Gesinnungsdiktatur

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Blick auf Yazd von den Tuermen des Schweigens aus am 13.10.2014

Blick auf Yazd/Iran von den Tuermen des Schweigens aus am 13.10.2014

 

 

Ulrich Greiner:
Das Recht auf Meinungsfreiheit schließt  nicht das Recht auf Beifall ein:
Das Recht auf Meinungsfreiheit schließt aber das Recht ein, als seriöser Gesprächspartner wahrgenommen zu werden. 

 

 

Zweierlei Maß – öffentliche Ungleichbehandlung linker und rechter Ansichten
Was Uwe Tellkamp in Dresden gesagt hat, war diskussionswürdig, es gibt keinen Grund, ihn in die rechte Ecke zu stellen. Von Ulrich Greiner
Die schärfste Waffe im Streit der Meinungen ist der Vorwurf, rechts zu sein. Wem es zuerst gelingt, den Gegner in jene Ecke zu schieben, wo nur noch der braune Abgrund droht, der hat gewonnen. Das ist ein sehr deutscher Mechanismus. Er hat – das liegt auf der Hand – mit unserer Vergangenheit zu tun. Das in allen Demokratien übliche politische Spektrum von rechts, konservativ, liberal und links ist bei uns beschädigt.
Konservativ genannt zu werden, mag man sich noch gefallen lassen, während rechts zu sein sich jedem verbietet, der kein politischer Abenteurer ist. Das Rechte ist das ein für alle Mal Böse, während das Linke, ungeachtet aller fürchterlichen historischen Erfahrungen, immer noch als respektabel gilt. Man könnte auch sagen: Rechts ist all das, was diejenigen, die auf der richtigen Seite stehen wollen, nicht sind.
Vor diesem Hintergrund muss man das Dresdner Streitgespräch zwischen den Schriftstellern Uwe Tellkamp und Durs Grünbein sehen. Tellkamp hat nicht behauptet, er herrsche eine “Gesinnungsdiktatur” in diesem Land, wohl aber hat er eine Asymmetrie beklagt: die öffentliche Ungleichbehandlung linker und rechter Ansichten.
Er, Tellkamp, fürchte zum Beispiel die massenhafte Einwanderung junger Muslime, er fürchte, dass sich dieses Land zu seinem Nachteil verändere. Wer das sage, werde dadurch “herabgewürdigt”, dass man ihn in die rechte Ecke stelle. Und wer auf solch leichtfertige, ungerechte Weise zum Nazi erklärt werde, der gerate in Versuchung, wirklich einer zu werden.

Das Recht auf Meinungsfreiheit schließt das Recht auf Beifall nicht ein, wohl wahr. Aber der notorische Hinweis, die konservativen oder rechten Diskussionsteilnehmer hätten doch alle Publikationsmöglichkeiten, führt in die Irre. Ja, Thilo Sarrazin zum Beispiel kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit und Auflage nicht beklagen. Doch möchte, wer sich öffentlich äußert, als seriöser Gesprächspartner wahrgenommen werden. Stattdessen wird er verächtlich gemacht, abqualifiziert, absichtsvoll missverstanden. Der Resonanzraum, auf den jeder am Gedankenaustausch Interessierte dringend angewiesen ist, wird stumm.
… alles von Ulrich Greiner vom 21.3.2018 bitte lesen auf
http://www.zeit.de/2018/13/uwe-tellkamp-rechtspopulismus-durs-gruenbein-dresden

 

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