Maerchen

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Eisiger Blick nach Süden am Feldberg 8.1.2013 zur Mittagszeit über Schnee und Nebel bis zu den Alpen

 

Märchen, Märchenerzähler, Sagen, Anekdoten, Geschichten, Vorlesen, …

Hans im Glück – im finanzkapitalistischen System heute?
Ja, bist du denn wahnsinnig, würde jeder Banker diesem jungen Mann zurufen: Einen ordentlichen Batzen Gold nicht nicht in den Finanzkreislauf einzubringen – bei den Goldpreisen –, in ein schönes Leben im Wohlstand zu investieren und das Geld zu vermehren mit Hilfe der Bank. Mit anderen Worten das zu tun, was jeder vernünftige Mensch nach den ehernen Gesetzen des Kapitalismus mit seinem Vermögen unternimmt: es zu steigern. Doch dieser einfältige Hans macht keinen Mehr-, sondern einen gewaltigen Minderwert. Immer mehr schmilzt dahin, was er besitzt, durch ökonomisch vollkommen sinnlose Tauschgeschäfte: vom Pferd zur Kuh, von der Kuh zum Schwein, vom Schwein zur Gans, von der Gans zum Schleifstein. Doch als der schwere Brocken, den er sich zuletzt erhandelt hat, in den Brunnen fällt, ist dieser Hans ein glücklicher Mann: endlich befreit vom Ballast und von der Sorge um das Eigentum. Hans ist jemand, der – spirituell oder esoterisch gesprochen – loslassen kann. Auf jeden Fall einer, der sich der Akkumulationslogik des wirtschaftlichen Systems entzieht. Das macht ihn frei. Bewundernswert.
20.12.2012, Bettina Schulte,
Mehr zur Serie “Mein liebstes Märchen”
http://www.badische-zeitung.de/literatur-1/200-jahre-grimm-xuiwkddqx–67260429.html

Hans im Glück – wir müssen uns selbst unsere Gedanken machen
Wunderbar, mal eine Ausgabe mit Märchen zu gestalten, danke! Allerdings waren die Redakteur-Schreiber doch sehr erwachsen, sodass von dem Zauber, den Märchen auf Kinder ausüben, nicht so viel rüberkam. Über das Märchen “Hans im Glück” rätsele ich schon lange. Vielleicht gefällt Lesern dieses Märchen deshalb so, weil Hans so fröhlich und lustig erscheint. Leider hat auch dieses Märchen seine zwei Seiten. Die Freude daran, dass Hans sich auf einfache Weise aller Belastungen entledigt, stellt wohl die fröhlich-kindliche Seite dar. Die erwachsene dagegen lässt fragen, was er eigentlich gelernt hat in seiner siebenjährigen Ausbildung. Ausdauer und Geduld wohl nicht, auch nicht den Sinn für die Notwendigkeit, sich selbst darum kümmern zu können, was er zum Leben braucht. Ist er erwachsen? Wie sieht das mit seiner Mutter aus, deretwegen er ja seinen Meister verlassen will? Natürlich wird sie sich zunächst freuen, dass der Hans wieder da ist. Aber nach ein paar Wochen spürt sie bestimmt die Enttäuschung, dass er ihr so gar nichts mitgebracht hat. Wovon sollen sie jetzt zu zweit leben, wenn für sie kaum gereicht hat, was der Acker hergab? Wird er Frau und Kinder ernähren können? Darüber erzählen die Brüder Grimm nichts, wir müssen uns selbst unsere Gedanken machen. War das auch ein Zweck des Märchens?
13.1.2013, Monica Marcello-Müller, Kirchzarten

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