Gutmann dankt Stohren mit Stele

In wenigen Tagen wird er 85 – doch Schnitzmesser und Meißel hat er noch nicht zur Seite gelegt. Jüngstes Werk des Kunstbildhauers Professor Franz Gutmann vom Stohren ist eine knapp zwei m hohe Stele aus Muschelkalk. Aus der Sicht ihres Schöpfers ist es eine Hommage an die rund hundert Mitbewohner, die ihn – den gebürtigen Krumlindener vom “Draierhof” drunten im Tal – seit einem halben Jahrhundert auf dem Stohren “geduldet” haben. 
Unweit der Stohremer Schule hat Franz Gutmann Anfang der 1960er-Jahre in tausend Metern Höhe sein privates Domizil – Atelier mit Wohnung – eingerichtet. Von hier aus hat er seine künstlerischen Ideen und Kunstwerke weit über die Grenzen seiner Geburtsgemeinde hinaus getragen. Dabei wurde er nach seinen Studien an den Kunstakademien in Freiburg und Düsseldorf entscheidend geprägt durch einen mehrmonatigen Aufenthalt beim Urwalddoktor Albert Schweitzer im zentralafrikanischen Lambarene.
In den heimischen Gefilden widmete sich Gutmann profanen wie christlichen Schwerpunktthemen (Brunnen, Kruzifixe) gleichermaßen. Im Alter von fast 80 Jahren wurde Franz Gutmann von der Erzdiözese Freiburg mit der Neugestaltung des Zelebrationsaltares im Freiburger Münstertal betraut – zweifellos ein Höhepunkt in seinem 50-jährigen künstlerischen Schaffen.
“Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint”, sagt Franz Gutmann, der im April 1944 als noch nicht 16-Jähriger zwar seine eigene Musterung im Kapuzinerhof in Staufen erlebte, jedoch von einem Fronteinsatz im Zweiten Weltkrieg verschont blieb. Dieses Los war seinem Pfarrherrn Willibald Strohmeyer (dem Franz Gutmann als Oberministrant diente) nicht vergönnt, der noch im selben Monat von der SS an der Heimatfront ermordet wurde und dessen Sarg Franz Gutmann bis auf den Gottesacker in St. Trudpert mitbegleitete.
Jetzt hat Franz Gutmann in seinem 85. Lebensjahr ein bescheidenes Kunstwerk für sein vertrautes heimisches Umfeld – die Welt auf dem Stohren – geschaffen. Anstoß war für ihn der Gedanke, den Stohremer Mitbürgern ein Dank schuldig zu sein, dass “sie mich 50 Jahre hier oben auf dem Stohren geduldet haben”. Aus dem Fundus eines früheren Auftrages besaß Gutmann in seinem Atelier einen hellen Muschelkalkstein. Aus diesem formte der Bildhauer eine knapp zwei Meter hohe Stele (ein Bildstock), in die er – unverkennbar für seine Arbeitsweise – mittels Fräswerkzeugen ein stilisiertes Gesicht und die Buchstaben TRUDPERT einfräste. Damit dokumentierte der Künstler gleichzeitig seine Absicht, die Stele dem ersten Märtyrer des Tales zu widmen. Mit dem Geschenk an die Stohremer Mitbürger verbindet Gutmann den ausdrücklichen Dank an Ludwig und Max Schneider, welche die Stele direkt am Höhenweg Obere Rütte – Harzloch bei den dortigen drei Ruhebänken aufstellten, inklusive Betonfundamentierung. Die Stele am “Stutz” bietet den wohl schönsten Ausblick aus tausend Metern Höhe hinab ins Tal, über die Klosteranlage St. Trudpert hinweg bis hinüber zu den Vogesen.
Inzwischen wurde die Stele auch im Rahmen eines Einweihungsaktes offiziell der Öffentlichkeit übergeben. An der Feier beteiligt waren neben Ortspfarrer Johannes Frische der Singkreis Stohren mit Gitarrenbegleitung von Schulleiterin Ute Rößer sowie von Trompeter Hugo Steffe.
Besuchern und Wanderfreunden wird empfohlen, ihr Fahrzeug am Waldrand unweit der Gießhübel-Kurve zu parken. Von dort führt ein breiter Forstweg Richtung Staufen, von dem nach 200 Metern ein beschilderter Wiesenweg links abführt zur etwa 300 Meter entfernten Stele mit den drei Sitzbänken.
10.9.2013, Manfred Lange

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