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Oase in der trockenen Gebirgslandschaft zwischen Shiraz und Yazd am 13.10.2014

Oase in der trockenen Gebirgslandschaft zwischen Shiraz und Yazd am 13.10.2014

 

 

Warum die Niederlage der Kurden auch unsere ist
Die Kurden passen nicht nur auf keine Weltkarte, schreibt Matthias Heitmann, für das postnationale und opferzentrierte Denken des Westens sind sie zudem ein Fremdkörper. Das zu ändern, wäre auch gut für unsere Demokratie …

Kurden passen nicht ins westliche Täter-Opfer-Schema
Aber es ist nicht nur das Streben nach nationaler Souveränität, das die Kurden als wie aus der Zeit gefallen erscheinen lässt. Ihr tragisches Paradoxon besteht darin, dass sie sich entgegen der heutigen politischen Kultur eben nicht als um Freiheit bettelnde Opfer inszenieren, sondern erbittert Widerstand leisten und zu kämpfen bereit sind – und dafür einen hohen Preis zahlen. Denn so sehr die westliche Öffentlichkeit sich auch vom türkischen Präsidenten Erdogan distanzieren mag, für den aktiven Widerstand gegen Unterdrückung kann sie kein Verständnis aufbringen.
Die moderne westliche Moral kennt nur Täter und Opfer:
Selbstbefreier und Widerständler mit einem auch noch national geprägten Werteverständnis sind dem postnationalen und mutlosen westlichen Denken suspekt und zuwider.
Die Ablehnung der Idee der nationalen Selbstbestimmung offenbart das Dilemma der westlichen politischen Kultur. Eine offene Unterstützung für den Befreiungskampf der Kurden würde neben den Verwerfungen vor Ort auch die tiefsitzende Verunsicherung des westlichen Politikmodells offen zutage befördern.
Denn obwohl die Abneigung alles Nationalen zum Mainstream-Denken gehört:
Bis heute ist die nationale Ebene die einzige, in der Demokratie tatsächlich in einer ernstzunehmenden Form funktioniert.
Und überall dort, wo post- und transnational Politik betrieben wird, fehlt ihr schlicht die demokratische Legitimation. Postnationales Denken betont dennoch einseitig die Rückschrittlichkeit nationaler Souveränität – und stellt sich somit gegen die bislang einzige Formation tatsächlicher demokratischer Herrschaft.

Krise der Kurden reflektiert unsere Demokratiekrise
Die Krise der Kurden ist also eine vielschichtige: Sie haben nicht nur keinen eigenen Ort, um ihr Selbstbestimmungsrecht auszuüben, sondern ihr Streben nach einem solchen Ort ist auch kein Bestandteil des heutigen politischen Denkens mehr. In Zeiten politischer Passivität und ausgeprägter Opferorientierung ist der Wunsch nach echter Freiheit häufig mit Skepsis, Misstrauen und Zweifeln durchmischt. Dies führt dazu, dass diese Vision bestenfalls als unrealistisch, schlimmstenfalls als gefährlich abgelehnt wird. Gleichzeitig ist aber die Niederlage der Kurden noch mehr als das: Da sie den Niedergang der westlichen politischen Kultur widerspiegelt, ist sie auch unsere Niederlage. Daher ist tatsächliche und ernstgemeinte politische Unterstützung für die Kurden angesagt: nicht als Geste des Mitleids, sondern als ein Akt der demokratischen Selbstachtung und als ein Zeichen des Aufbegehrens gegen den zynischen Moralismus westlicher Politik.
… Alles vom 4.2.2018 von Matthias Heitmann bitte lesen auf
https://www.cicero.de/aussenpolitik/kurden-tuerkei-syrien-autonomie
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Für die Kurden einfordern, was man für die Deutschen nicht will?
Es geht hier nicht nur im in Deutschland lebende Kurden. Ganz abgesehen davon, dass die sich vergleichsweise auch sehr gut integrieren und es allemal besser ist, wenn PKK-Anhänger gegen Erdogan, den IS und die ganze Blase demonstrieren, als wenn selbsterklärte Sharia-Polizisten und Koranverteiler dafür sind, sind die Kurden der westlichen Welt insgesamt wesentlich näher als die meisten ihrer Nachbarn.
Das haben sie mit Israel gemeinsam, und es ist kaum verwunderlich, dass sich die postmoderne, postnationale Freiheitsfeindlichkeit auch dahingehend auswirkt, dass die Kurden verraten werden, weil sie für das einstehen, was ursprünglich mal den Westen bzw. die freie Welt ausgemacht hat.
Herr Heitmann hat absolut Recht, und es ist eine Schande, mit anzusehen, wie schamlos Appeasement mit den Verfolgern der Kurden betrieben wird. Aber wie sollten man auch für die Kurden einfordern, was man schon für die eigenen Leute nicht will? Das ist eben merkeldeutsche Postdemokratie in der Praxis.
4.2.2018, Aleander Voss, CO
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Kurden-Konflikt nicht bei uns
Menschlich haben die Kurden wie alle, die nicht politische und kulturelle Freiheit genießen, wie wir sie für selbstverständlich halten, mein Mitgefühl. Politisch ist mir dieser Konflikt weitgehend egal. Er ist nicht unserer, und auch mit Mühe kann man ihn mal ausnahmsweise nicht unserem Gemeinwesen – Stichwort „geschichtliche Verantwortung“ – anhängen, um das gutmenschliche Herz zu wärmen.
Die Welt ist voll von solchen Konflikten, die die jeweiligen Völker allein lösen müssen. Null Verständnis habe ich aber dafür, wenn dieser Krieg auf unsere Straßen getragen wird und unsere Polizisten dafür ihren Kopf hinhalten müssen. Wer nicht friedlich demonstrieren kann, hat hier nichts verloren, egal auf welcher Seite
4.2.2018, Jörg Meyer, CO

Selbstbestimmungsrecht der Völker
Was mit den Kurden getrieben wird ist gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das nach Versaille 1919 dazu diente die Vielvölkerstaaten Habsburgisches Reich und Osmanisches Reich aber auch das Deutsche Reich aufzubrechen. Und was unterscheidet die Kurden von den Juden, die letztlich auch Staatlichkeit erlangten? Das kurdische Problem wird nicht verschwinden, sondern Europa/Naher Osten für immer begleiten. Natürlich gibt es so etwas wie Volk und nationale Identität, die Menschheitsgeschichte beweist es. Dass die Deutschen das leugnen, aufgrund ihrer eigenen Geschichte, mag für sie für begrenzte Zeit gültig sein, aber die Franzosen, Italiener oder Spanier haben das deutsche Problem nicht. Die fühlen sich als Franzosen, Italiener oder Spanier; wer es nicht glaubt sollte dort leben, dann versteht er es. Nationalität bedeutet nicht Verneinung von Internationalismus, sondern ist die Voraussetzung dafür.
4.2.2018, Hans Page, CO

Aufbegehren gegen den zynischen Moralismus …
der westlichen Welt? Schön formuliert. Das ist ja das Schöne in Multikultiland D. Da bekommst du was geboten für dein Geld. Ich schaue aber lieber dem bunten Treiben zu und konsumiere. Wir können ja eh’ nicht alle retten bzw. allen helfen. Oder doch? Schaffen wir das? Setzen sie auf Rot oder Schwarz und lassen die Kugel rollen. Bestenfalls kommt Zero.
4.2.2018, Claudia Martin, CO

“warum müssen sie ihre Streitigkeiten innerhalb Deutschlands austragen?” Korrekte Frage Herr Stein. Doch noch tragen sie hier keine Streitigkeiten gewaltsam aus. Das ist noch ein Zustand der demnächst ganz sicher folgen wird. Demonstrieren ist übrigens erlaubt in Deutschland. Sogar Vorschläge seitens arabischer Demonstranten wie, “Juden ins Gas” etc., sind bei uns offensichtlich erlaubt soweit sie von deren Seite kommen.
Dennoch ist eins sicher. Die Kurden in Syrien werden derzeit erstens völkerrechtswidrig vom türkischen Militär angegriffen. Zweitens waren diese Kurden, solange sie für den Westen den sog. IS bekämpften und erfolgreich zurückdrängten, die Guten. Nun sind sie die Bösen weil das ein Nato-Mitglied so sieht.
5.2.2018, Rolf Pohl, CO

Postnational?
“dass sich in der kurdischen Gesellschaft ein anderswo kaum noch existierender Glaube konserviert hat: der progressive und befreiende Glaube an die Nation und an nationale Souveränität als Voraussetzung für Volksherrschaft.” Ich sehe das anders: noch ist weltweit die Nation (nach Geld, aber vor Religion und westlich postnationalen Ideen) die stärkste “Zusammenhaltsidee” für Menschen. Afrika ist z.T. noch pränational und wird erstmal auch eher national als postnational. Auch Europa, wenn es eine Chance hat, wird eher ein Nationalstaat auf erweiterten Grenzen, als eine Gemeinschaft auf offenen Grenzen, basierend rein auf einem westlichen Wertekanon – die Schicht, die soetwas vertritt, scheint mir viel zu klein, insbesondere, wenn man zukünftige außereuropäische Migranten dazunimmt.
Postnational als Idee wird eine zunehmende Rolle spielen. Aber die Einschätzung, dass postnationale Ideen weltweit eine bestimmende Rolle spielen werden, scheint mir auf Jahrzehnte realitätsfremd.
5.2.2018, Jörg Michaelis, CO

Moral-Elite ohne Moral
Erdogan schlachtet die Kurden ab und die Welt schaut zu! Warum höre ich keinen Aufschrei der selbsternannten grün-roten Moral-Elite?
Jetzt ist es soweit: auf beiden Seiten stehen sich deutsche Waffen gegenüber … wie “moralisch- sauber” ist das denn?!
Mit Deutschlands modernsten Waffen (Panzern etc.) werden die Kurden abgeschlachtet, die man zuvor noch für den Krieg gegen diesen mörderischen IS gebraucht hat. Pfui, was ist das für eine verlogene Politik, Genosse Gabriel & Frau Merkel! Genosse Gabriel und Schulz müssen sich auch angesprochen fühlen: die SPD sitzt mit im Lug-und-Trug-Boot!
Ein demokratisches Deutschland und Europa geht nur noch ohne diese „Politiker“ und diese selbsternannte grün-rote EU-Moral-Elite, die klammheimlich hinter dem Rücken des Souverän deutsche Waffen nach Saudi-Arabien, die Türkei und andere kriegsführende Länder liefert (deutsche Waffenfabrik in Sardinen …. ), obwohl etwas Anderes beschlossen war!
5.2.2018, Günter Johannsen, CO
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Ausgezeichnete Analyse. Natürlich nicht in den Main Fake Medien publizierbar.
Präzise und überzeugende Analyse des aktuellen politischen, “postnationalen” Mainstreams in Deutschland und der EU. Der Kampf um das Recht auf nationale, demokratische und freiheitliche Selbstbestimmung ist tatsächlich eines der sogenannten “westlichen Werte”, die in Sonntagsreden der politischen EU-Elite hochgehalten, aber niemals so pragmatisch-direkt wie hier geschehen benannt werden. Selbige Analyse gilt im übrigen für unseren schweigenden, demokratisch unsolidarischen Blick auf das Freiheitsstreben Kataloniens.
4,2.2018, Henning Magirius, CO

“Zynischer Realismus westlicher Politik”
Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen, sehr geehrter Herr Heitmann: REALISMUS ist immer mit einem gewissen Zynismus verbunden; denn so ist nun mal, diese Welt, und so sind viele Menschen: egoistisch, verlogen und ungerecht. Was die Kurden anbetrifft, so plädieren Sie in deren Fall für etwas, das gerade in Deutschland heftigst bekämpft und – so weit ich weiß – auch von Ihnen abgelehnt wird: ” … progressiver und befreiender
Glaube an die Nation und an nationale Souveränität als Voraussetzung für Volksherrschaft”. Prima! D a s wollen Sie also den Kurden zugestehen, während wir Deutschen unsere nationale Selbstbestimmung geradean eine ominöse EU-Regierung abgeben sollen? Ist das nicht vollkommen inkonsequent gedacht von Ihnen? Oder stimmen Sie etwa auch der AfD-Forderung zu, daß wir Deutschen uns auf keinen Fall unsere Souveränität nehmen lassen dürfen? In dem Falle wäre Ihr Denken bzgl. der Kurden folgerichtig, und ich könnte mich Ihnen in allem anschließen.
5.2.2018, Chista Wallau, CO
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Nur im Nationalen funktioniert Demokratie
“Bis heute ist die nationale Ebene die einzige, in der Demokratie tatsächlich in einer ernstzunehmenden Form funktioniert. Und überall dort, wo post- und transnational Politik betrieben wird, fehlt ihr schlicht die demokratische Legitimation.” Wohl wahr. Allerdings definiert sich diese nationale Ebene juristisch nach Staatbürgerschaft und nicht ethnisch oder als “Kulturnation” und durchschneidet so manchmal Ethnien und Kulturen. Für letztere ein “Selbstbestimmungsrecht der Völker” zu postulieren führt zum Bürgerkrieg. Umgekehrt dem Nationalstaat uneingeschränkte Oberhoheit über die in ihm lebenden Menschen zuzubilligen, auch als demokratische Diktatur einer Mehrheit über eine Minderheit, hat den gleichen Effekt, denn Menschen identifizieren sich mit ethnischen und kulturellen Kollektiven. Ich glaube, wir brauchen eine Fortentwicklung des Völkerrechts, das hier eine Balance schafft, irgendwas mit beschränkter Autonomie innerhalb von Nationalstaaten.
4,2,2918, Manfred Steffan, CO

Die Kurden haben für uns die Drecksarbeit gemacht
Keine der beteiligten Mächte wollte mit Bodentruppen einmarschieren (gegen den IS). Die Kurden haben ein großes Danke und ihren eigenen Staat verdient. Gleichzeitig sind sie auch die fortschrittlichste Kraft in der Gegend dort. Die einzigen, die ihre Frauen achten.
4.2.2018, Martin Wienand, CO
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Mutiger Beitrag,
die Arme(e) des Sultans reich-en(-t) weit; insbesondere in Deutschland, wo er Millionen glühender, fanatischer Anhänger hat, von denen wir Naivlinge glauben, dass sie bestens integriert seien! Am Los der Kurden können wir erkennen, wie es uns im Jahre 2050 in Germanistan ergehen wird. Im Gegensatz zu den stolzen Kurden, wird sich der feige, empathiebeseelte biodeutsche Michel unterordnen und somit letztendlich versklaven lassen.
Denn wer sich wie ein Wurm verhält, wird wie ein Wurm getreten werden und wer Parteien wählt, die nicht bereit sind das eigene Territorium mit der Waffe in der Hand zu verteidigen, wird aufgerieben werden. So war es und so wird es immer sein.
5.2.2018, Detlev Flott, CO

Kurden gegen Türken bei uns
Das Problem für uns ist doch nur die falsche Einwanderungspolitik, verbunden mit Querelen zwischen Kurden und Türken hier im Land. Alle Politiker, die uns das in den letzten 50 Jahren eingebrockt haben sollten samt ihrer Parteien geächtet werden, denn mit dieser unverantwortlichen Weichenstellung haben sie uns in eine Situation gebracht, die unverzeihlich ist.
Hoffentlich gelingt es uns noch, diesen unsäglichen Zustand zu verändern, denn deren Probleme sind nicht unsere und die sollen sie gefälligst in ihrer Heimat austragen und Demonstrationen, die außerhalb der Belange der Bundesrepublik liegen müßten aus Sicherheitsgründen verboten werden denn irgendwann artet das mal aus und wir werden im Chaos versinken. Wer Partei ergreift, soll es gefälligst dort tun, wo es stattfindet. Deutschland ist der falsche Platz und deshalb keine politische Betätigung, die sich außerhalb der deutschen Belange stellt.
5.2.2018, Achom Scharelmann, CO

 

 

 

Kurden erklären Gleichberechtigung der Frauen
Die kurdischen Kämpferinnen der YPJ und PKK spielen eine Vorreiterrolle in der Frauenemanzipation im Nahen Osten.
Nun haben auch die Peshmerga ihr erstes Frauenregiment: Sobald es Masud Barzani, Präsident der autonomen kurdischen Region im Irak, befehle, werde man aufbrechen, um den IS in Kobanê zu bekämpfen … Und von den Kurden in Syrien wird mitgeteilt, dass sie Verordnungen zur “Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Lebens” erlassen haben. Beides zeigt eine beachtliche Entwicklung im Nahen Osten an.

Die in Syrien entstehenden Frauenbewegungen wurden zu einem beträchtlichen Teil von den kurdischen Frauen in Nordsyrien beeinflusst. Beeinflusst durch den Kampf der kurdischen Frauen der PKK in der Türkei, bildete sich in Rojava in Nordsyrien eine Frauenbewegung heraus, die einerseits sich militärisch in der YPJ (Yekîneyên Parastina Jinê) organisierte, aber auch in der Politik führende Positionen besetzte. So werden alle wichtigen Posten in Politik und Verwaltung mit einem Mann und einer Frau besetzt (Ko-Vorsitzende), in allen Bereichen wurde eine 40%ige Geschlechterquote verwirklicht. 2005 wurde die Organisation der kurdischen Frauen (Yekitiya Star) gegründet, in der alle Frauen, die sich im sozialen, politischen oder militärischen Bereich engagieren, Mitglied sind. Im November 2014 wurde in Rojava durch die Verwaltung ein Gesetz erlassen, dass die Frauen den Männern gleichstellt: Danach erhalten die Frauen die gleichen Arbeitsbedingungen und die gleiche Bezahlung wie Männer. Frauen dürfen erst ab 18 heiraten und nicht gegen ihren Willen verheiratet werden. Polygamie wie auch ‚Ehrenmorde‘ sowie jegliche Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen sind verboten. Frauen erhalten nun auch das Recht zu erben.
Alles vom 24.11.2014 bitte lesen auf
www.heise.de/tp/artikel/43/43325/1.html

 

 

Unterdrückung der Kurden in der Türkei in den 1980er und 1990 er Jahren
Die kurdischen Familien waren in den 1980er und 1990 er Jahren massiver Repression seitens des türkischen Staates ausgesetzt, der die Existenz der Kurden schlichtweg verleugnete und sie als “Bergtürken” bezeichnete. Sie waren vor die Alternative gestellt worden, sich entweder zu assimilieren oder vernichtet zu werden. Tausende kurdischer Dörfer – die Frankfurter Rundschau berichtete von 3100 – wurden von den türkischen Militärs niedergebrannt, die Bevölkerung vertrieben oder getötet, wer Widerstand leistete, wurde inhaftiert und gefoltert. Es gab eine Massenflucht aus Kurdistan in die türkischen Metropolen, in der Hoffnung, ein Ticket nach Europa zu bekommen. Die Türkei versuchte, die kurdische Kultur komplett zu eliminieren: die Sprache wurde in der Öffentlichkeit verboten, das Neujahrsfest “Newroz”, das wichtigste kulturelle Fest der Kurden durfte nicht mehr praktiziert werden. Durch diesen quasi Vernichtungskrieg gegen die türkischen Kurden und Kurdinnen entstand ein organisierter Widerstand, der zur Entstehung der PKK in den frühen 1980er Jahren führte. Dies forcierte das Selbstbewusstsein der Kurden und rettete damit ihre Kultur. Die systematisch angewandten Repressalien und Folterungen des türkischen Staates gegen die Kurden im Osten des Landes kann man guten Gewissens als “Staatsterrorismus der Türkei” bezeichnen. Die Medien, die gerne der PKK den Terror zuschreiben möchten, behaupten falsche Kausalitäten. Durch den Staatsterror wurden auch die ländlichen Kurden und Kurdinnen politisiert. Es gab in vielen Regionen Volksaufstände, kurdisch “serhildan” genannt. Frauen waren von Anfang an mit dabei. …. Alles vom 24.11.2014 bitte lesen auf
www.heise.de/tp/artikel/43/43325/1.html

 

 

Kurden ohne Kurdistan – Volk ohne eigenen Staat

Das Siedlungsgebiet der Kurden liegt im Grenzgebiet von Iran, Irak, Syrien und (flächenmäßig mit Abstand am größten) der Türkei.
Auf der Pariser Friedenskonferenz Anfang 1919 bestanden nicht nur Großbritannien, Frankreich und Italien auf territorialen Ansprüchen, sondern auch griechische, armenische, zionistische, arabische und kurdische Vertreter. Der Vertrag von Sevres am 10.8.1920 zwischen der Entente und dem Osmanischen Reich ließ ausdrücklich auch Raum für die Gründung eines unabhängigen Kurdistans.
Im Vertrag vom Lausanne vom 24.7.1923 wurde die territoriale Einheit der Türkei anerkannt. Dabei war von einem autonomen Kurdistan jedoch plötzlich keine Rede mehr – obwohl die Kurden in den Kämpfen zuvor den türkischen Staatsgründer Chemal Atatürk jahrelang unterstützt hatten. Seitdem fühlen sich die Kurden von der Türkei verraten.

In den zwanziger, dreissiger und erneut seit den achtziger Jahren wurden Aufstände der Kurden von der Türkei blutig niedergeschlagen. Sogar die heutigen Auseinandersetzungen zwischen der PKK und der türkei legen viele als eine Folge des “Verrats von Lausanne 1923″ aus.

Ähnlich wie im Unabhängigkeitskrieg 1919-1923 stehen Türken und Kurden im Jahr 2014 einem gemeinsamen Feind gegenüber – dem “Islamischen Staat” IS, Doch die Türkei tut sich sehr schwer, die Kurden gegen den IS zu unterstützen. In der Washington Post verglich Charles Krauthammer das Verhalten Erdogans mit dem Stalins 1944:
– Während des Warschauer Aufstandes 1944 stoppte Stalin seine Panzer und wartete, bis die SS die
nichtkommunistischen Partisanen vernichtet hatte.
– Im Herbst 2014 stehen Erdogans Panzer in Sichtweite der Kurdenenklave Kobane und greifen nicht ein.

Das Trauma der Kurden, vor 100 Jahren eine Waffenbrüderschaft mit der Türkei geschlossen und dann leer ausgegangen zu sein, wirkt immer noch und wieder neu

Mehr lesen auf: Thomas Speckmann: Von Atatürk verraten, Die Zeit 45/2014, 30.10.2014, S. 18, www.zeit.de

 

 

PKK von der Terrorliste streichen?

Die Türkei erkannte die Kurden nicht als ethnische Minderheit an und verbot ihre Sprache und Traditionen. Auch in Iran, Irak und Syrien wurden die Kurden diskriminiert und unterdrückt. Die PKK (Partiya Karkeren Kudistan) verfügt über 15000 Kämpfer und ist willens und anscheinend in der Lage, die IS zu bekämpfen. Die Peschmerga – traditionelle kurdische Gegenspieler der PKK – haben eine über 100000 umfassende Armee im Nordirak, wurden dort aber von IS überrannt.  USA und EU überlegen deshalb seit Oktober 2014, die PKK von der Terrorliste zu streichen.

Natürlich hat die PKK eine terroristische Vergangenheit zu bewältigen – aber solange die Kurden keinen eigenen Staat erhalten bzw. solange die von England, Frankreich und USA nach dem 2.Weltkrieg willkürlich (bzw. im Hinblick auf die Erdölvorkommen gar nicht so willkürlich) vorgenommene Gebietsaufteilung in Nahost (Irak, Syrien, Jordanien, Iran und Ost-Türkei) nicht korrigiert wird , solange wird es keinen Frieden in Kurdistan geben. Die Kurden sind ein uraltes Volk mit uralter Kultur, aber eines der wenigen Völker ohne eigenen Staat. Verantwortlich für dieses Debakel sind die alliierten Siegermächte des 2. Weltkriegs.

1991 beim Konzert “The simple truth” waren die Kurden in der Welt von MTV angekommen: Chris de Burgh, Madonna und Rod Stewart sammelten Geld für den 5000fachen Giftgasmord von Saddam Hussein an den Kurden in Halabdscha in 2008.
Den alljährlichen Newroz (neuer Tag) im März begehen die Kurden als politisch-kulturelles Festival mit Lrik, Musik und Folklore und Agitation.

Das Kurdisch-Sein wird in der türkischen Bevölkerung, damals wie heute, mit Terrorismus gleichgesetzt. Erst seit den Gezi-Protesten in Istanbul 2013 merkten die Türken, dass ihre Weltsicht korrekturbedüftig ist und die Menschenrechtsfrage der Türken nicht behandelt wurde. Erst als Waffen und Wasserwerfer sich gegen sie richteten, merkten die Mittelstandstürken, wie die Zeitungen lügen, die Polizei korrupt ist, die Staatsanwälte klüngeln und die Regierung brutal ist. Die Kurdenfrage wurde bei den Gezi-Protesten überhaupt nicht thematisiert. “Es war absurd: Die Türken im Westen gingen auf die Strasse, um gegen Repressalien seitens der Regierung zu kämpfen, und die Kurden, die jahrzehntelang davon betroffen waren, trauten sich nicht mitzumachen, um Friedensgespräche nicht zu blockieren.”

“Türken missverstehen den Freiheitskampf der Kurden als Aufstand gegen “ihr” Land – statt als Engagement für eine friedliche Türkei.”
Lesen Sie mehr dazu von Mely Kiyak: Ihr werdet nie in Sicherheit sein. Warum es ungünstig ist, auf dieser Welt Kurde zu sein. 27.10.2014, S. 92-93, www.spiegel.de

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