Social-Networking

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Strandbad in Freiburg am 22.7.2012 – Morgensonne am Sonntagfrüh

 


“Ich weiß, dass es drei Profile mit meinem Namen und meinem Bild bei Facebook gibt, aber keines ist von mir.
Soziale Netzwerke treiben uns unter dem Vorwand der Freiheit in die Isolation.
Die Leute denken, sie haben Freunde, aber wer sagt dir denn, dass diese Freunde wirklich existieren?
Wir vereinsamen in unseren Selbstinszenierungen.”
Moritz Bleibtreu, 40, Schauspieler, am 18.8.2011 im Focus

“Ich verstehe dieses ganze Mitteilungsbedürfnis nicht und dass die Kommunikation auch noch öffentlich geschieht.
Ich laufe doch auch nicht nackt durch die Fußgängerzone”
Sebastian Vettel hält nichts von Facebook und Twitter – Stern-Interview vor dem Deutschland-Rennen am Nürburgring 29.6.2013

 

Buchdruck und Index – Internet und Netzdurchleitungsgesetz (NetzDG)
Mit der Erfindung des Buchdruckes wurde der Übergang von der pikturalen, also bildbasierten, zur skripturalen, also schriftbasierten, Kommunikation geschaffen, durch die eine Druckkultur als tragende Säule der europäischen Wissensgesellschaft entstand. Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Gesellschaft und bedeutete selbst eine Medienrevolution. Durch sie entstand erst Öffentlichkeit im modernen Sinn
http://xn--klausrdigermai-lsb.de/fruehneuzeitliche-geheimbuende-als-kryptoradikalitaet/
und als Reaktion darauf der Index der verbotenen Bücher. Dieser stellte den Versuch dar, die entstehende Öffentlichkeit einzuschränken, sie einer Kontrolle zu unterwerfen. Es ging darum, dem Ansturm des Wissens zu wehren und die öffentlichen Debatten einzuschränken.

Die Parallele zu unserer Zeit verblüfft, denn die sozialen Medien schaffen einen neuen (Internet-)Kommunikationsraum, eine neue Öffentlichkeit, die wiederum von Herrschaft reguliert werden soll. So stellt in unserer digitalen Welt das Netzdurchleitungsgesetz (NetzDG von Heiko Maas) wie in der analogen Ära der Index der verbotenen Bücher einen Regulierungsversuch dar. Dem Papst, der sich lehramtliche Autorität reserviert hatte, ging es damals schlicht darum, die Deutungshoheit zu sichern. Dieses Unterfangen lässt sich nicht hoch genug einschätzen, denn die Deutungshoheit über eine Gesellschaft ist Macht, ist wahre Macht von wahrer Macht, ganz gleich, ob sie sich institutionell oder informell vollzieht. Das erklärt sowohl die Aufregung, aber auch die Hysterie, mit der auf die Befragung der Deutungshoheit reagiert wird. Jede Befragung der Deutungshoheit aus der Sicht derjenigen, die sie beanspruchen, wird als Infragestellung ihrer eigenen Stellung gewertet, zuweilen auch als Angriff oder gar als Umsturzversuch, weil sie an den Grundfesten rührt. Die Verteidigung der Deutungshoheit der herrschenden Eliten als basales Mittel des Machterhalts ist keine historische Besonderheit, sondern eine geschichtliche Konstante, eine Vorgang in Permanenz, der umso drastischer in Erscheinung tritt, umso stärker und umso offenkundiger Deutung und Wirklichkeit auseinanderklaffen. …
Alles vom 20.5.2018 von Klaus-Rüdiger Mai bitte lesen auf
http://www.achgut.com/artikel/gott_als_polit_schranze_2

Klaus-Rüdiger Mai: „Geht der Kirche der Glaube aus? – eine Streitschrift” ,
Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2018
192 Seiten, ISBN 978-3-374-05305-6, 15 Euro
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Zur o.a. Streitschrift fand im rbb ein Streitgespräch zwischen dem Autor Dr. Klaus-Rüdiger Mai und dem Kulturbeauftragten der EKD Dr. Johann Hinrich Claussen statt. Es empfiehlt sich aber, nicht die Sendefassung von 15 min, sondern die Langfassung anzuhören, weil die Kurzfassung das Streitgespräch zuungunsten des Autors nicht korrekt abbildet.
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/religionundgesellschaft/201805/236873.html
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NetzDG – Grundrecht auf Scheißelabern
“Es heißt Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und nicht Grundrecht auf Scheißelabern.“ – Ganz davon abgesehen, dass einem ein solcher Satz die Haare zu Berge stehen lässt – WO SIND WIR BITTE HINGEKOMMEN?! – möchte man gleichzeitig an die einschlägig bekannten “Herrschaften” adressiert ausrufen: “Genau! Haltet Euch gefälligst daran!” – Ansonsten vielen Dank für diesen erhellenden Beitrag und auch so manch guten und fundierten Kommentar dazu. Ich dachte schon, ich hätte mir die Auflösung des Säkularismus, die mir sehr mißfällt, lediglich “eingebildet”. Aber offenbar doch – leider – nicht. Was passiert dann als nächstes? Kommen die Kreuzritter als Gegenstück zu den Sarazenen zurück??? Man darf wohl gespannt sein…)
19.5.2018, Elke Albert, AO

 

 

Der Islam gehört zu facebook
„Der Islam spielt in der 1700jährigen Geschichte des christlichen Abendlandes immer nur eine Rolle: Die des Damoklesschwertes, das über uns hing, der Bedrohung durch die Barbarei, gegen die es sich zu vereinigen und derer es sich zu erwehren galt. Insofern ist nicht der Islam ein Teil der deutschen Geschichte, sondern der Abwehrkampf gegen den Islam!“ Mit diesen Worten beteiligte sich der Kirchenhistoriker Michael Hesemann auf Facebook an der Debatte darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört. Zu viel für die Meinungswächter des sozialen Netzwerks. Sie veranlaßten die Löschung des Beitrags, der ja immerhin die Meinung des deutschen Heimatministers aufgriff, und verhängten eine 30-tägige Sperre gegen Hesemann. …
Moslems haben im Zweifel immer bessere Chancen, mit ihrem Beleidigtsein Gehör bei den Verantwortlichen von Facebook zu finden als Christen oder Juden. Eine Doppelmoral, die auch der studierte Kulturanthropologe in einem offenen Brief an Facebook, der von kath.net veröffentlich wurde, kritisiert. ….
Alles vom 21.3.2018 bitte lesen auf
https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2018/der-islam-gehoert-zu-facebook/

 

 

Digitalisierung, Campact, TTIP: Die Reste der Demokratie bewahren
Schön wäre es, wenn “Verlage, Gewerkschaften oder Parteien den kritischen Einzelnen unterstützten und stärkten”, wie Roland Reuß das behauptet. Wäre es so, gäbe es Pegida nicht, und auch sein Gegenstück Campact wäre nicht notwendig. Besonders Parteien aber – vor allem die SPD – hören nicht mehr auf ihre Basis, gerade auch hinsichtlich TTIP, geschweige denn dass sie sie stärken. Ja, die Digitalisierung ist “Feind” des Urheberrechts, aber sie ist zugleich eben “Freund” einer denkenden Bevölkerung, die – anders als Pegida – nicht dumpfen Emotionen folgt, sondern rationalen Argumenten.
Ohne Digitalisierung wäre Campact nicht möglich. Was in der Beschreibung Campacts allerdings fehlt, ist die Tatsache, dass es Teil eines umfangreichen Bündnisses zivilgesellschaftlicher Organisationen ist – und zugleich sein professioneller digitaler Arm, besonders beim Kampf gegen die neuen “Frei”-Handelsabkommen, die unsere Freiheit und damit die Demokratie so sehr einschränken werden. Dieses Bündnis reicht von Attac über Naturschutzverbände und Greenpeace bis hin zu kleinen und mittleren Unternehmen, dem Kulturrat wie dem Städtetag, kirchlichen Organisationen und vielen anderen. Sie alle und wir Einzelnen haben erkannt, dass es darauf ankommt, die Reste von Demokratie, die wir noch haben, zu bewahren. Richtig ist: Über Chlorhühnchen wird nicht mehr verhandelt, das hat der Druck der Öffentlichkeit erreicht. Trotzdem werden sie später kommen. Denn TTIP ist als “living agreement” konzipiert, also als ein sich nach Vertragsabschluss weiter entwickelndes Abkommen. Diese Weiterentwicklung soll über die geplante regulatorische Zusammenarbeit von Bürokraten und Wirtschaftslobbyisten geschehen – und zwar an den Parlamenten vorbei. Das aber heißt: Abbau von Demokratie in Deutschland und in der EU! Dagegen kämpfen wir, auch mit Hilfe von Campact, und sogar für viele Menschen, die bei Pegida mitlaufen, weil sie es nicht besser wissen.
24.12.2015, Barbara Volhard, Freiburg

Zu “Selbsterfüllender Stalinismus”, Beitrag von Jürgen Reuß (Kultur, 11. Dezember 2015):
Heidelberger Germanistikprofessor Roland Reuß sieht die Digitalisierung als Feind der kritischen Öffentlichkeit.
http://www.badische-zeitung.de/computer-medien-1/selbsterfuellender-stalinismus–114941169.html

 

 

 

 

Virtuell statt  real – oberflächliches Posten statt intensives Gespräch

Allein trotz 1000 Kontakten – kein Facebook-Freund kann ein echtes Gegenüber ersetzen. Virtuelle kann reale Kommunikation nicht ersetzen. Überwiegend virtuelle Kommunikation führt zu (1) Unbehagen und (2) zu Einsamkeit.

Reale Kommunikation: Die Evolution hat uns als soziales Wesen mit einem feinen Instrumentarium von Sinnen ausgestattet. Wir schauen dem Gegenüber in die Augen, hören den Klang seiner Stimme, nehmen die kleinsten Änderungen der Mimik und Gestik wahr, registrieren Trauer und Freude in 1000 Abstufungen, riechen den Partner und berühren ihn.
Virtuelle Kommunikation: Diese breite Erlebnis des ganzen Menschen geht im Internet fast komplett verloren, PC bzw. Smartphone reduzieren das Gespräch zur “Asynchronen Kommunikation”, denn unser Gegenüber ist nicht die Person, sondern nur ein Text, Bild bzw. Video derselben.

(1) Virtuell macht unzufrieden: Im Gegensatz zum realen persönlichen Gespräch bleibt am Pc bzw. Laptop viel mehr Interpretationsspielraum bzw. Unsicherheit, Mißverständnisse und Fehlschlüsse häufen sich, das Unbehagen steigt. “Je mehr Kontakte im Internet via Facebook, desto größer das Unbehagen” – so unzählige Studien.  Der Sozialpsychologe Ethan Kross von der University Michigan im Psychologiemagazin Plos One: “Oberflächlich gesehen hilft Facebook dabei, das menschliche Bedürfnis nach sozialen Kontakten zu befriedigen. Aber statt das Wohlgefühl zu verstärken, löst die Facebook-Nutzung genau das Gegenteil aus.”

(2) Virtuell macht einsam: “Die physische Abwesenheit Anderer führt allgemein zur Erhöhung der sogenannten privaten Selbstaufmerksamkeit des Empfängers, der sich stärker auf die eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten konzentriert” – so Professorin Wera Aretz, Fresenius Hochschule Köln,  im Journal of Business and Media. Psychology. Im virtuellen Raum bleibt man auf sich selbst zurückgeworfen, man bezieht alles auf sich und kommt ins Grübeln über sich selbst, man ist mit sich allein in all der Oberflächlichkeit – obgleich man doch stolz und mehr oder weniger verbissen Hunderte von Kontakten in den sozialen Medien pflegt.
8.2.2014

 

 

Shitstorm – im Internet rast der Hass

“Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht”, so definiert der Duden den Shitstorm. Bei dieser modernen Steinigungskultur bleibt jeder Shitstorm-Mitmacher unerkannt – er steinigt und giftet mit seiner Hetzmeute ganz bequem aus seiner Loge heraus: Der cool in seinem Zimmerchen sitzende und nach draußen zielende Haßschreiber. Die Medienwissenschaftler unterscheiden Shitstorms der Kategorien 1 (leichte Brise) bis 6 (Orkan). Professionelle Internetdienstleister säen Shotstorms gegen Gebühr ab 5000 Euro (100 Comments und 200 Likes). Der Hass vieler Anonymer gegen eine gar nicht anonyme Zielperson erreicht globale Dimensionen.  Wie kann man dieser multiplen Gemeinheit entkommen? Gar nicht – oder man lernt, mit dem Shitrstorm zu spielen, oder aber man geht off-line. Aber geligt dies mit dem Smartphone in der linken Hand überhaupt noch?
2.4.2013

 

 

Facebook-Demokratie – Wie sich die Demokratie im Zeitalter der social media neu erfinden muss

Wer sich in sozialen Medien bewegt, ist nur noch unter seinesgleichen. Man kommuniziert fast ausschließlich mit Freunden und Menschen, die gleiche Interessen und ähnliche Erfahrungen und Biografien haben. Soziale Medien spiegeln nicht die Welt ihrer gesamten Breite wieder. Sie sind ein hermetisch abgeschlossener Teil der Welt, der nach strengen Homogenitätskriterien gebildet wird: Wer anders ist, gehört nicht zur Community. Die Facebook-Welt ist eine nette, aseptische Welt, in der sich alle mögen. Alle haben dieselben Interessen, Vorlieben und Abneigungen. Niemand muss Kompromisse machen. Für demokratisches Denken und soziale Demokratiefähigkeiten ist das fatal. Denn wir werden – sozialisiert durch die Social Media – immer ich-bezogener, weniger tolerant und immer unfähiger zum Kompromiss. Das wird auf die Dauer dazu führen, dass Konflikte härter werden und ausgewogene Kompromisslösungen schwerer und seltener gefunden werden können. Dieser Herausforderung muss sich die Demokratie stellen. Wie wird sie aussehen, die neue Demokratie 2.0? Das kann niemand sagen. Sie wird sich entwickeln in einem evolutionären Prozess, in dem sich das enge Denken und die zunehmende Ich-Bezogenheit der social media mit den Anforderungen einer möglichst breiten Einbeziehung unterschiedlicher Interessen ausgeprägter Individuen austariert. Wir dürfen gespannt sein. ….
Alles von Volker Boehme-Neßler vom 5.3.2013 bitte lesen auf http://www.heise.de/tp/artikel/38/38611/1.html

 

Die vier US-amerikanischen Konzerne Apple, Facebook, Google und Amazon beherrschen das Internet

Die vier US-amerikanischen Konzerne Apple, Facebook, Google und Amazon vereinen rund 80 Prozent des weltweiten grenzüberschreitenden Datenverkehrs auf sich, d.h. sie beherrschen das Internet.

40 Prozent der Zeit, die Menschen online verbringen,  halten sie sich auf den Websites der Großen Vier auf.

Facebook hat zehnmal mehr Nutzer als Deutschland Einwohner. Google beantwortet eine Milliarde Suchanfragen am Tag.

83 Prozent aller Suchanfragen von Deutschen laufen über Google.
Früher lieferte Google zwei Usern auf die gleiche Suchanfrage hin das gleiche Suchergebnis, heute nicht mehr: Seit 2009 verfolgt Google das Experiment der personalisierten Suche, die Welt wird vorsortiert, der Weltausschnitt, den Google dem Individuum präsentiert, wird eigens für ihn zugeschnitten, persönlicher und damit auch enger – Richtung und Grad der Einengung legt Google fest, nach geheimen Algorithmen.

“Mehr und mehr wird dein Computermonitor zum Spiegel, der deine eigenen Interessen reflektiert, während algorithmische Aufseher beobachten , was du anklickst!”
Eli Pariser, Netzpzblizist, in seinem Buch “Filter Bubble”

4.8.2012

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