Kappel – Demografie DSL Zink

Dorf aktuell: Dagmar Engesser im Gespräch mit dem Ortsvorsteher Kappels, Hermann Dittmers
Dreisamtäler: Herr Dittmers, der demografische Wandel ist ein gesellschaftliches Thema, das überall diskutiert wird. Tangiert diese Problematik auch Kappel?
Dittmers: Kappel wird gefühlt immer älter. Ich merke das daran, dass ich inzwischen mehr Jubilaren zum 80., 90. oder 100. Geburtstag gratuliere – was ich als Ortsvorsteher persönlich tue. Das hat seit Beginn meiner Amtszeit vor vier Jahren zugenommen. Freiburg als Stadt dagegen soll in den nächsten Jahren jünger werden. Das Durchschnittsalter sinkt von 43 auf 40 Jahre. Das hängt mit Zuwanderungen und einer steigenden Geburtenrate zusammen. In Kappel hingegen sind Wohnraum für junge Familien und Bauland sehr knapp. Jüngere Kapplerinnen und Kappler sehen sich deshalb oft gezwungen, aus Kappel wegzuziehen. Die Elterngeneration bleibt und deshalb ist in Kappel eher eine Stagnation zu verzeichnen. Eine altermäßige Durchmischung wäre sinnvoll und wünschenswert. Ein Ort entwickelt sich am besten, wenn alle Altersgruppen vertreten sind. Nur so können erfolgreiche Projekte wie der Ausbau der Stollenhütte, bei dem viele freiwillige Helfer notwendig sind, als Versammlungsort für die Vereine und Bürgerschaft gestemmt werden.  

Dreisamtäler: Eng verknüpft mit der demografischen Entwicklung ist die Infrastruktur eines Ortes.
Dittmers: Wir konnten im vergangenen Jahr das 50-jährige Bestehen unserer Grundschule, der Schauinslandschule feiern. Wir beobachten in den letzten Jahren sinkende Schülerzahlen. Die Schule vor Ort ist für mich ein unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden Gemeinwesens. Im Kindergarten hingegen will die Kirche als Träger noch einmal anbauen. Es werden über 300.000 Euro in die Hand genommen, um eine neue Gruppe einrichten zu können, in die auch unter Dreijährige gehen können. Das ist eine richtige Reaktion auf die große Nachfrage, für die ich dem Träger sehr dankbar bin. Die Kinder, die in den Kindergarten nach Kappel kommen, werden jedoch nicht alle automatisch in die Grundschule gehen, da sie oftmals aus angrenzenden Ortsteilen kommen.
Dreisamtäler: Wie geht es alten Menschen in Kappel?
Dittmers: Aufgrund der dörflichen und persönlichen Einbindung, kann man in Kappel sehr gut leben. Was wir von politischer Seite aus tun können, das tun wir: Für mich war wichtig, dass die Menschen, die nicht mehr mit dem Auto fahren können, einen gut getakteten öffentlichen Nahverkehr nutzen können, auch von der Molzhofsiedlung aus. Außerdem ist unsere Politik darauf ausgerichtet, dass die bestehende Infrastruktur erhalten bleibt, damit Menschen mit eingeschränkter Mobilität sich hier vor Ort versorgen können. Immerhin verfügen wir hier unter anderem über einen Lebensmittelmarkt mit Postagentur, eine Apotheke, einen Bioladen, Frisör, Ärzte und eine Zahnärztin. Wichtig ist hier allerdings auch das Bewusstsein der Menschen, die hier leben, dass all diese Geschäfte vom „Vor-Ort-Umsatz“ leben, deshalb muss sich jeder einzelne fragen: Was kann ich dafür tun, diese Versorgungsqualität zu erhalten. Genauso nötig ist es aber auch, dass in Kappel zusätzlicher Wohnraum durch die Ausweisung von Baugebieten geschaffen wird.
Dreisamtäler: Damit sprechen Sie jetzt ein ganz heißes Eisen an. Vorgesehen ist auf dem Areal der ehemaligen Bergbaufirma Stolberger Zink, ein neues Baugebiet zu realisieren. Das Problem dort ist die hohe Schwermetallbelastung aus der Bergbauzeit. Wie weit sind die Dinge da denn fortgeschritten?
Dittmers: Im Moment prüft die Verwaltung der Stadt Freiburg einen Antrag des Investors bezüglich der Durchführbarkeit eines Sanierungsverfahrens. Und wir warten auf die von der Stadt angekündigten Dialoggespräche.

Dreisamtäler: Das Thema Stolberger Zink ist sehr konfliktbelastet und das schon seit dreißig Jahren. Wo liegen denn aus Ihrer Sicht die Knackpunkte?
Dittmers: Strittig ist nicht, dass das Gebiet schwermetallbelastet ist und saniert werden sollte, wohl aber die Art der Sanierung. Der Investor hat bei der Stadt einen Antrag gestellt und plant das schwermetallbelastete Erdreich von der Fläche A in die Flächen B/C umzulagern und abzudichten. Der Bürgerverein und meines Wissens auch der BUND bezweifeln, dass dies dauerhaft funktioniert und halten diese Lösung für nicht nachhaltig und daher für wenig sinnhaft.
Dreisamtäler: Die Fronten sind verhärtet. Sehen Sie Lösungen?
Dittmers: Das Ganze ist ein politischer Prozess, ein Einigungsprozess, der fair sein sollte. Ich moderiere diesen Prozess ergebnisoffen, allerdings vor dem Hintergrund, dass ich Rahmenbedingungen einzuhalten habe. Am Ende wird es zu einer Abwägung bezüglich verschiedener Ziele kommen. Die Bürger müssen in diesen Prozess eingebunden werden, deshalb hoffen wir – der Ortschaftsrat und ich – auf die Dialoggespräche der Stadt. Auch müssen wir versuchen weitere Sanierungsvarianten in den politischen Prozess mit einzubringen. Dies ist insbesondere auch vor dem Hintergrund notwendig, dass aus der sogenannten Fläche D, die auf Kirchzartener Gemarkung liegt, schadstoffbelastetes Wasser austritt. Wir dürfen die Menschen in Neuhäuser mit diesem Problem nicht alleine lassen. Da sind die Politik und die Verwaltung gefordert.
Dreisamtäler: Die Neugestaltung des Rathausplatzes war auch ein schwieriges Thema, das sich nach langen Jahren positiv lösen ließ. Ist die Neugestaltung denn nun in trockenen Tüchern?
Dittmers: Für den Rathausplatz sind im jetzt genehmigten Doppelhaushalt der Stadt Freiburg 2013 / 14 auf Antrag des Ortschaftsrats insgesamt 100.000 Euro eingestellt. Planungsvarianten sollen im Herbst im Ortschaftsrat vorgestellt werden. Ich hoffe, dass der Rat dann noch 2013 einen konkreten Neugestaltungsbeschluss fassen kann. Der Rathausplatz sollte dann im Sommer 2014 fertiggestellt sein, pünktlich zum 40-jährigen Eingemeindungsjubiläum. Wir würden anlässlich dieses Jubiläums den Platz dann gerne der Öffentlichkeit übergeben. Damit hätte ich auch mein Ziel erreicht, in meiner ersten Periode als Ortsvorsteher, die Neugestaltung des Rathausplatzes umzusetzen. Wie Sie wissen, arbeite ich projektorientiert. Die Verbesserung der ÖPNV-Haltestelle „Bannwald“, der Friedhof und der Rathausplatz waren Projekte, die ich den Bürgern versprach, anzugehen.
Dreisamtäler: Gibt es auch noch Projekte, bei denen es harkt?
Dittmers: Wir kommen in Sachen DSL derzeit kaum einen Schritt voran, weil sich eine angedachte Lösung mit der Telekom zerschlagen hat. Der ursprüngliche Plan war, dass die Telekom ihre Telefonleitungen in Kappel erneuert und im Zuge dieser Maßnahmen die Glasfaserleitungen für DSL mit verlegt werden. Soweit waren wir und dann kam die Mitteilung von der Telekom, dass die Leitungen nicht erneuert werden, sondern nur mit punktuellen Verstärkermaßnahmen gearbeitet wird. Die optimalste Lösung ist nach wie vor die Verlegung von Kabeln, was aber nicht nur am Umfang der Finanzierung scheitert, da die Stadt keine Finanzierung einer solchen privatwirtschaftlichen Maßnahme vornehmen darf.
Dreisamtäler: Herr Dittmers, ich danke für das Gespräch!
18.7.2013, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

 

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