Handy mithoeren macht Stress

Überall wird man gezwungen, Handy-Telefonate mitzuhören – in der Strassenbahn, im Eiscafe, in der Warteschlange, im Stadtgarten, am Kinderspielplatz, an der Supermarktkasse, … Man fühlt sich gestört und kann nichts dagegen tun. Ignorieren ist unmöglich, denn das Sinnesorgan Ohr läßt sich nicht abschalten bzw. schließen. Dem Telefonat ausgeliefert, stauen sich Aggressionen auf, man fühlt Stress und Lärm.
Auch das Absenken der Smartphone-Lautstärke zum Fllüsterton hilft nichts, im Gegenteil, das Gehirn fühlt sich erst recht herausgefordert. Der Flüsterer weiß, dass ihm andere zuhören und versucht sich freundlicherweise anzupassen – nur weiß das Gehirn dies nicht. Ein Gespräch zweier Anwesender wird von uns leicht als Hintergrundrauschen hingenommen, nicht so ein Handy-Monolog. Warum? Die Lücken von “reden, verstummen, reden, …” irritieren und unser Gehirn versucht sie mit sinnvoller Information zu füllen.
Die Neuropsychologie lehrt, dass ohne Ausweichmöglichkeit einen höheren Stressleven empfinden. Als Zeugen mobiler Telefonate sind wir uns der Unentrinnbarkeit dieser Situation bewußt, wir empfingen Stress im öffentlichen Raum. Was tun? Zwei Auswege: Die Telefonate nicht im dichtesten Gedränge tätigen, sondern etwas abseits, diskret und ungehört. Oder Ohrstöpsel rein und sich von der eigenen Musik berieseln lassen.. Beides wird schwer zu verwirklichen sein. Dann bietet sich noch ein dritter Ausweg an: Selbst zum Handy greifen und ebenfalls telefonieren. Dann hat jeder in der Strassenbahn ein Handy am Ohr, dann redet niemand mehr mit seinem Gegenüber bzw. Nachbarn, sondern nur noch mit jemand der mobil fern ist.

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