Kappel – Stadtteil – Altlasten

Der Dreisamtäler im Gespräch mit Kappels Ortsvorsteher Hermann Dittmers
Dreisamtäler: Herr Dittmers, das im Moment in Kappel alles dominierende Thema ist die Altlastensanierung des Areals Stolberger Zink in Neuhäuser.
Dittmers: Ein Thema das sehr komplex ist und sich schon seit Jahrzehnten hinzieht. Es handelt sich um zwei rechtlich getrennte Verfahren: Da geht es einmal um die Bebauung, für die das Stadtplanungsamt zuständig ist. Und es geht um die Sanierung der Altlasten unter Federführung des Umweltschutzamtes.
Dreisamtäler: Beginnen wir mit dem Bebauungsverfahren!
Dittmers: Im Jahr 2006 beschloss die Stadt Freiburg nach einem umfangreichen Beteiligungsprozess der Öffentlichkeit – in Kappel auch unter Anhörung des Ortschaftsrats und der Bürgerschaft – ihren Flächennutzungsplan FNP 2020. Damals wurden für die ganze Stadt und auch für Kappel Flächen ausgewiesen, die bebaut werden können. Weitere Flächen in unserem Ortsteil kommen u.a. aus landschaftsschutzrechtlichen Gründen nicht in Betracht. Für Kappel waren es neben einer Teilfläche auf dem Gewann „Weihermatten“, einer kleineren  Arrondierungsfläche in der Ziegelmattenstraße und einer Fläche in Höhe der Haltestelle „Am Bannwald“, hier vor allem das Stolberger-Zink-Gelände. Alle Gremien, also auch der Ortschaftsrat, waren sich damals einig, dass auf dem Stolberger-Zink-Areal nach erfolgter Sanierung als erstes von allen Flächen ein Wohnbaugebiet im Sinne einer Innenentwicklung entstehen soll. Das ist im Flächennutzungsplan festgeschrieben und wenn nun der Eigentümer Anträge auf Sanierung und Bebauung und stellt, dann muss die Stadt diese prüfen.

Dreisamtäler: Der Knackpunkt nun ist die Sanierung.
Dittmers: Einer der Knackpunkte. Was die Sanierung angeht, so ist die dort wohnende und betroffene Bevölkerung zurecht hoch sensibilisiert und es bleibt nicht aus, dass solche Debatten auch sehr emotional geführt werden. Ich nehme die gemachten Anregungen und geäußerten Befürchtungen ernst. Es geht darum mindestens 45.000 Kubikmeter verseuchten Erdreichs zu entsorgen. Das Sanierungskonzept des Antragstellers basiert auf einem sogenannten „bodenschutzrechtlichen Verfahren“, wonach es möglich ist, Altlastenflächen so zu sanieren, dass Teilflächen durch die Verlagerung verseuchten Erdreichs auf andere bereits belastete Teilflächen altlastenfrei werden. Genau dieses Verfahren soll angewandt werden. Schwermetallbelastetes Erdreich der Fläche A soll auf die Flächen B und C transportiert, dort eingebaut und abgedichtet werden. Auf der dann sanierten Fläche A könnte dann gebaut werden. Der Bürgerverein Neuhäuser fordert jedoch ein „abfallrechtliches Verfahren“, da seiner Meinung nach mit der Verlagerung des belasteten Erdreichs eine Sondermülldeponie entsteht. Deshalb, weil ein Teil der Flächen B und C, auf der das belastete Erdreich gelagert werden soll, gar nicht belastet sei.

Bürgermeister Hermann Dittmers von Freiburg-Kappel 8/2012

Dreisamtäler: Topografisch ist eine solche Umlagerung tatsächlich kein leichtes Unterfangen, denn die Flächen B und C liegen am Berg.
Dittmers: Wir stehen im Moment noch ganz am Anfang des Verfahrens. Was vorliegt, das ist ein Sanierungsplan, der den Bürgern auf einer Informationsveranstaltung vorgestellt wurde. Und wir haben mehrfach betont, dass die vorliegende Planung noch kein „fertiges Produkt“ ist. Klar ist, dass noch viele Fragen offen sind.
Diese Fragen betreffen u.a. die konkrete Ausführung: nötig wird ein Verkehrskonzept, das klärt, wie der Aushub und das Anreicherungsmaterial auf die Flächen B und C gelangt, ohne die Anlieger übermäßig zu belasten. Nötig ist auch ein Konzept zum Gesundheitsschutz der Anwohner während der Arbeiten und außerdem ein Standsicherheitsgutachten, das prüft, ob das Abrutschen der geplanten Ablagerung auf der Hangfläche B/C wirklich auch in der Zukunft ausgeschlossen ist. Der Ortschaftsrat beschließt in öffentlichen Sitzungen. Wir haben bisher keinen Beschluss über die Art des Sanierungsverfahrens gefasst. Wir setzen uns für ein transparentes Verfahren ein und dafür, dass die Bürger frühzeitig informiert und in alle Verfahrensschritte mit einbezogen werden.
Deshalb begrüßen wir es auch, dass die Stadt Dialogveranstaltungen plant, an denen das Umweltschutzamt, der Bürgerverein Neuhäuser und neutrale Sachverständige teilnehmen. Diese Gespräche sollen im Oktober und November geführt werden.  

Dreisamtäler: Sie sagten vorhin, dass, was die Bebauung angeht, das Sanierungsverfahren nur einer der Knackpunkte sei.
Dittmers: Nach Inkrafttreten des Flächennutzungsplans 2020 war angedacht, das Areal mit 80 bis 100 Wohneinheiten zu bebauen. Es gibt jedoch Leitlinien nach denen mit Grund und Boden sehr sparsam und ressourcenschonend umzugehen sei. Daneben sollen Innenentwicklungsflächen vor Außenentwicklungsflächen genutzt werden. Deshalb schlägt der Bau- und Umlegungsausschuss eine verdichtete Bebauung mit bis zu 150 Wohneinheiten vor. Der Ortschaftsrat stimmte dieser Verdichtung unter zwei Bedingungen zu: dass das nämlich mit den Bürgern im Sinne einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung besprochen und es als absolute Obergrenze festgeschrieben wird. Auch wiesen wir auf eine der Umgebung angepasste Bebauung hin. Mit dieser Zustimmung wurde jedoch kein verbindlicher Bebauungsplan aufgestellt. Am 10. Juli sollte dazu eine Bürgerinformation und der Beginn der Anhörung der Öffentlichkeit im Sitzungssaal des Rathauses Kappel stattfinden. Weil der Sitzungssaal sich für die Anzahl der erschienenen Bürgerinnen und Bürger als zu klein erwies, wurde die Veranstaltung abgebrochen und für den 27. September in der Mehrzweckhalle Kappel neu anberaumt.

Dreisamtäler: In Kappel gibt es aber auch noch andere kommunalpolitische Themen als Stolberger Zink. Als ich das Rathaus betrat, fiel mir der veränderte Eingangsbereich auf.
Dittmers: Wir haben es geschafft, eine Dauerausstellung über die 500-jährige Geschichte des Kappler Bergbaus im Rathaus zu installieren. Projektverantwortlich war der Kunst- und Kulturverein, der die Informationen ehrenamtlich gesammelt und chronologisch sauber aufbereitet hat. Dank dieses großen Engagements und vieler Sponsoren wurde es möglich, dass im Rathaus nun elf große Tafeln, die die Bergbaugeschichte in Wort und Bild darstellen, hängen. Es ist ein vollständiger Abriss der Geschichte bis ins Jahr 2011. Ebenfalls mit aufgearbeitet ist die Zeit des Nationalsozialismus, während der in Kappel auch Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Wir können nun auf Wunsch für Gruppen und Schulklassen eine Führung mit Vortrag anbieten. Diese Dauerausstellung ist ein Teil des Gesamtkonzeptes „Innengestaltung Rathaus und Neugestaltung Rathausplatz“. Auch die Arbeitsplätze der Ortsverwaltung wurden und werden noch modernisiert und vor allem haben wir jetzt ein PC-Netzwerk, was das Arbeiten für meine Mitarbeiter hier erleichtert und effektiver macht.

Dreisamtäler: Und dann nehmen Sie auch die Gestaltung des Rathausplatzes in Angriff?
Dittmers: Seit 2011 sind wir Eigentümer aller Grundstücke und konnten in diesem Jahr mit der konkreten Planung beginnen. Auch hier war uns Bürgerbeteiligung wichtig. Wir haben deshalb zwei Sitzungen durchgeführt. In einer ersten Sitzung luden wir nur die direkt betroffenen Anlieger ein und in einer zweiten wurde die gesamte Bürgerschaft informiert. Dieser gestufte Prozess war meines Erachtens gut. Unser Konzept stieß im Wesentlichen auf Zustimmung. Abstimmungsbedarf hinsichtlich detaillierter Ausgestaltungen gibt es immer. Ein Diskussionspunkt ist die vor dem Platz verlaufende Großtalstraße, die wir gerne mit in die Platzgestaltung einbeziehen würden, um den Verkehr über visuelle Maßnahmen zu verlangsamen und zu beruhigen. Wir haben für den städtischen Doppelhaushalt 2013/14 einen Antrag auf Finanzierung des Rathausplatzes gestellt. Wir würden ihn gerne anlässlich des 40-jährigen Eingemeindungsjubiläums im Jahr 2014 fertigstellen. Diese Idee habe ich bei der Stadt vorgetragen und ich bin durchaus auf offene Ohren gestoßen. Wenn der Rathausplatz saniert wird, dann soll auch der Zugang zum Rathaus so gestaltet werden, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen problemlos ins Rathaus kommen können. Als schnelle, unkomplizierte Übergangslösung ließ ich am Treppenaufgang eine Klingel mit Gegensprechanlage anbringen, so dass Menschen, die im Rollstuhl oder mit Rollator kommen, sich anmelden und abgeholt werden können.

Dreisamtäler: Es tut sich also viel in Ihrem Ortsteil! Im vergangenen Jahr war auch der Friedhof ein Thema …
Dittmers: Das war ein großes und wichtiges Thema! Die Stadt hat über 200.000 Euro in den Friedhof investiert: die Standfestigkeit der Mauern wieder hergestellt, Wege saniert und nun ein Urnengrabfeld angelegt. Urnenbestattungsmöglichkeiten gab es in Kappel schon immer, neu ist jetzt ein Urnenfeld mit kleinen Grabplatten auf einer Wiese mit Bäumen entlang des Reichenbaches. Die Grabpflege erübrigt sich dadurch. Das kommt einer Gesellschaft entgegen, die immer mobiler wird. Im Rahmen dieser Sanierung wurde auch der „Seraphische Christus“ von Benedikt Schaufelberger aufgestellt. Schaufelberger war ein in Kappel lebender, überregional bekannter Künstler. Das Kunstwerk, das seine Familie uns dankenswerterweise zur Verfügung stellt, steht unweit seines Grabes.
Dreisamtäler: Herr Dittmers, ich bedanke mich für das Gespräch!
Für den Dreisamtäler unterhielt sich Dagmar Engesser mit dem Ortsvorsteher Kappels, Hermann Dittmers.
12.9.2012, www.dreisamtaeler.de

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