Gesinnungsdiktatur

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Blick auf Yazd von den Tuermen des Schweigens aus am 13.10.2014

Blick auf Yazd/Iran von den Tuermen des Schweigens aus am 13.10.2014

 

 

Ulrich Greiner:
Das Recht auf Meinungsfreiheit schließt  nicht das Recht auf Beifall ein:
Das Recht auf Meinungsfreiheit schließt aber das Recht ein, als seriöser Gesprächspartner wahrgenommen zu werden. 

Humanitätsduselei der Deutschen
“Zwischen Weltkrieg Zwei und Drei drängten sich die Deutschen an die Spitze der Humantät und Allgüte. Der Gebrauch des Wortes “Humanitätsduselei” kostete achtundvierzig Stunden Arrest oder eine entsprechend hohe Geldsumme. Die meisten der Deutschen nahmen auch, was sie unter Humanität und Güte verstanden, äußerst ernst. Sie hatten doch seit Jahrhunderten danach gelechzt, beliebt zu sein. Humanität und Güte erschien ihnen jetzt der beste Weg zu diesem Ziel. Sie fanden ihn sogar weit bequemer als Heroismus und Rassenlehre.”
(Franz Werfel 1946 in: “Stern der Ungeborenen”)
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Politisch korrekte Journalisten – Volkspädagogik Tagesschau
Die Gefälligkeitswissenschaftler unterscheiden nicht zwischen Analyse der Politik und politischer Stellungnahme. Die politisch korrekten Journalisten unterscheiden nicht zwischen Thema und Meinung. Die Gefälligkeitswissenschaftler analysieren nicht, sondern sie warnen und mahnen – besonders gerne in Talkshows und mit „scientific soundbites“ für das Fernsehen. Und die Journalisten des linken Mainstream belehren lieber als zu berichten. Dass sie dabei zum Größenwahn neigen, zeigen täglich Sendungen wie die „Tagesthemen“ und das „heute-Journal“, die eine Art Volkspädagogik höherer Ordnung betreiben, und wöchentlich Blätter wie „Der Spiegel“, der vorgibt, ein Nachrichtenmagazin zu sein, aber zum Beispiel den Wahltriumph Trumps mit einer Titelgeschichte über den Untergang der Welt kommentierte.
Wie konnte es dazu kommen? Intellektuelle und Journalisten nehmen in der modernen Welt eine Sonderstellung ein. Sie befriedigen nämlich ein Bedürfnis nach Orientierung, das weder von der Politik noch von der Wirtschaft und schon lange auch nicht mehr von der Religion bedient werden kann. Und dieses Orientierungsbedürfnis wächst, je komplexer unsere Welt wird. Walter Lippmann hat dieses Problem schon vor fast hundert Jahren gesehen und ein Konzept der öffentlichen Meinung ausgearbeitet, das auch heute noch den Hintergrund des Selbstverständnisses westlicher Intellektueller bildet.
Lippmann ist davon ausgegangen, dass die gesellschaftliche Dynamik so komplex geworden ist, dass sich der Einzelne keine eigene Meinung mehr über politische Sachverhalte bilden kann. Deshalb brauchen wir Experten, die die Verantwortung für die Organisation der öffentlichen Meinung übernehmen. Zu diesen Experten allerdings hat Lippmann die Journalisten ausdrücklich nicht gerechnet. Das sehen diese natürlich schon lange ganz anders. Sie halten sich selbst für die Meinungselite. Und viele verstehen Lippmanns Konzept der öffentlichen Meinung als Lizenz zur Propaganda.
… Alles vom 5.12.2018 von Norbert Bolz zu “Der Journalist als Oberlehrer” bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/der_journalist_als_oberlehrer
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Norbert W. Bolz, geb. 1953 in Ludwigshafen, ist ein deutscher Medien- und Kommunikationstheoretiker. Er lehrt als Professor für Medienwissenschaften an der TU Berlin.
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Journalist: Propagandist statt Beobachter
Der Journalist sollte ein Beobachter sein, der die Sachverhalte zusammenträgt, die Argumente der Beteiligten. Er sollte kein Richter sein – es sei denn, er schreibt über den Artikel “Kommentar”. Doch den dürfen nur die abgeben, die vorher die bewiesen haben, dass sie die Grundlagen des Journalismus in Satz 1 mühelos und über Jahre hinweg beherrschen. Doch in Deutschland meint Journalismus Propaganda. Es geht um Meinungsvermittlung. Daher sind die Tatbestände kurz und einseitig; die Argumente auch. Nicht selten gibt es sogar eine Verquickung von politischer Arbeit im Privaten mit dem Beruf. Niemals könnte man sich vorstellen, dass ein Richter einen Prozess über einen Verein führt, dem er selbst angehört. Im Journalismus ist das eher üblich. Die Chefredakteure, die so etwas zulassen, haben weder ihren Laden im Griff noch sind sie ihr Geld wert. Eine einfache Googleanfrage bringt die Interessensvermischung an den Tag. Doch die Redaktionen wissen sicher ohnehin um die privaten Engagements der Kollegen. Die politischen Misstände sind direkte Folge dieser fehlenden Qualität in der Berichterstattung, der mangelnden Kritik, dem Fehlen von Distanz. Und so bewegen wir uns in einer Dauerschleife von Machtmissbrauch, Propaganda, Absturz, Reue und Neuanfang. Sie lernen nicht dazu.
5.12.2018, Karl Schmidt, AO
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Gesinnungsethik kann jeder
Wir sollten uns nichts vormachen: Ein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Landsleute versteht unter “überlegener Kompetenz” vor allem “überlegene moralische Kompetenz” ( Käßmann hui, Merz pfui…) Wird moralische Kompetenz als schlichte Gesinnungsethik verstanden (und ich frage mich, ob ich von den 22-24% potentieller Grünenwähler etwas anderes zu erwarten habe), dann kann ich annehmen, daß bei denen Herr Kleber, der Meister des gesinnungsethisch inspirierten Gesichtsausdruckes, nach wie vor hocherwünscht ist. Es sind eben nicht nur Teile der Eliten als Oberlehrer unterwegs; ein Gutteil des V o l k e s möchte den anderen Teil gerne unter der eigenen moralischen Fuchtel sehen. Dies kennzeichnet m.E. ja gerade den “Spalt” in der Gesellschaft… Gesinnungsethik hat den Vorteil, dass man, um sie zu praktizieren, nichts können muss. Allein die Heiligkeit des Prinzips gilt: Was sind Antisemitismus, Vergewaltigungen und ein paar Messerstechereien für lumpige Bagatellen im Lichte der Großartigkeit m e i n e r Willkommenskultur! Und mit denen, die so drauf sind, werden wir so schnell nicht fertig, selbst wenn wir die Oberleherelite in Patagonien ansiedeln.
5.12.2018,, Andras Beyer, AO

 

Die Medien als Kanzel für Moralpredigten
In einer Zeit, in der Meinung und Nachricht immer weniger getrennt werden, geraten die Medien zu Kanzeln, auf denen moralische Predigten gehalten werden. Wer der Predigt folgt, wird mit einem moralischen Heiligenschein belohnt. Er kann über sich sagen: Ich bin bei den Guten. Und je mehr der Gegner verböst wird, desto höher ist der Kampf der Guten zu würdigen.
Die Aufgabe der Guten ist es, die „Achse des Bösen“ zu vernichten. So sehr die politisch korrekte Ökobourgeoisie diesen Spruch des ehemaligen US-Präsidenten George Bush verlachte, so sehr ist sie heute genau auf dessen Spuren. Es wurden nur die Feindbilder ausgetauscht. Der Islam untrennbar verbunden mit der autoritären arabischen Kultur ist nun wunderbarerweise zum Freundbild geronnen. Ausgerechnet der Islam, der in fast allen seinen Werten der politisch korrekten Bourgeoisie diametral entgegensteht, ist plötzlich zu einer verteidigenswerten Ideologie geworden. Kopftuch und Verschleierung der Frau wird von SüZ bis ZEIT nicht mehr als Unterdrückung, sondern blind-links als emanzipatorische Leistung verteidigt. Man scheut sich also aus ideologischen Gründen nicht, die Realität auf den Kopf zu stellen.
… Alles von Klaus-Jürgen Gadamer vom 24.11.2018 bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/deutschlands-politische-zukunft/

 

Zweierlei Maß – öffentliche Ungleichbehandlung linker und rechter Ansichten
Was Uwe Tellkamp in Dresden gesagt hat, war diskussionswürdig, es gibt keinen Grund, ihn in die rechte Ecke zu stellen. Von Ulrich Greiner
Die schärfste Waffe im Streit der Meinungen ist der Vorwurf, rechts zu sein. Wem es zuerst gelingt, den Gegner in jene Ecke zu schieben, wo nur noch der braune Abgrund droht, der hat gewonnen. Das ist ein sehr deutscher Mechanismus. Er hat – das liegt auf der Hand – mit unserer Vergangenheit zu tun. Das in allen Demokratien übliche politische Spektrum von rechts, konservativ, liberal und links ist bei uns beschädigt.
Konservativ genannt zu werden, mag man sich noch gefallen lassen, während rechts zu sein sich jedem verbietet, der kein politischer Abenteurer ist. Das Rechte ist das ein für alle Mal Böse, während das Linke, ungeachtet aller fürchterlichen historischen Erfahrungen, immer noch als respektabel gilt. Man könnte auch sagen: Rechts ist all das, was diejenigen, die auf der richtigen Seite stehen wollen, nicht sind.
Vor diesem Hintergrund muss man das Dresdner Streitgespräch zwischen den Schriftstellern Uwe Tellkamp und Durs Grünbein sehen. Tellkamp hat nicht behauptet, er herrsche eine “Gesinnungsdiktatur” in diesem Land, wohl aber hat er eine Asymmetrie beklagt: die öffentliche Ungleichbehandlung linker und rechter Ansichten.
Er, Tellkamp, fürchte zum Beispiel die massenhafte Einwanderung junger Muslime, er fürchte, dass sich dieses Land zu seinem Nachteil verändere. Wer das sage, werde dadurch “herabgewürdigt”, dass man ihn in die rechte Ecke stelle. Und wer auf solch leichtfertige, ungerechte Weise zum Nazi erklärt werde, der gerate in Versuchung, wirklich einer zu werden.

Das Recht auf Meinungsfreiheit schließt das Recht auf Beifall nicht ein, wohl wahr. Aber der notorische Hinweis, die konservativen oder rechten Diskussionsteilnehmer hätten doch alle Publikationsmöglichkeiten, führt in die Irre. Ja, Thilo Sarrazin zum Beispiel kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit und Auflage nicht beklagen. Doch möchte, wer sich öffentlich äußert, als seriöser Gesprächspartner wahrgenommen werden. Stattdessen wird er verächtlich gemacht, abqualifiziert, absichtsvoll missverstanden. Der Resonanzraum, auf den jeder am Gedankenaustausch Interessierte dringend angewiesen ist, wird stumm.
… alles von Ulrich Greiner vom 21.3.2018 bitte lesen auf
http://www.zeit.de/2018/13/uwe-tellkamp-rechtspopulismus-durs-gruenbein-dresden

 

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