Links rechts schaukelnder Kahn

Botho Strauß’ Text “anschwellender Bocksgesang” bzw. “anschwellende Tragödie” von 1993 sieht für Deutschland ein tragisches Geschehen heranziehen, und zwar (1) von innen her durch den Wandel der Mediengesellschaft  in der Demokratie und (2) von außen her durch die Überfremdung 1993 (Zuwanderungswelle nach dem Zerfall Jugoslawiens) und Budapest 9/2015 (Massenmigration)..

(1) In einer Demokratie müssen die Medien als 4. Gewalt ausgewogen sein, d.h. das gesamte Meinungsspektrum der Bürger abbilden, von links bis rechts, “Ich bin ein Mensch des Gleichgwichts. Ich lehne mich instinktiv nach links, wenn der Kahn rechts zu kentern droht – und umgekehrt”, so Thomas Mann im Jahr 1934.
Botho Strauß im Jahr 1993 kritisiert das “umgekehrt”, also die linksliberal dominierten Medien, wenn er sagt: “Das Regime der telekratischen Öffentlichkeit ist die unblutigste Gewaltherrschaft und zugleich der umfassendste Totalitarismus der Geschichte.” Man schätzt, dass sich 3/4 der Journalisten (wie auch Richter und höhere Beamte) in Deutschland eher der politischen Linken zugehörig fühlen. Dies kommt umso mehr zum Tragen, als die in der deutschen Journaille übliche strenge Trennung von Information (Fakten) und Meinung (Kommentar) dem angelsächsischen Vorbild folgend zunehmend aufgegeben wird: Der Leser bzw. TV-Gucker kann nicht erkennen, ob nun eine Tatsache oder eine persönliche Interpretation gemeldet wird, denn beides mischt sich.
Eine Demokratie ohne ausgewogene 4. Gewalt zerstört sich von innen heraus, Strauß mahnt dies mit dem “telekratischen Regime” an. Mit den GroKos wurde der Bundestag durch die TV-Talkshow abgelöst, das Parlament nickt nur noch ab, während die Diskussionen in den Fernsehtalks laufen – Scheindiskussionen, da von Moderatoren linksgrün inszeniert. Deutschland hat seine Diskussionskultur verloren, das Konservative wird von der Nazi-Keule erfaßt.

(2) Das zweite Anliegen von Botho Strauß betrifft den drohenden “Verlust des Eigenen”, die Identität und deutsche Kultur. “Wir werden nicht zum Kampf herausgefordert durch feindliche Eroberer”, sondern durch “Heerscharen von Vertriebenen und heimatlos Gewordenen”. Strauß schrieb dies im Jahr 1993, als Deutschland im Zuge der Balkankriege Hunderttausende von Flüchtlingen aufnahm. Nun, 25 Jahre später, angesichts einer seit Budapest 9/2015 anhaltenden zweiten, noch viel gewaltigeren Migrationswelle, warten viele auf eine Art “Zweiten Bocksgesang” – leider bislang vergeblich. Dichter und Denker halten sich leider zu gerne aus den Niederungen des deutschen Politikgeschehens heraus
11.2.2018
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Auszug aus dem „Bocksgesang“: Konflikte, die sich nicht mehr ökonomisch befrieden lassen
Daß ein Volk sein Sittengesetz gegen andere behaupten will und dafür bereit ist, Blutopfer zu bringen, das verstehen wir nicht mehr und halten es in unserer liberal-libertären Selbstbezogenheit für falsch und verwerflich.
Es ziehen aber Konflikte herauf, die sich nicht mehr ökonomisch befrieden lassen; bei denen es eine nachteilige Rolle spielen könnte, daß der reiche Westeuropäer sozusagen auch sittlich über seine Verhältnisse gelebt hat, da hier das „Machbare“ am wenigsten an eine Grenze stieß.
Es ist gleichgültig, wie wir es bewerten, es wird schwer zu bekämpfen sein: daß die alten Dinge nicht einfach überlebt und tot sind, daß der Mensch, der einzelne wie der Volkszugehörige, nicht einfach nur von heute ist. Zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens wird es Krieg geben. (…)
Die Hypokrisie der öffentlichen Moral, die jederzeit tolerierte (wo nicht betrieb): die Verhöhnung des Eros, die Verhöhnung des Soldaten, die Verhöhnung von Kirche, Tradition und Autorität, sie darf sich nicht wundern, wenn ihre Worte in der Not kein Gewicht mehr haben. …. Kompletten Text von 1993 bitte lesen auf
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13681004.html

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