Kommunaler Suchtbeauftragter des Landkreises BH 20 Jahre

Als Kommunaler Suchtbeauftragter ist Christoph Keims im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald dafür zuständig, suchtkranken Menschen Hilfe zu vermitteln, egal ob sie von Heroin, Alkohol, Zigaretten oder Glücksspielen abhängig sind. Der zweite Bereich, den Keim koordiniert, ist die Prävention. Sie soll helfen, dass bereits Jugendliche den reflektierten Umgang mit Suchtmitteln lernen und dadurch weniger Gefahr laufen, abhängig zu werden. Seit gut 20 Jahren gibt es im Landkreis einen sogenannten Kommunalen Suchtbeauftragten. Dass die Zahl der Menschen mit Abhängigkeiten zurückgegangen ist, werten die Verantwortlichen als Erfolg. Messen lässt sich die Leistung der Präventionsarbeit freilich kaum. Konkrete Ergebnisse gibt es dennoch: etwa das dichter gewordene Netz von Hilfseinrichtungen oder die engere Zusammenarbeit verschiedener Institutionen. Letztere ist Christoph Keim zufolge essenziell, weil Abhängige häufig in Arztpraxen oder Betrieben auffallen und Beratungsstellen auf deren Vermittlung angewiesen sind.
Eine gute Entwicklung beobachtet Bernd Pflüger, früher selbst Kommunaler Suchtbeauftragter und heute stellvertretender Sachbereichsleiter des Kreisjugendamts: “Nicht-Trinken hat an Akzeptanz gewonnen. Wer Alkohol abgelehnt hat, ist früher gefragt worden: Bist du krank?”, sagt Pflüger. Heute sei das anders. Auch die Einstellung zum Rauchen habe sich grundlegend geändert. “Früher war es uncool, nicht zu rauchen, heute ist es eher andersrum.” Dass trotzdem immer wieder von Alkoholexzessen Jugendlicher zu hören und lesen ist, führt Pflüger auch darauf zurück, dass heute “genauer hingeschaut und häufiger in der Öffentlichkeit getrunken wird als früher”. Doch insgesamt wird Christoph Keim zufolge weniger getrunken, besonders auf Minderjährige treffe das zu. Unverändert sei der Alkoholkonsum hingegen bei der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen.

Zurückgegangen ist außerdem der Konsum illegaler Drogen, sagt Keim. Immer häufiger suchten hingegen Menschen die Beratungsstellen auf, die spielsüchtig sind. Betroffene seien häufig hoch verschuldet und arbeitslos, was den Weg aus der Sucht zusätzlich erschwere.

Weil Sucht keine Altersgrenze hat, befasst sich Christoph Keim derzeit unter anderem mit folgenden zwei Schwerpunktthemen: Zum einen geht es um Sucht im Alter. Immer häufiger gibt es dem 39-Jährigen zufolge Fälle von Alkoholmissbrauch in Senioreneinrichtungen. Zum anderen geht es um alkoholbedingte Jugendgewalt. Erste Kurse für Betroffene soll es im September geben, kündigt er an.

Die Prävention des Landkreises setzt an verschiedenen Stellen an. So gibt es etwa ein Projekt mit dem Namen Festkultur, an dem sich etwa die Hälfte der 50 Kreisgemeinden beteiligt. Damit verpflichten sich die Kommunen, Festveranstaltern, die beispielsweise die Dorfhalle mieten, eine Art Leitfaden auszuhändigen. Darin ist etwa geregelt, dass Ausweiskontrollen Pflicht sind, mitgebrachter Alkohol nicht zugelassen wird, Betrunkenen kein Alkohol mehr verkauft wird und der Veranstalter seine Vorbildfunktion ernst nimmt.

Weitere Projekte laufen gerade in Breisach und Heitersheim. Bei Letzterem engagieren sich Bürger, die zu fortgeschrittener Stunde als sogenannte Nachtwanderer das Gespräch zu Jugendlichen suchen und die Suchtproblematik ansprechen.

Hinschauen ist Christoph Keim zufolge wichtig und er findet: “Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.” Dem Hinschauen folgt das Hinwenden: Früher sei über Abhängige gesprochen worden, heute rede man mit ihnen und suche gemeinsam nach Wegen. Dazu gehört nicht nur die Beratung, sondern die Vermittlung konkreter Hilfe – beispielsweise in Suchtkliniken oder Selbsthilfegruppen. Erklärtes Ziel ist es, dass die Suchtpatienten im Alltag Fuß fassen und mit ihrem Leben klarkommen – ohne auf Hilfsmittel wie Alkohol oder Drogen zurückzugreifen.

Der Suchtbeauftragte des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald versteht sich als Koordinator und arbeitet eng mit Gruppen oder Einrichtungen zusammen, die Veranstaltungen und Projekte für verschiedene Zielgruppen der Suchtprävention oder Betreuung, Behandlung und Begleitung im Rahmen der Suchthilfe anbieten. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hatten im Jahr 2011 knapp 900 Menschen zwei oder mehr Kontakte zu einer Suchtberatungsstelle.  

Dieser Beitrag wurde unter Sucht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort