Kirchzarten auf dem Weg zu mehr Klimaschutz

Kirchzarten ist umgeben von Dörfern, die sich schon lange den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben, erfolgreich Nahwärmenetze realisiert und in alle Bereiche der regenerativen Energien – von der Windkraft über die Sonne bis hin zu Biomasse –  investiert haben. Kirchzarten hat hier den Anschluss verloren – das ist das Fazit der von der Badenova durchgeführten Bestandsanalyse. Diese Bestandsanalyse ist die Grundlage für ein künftiges Klimaschutzkonzept, denn inzwischen ist es erklärter Wille des Gemeinderates, sich auf den Weg hin zum Bioenergiedorf zu machen. Vergangene Woche wurden die Ergebnisse der Bevölkerung vorgestellt.

Kirchzarten mit seinen 9770 Einwohnern, 2000 Wohngebäuden und 4530 Haushalten hat einen jährlichen Gesamtstrom-Verbrauch von 27 Millionen Kilowattstunden (kWh/Jahr). Der Strom jedoch, der in Kirchzarten erzeugt wird, liegt gerade mal bei 3,4 Millionen kWh/Jahr, das sind 13 %. Positiv formuliert, werden damit immerhin ein Fünftel der Kirchzartener Haushalte versorgt. 57 % der Stromerzeugung kommen hier aus der Wasserkraft, 29 % aus der Fotovoltaik, 1 % Biomasse und 13 % aus Kraft-Wärme-Koppelung.

Der Gesamtwärmeverbrauch liegt in Kirchzarten bei 98,5 Millionen kWh/Jahr. Die Energieträger, die zum Einsatz kommen sind zu 35 % Erdgas, zu 29 % Heizöl und zu 19 % Holz. Verschwindend gering ist der Anteil der Solarthermie, nämlich nur 0,6 %.
Kirchzartens Gesamt-CO2-Emissionen – hier wurden sowohl die Emissionen des Verkehrs als auch die des Strom- und Wärmeverbrauchs mit einbezogen – betragen 63.424 Tonnen pro Jahr. Pro Kopf sind das etwa 6,5 Tonnen. Damit liegen die Kirchzartener aber immerhin unter dem Landesdurchschnitt von 6,8 Tonnen. Das klimaneutrale Ziel, das die Landesregierung verfolgt, sind 2 Tonnen pro Kopf und Jahr.
Um das zu erreichen, bleibt noch viel zu tun.
Potentiale dafür sind vorhanden, so Manuel Baur, Projektleiter „Innovations- und Ökologiemanagement“ bei der Badenova, der die Daten vorstellte.
Die Wasserkraft ist in Kirchzarten noch ausbaubar, genauso wie das Solarpotential und zwar sowohl die Fotovoltaik als auch die Solarthermie. Windkraft sei im Dreisamtal aufgrund der zu geringen Windhöfigkeit nicht wirtschaftlich. Eine Hackschnitzel-Heizanlage, so Baur könnte das Dreisamtal jedoch vertragen. Große Energieholzpotentiale wären sowohl im angrenzenden Staatswald als auch an den Gewässerstreifen, die regelmäßig gepflegt werden müssten, vorhanden. Auch sei das angelieferte Material der Grünschnittsammelstelle nicht zu unterschätzen. 2/3 davon könnten energetisch verwendet werden, ja müssten es sogar aufgrund der Novelle der Bioabfallverordnung.

Nicht vergessen werden dürfe auch das Potential der Energie-Einsparung. 69 % der Kirchzartener Gebäude seien vor der zweiten Wärmeschutzverordnung 1983 erbaut worden und sind kaum gedämmt. Würden all diese Gebäude saniert, könnte der Wärmeverbrauch um 50 % gesenkt werden.

Die Präsentation dieser Daten war ein erster Schritt Kirchzartens, mit dem Klimaschutz ernst zu machen. Der nächste soll am 21. April erfolgen. Die Gemeinde Kirchzarten lädt alle Bürger zur „Energiewerkstatt Wärmenutzung“ in der Talvogtei ein. Auf diesem ganztägigen Workshop von 9 bis 16 Uhr sollen die Bürger die Möglichkeit haben, aktiv am Klimaschutzkonzept mitzuarbeiten und ihre Vorstellungen und Ideen mit einbringen können.
Moderiert wird die Veranstaltung von Susanne Häsler von der Kommunalentwicklung Karlsruhe.
Die Gemeinde bittet interessierte Bürger um Anmeldung, die über das Internet möglich ist: dreisamportal.de/kirchzarten/klima/energiewerkstatt.php
Den Teilnehmern wird die Präsentation der Badenova-Studie dann vorab zur Verfügung gestellt.

4.4.2012, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

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