Kirchzarten Einzelhandel – stark

„Quo vadis Kirchzarten?“ Eine Projektgruppe des Gewerbevereins will neues Konzept zur Stärkung des Einzelhandels. Die WIR-Initiative der Freiburger Einzelhändler war so etwas wie eine Initialzündung für den Gewerbeverein Kirchzarten. Nahezu einhundert kleine Geschäfte schalteten dort große Anzeigen, um Kunden und Politik, aber auch sich selbst zu mehr Engagement für einen lebendigen Einzelhandel zu motivieren. Ein „Runder Tisch“ aller, auch mit der Stadtverwaltung, ist demnächst ein erster Erfolg der Initiative. Mehr Leben, mehr Miteinander, mehr Engagement für die „Marke Kirchzarten“ will auch der Gewerbevereins-Vorsitzende Dietmar Junginger. Mit den Einzelhandelskaufleuten Sandra Gintaut-Lutz und Erhard Eckmann sowie dem Unternehmensberater Tobias Bobka rief er eine kleine Projektgruppe zu einem ersten Sondierungsgespräch zusammen.

Zum Glück könne in Kirchzarten noch nicht von einem dramatischen „Einzelhändlersterben“ gesprochen werden, stellte Junginger zu Beginn fest. Doch es sei bedenklich ruhig geworden: „Und wirklich fehlen tut eben etwas erst, wenn man es nicht mehr hat, wie z.B. den Widmaier.“ Die beiden verkaufsoffenen Sonntage und das Weihnachts-Erlebnis seien als gemeinsame Aktionen auf Dauer zu wenig. Der Internethandel ginge an keinem spurlos vorbei. Dennoch kämpfe jeder für sich selbst. Es sei dringend geboten, ein Konzept zur Stärkung des Einzelhandels zu entwickeln. Dabei seien Händler, Kunden und Kommunalpolitiker gleichermaßen gefordert.
Sandra Gintaut-Lutz, die mit dem „Jump“ in Freiburg und dem „Schwarzmarkt“ in Kirchzarten zwei Modegeschäfte betreibt und Mitinitiatorin von „WIR“ ist, glaubt, dass der Einzelhandel in Kirchzarten eine gute Basis hat: „Hier gibt es Klasse statt Masse. Aber es braucht für die Zukunft engagierte Leute.“ Auch Sportartikelhändler Erhard Eckmann schätzt die Grundvoraussetzungen für Kirchzarten positiv: „Hier lebt ein gut verdienendes Bürgertum. Und der Freiburger Osten stellt eine wichtige Kundengröße dar.“ Der Tourismus sei zwar für den Einzelhandel wichtig, würde aber wohl überschätzt. „Wir müssen die Marke Kirchzarten besser verkaufen“, so Eckmann. Beitragen dazu müsste aber nicht nur der Handel, sondern auch jeder Wirt, Handwerker und Dienstleister bis hin zum Rechtsanwalt oder Arzt. Dietmar Junginger glaubt, dass „wir die Marke Kirchzarten nur durch Gemeinschaft schaffen“.

Klar, dass die Geschäftsleute der Internethandel sorgenvoll bewegt. Selbstbewusst sehen sie jedoch auch dessen Grenzen. „Irgendwann reichen die Preisvorteile von Amazon und Co. nicht mehr aus“, stellt Eckmann fest, „das Warenangebot muss für den Kunden handfest und greifbar sein.“ Und Sandra Gintaut-Lutz ergänzt: „Das Internet kann keine Emotionen, keine Heimat schaffen. Es ist viel zu nüchtern.“ Als wesentliche Grundvoraussetzung zu mehr Gemeinschaft im gewerblichen Ort fordert Unternehmensberater Tobias Bobka: „Sie müssen den Konkurrenten als Partner sehen.“ Dafür sei eine Sensibilisierungskampagne notwendig, damit Kirchzarten zukunftsorientiert aufgestellt werden könne, stellt Gintaut-Lutz fest. Und Junginger ergänzt: „Wir müssen Gewerbeverein einschließlich Handwerk, Tourismus, Wirteverein und Gemeinderat in ein Boot holen.“ Problematisch sehen alle die Filialgeschäfte großer Ketten an, die kaum für gemeinsame Aktionen zu gewinnen seien.

Als ein wichtiges Ziel des zu erarbeitenden Konzeptes sieht Erhard Eckmann: „Das Bewusstsein beim Bürger für die gute Infrastruktur Kirchzartens mit ihrer Lebensqualität ist zu stärken.“ Aber auch die Gemeinderäte werden um Hilfe gebeten. Sie müssten für die Unterstützung bei weiteren Attraktionen oder leer stehenden Geschäften gewonnen werden. Eine neue, attraktive und energiesparende Weihnachtsbeleuchtung sei ein ganz konkreter erster Wunsch. Staufen und Waldkirch wurden immer wieder als beispielhafte Orte mit guter kommunalpolitischer Verstärkung angeführt.

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Sie wollen für den Gewerbeverein Kirchzarten die „Marke Kirchzarten“ neu entwickeln: Sandra Gintaut-Lutz, Tobias Bobka, Erhard Eckmann und Dietmar Junginger (v.l.). Foto: Gerhard Lück

Und die Runde nannte weitere lohnende Ziele für ein neues Konzept: Kirchzarten müsse sich im Profil von Freiburg unterscheiden; persönliches Einkaufen ohne Anonymität; breiterer Angebotsmix auch in der Gastronomie; soziale Netzwerke seien zu nutzen und neue Werbewege zu gehen. Die 1250-Zarduna-Jahrfeier 2015 wird von allen als große Chance gesehen, neue gemeinsame Erfahrungen branchenübergreifend zu machen. Die Projektgruppe will intensiv an die aufgeworfenen Fragen herangehen, eine klare Analyse erstellen und dann ein neues Konzept erarbeiten. Die Kunden können zum Konzept ihren Beitrag leisten und dem Kirchzartener Einzelhandel per Mail an kunden@gewerbeverein-kirchzarten.de  ihre Erfahrungen und Wünsche mitteilen

4.12.2014, Gerhard Lück

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