Konstanz moralischer als Lodi?

“Sabato 1 e domenica 2 ottobre 2016, la Città di Lodi avrà l’onore di ospitare delegazioni della Città di Costanza per festeggiare 30 anni di gemellaggio” Da wurde noch gefeiert: Die Stadt Lodi nahe Mailand lud ein zum 30. Jahrestag der Städtepartnerschaft mit Konstanz am Bodensee. Zwei Jahre später prangert OB Uli Burchardt (CDU) per Offenen Brief an, dass man Migrantenkinder in Lodi „von der Schulkantine und dem Schultransport ausschließt“, da man von ihnen eine Bestätigung anfordert, dass sie in Herkunftsland keinen Besitz haben. Diese sei Ausdruck „eines fremdenfeindlichen und diskriminierenden politischen Programms“.
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Moral-gegrünte Stadträte legen mit ‘Dunkelste Stunden’, Hetzjagden, Menschenverachtung bis hin zu Rassismus und Nazi (Mussolini darf natürlich auch nicht fehlen) nach. Lodis Bürgermeisterin Sara Casanova (Lega Nord) weist die Vorwürfe in ihrer Antwort (kein offener, sondern ein normaler Brief) zurück. „Ich bin mir sicher, dass es kein diskriminierender Akt ist, eine zusätzliche Bescheinigung zu verlangen“
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In der Auseinandersetzung zwischen Konstanz und Lodi zeigt sich die deutsche Arroganz bis hin zu Größenwahn und Gesinnungsdiktatur: Nachdem sich Deutschland vorbildlicherweise zur Schuld der Hitlerverbrechen bekannt hat, macht es seit den 68ern daraus einen Schuldkult, aus dem es – da über gute Gesinnung und Moral verfügend – das Recht ableitet, sich über andere Länder zu erheben: Mit Rat und Tat, also mit Ratschlägen (ihr Italiener in unserer Partnerstadt Prodi müsst euch doch an dies und jenes halten) und mit politischem Druck (der Offene Brief von OB Burchardt ist – übers Internet verbreitet – schließlich nichts anderes als ein moderner gesinnungsethischer Pranger).
Zur Eingangsfrage: Ist Konstanz moralischer als Prodi? Nein, aber Prodi ist ehrlicher.
23.11.2018
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Infos auch auf:
http://www.konstanz.de/rathaus/medienportal/mitteilungen/13179/index.html
https://www.swp.de/suedwesten/landespolitik/konstanz-und-partnerstadt_-streit-ueber-fluechtlingskinder-28386218.html

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Städtepartnerschaft Konstanz – Lodi am Ende? Die deutsche Überheblichkeit
Der Grund ist, dass die Stadt Konstanz – zusammen mit ihrer französischen Partnerstadt Fontainebleau – der Bürgermeisterin von Lodi, Sara Casanova, einen Brief geschrieben hat, in welchem sie, wie es in einer Mitteilung zu dem Vorfall heißt, zur Rücknahme einer Regelung auffordert, die Kinder aus Flüchtlingsfamilien faktisch von öffentlichen Schulleistungen ausschließt. Konkret geht es darum, dass sich die Stadt Lodi die Entscheidung vorbehält, welchen Nicht-EU-Bürgern Ermäßigungen bei der Schulspeisung, der Nutzung des Schulbusses etc. zustehen und welchen nicht….
Die Reaktion aus Lodi blieb nicht aus. Konfrontiert mit Rassismusvorwürfen und sonstigen wilden Anschuldigungen erwägt Bürgermeisterin Casanova die Aufkündigung der Partnerschaft. Mit den Worten
“Noi non accettiamo lezioni dai Galli o dagli Unni”
(Wir akzeptieren keine Lehren von den Galliern oder von den Hunnen)
schlägt der Stadtrat von Lodi, Stefano Buzzi, dem Gemeinderat einen Antrag auf Aufhebung der Städtepartnerschaften zwischen Lodi und Konstanz bzw. Fontainebleau vor

….
Was auch immer die Hintergründe der Vorgänge in Lodi sind, der wesentliche Punkt in dem Antwortschreiben aus Lodi erscheint mir die folgende Erwiderung von Frau Casanova:
“Non credo che il Comune di Lodi si sia mai intromesso nelle scelte delle città gemellate”
(Ich glaube nicht, dass sich die Gemeinde von Lodi jemals in die Entscheidungen der Partnerstädte eingemischt hat.) Diese Feststellung trifft den Kern.
Nie hat man in Konstanz von einer Maßregelung aus Lodi gehört. Man stelle sich vor, es käme ein Brief aus Lodi, in dem Konstanz wegen seiner liberalen Migrations- und Integrationspolitik (“Konstanz integriert!”) gerügt würde, oder wegen seiner DITIB-Moschee, oder wegen seiner Aufhebung des Burkini-Verbots in Schwimmbädern oder wegen der „Imperia“-Statue, die die Hafeneinfahrt ziert und neben ihrem anti-klerikalen Charakter, der nicht wenige Katholiken irritiert, das weltweit größte Denkmal für eine Prostituierte darstellt. Die Stadt würde auf dem Kopf stehen und vor Wut schäumen. Umgekehrt sieht man sich allerdings im vollen Recht, den Bannstrahl des aufgeklärten „Gutmenschen” auf die Italiener niederfahren zu lassen…..
Der gemeinsame Nenner ist die unglaubliche deutsche Überheblichkeit. Der politische Slogan “Am deutschen Wesen mag die Welt genesen”, den Emanuel Geibel 1861 in die Welt gesetzt hat, wurde von Theodor Heuss explizit zurückgenommen. Heute scheint er in den Köpfen vieler Deutscher leider wieder ein Leitmotiv darzustellen, mit dem betrüblichen Unterschied, dass sie es nicht einmal wissen. Der Fall Lodi ist ein kleines, aber bedeutendes Beispiel dafür.

Die Deutschen sollten sich daran gewöhnen, dass Italien bezüglich der illegalen Massenimmigration die Schnauze voll hat und besonders empfindlich auf die von Deutschland aus organisierten „Rettungsschiffe” reagiert, mit denen Immigrationsinteressierte mit Hilfe einer wie geschmiert laufenden Asylindustrie in italienische Häfen gebracht werden, wo sich dann die Behörden und am Ende Städtchen wie Lodi mit ihnen herumschlagen dürfen, und das alles natürlich, wenn sie mit den vollen Rechten und Privilegien der „schon länger“ in Italien lebenden ausstaffiert sind. Wenn die Deutschen in so einem Modell eine wünschenswerte Zukunft zu sehen, ist das ihre Sache. Den Italienern kann man mit entsprechenden Empfehlungen getrost vom Leib bleiben. ..
Alles vom 22.11.2018 bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/lodi-und-konstanz-staedtepartnerschaft-am-ende/
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Josef Bayer ist Professor für Allgemeine und Germanistische Sprachwissenschaft
an der Universität Konstanz.

 

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Das Ausland muß helfen
Ich fände es gut, wenn Lodi die Städtepartnerschaft kündigt. Der Punkt ist: Die Deutschen selbst könnten sich vor dem „Endsieg“ nicht retten. Sie schaffen es nicht. Ich kann nur auf das Ausland hoffen. So gesehen ist jeder Schlag aus dem Ausland gut.
22.11.2018, Martin L., TO

Wollt ihr die totale Moral?
Die Maßlosigkeit und Dummheit der Kämpfer gegen Rechts weckt die stille Hoffnung dass das alles ein Spuk ist, der vorbei geht. So wie Geißlerbewegung des Mittelalters oder eben die unseligen 12 Jahre. Aber ich bin mir nichts sicher ob das noch rechtzeitig geschieht.

„Wollt ihr die totale Moral?“ Jaaaa! So schreien sie aus Redaktionsstuben, Universitäten und Rathäusern. Lasst uns den höchsten Gipfel der Moral erklimmen, wo uns niemand*in mehr folgen kann! Denn dort – und nur dort – sind wir unangreifbar von denen in den Niederungen. Und für immerdar werden wir davon erlöst, mit Argumenten zu tun zu bekommen.
22.11.2018, J.Heller, TO
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Die augenscheinliche Taktlosigkeit der Stadt Konstanz ist ärgerlich. Einen OFFENEN (!) Brief zu schreiben und dadurch etwas, für jedermann lesbar, in die Welt zu setzen, ist für mich unverständlich. Das ist ein aggressiver und die Ehre und das Ansehen der Partnerstadt Lodi verletzender Akt. Anscheinend kommt man auch nicht auf die Idee, einfach mal freundlich und neutral, diskret in Lodi nachzufragen, wie es ihnen mit der Migration geht, ob sie sich gegenseitig austauschen wollen (etwa eine Studienreise nach Konstanz) etc.
Also einmal nachfragen, dem Anderen zuhören und sich darauf einen Reim machen. Stattdessen gibt es gleich mal einen fetten Schuss vor den Bug in Form des Offenen Briefes. Eine wahrhaft dilettantische, dafür selbstgerechte und überhebliche Vorgehensweise. Eigentlich gar nicht zu glauben, dass Konstanz für mehr als 250 Jahre ein Teil von Vorderösterreich (habsburgisch) war. Da dürfte mittlerweile die Feinfühligkeit und das Verständnis für andere mitteleuropäische Kulturen verloren gegangen sein.
22.11.2018, Viennoise, TO

Die Überheblichkeit der guten Deutschen ist pervers
Wenn ich nach Italien fahre, was ich ca. alle 2 Wochen aus meinem Schweizer „Exil“ aus tue, gebe ich mich stets als Schweizer aus. Ich habe keine Lust, mir dauernd – berechtigte -Vorwürfe gegen deutsche Dämlichkeiten und deutsche Arroganz anhören zu müssen. Auch wenn ich ohnehin nur „halber“ Deutscher bin. Das Land, auf das ich einmal stolz war, ist jetzt nur noch peinlich.
Deutsche waren einmal vorbildlich in mancher Hinsicht; AUCH in der Hinsicht, dass sie sich zur Schuld an den Naziverbrechen bekannt haben. Aber nun machen sie – wie Sieferle völlig zu Recht analysierte – daraus einen Schuldkult. Aus dem sie heute in nicht überbietbarer Perversion das Recht ableiten, sich über andere zu erheben. Da schliesst sich der Kreis zu den Nazis wieder.

Ganz egal, wie deutsche Eliten es drehen und wenden, ob waffenstarrende Welteroberer oder selbstanklagende, weinerliche Flagellanten – in regelmässigen Abständen kriegen sie immer Grössenwahn-Anfälle. Jetzt dienen eben zur Abwechslung nicht überlegene Waffen, sondern (angebliche) Moral zur Selbsterhebung über andere.
22.11.2018, Enrico Stiller, AO

 

Populimus-Keule
Die Bürgermeisterin von Lodi ist Mitglied der “rechtspopulistischen LegaNord”. Warum diese Belehrungen, Wertungen und Nudging? Und Konstanz’ens Bürgermeister ist Mitglied der “merkeltreuen CDU”? Und die “arbeiterschaftsverratende SPD” und die “klimawandlnden Grünen”?
22.11.2018, K.Baumann

Unsere moralische Lufthoheit
Eine kluge Analyse …trotzdem bleibt die Frage „Cui bono?“ Wer zieht Nutzen aus dieser veranlassten Selbstgeisselung mit anschliessender Gutmenschentumüberhöhung und wohin führt uns das Ganze? Das Beispiel Konstanz – Lodi zeigt ja sehr deutlich, wie die „Belohnung“ dafür aussehen soll. „Wir wissen, was richtig ist“ … !?
Die moralische Lufthoheit über allen „Kampfgebieten“ mit dem letztendlichen Anspruch auf absolutistischen Lenkungsbefugnis zwecks Gängelung der „Partner“ geht GsD immer wieder schief. Nichtsdestotrotz wird der Versuch stets neu gestartet. Da sollten wir noch auf einiges gefasst sein.
22.11.2018, Hadrian17, TO

Konstanz wird sich nicht entschuldigen
Ja so sind sie, die Bewohner des hellen Deutschlands. Ich würde vorschlagen, dass Lodi die Partnerschaft kündigt, egal ob sich Konstanz entschuldigt oder nicht.
Entschuldigen wird sich ohnehin niemand. Wer im Auftrag einer höheren Moral unterwegs ist hat immer recht und muss sich nicht entschuldigen, kann vielmehr seine Besserwisserei, seine Aggression und seine faschistoiden Tendenzen hemmungslos ausleben.
22.11.2018, Helmut B., TO

Unsere Besonderheit 
Beeindruckend ist für mich je länger, je mehr, die gnadenlose Inkonsequenz des Nazikompensationskomplexes.
– Weil „wir“ Nazis waren, müssen wir uns jetzt anders verhalten, müssen uns besonders verhalten.
– Und weil wir jetzt gut sind, können wir „allen anderen“ sagen, was diese machen sollen.
Die Bedingung der deutschen. Besonderheit wird zum Maß universaler Politik. Ein wenig dürfte das die Nazischurken freuen, während sie in der Hölle schmoren.
22.11.2018, Ratlosigkeit, TO

Gratulation an die Bürgermeisterin von Lodi
Habe soeben eine email (sindaco@comune.lodi.it) an die Bürgermeisterin von Lodi, Frau Casanova, verschickt und ihr zu der souveränen Reaktion auf die Anwürfe aus Konstanz gratuliert.
22.11.2018, Der_Sommer, TO

Konstanz braucht halt den Migrationspakt
„…geht es darum, dass sich die Stadt Lodi die Entscheidung vorbehält, welchen Nicht-EU-Bürgern Ermäßigungen bei der Schulspeisung, der Nutzung des Schulbusses etc. zustehen und welchen nicht.“
Deshalb braucht es den Migrationspakt, damit diese „Nicht-EU-Bürger“ ihre „Rechte“ einklagen können – notfalls vor dem Menschengerichtshof.
22.11.2018, Hosenmatz, TO

 

Wir haben kein Recht für solche Empfehlungen an Italien
“Wenn die Deutschen in so einem Modell eine wünschenswerte Zukunft sehen, ist das ihre Sache. Den Italienern kann man mit entsprechenden Empfehlungen getrost vom Leib bleiben.“
Genau hier verläuft die Bruchlinie und Abrisskante in der EU – deutsche Hypermoral in Kombination mit Utopismus und mit mangelndem Fingerspitzengefühl ist der Spaltpilz in der EU.
22.11.2018, Hubert Paluch, TO
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Unser Sendungsbewusstsein
„Urteile nicht über einen Menschen, bevor du nicht sieben Meilen in seinen Schuhen gegangen bist“. Wir wissen nicht, was die Verwaltung in Lodi dazu bewogen hat, aber möglicherweise gibt es ja einen Grund. Und ja, wir sollten uns gelegentlich vor Bevormundungen zurückhalten, es steht uns nicht an. …
Peinlich, nur noch peinlich. Sendungsbewusstsein, Größenwahn und bodenlose Arroganz in einer „einzigartigen“ Mischung, welche in wenigen Jahren wohl als eine wichtige Vorbedingung für den nahezu unausweichlichen Niedergang identifiziert werden wird.
22.11.2018, Karli, TO
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Die häßliche Fratze deutscher Arroganz
Bestürzend ist die Tatsache, dass die Nazi-Schuld, aus Ignoranz und Verkennung ihrer Wurzeln, dazu mißbraucht wird, der häßlichen Fratze deutscher Arroganz, Besserwisserei und Selbstüberhebung neue Geltung zu verschaffen.
Die Schuld-Einzigartigkeit wird zur Einzigartigkeit der „Geläuterten“.
Untertan oder Pädagoge zu sein liegt vielen Menschen hierzulande offenbar mehr, als sich in Demut zu üben und seine Vernunft, seinen Verstand zu bemühen.
22.11.2018, Gisela Fimiani, TO

Stärkste Waffe der Rechten sind die linksgrünen EU-Zerstörer
Die EU-Gegner können eigentlich beruhigt sein, die linksgrünen Moraldiktatoren und EU-Jubler sorgen schon für deren Aufweichung. Die stärkste Waffe der Rechten ist der politische Gegner selbst, sie werden an sich selbst scheitern.
22.11.2018, Paul J. Meier, TO

Vielleicht können die linken Spinner ja ihre eigene EU gründen und dann bitte schön auch nur das selbst erwirtschaftete Geld für ihre Spinnereien verwenden. Ich denke der Spuk wäre nach zwei Monaten vorbei. Wir werden hier dauerhaft in Geiselhaft genommen.
22.11.2018, Landrost, TO

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