Lebensarbeitszeitmodell Rente

Sozialstation führt Lebensarbeitszeitmodell ein. Ab 1. August 2016 macht bereits ein Drittel der Mitarbeiter beim Modell „MEINEZEIT“ mit.  „Für uns ist sehr wichtig, unsere qualifizierten Mitarbeiter zu halten und ihnen langfristige Perspektiven aufzuzeigen“, erklärte Christine Hodel, Geschäftsführerin der Kirchlichen Sozialstation Dreisamtal die Hintergründe des zum 1. August eingeführten neuen Lebensarbeitszeitmodells „MEINEZEIT“. „Wir möchten damit die Zufriedenheit im Team erhalten oder gar erhöhen.“ Die Mitarbeitenden erhalten die Möglichkeit, ein Zeitwertkonto als Langzeitkonto einzurichten. „Wir reagieren damit auf die sich verändernden Arbeits- und Lebensbedingungen in unseren Arbeitsfeldern.“
Christine Hodel weiß um die besonderen Arbeitsbedingungen ihres Pflegepersonals, die bei der Schwere des Berufes noch mehr von der Anhebung des Renteneintrittsalters in Folge der steigenden Lebenserwartung betroffen seien: „Das bringt Ungewissheit, ob der eigene Gesundheitszustand die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes bis zur Rente erfüllen wird.“ Den Mitarbeitenden stelle sich nicht die Frage „Wie lange will ich arbeiten?“, sondern „Wie lange kann ich überhaupt arbeiten?“ Die Sozialstation nehme mit dem neuen Arbeitszeitmodell die Sorge um die lebenslange Teilnahme am Arbeitsleben ernst.
Das in Zusammenarbeit mit der Deutschen Beratungsgesellschaft für Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodelle (DBZWK) entwickelte Modell „MEINEZEIT“ könne einen vorzeitigen Ruhestand ermöglichen oder aber auch Chancen bieten, den Beruf besser mit familiären Dingen zu vereinbaren. So könne beispielsweise die Pflegezeit für einen Angehörigen verlängert oder eine Auszeit zum generellen Durchatmen ermöglicht werden. Das Modell ist eigentlich ganz einfach.
Der Mitarbeitende entscheidet sich für einen bestimmten Betrag, den er monatlich vom Lohn – mindestens 25 Euro – anspart. Das Geld wird mit einem Zinssatz von 1,5 Prozent insolvenzgesichert auf einem eigenen Konto angelegt. Die vereinbarte Summe könne jederzeit verändert werden.
Da das Geld erst bei späterer Nutzung zu versteuern sei, hätte der Mitarbeiter Steuervorteile. Sozialversicherungsbeiträge zahle der Dienstgeber für den vollen Lohn. Nach drei Jahren kann erstmals auf das Konto zugegriffen werden.
Klar, dass jüngere Mitarbeiter mit relativ geringem Einsatz später einmal viel davon haben. Aber auch ältere könnten noch positiv davon profitieren. Und auch Teilzeitmitarbeiter sollten die Vorteile des Arbeitszeitmodells nutzen. Helmut Gremmelspacher, Vorstand der Sozialstation, sieht ebenfalls große Vorteile im neuen Modell: „Dass die Sache für den Mitarbeiter insolvenzgesichert ist, war für mich ein entscheidendes Kriterium.“ Selbstverständlich wurde zunächst mit der Mitarbeitervertretung (MAV) über die Pläne gesprochen, die sehr positiv reagierte. „Mit dem Lebensarbeitszeitkonto haben wir jetzt beispielsweise die Möglichkeit“, freut sich MAV-Vorsitzende Laila Rautiainen, „in absehbarer Zeit eine bezahlte Auszeit in Form eines Sabbaticals zu machen oder früher aus dem Berufsleben auszuscheiden.“ Eine Infoveranstaltung mit allen Mitarbeitern und Vertretern der DBZWK hätte dann zu einer positiven Vereinbarung geführt.
3.8.2016, Gerhard Lück, www.dreisamtaeler.de

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