Kuckucksuhr Kunstobjekt Lauble

In der UKS-Fabrik „Am Kreuzsteinäcker 2-8“ arbeiten 26 Künstler und Gewerbetreibende unter einem Dach. Johann Georg Lauble, der dem „verstaubten“ Image der traditionellen Kuckucksuhr ein neues Design gibt, ist in St. Georgen im Schwarzwald ge­­boren. Dort breitete sich schon gegen Ende des 17. Jahr­hun­derts die Uhrmacherei aus. Die Schwarzwälder waren schon immer sehr geübt im Umgang mit Holz. Sie bauten die ersten Holzräderuhren und ersetzten später das hölz­er­ne Uhrwerk durch Metall. Es folgen im 19. Jahrhundert die Lackschilduhren, die „Figurenuhren“ begeistern die Men­sch­en durch ihre Bewegung, wie man sie bei der „Knödel­fresser-Uhr“ kennt, es wurden Flöten- und Musikuhren ge­baut, später Schwarzwälder Wecker und bis heute ist das Uhrenhandwerk mit der modernen Funkuhr im Schwarzwald verwurzelt.

In der Hausindustrie St. Georgens wurden Holzuhren ge­fertigt, bis der Hirsch-Wirt Philipp Haas 1831 Uhren fabrik­mäßig herstellen ließ, die sogar nach Amerika ver­kauft wurden. Die traditionellen Kuckucksuhren wurden zum Exportschlager, bekamen im Laufe der Zeit aber ein angestaubtes und zum Teil kitschiges Image. Lauble reibt sich mit seiner künstlerischen Tätigkeit genau an diesem Image! Nach einem Designstudium in Freiburg führen ihn Wanderjahre nach Frankfurt, Istanbul, und München. Seit 2011 lebt er nun wieder in Freiburg/Littenweiler. Er streift über Flohmärkte und sucht die alte, bereits aussortierte, an­ge­staubte Kuckucksuhr, die niemand mehr betrachten will. Aber er verleiht der Kuckucksuhr ein neues Leben und wieder eine Daseinsberechtigung

„Ich ‚verpacke‘ die Kuckucksuhren neu. Im Schwarzwald wurde immer getüftelt und unsere Region ist weltweit be­kannt für die vielfältigen Uhren“, führt Lauble aus. „Andere machen ‚Pop-Uhren‘, mir aber geht es, seit ich vor 24 Jahren und weit vor allen anderen, meine erste Kuck­ucks­uhr in ein neues Gewand verpackt habe, darum, den ‚Arche­typ‘ der Kuckucksuhr weiter zu führen. Mich be­schäftigt die Frage: Warum ist sie so, wie sie ist?“ Seine künstlerisch gestalteten Uhren sind alle Handarbeit und Unikate. Jede Uhr trägt einen ausgefallenen Namen, so fällt die Uhr mit dem Titel „Hotzenblitz“ auf. Der ‚Hotzen­blitz‘ war eine, wohl nicht nur auf dem Hotzenwald prak­ti­zier­te Methode, bei einem Gewitter seinen Hof anzuzünden, um ihn durch einen von der Versicherung bezahlten Neu­bau zu ersetzen! Auch Lauble hat die Kuckucksuhr ei­gen­händig abgebrannt – aus ihrem verkohlten Innern flack­ert nun ein elektrisches Lichtlein… Inspirationen zur Gestaltung seiner Uhren bekommt er täg­lich aus seiner direkten Umwelt. Auf einer Reise durch die Pampa Spaniens sammelte er Metalldosen, die bei der Uhr „Rio“ Verwendung fanden. Zur letzten Fußball-Welt­meis­ter­schaft verarbeitete er grünen Rasen, auf dem auch noch eine Fußballmannschaft kickt. Das Modell „San Francisco“ besteht aus Edel-Jeans-Stücken, „Koh Samui“ erinnert an eine Strandhütte aus Stroh und die „Kleine Terz“ des zar­ten Kuckucks schlägt einen Bogen aus früheren Zeiten in die moderne Welt: Elektronikplatinen und ausgedienten Handys dienen der Uhr als Gewichte.
Die Uhren von Johann Georg Lauble führen uns in ein Spannungsfeld zwischen traditioneller Schwarzwälder Uhr­en­tradition, weg vom Souvenir-Stück, hin zur Auseinandersetzung mit der modernen, multikulturellen(Hightech)-Welt. Die Ideen gehen ihm nie aus – sein Skizzenbuch ist prall gefüllt…
Einige Uhren sind vom 12. September bis 19. Oktober 2014 in einer Gemeinschaftsausstellung im „Haus der Modernen Kunst”, Ballrechter Straße, in Staufen/ Grunern zu sehen. Weitere Infos auf www.blackforestlab.com
30.8.2014, Beate Kierey , Littenweiler Dorfblatt

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