Hanspeter Schweizer – Nachruf

Am 26. Juli 2020 ist Hanspeter Schweizer, der Gründer und langjährige Herausgeber des “Dreisamtäler“, im Alter von 63 Jahren verstorben. Im Nachruf seiner Mitarbeiter auf https://www.dreisamtaeler.de/nachruf-hanspeter-schweizer/ wird Hanspeter Schweizer treffend als “wunderbaren Chancengeber” beschrieben. Ich kenne Hanspeter Schweizer seit über 30 Jahren und durfte ihn erleben als jemanden, der sich im Wissen um den Einfluß und die Verantwortung der Medien stets den Interessen der Allgemeinheit und dem sog. “kleinen Mann” verpflichtet fühlte. Hierzu zwei Beispiele:
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1) Als im Jahr 2008 der Krüttweg als wohl älteste Verbindung zwischen Zarten und Kappel/Neuhäuser zugunsten des Golfclubs gesperrt bzw. umgeleitet wurde, ließ Hanspeter Schweizer zu, dass im “Dreisamtäler” zahlreiche kritische Stimmen von aufgebrachten Bürgern als Leserbriefe wie auch als journalistische Beiträge (u.a. Dagmar Engesser) zu Wort kamen. http://www.freiburg-dreisamtal.de/kruettweg.htm
Schließlich ging es darum, dass Georg Wilhelm von Oppen in Personalunion als Kirchzartener Bürgermeister und Golfclub-Vorsitzender durchsetzte, daß den Dreisamtäler Bürgern öffentlicher Raum weggenommen und in Vereinsgelände überführt wird. Dieser Prozeß setzt sich im Jahr 2020 leider fort, siehe “Krüttweg zwischen Zarten und Neuhäuser: Golfclub im Wortbruch (7.7.2020)” über http://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/zarten.
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2) Im Zuge der Corona-Krise ließ Hanspeter Schweizer zu, daß im “Dreisamtäler” alle zugesandten Leserbriefe veröffentlicht wurden. Auch solche, die die Coronapolitik von RKI und GroKo kritisch hinterfragten. Auch solche, die zuvor von der Badischen Zeitung abgelehnt wurden, da sie zu kritisch seien (Kritik als Synonyme zu Verschwörungstheorie bis hin zu Nazi?). In mehreren Telefonaten ließ Hanspeter Schweizer erkennen, daß er wegen der Veröffentlichung abweichender Meinungen massiv unter Druck gesetzt werde und gestresst sei.
Zum Vorwurf, er publiziere vornehmlich einseitig kritische Leserbriefe, beteuerte er mir gegenüber, daß dies nicht der Fall sei: Jeder Leserbrief, der nicht gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstößt, werde im “Dreisamtäler” veröffentlicht. Daß die kritischen die regierungs-konformen Stimmen bei weitem übersteigen, habe nicht er zu vertreten. Hanspeter Schweizer publizierte im “Dreisamtäler” auch seine persönliche Meinung, kennzeichnete diese als Kommentar, d.h. er trennte – wie von Hans Joachim Friedrichs gefordert – für den Leser erkennbar zwischen Kommentar und Nachricht.
Seinen vor seinem leider so frühen Tode letzten Artikel “Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli 2020 bringt viel Stress und wenig Nutzen” vom 17.6.2020 finden Sie hier: http://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/steuern.
Herr Schweizer gestattete mir, die kritischen Stimmen seiner Zeitungsleser auf http://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/corona zu dokumentieren.
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Aufgabe der “Medien als 4. Macht” (nach Legislative, Jurisdiktion und Exekutive) ist die Kontrolle der staatlichen Aktivitäten. Ich werde Hanspeter Schweizer in Erinnerung behalten als einen Journalisten, der sich – vom Mainstream unbeeinflußt – dieser Kontrollaufgabe stets bewußt war. In meiner Schulzeit (ab 1951) wurde immer wieder vom “mündigen Bürger” gesprochen, der eine abweichende Meinung kund tun kann und muß. Hanspeter Schweizer war ein solcher “mündiger Bürger”. Denn: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Diese Maxime von Immanuel Kant hat Hanspeter Schweizer als aufrichtiger und mutiger Zeitungsmann jenseits von Political Correctness und Zeitgeist geleitet. Unser Land braucht wieder eine ehrliche,offene Diskussionskultur, unser Land braucht viele Hanspeter Schweizer’s.
6.8.2020

https://www.facebook.com/dreisamtaeler/posts/httpwwwdreisamtaelerde/1127437817279441/
http://www.dreisamtaeler.de
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Die 25jährige Geschichte vom Dreisamtäler – von Hanspeter Schweizer (8.6.2011)
http://www.freiburg-schwarzwald.de/littenweiler/zeitung1.htm#Die%2025j%C3%A4hrige%20Geschichte%20vom%20Dreisamt%C3%A4ler

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