufer in Freiburg entgegen Landestrend

Schlechte Zahlen aus Freiburg! Die Zahl der Jugendlichen, die infolge zu hohem Alkoholkonsums medizinisch behandelt werden müssen, nimmt in der Regio zu. Das ist das Ergebnis einer Auswertung der Krankenkasse AOK Südlicher Oberrhein. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald einschließlich der Stadt Freiburg wurden demnach im letzten Jahr 50 Jugendliche unter 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Damit sind die alkoholbedingten Krankenhauseinweisungen im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent gestiegen. Im Vorjahr wurden 41 Jugendliche eingeliefert. „Mit diesen Zahlen bewegen wir uns in Freiburg und dem Landkreis Breisgau- Hochschwarzwald gegen den landesweiten Trend“, stellt Wolfgang Schweizer, Geschäftsführer der AOK Südlicher Oberrhein, fest. Noch höher sind die Zahlen, die die Kinderklinik der Freiburger Universitätsklinik erhoben hat. Dort werden pro Jahr 90 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert. Etwa drei Mal so viele, wie zu Beginn der Aufzeichnungen 2001. „Wir haben fast jedes Wochenende Fälle“, bestätigt Prof. Marcus Krüger, leitender Oberarzt der Kinderintensivstation. Hinzu kommen noch all die Fälle, die in anderen Stationen behandelt werden.  ine Gesamtübersicht für Freiburg gibt es nicht. Für die Kinderklinik hat Marcus Krüger ein Aufholen der Mädchen beobachtet. Noch sehr gut kann er sich an ein 13-jähriges Mädchen erinnern, das von seinen Eltern zum Zimmer aufräumen aufgefordert wurde. Eine halbe Stunde später hatte es eine halbe Flasche Schwarzwälder Kirsch geleert und die besorgten Eltern brachten es in die Klinik. Häufiger werden die jungen Patienten jedoch Nachts eingeliefert. Für die Eltern ist das oft ein Schock. Die Betroffenen sind meist selbst überrascht, sich auf der Intensivstation wieder zu finden und fragen, ob jemand etwas ins Glas getan hätte. Meist ist das nicht der Fall. Schuld daran sind vor allem harte Getränke wie Wodka, weniger das einfache Bier oder Bier-Mixgetränke. Nach der Ausnüchterung findet ein psychologisches Gespräch statt, berichtet Isolde Krug, Psychologin an der Kinderklinik. Bei einem Drittel ist die Lebenssituation und das Umfeld problematisch. Bei 40 Prozent spielt das Ausprobieren während der Pubertät, der Kick oder das Gruppenerlebnis eine Rolle. In letzter Zeit sei besonders bei Hocks Aufklärungsarbeit geleistet worden, hat Marcus Krüger registriert. Das bestätigt Karl-Heinz Schmid, Sprecher der Polizei Freiburg. Beim Weinfest in St. Georgen habe es dank Polizeipräsenz und der Initiative „St. Georgen schaut hin“ beispielsweise keine Zwischenfälle gegeben. Vor allem an Fasnacht und Silvester, aber auch während Hocks kommt es zum  Komasaufen“. Ein weiterer Trend ist, dass die Trinker immer jünger werden. Alkoholkonsum bei Jugendlichen ist besonders schädlich, da die körperliche Entwicklung in diesem Alter noch nicht abgeschlossen ist. Problematisch sei zudem die Gefahr, durch Erbrochenes zu ersticken oder – vor allem im Winter – auszukühlen, so Krüger. Die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Polizei und Hilfsdiensten wie der Fachstelle Sucht sei gut. Mit den Projekten „PräRIE“ und „HALT“ wird versucht, Prävention zu betreiben. Dabei sollen junge Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol sensibilisiert werden. Ändern könne man jedoch nur etwas auf breiter Basis, so Isolde Krug. Erwachsene hätten da eine Vorbildfunktion.
8.6.2012, Nils Kickert. www.stadtkurier.de

 

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