Kartausgarten am United World College muss erhalten bleiben

Der Garten bleibt, die Personen werden ausgetauscht? Auf der Bürgeranhörung zum Bebauungsplanverfahren des Kartaus-Areals für das UWC College am 1.12.2011 im Deutsch-Französischen Gymnasium wurde auch die Frage nach der Zukunft des Klostergartens gestellt. Dazu meinte Herr Wulf Daseking, Leiter des Stadtplanungsamtes Freiburg, wörtlich: “Der Garten bleibt, die Personen werden ausgetauscht”. 

Wer sind diese Personen? Eva-Maria Schüle und ihr Ehemann haben als gelernte Landwirte und Agraringenieure seit Jahren die Pflege des Kartausgartens und die gesamte Organisation drumherum besorgt. Und die Bestellung eines Bauerngartens mit seinen drei Bereichen Blumengarten (darunter 45 Rosensorten), Obst-/Gemüsegarten (allein 18 Tomatensorten) und Heilkräutergarten (Engelwurz als Spezialität der Kartäusermönche) erfordert fundiertes Fachwissen, lange Erfahrung und viele helfende Hände. Ein Blick in das Gewächshaus mit der Vielzahl von Umtopfungen, Samen, Anleitungen, Setzlingen, Werkzeugen, Terminkalendern, Tätigkeitsberichten, Teamlisten und Pflanzplänen zeigt, welche komplexes System ein solcher dreigliedriger Bauerngarten ist. Nutz- und Lustpflanzen – Artischocke und Kohlgemüse, Kartoffeln und Rosen – wachsen nur scheinbar ‘wild durcheinander’, das Ensemble ist ein wohlgeordnetes Biotop. Frau Schüle ist es gelungen, eine Vielzahl ehrenamtlicher HelferInnen aus der Oberau, Oberwiehre und Littenweiler in die Unterhaltung dieses von Ausdehnung und Artenanzahl größten Bauerngartens der Regio einzubinden.
Kontrolliert-biologischer Anbau von Gemüse, Beeren und Obst des Nutzgartens. 
Öffentlichkeits- und Sozialarbeit zum Bauerngarten: Infoveranstaltungen, Seminare, Schulklassen, Kräuter-Regio, Fortbildungen, Treffs Freiwilliger, …
Vermarktung: Bio-Obst und Gemüse. Engelwurz als Heilkraut zur Produktion von Salben. Liköre aus Gartenobst wie Himbeere, Brombeere, Marillen. Herstellung von Seife aus Engelwurz, Lavendel, Melisse, Jasmin, Rosenblättern und Heidelbeeren. Schafwolle.
Offener Garten als Prinzip: Interessierte können freitags von 15-18 Uhr ohne Anmeldung in den Kartausgarten kommen, um sich zu erfreuen und/oder mitzuhelfen.

Wie in den Vorjahren befindet sich der Kartausgarten auch im Spätjahr 2011 in einem ausgezeichneten und fachmännisch gepflegten Zustand – die vielen Bilder veranschaulichen dies. Bei dem vom BLHV alljährlich organisierten “Tag des offenen Gartens” wurde der Kartausgarten mehrfach ausgezeichnet.

 “Der Garten bleibt”: Korrekt, denn noch im April 2011 wurde der Kartausgarten von der Stiftungsverwaltung im denkmalpflegerischen Werteplan in Priorität 1 eingestuft, er ist somit als landwirtschaftlich-gärtnerisches Kulturgut zu erhalten (der Werteplan ist eine Behördensache und wurde (vermutlich) Anfang des Jahres 2011 vom RP Freiburg erstellt). Natürlich ist es das Recht der Robert-Bosch-Stiftung als neuem Eigentümer der Kartaus, die mit dem Erhalt dieses Gartens befassten Personen auszutauschen. Wo aber liegen die Gründe? Warum kündigt man Personen mit solch wertvollem gärtnerischen Knowhow, wo es doch kaum Fachleute gibt, die ein derart komplexes System wie einen Bauerngarten heute noch managen können? Haben die bislang tätigen Gärtnerinnen und Gärtner nicht alles professionell, gut, sozial vorbildlich und zudem sehr kostengünstig gemacht? Oder will man in Zukunft doch einen ganz anderen Kartausgarten, also keinen Bauerngarten mehr als kunstvolle Kombination von Blumen-, Obst-/Gemüse- und Heilkräutergarten, sondern einen pflegeleichten Hausgarten mir Rasen und Blumenrabatte? Dann jedoch wäre das Kulturgut verloren. 

Zwei Anmerkungen:
Facharbeiter sind unser größtes Kapital – so heißt es “beim Bosch” in Stuttgart und weltweit. Warum nicht auch bei der Robert-Bosch-Stiftung?
Die teuersten Internate im angelsächsischen Raum verfügen alle über eine integrierte Landwirtschaft, in denen die SchülerInnen gärtnerisch bzw. landwirtschaftlich tätig sind. Aus pädagogischen Gründen wie auch aus praktischen: Salat von eigener Hand geerntet aus dem eigenen Garten – wie in ihrer Schulzeit Prinz Andrew und Prinz Harry auch.
7.11.2011, EK

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Engagement, Schulen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort