Erinnerungskultur

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Blick vom Feldberg nach Süden über die Schwarzwald-Berge im Januar 2019

Blick vom Feldberg nach Süden über die Schwarzwald-Berge im Januar 2019

 

Yehuda Bauer: Lob für deutsche Gedenkkultur
Der Historiker Yehuda Bauer: «Schlimmer Nationalismus blüht überall auf der Welt. Oftmals ist er religiös geprägt»
Yehuda Bauer ist einer der bedeutendsten Historiker des Holocaust. Vergleiche zwischen heute und den dreissiger Jahren hält er für eine Verzerrung: Die heutigen autoritären Herrscher seien zu klug, um Diktaturen zu errichten. Sie seien auch keine Antisemiten, doch verdrehten manche von ihnen die Geschichte der Shoah.
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Antizionismus ist also zwingend antisemitisch?
Schauen Sie, meiner Meinung nach ist die jetzige israelische Regierung antizionistisch. Zionismus heisst, einen Staat mit jüdischer Mehrheit zu schaffen, mit gleichen Rechten für alle, auch für die Nichtjuden. Das wurde auch von rechten Zionisten so gesehen, etwa von Zeev Jabotinsky, dem Grossvater der heutigen Likud-Partei. Er wird bis heute verehrt, aber er sagte das Gegenteil von dem, was die Likud-Leute heute sagen. Die jetzige Regierung will ganz Palästina beherrschen. Das wäre ein binationaler Staat, kein jüdischer.
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Das ist dann aber ein unbeabsichtigter Antizionismus?
.Natürlich. Die sagen, sie seien Zionisten, aber sie sind es nicht. Aber auch das hat mit Antisemitismus zu tun: Wir laufen Gefahr, eine antijüdische Einstellung zu entwickeln, weil wir Palästina beherrschen wollen.
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Eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts scheint heute weiter entfernt denn je.
Solange die Eliten auf beiden Seiten zum Teil nationalistisch und religiös-fanatisch sind, ist ein Kompromiss unmöglich. Die maximale Kompromissbereitschaft auf der einen Seite wird niemals die minimalen Forderungen der anderen Seite befriedigen können. Aber ich bin auch optimistisch. Es gibt unter den Palästinensern eine hochaktive und gebildete Mittelschicht, der es gutgeht, auch wenn die Propaganda etwas anderes behauptet.
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Glauben Sie, dass sich auf palästinensischer Seite eine Mehrheit mit der Existenz Israels abgefunden hat?
Die Palästinenser wollen einen Kompromiss. Das Problem sind die Bedingungen, die sie stellen: Sie erkennen die Existenz eines jüdischen Volkes nicht an. Umgekehrt bestreiten auf israelischer Seite nicht einmal die Feinde der Palästinenser, dass es ein palästinensisches Volk gibt. In dem Moment, in dem die Palästinenser anerkennen, dass es ein jüdisches Volk gibt, sind die jüdische Diaspora und Israel miteinander verbunden, und das wollen sie nicht. Deswegen sprechen sie immer von einem Kompromiss mit dem israelischen Volk. Es gibt aber kein israelisches Volk. Es gibt nur israelische Bürger, die entweder Juden oder Araber sind.
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Aber besteht nicht die Gefahr, dass ein solches Regime (Orban in Ungarn) nach und nach zu einer Diktatur wird?
Heute versuchen autoritäre Politiker, die Demokratie für sich zu nutzen. Wenn der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban heute sagt, er wolle eine illiberale Demokratie, sagt er die Wahrheit: Sein Regime wurde von einer Mehrheit in freien Wahlen gewählt. Es gibt in Ungarn immer noch eine relativ freie Presse, und man wird nicht ins Gefängnis gesteckt, wenn man gegen Orban agiert. Leute wie Orban sind viel zu klug, um eine Diktatur zu errichten, denn irgendwann fällt jede Diktatur zusammen. Stattdessen kann er so weiterregieren, wie er es jetzt tut. Dasselbe hoffen die Regierenden in Polen. Die Anführer dieser rechten Parteien sind auch keine Antisemiten, aber sie unterstützen eine Bewegung, die sich als antisemitischer Unterleib entwickelt. Die Freiheitliche Partei in Österreich hat antisemitische Wurzeln, ihre Anführer nicht unbedingt.
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Würden Sie die deutsche Vergangenheitsbewältigung als vorbildhaft bezeichnen?
Mittlerweile schon. Aber das war nicht immer so. In den 1950er und 1960er Jahren gab es noch sehr starke nationalsozialistische Überbleibsel. Das hat sich erst nach 1968 langsam geändert. Ich glaube, die Deutschen bemühen sich wirklich, eine Gedenkkultur zu entwickeln, die etwas bedeutet.
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Die Gefahr, dass all das irgendwann im Ritual erstarrt, sehen Sie nicht?
Nicht in Deutschland. In Israel ist das viel schlimmer. Ich gehe seit Jahren nicht mehr zu der offiziellen Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust in Yad Vashem. Ich kann mir die Reden nicht mehr anhören, sie sind so blöd und oberflächlich. Stattdessen nehme ich an privaten Gedenkfeiern teil.
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Sie gehören also zu den Historikern, die sagen, dass man aus der Geschichte lernen kann?
Es ist bestimmt besser, es zu versuchen, als nichts zu tun. Ob es gelingt, wissen wir nicht. In Israel ist das Verständnis des Holocaust sehr begrenzt. Im Publikum haben sich Ansichten entwickelt, die völlig falsch sind. Viele Leute glauben zum Beispiel, Hitler habe den Holocaust schon seit dem Ersten Weltkrieg geplant, doch der Holocaust entwickelte sich: 1940 wussten die Deutschen noch nicht, dass sie die Juden ermorden werden. Es ist schrecklich schwer, all dies dem Publikum beizubringen.
…. Alles vom 25.6.2019 bitte lesen auf
https://www.nzz.ch/feuilleton/der-historiker-yehuda-bauer-schlimmer-nationalismus-blueht-ueberall-auf-der-welt-oftmals-ist-er-religioes-gepraegt-ld.1486369?mktcid=nled&mktcval=107_2019-06-25&kid=nl107_2019-6-24
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Yehuda Bauer: Chronist historischer Schrecken
Wahrscheinlich, so sagt er, sei er zum letzten Mal in Berlin: Yehuda Bauer wurde 1926 in Prag geboren. Mit seinen Eltern verliess er die damalige Tschechoslowakei in der Nacht vom 14. auf den 15. März 1939, am selben Tag, an dem die Deutschen einmarschierten. Das war Zufall: Bauers Vater war überzeugter Zionist und hatte die Auswanderung nach Palästina bereits seit fünf Jahren vorbereitet. Eine Grossmutter Bauers blieb und wurde ermordet.
Von 1996 bis 2000 leitete Yehuda Bauer das International Centre for Holocaust Studies in Yad Vashem in Jerusalem. Heute lebt er in einem Seniorenheim in Jerusalem.

 

 

Zerrüttete deutsche Erinnerungskultur – eine nationale Schande
An „rechts“ mahnend erinnern, gilt als nationale Pflicht. An „links“ erinnern ist nicht nötig, da gibt´s nichts zu mahnen

Nach Jan Assmann (Kulturwissenschaftler Uni Heidelberg) wird mit der Erinnerungskultur an die eigene soziale Gruppe die Frage „was dürfen wir nicht vergessen?“ gestellt und beantwortet; insofern wirke Erinnerungskultur gemeinschaftsstiftend. Erinnerungskultur ist nur möglich, wo die Vergangenheit durch Zeugnisse irgendwelcher Art präsent sei und wo diese eine charakteristische Differenz zur Gegenwart aufweise. Erinnerungskultur ist also kein Selbstzweck, sondern will Gerechtigkeit sowie nationalen Frieden fördern – ist damit gleichsam ein wichtiger Beitrag für einen Frieden über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Verantwortliche Bürger sind somit aufgefordert, sich an der Erinnerungsarbeit aktiv zu beteiligen, der Schuld und Versäumnisse zu gedenken und die Verantwortung dafür zu benennen, wo sie geschwiegen oder mitgemacht haben, statt sich dem Unrecht entgegenzustellen, damit sich Untaten nicht wiederholen. Den Opfern, die namenlos gemacht wurden, wird damit eine Stimme gegeben. Zugleich wird auch an Menschen erinnert, die protestiert haben gegen Unrecht und Unmenschlichkeit und dafür mit der Freiheit oder mit dem Leben bezahlen mussten. Die Erinnerungskultur einer Nation ist letztlich die verbindliche Form des kollektiven Gedächtnisses.
Konkret heißt dies: Ohne Erinnerung keine Zukunft! Zum demokratischen Grundkonsens in Deutschland gehören demnach untrennbar die Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft genauso wie die der SED-Diktatur. Hinzu zählen auch die deutsche Kolonialgeschichte sowie positive Momente unserer Demokratiegeschichte. Deutschland ist aufgrund seiner Geschichte besonders dafür verantwortlich, die Erinnerung an die Folgen von Diktatur und Gewaltherrschaft wachzuhalten. Dies ist Teil unseres nationalen Selbstverständnisses.

Wenn wir heute über Verantwortung nachdenken, wissen wir natürlich, dass wir hier und heute die Vergangenheit nicht selbst verschulden, sondern nur die Gegenwart – und über die wird erst in Zukunft gerichtet. Uns trifft trotzdem eine besondere Verantwortung: Wir schulden es den Opfern, alles daran zu setzen, dass Verbrechen wie diese nie wieder möglich sind. Das allererste Mittel hierzu ist die wachgehaltene Erinnerung.
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Die Wirklichkeit unserer heutigen Erinnerungskultur ist erschreckend:
Dank des unseligen Wirkens der ´68er wurde unsere Gesellschaft in den letzten vierzig Jahren – und wird das auch weiterhin – so unbarmherzig indoktriniert, dass Jüngere, die die Zeit davor nicht einmal vom Hörensagen kennen, zur Erkenntnis gelangen müssen, die Deutschen seien von Natur aus böse und Deutschland eine niederträchtige Nation. Es ist die Reduktion einer tausendjährigen großen Geschichte auf zwölf schlimme Jahre. An der Aufrechterhaltung dieser staatlich missbrauchten „Erinnerungs-Unkultur“ wirken nahezu alle „demokratischen“ Parteien mit und scheuen sich nicht einmal davor, zum Mittel einer Denunziations- und Kontrollbehörde maaskahanischen Ursprungs zu greifen.
…. Alles vom 17.3.2019 von Peter Helmes bitte lesen auf
https://conservo.wordpress.com/2019/03/17/zerruettete-deutsche-erinnerungskultur/
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Erinnerungskultur als Schuldkult?
Schwachsinnigerweise besteht die Erinnerungskultur in D aus einem endlosen Schuldkult, bei dem schon Hunderte von Mrd. Euro für Tausende von Mahnmalen und Gedenkstätten ( die ja laufend saniert werden) ausgegeben wurden. Bei einer vernünftigen und nicht kostspieligen Erinnerungskultur würde nur die Erinnerung an deutsches die ganze Welt bereicherndes Kulturgut gepflegt werden, als da u.a. sind: die Würzburger Residenz, die Werke der Gebrüder Grimm, von Albrecht Dürer, Händel, Bach, Beethoven, Martin Schongauer, Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich, Carl Spitzweg, Wilhelm Busch , Ernst Ludwig Kirchner usw. usf.
19.3.2019, OBER
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Wenn ich ein Vöglein wär
Die deutsche Kultur und somit „das Deutsche“ ist ausgelöscht . Außer dümmlichen Partyliedern kennen die Deutschen keine gemeinsamen Lieder mehr. Gotthilf Fischer nennt das volksdümmliche Lieder. Wir waren letztens bei einem mundartlichen Kleinkabarett lustiger Liederabend mit ländlicher Philosophie, echt lustig vorgetragen. Was mir sehr unlustig auffiel: „Country Roads “, „Amazing Grace“, „All the leaves are brown“ sangen alle lauthals mit. Bei „Wenn alle Brünnlein fließen“, „Wenn ich ein Vöglein wär“ und beim Abschluss mit „’s ist Feierabend, ‘s ist Feierabend“ da hörte man fast nur die zwei von der Bühne.
Das konnte und kannte fast keiner schon bei gehobenem Altersdurchschnitt. “Rum” ist es mit diesem „Volk“, das nicht mal mehr gemeinsame Lieder hat. Die Umerziehung (seit 1968) hat besser gewirkt als in manchem chinesischen Lager. Gratuliere, wenn auch mit Wehmut, den „68-ern“.
19.3.2019, G.SCH

 

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