Kinderarmut im Dreisamtal – Weissköppel-Stiftung

Kinderarmut im Dreisamtal – gibt es die? Ja, die gibt es, so die Sozialarbeiterin Natalia Rozpiorska, die das Kinder- und Jugendbüro in Kirchzarten leitet. Sie kennt Familien, in denen jeder Cent zweimal umgedreht werden muss, deren Kinder im vergangenen Winter bei 20 Grad Minus weder Winterstiefel noch entsprechende Winterkleidung hatten und in denen auch beim Essen gespart werden muss. Als Armutsrisiken für Kinder macht sie Scheidung oder Trennung, Arbeitslosigkeit oder chronische Erkrankungen der Eltern aus. All diese Faktoren haben gemeinsam, dass sie die bisherigen Lebenskonzepte der Eltern ins Wanken bringen. Wo zuvor ein Leben in relativem Wohlstand möglich war, erfolgt durch solche kritischen Lebensereignisse ein richtiggehender Absturz in die Armut und dies trifft insbesondere die Kinder mit voller Wucht. Armut hat sicherlich den rein materiellen Aspekt des Mangels, hinzu kommt für Kinder aus finanziell schwächeren Familien jedoch ein Gefühl der Benachteiligung und der Stigmatisierung. Gerade im relativ reichen Dreisamtal fallen sie auf, wenn sie nur ein altes Handy-Modell besitzen, immer abgetragene, geerbte Klamotten tragen – und das in einer Welt, in der es bei Kindern oft nur um die neusten Trends und Marken geht. Ärmere Kinder schämen sich oftmals für ihre Armut und die Tatsache, dass ein Junge sich „krank meldete“, als die Klasse einen Schulausflug ins Badeparadies nach Titisee machte, spreche Bände, so Rozpiorska. Diese Notlüge habe ihm geholfen, sein Gesicht zu wahren. Die Wahrheit, dass seine Familie sich das einfach nicht leisten konnte, wäre beschämend gewesen.

Seit diesem Jahr arbeitet in Kirchzarten die Weissköppel-Stiftung, deren explizites Ziel es ist, Kindern zu helfen, Jugendliche zu fördern und Familien zu unterstützen. Die Stiftung wurde von Elisabeth Weissköppel ins Leben gerufen. Sie starb im Jahr 2009 kinderlos und regelte noch auf dem Sterbebett, dass ihr Nachlass in einer Stiftung zugunsten von Kindern, Jugendlichen und deren Familien in Kirchzarten aufgeht. Diese Stiftung möchte schnelle und unbürokratische Hilfe leisten. Viele Hilfen sind punktuelle Zuschüsse, die es Kindern ermöglicht, an Schulausflügen oder Ferienfreizeiten teilzunehmen. Möglich ist aber auch eine längerfristige finanzielle Unterstützung und Hilfeleistung.  So übernahm die Stiftung die Kosten für die Nachhilfe eines Kindes mit Migrationshintergrund, das sehr gut in die Klasse integriert war. Hätte es die Klasse wiederholen müssen, wäre es aus einem gut funktionierenden sozialen Netzwerk herausgerissen worden.

Wer mehr über die Weißköppel-Stiftung wissen möchte, wer Hilfe und Unterstützung braucht, aber auch wer spenden möchte, kann sich an Natalia Rozpiorska vom Kinder- und Jugendbüro Kirchzarten wenden: Tel 07661 – 393 62 oder per Mail: n.rozpiorska@kirchzarten.de

10.5.2012, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

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