Italien

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Blick nach Osten auf Moneglia/Ligurien am 7.9.2007 – Cinque Terre weiter rechts bzw. im Osten

 

 

                             
(1) Reisfelder in der Po-Ebene südlich Mailand zwischen Casale und Allesandria am 15.9.2013

 

Italien und das Meer
Die Italiener müssen ans Meer, sie können nicht anders, schließlich umfängt das Meer (fast) das Land – und seine Geschichte sowieso. Übers Meer kam Aeneas aus den Trümmern von Troja um Alba Longa zu gründen, die Mutterstadt Roms. Übers Meer kamen die Karthager, die Sarazenen und die Amerikaner. Und aufs Meer hinaus fuhren Genuesen und Venezianer, wurden groß und reich. Das italienische Kulturinstitut Società Dante Alighieri fragte kürzlich im Internet, welche Wörter die Italiener mit in den Urlaub nehmen möchten. Haushoch gewannen: “Sole, cuore e mare”, die Sonne, das Herz und das Meer.

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Italien: Tradition als Lebenskunst
Italien, das Land, „wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn“, versetzte bekanntlich nicht nur Goethe und Heine in wahre Glückstaumel von Entzücken und Lebenslust. Es gilt seit den Fünfzigerjahren als DAS Sehnsuchtsland der Deutschen. Doch nichts bleibt, wie es ist, längst hat der Discount-Tourismus dem italienischen Fremdenverkehr das Wasser abgegraben. Warum sich zwei Tage durch endlose Staus nach Italien quälen, wenn man für ein paar hundert Euro Hurghada all inclusive buchen kann?
…. Alles vom 14.4.2019 von Antja Sievers bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/tradition_als_lebenskunst
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Immer wieder werde ich depressiv in Italien,
auch wenn das Essen gut sein mag und wenn noch so viele Stimmen mir das Italienische lobpreisen. Sie lassen alles zerfallen, die Mafia drückt von Süden und Berlucsconi von Norden her, ein einziger Alptraum, der mir mehrfach den Kofferraum leerte und außer etwas Mode und Florenz wenig hat, was mich lockt. Der Islam atmete einige Zeit in Sizilien und begründete dort die Clan-Strukturen. Dazu passt der italienische Fatalismus heute, man darf das gerne romantisch verklären, aber die Kulturen aus Nord- und Südeuropa reiben sich intensiver als dies viele bei uns wahrhaben wollen. Italiener leben ihren Stiefel und kümmern sich wenig um uns. Das kann man irgendwie bewundern in den ringsum zusammenfallenden Kulissen.
14.4.2019, F.H., AO
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Linkes Gleichmacher-Framing kontra nationales Flair
Kulturenvielfalt und den individuellen Charme eines Landes, einer Nation, vor Ort zu erleben, ist für den unternehmungslustigen und neugierigen Reisenden ein wahres Glück, ein Wonnebad der Seele, ein Labsal für geistig flexible und interessierte Zeitgenossen und die schönste und natürlichste Art, um die multikulturelle Welt zu entdecken!
Egalität und Gleichmacherei, die Abschaffung der Nation und der ständige Angriff Linker durch Framing Tradititionsverbundenheit, Nationalitätsbewußtsein und Konservatismus negativ zu konnotieren ist selbstzerstörerisch. Das linke Bedürfnis, unsere nationale Identität auszulöschen und zu Nazifizieren, zur Schaffung eines globalen Einheitsbreis, ist wahnwitzig und dumm. Nicht, daß der linke Grünling selbst auf nationales Flair verzichten wollte. Nach getaner Arbeit, der Anweisung der Presse und NGO’s mit neuem ‘antinationalem Irrsinn’ setzt er sich gern in sein Cabriolet, indem nur der Zigarettenanzünder elektrisch funktioniert, und düst ‘sforza’ nach Bella Italia ins edle Weingut, um in typisch italienischem Ambiente mit den durstigen Genossen weitere zerstörerische Pläne zu entwerfen. Zur Zeit mit etwas schlechtem Gewissen seit Salvini mit an der Macht weilt. Gott zum Segen ist der grüne Soze tapfer! Tja, so kennt man den ökologischen Heuchelheinz, verdient sein Geld mit der Zerstörung Deutschlands und trägt es ins nationalbewußte Italien, ein Land voller Tradition, Idendität, und Nationalstolz. Vielleicht sitzt er gerade an Ihrem Nachbartisch. Schönen Urlaub!
14.4.2019, S.SCH, AO
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Lebenskunst und Heimat
”Warum sich zwei Tage durch endlose Staus nach Italien quälen, wenn man für ein paar hundert Euro Hurghada all inclusive buchen kann?” Das stimmt schon was Sie schreiben, nur darf man Ägypten nicht mit Italien vergleichen. In Ägypten herrscht seit der Militärregierung eine große Armut unter der NICHT privilegierten Bevölkerung. Damit die Touristen noch kommen, wird eben mit diesen Dumpingpreisen geworben. Nach Italien fahren die Menschen nach wie vor, Italien hat noch immer viele Anhänger, obwohl die Mär vom “dolce vita” schon lange gestorben ist. trotzdem, die Italiener, bzw. viele leben nach dem Motto, leben und leben lassen, so eine Portion Leichtigkeit würde vielen von uns ebenfalls gut tun. Zweitens trägt auch die neue Regierung mit ihrem Starpolitiker Salvini dazu bei, daß Italien jetzt als SICHERER empfunden wird ! Ob es so ist, weiß ich nicht, zumindest setzt die Partei mit ihrer Durchgreifpolitik Akzente ! Was die “Tradition als Lebenskunst betrifft, wird sie nicht nur in Italien gelebt. SEHR viele Länder halten ihre Traditionen sehr HOCH !! Das WORT HEIMAT wird in vielen Ländern großgeschrieben. “Tradition ist in Italien kein aufgeblähter Selbstzweck, sondern Lebenskunst. Und eine so schöne noch dazu.” Nicht nur in Italien, in den Visegradstaaten ebenfalls. An ihnen beißen sich Pölitiker, die das bekämpfen wollen die Zähne aus und das ist GUT SO !!
14.4.2019, K.K.
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Volksbräuche sind nichts für Linksgrünwähler
Ich staune immer wieder, wenn sogar in öffentlich rechtlichen Dokumentationssendern Traditionen und Volksbräuche in anderen Ländern geschildert werden und nicht mal ein kleiner Hinweis so nebenbei untergemischt wird, dass das aber nicht dem multikulturellen Fortschritt dient, sondern eher nationalistischen, rückwärtsgewandten Tendenzen entspricht, weil ja die Traditionalisten bestimmt keine Linksgrünwähler sind.
14.4.2019, R.L., AO
 

 

Erklär mir Italien!
Saviano berichtet viel über seine Kindheit in Casal di Principe, einer Stadt nördlich von Neapel, in der die kampanische Mafia, die Camorra, das Sagen hat. Hängt Politik und Mafia zusammen? Wenn ja wie? Warum kann einer wie Berlusconi alles machen, wird trotzdem verehrt, gewählt? Der Mann, der sich lächerlich macht, auch in Italien? Wir erfahren etwas über die populistischen Parteien »Lega Nord« und die »Cinque Stelle« (5 Sterne) Bewegung von Beppe Grillo. Saviano erklärt, wer in Italien Politiker werden will, muss verrückt sein, denn der wird gegrillt. Jedem wird etwas angehängt, auch wenn er sauber ist, es ist Sport, Politiker fertigzumachen. Drum gibt sich nicht jeder für ein Amt her, eher korrupte, mehr oder minder kriminelle Typen.
»Die heute andauernde Rückständigkeit nahm schon unter den Bourbonen ihren Anfang. … In Wahrheit war das eine korrupte Feudalherrschaft.«
Städte und Gemeinden arbeiten gegeneinander, reiben sich auf im Konkurrenzkampf, was jeden Fortschritt lähmt, wird dem Leser erklärt. Ich hätte gern gewusst, wie dieses Szenario entstehen konnte und wie die Italiener aus dem Dilemma entkommen könnten. Man erfährt einiges über italienische Geschichte, eine Einheit-Italien, die vom Piemont ausging, der Süden nie gefragt wurde. Der Süden und der Norden, wird das je zusammenpassen?
»In Kalabrien, Lukanien und auch anderswo sind ganze Gebiete praktisch entvölkert. Sind alle weggegangen Wenn man die Syrer, Türken, Kurden, Senegalesen, hereinließe in die Städte, könnte man die Omertà, die eigentliche Kultur der Mafia, außer Kraft setzen.«
Die Arbeitslosigkeit ist in Italien sehr hoch, jedes Jahr verlassen viele Italiener das Land, um anderswo ihr Glück zu suchen. Im Süden sind viele Kleinstädte und Dörfer entvölkert, die Landwirtschaft liegt brach. Einwanderung durch Flüchtlinge hält Roberto Saviano für eine Lösung. Die Landwirtschaft käme in Gang, die Mafia hätte keinen Einfluss. Ist das so einfach? Basiert die Mafia alleinig auf die Omertà und würden neue Einwohner sich nicht ins System einfinden?
»Mussolini ist ein Inbild der italienischen Wesensart.« – »Ich verstehe ja, dass du dich über Mussolini-Souvenirs aufregst, aber schau dir mal den hilflosen Umgang der Linken mit ihren Idealen und Symbolen an.«
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Wir lernen: Der Italiener ist ein Pragmatiker. Man freut sich diebisch, wenn man jemand anderen über das Ohr gehauen, hat. Es machen ja alle. Man bewundert die Leute, die sich dem Staat widersetzen, tricksen, Gesetze missachten, keine Steuern zahlen, ein kleiner Anarchist steckt in jedem Italiener. Am Fremdgehen schert sich niemand, solange die Familie dabei heile bleibt. Das gilt für viele Dinge: Solange es keinen Schaden anrichtet… »Italien vergisst alles.« Mittlerweile 65 Regierungen seit 1946. »In Wahrheit regieren andere Mächte, die Industrie, die Medien, die Richter – und manchmal eben auch die Mafia.«

Di Lorenzo verspricht anfangs ein Buch, »in dem das Anziehende und das Abstoßende zusammenkommen«. Man steht am Ende ziemlich ratlos da. Vor ca. 30 Jahren habe ich Italien und die Italiener recht gut kennengelernt. Und ich mag meine Freunde bis heute. Je tiefer ich aber Einblick in dieses Land nahm, umso abstoßender empfand ich es. Kein Wein, keine Pasta, keine schöne Landschaft konnten mir darüber hinweghelfen. Und so geht es mir mit diesem Buch. Die beiden Journalisten finden so wenig Anziehendes. Es war doch am Anfang versprochen, beide Seiten zu zeigen. Man vergisst die vielen schöne Dinge an der Oberfläche, wenn man sich ins Innere gräbt.
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»Wie kann man ein Land lieben, das einen zur Verzweiflung treibt?«, fragen sich die beiden Medienvertreter. Das fragt sich der Leser am Ende auch. Ein interessantes Buch, um Italien ein wenig besser zu verstehen. Wer nach dieser Lektüre immer noch mit verklärten Augen das Land betritt, ist selbst schuld.

Kommentar zum Buch:
Erklär mir Italien!: Wie kann man ein Land lieben, das einen zur Verzweiflung treibt?
von Roberto Saviano und Giovanni di Lorenzo
20 Euro

 

 

 

I und D
Man liebt Italien und die Italiener deshalb, weil sie emotionaler (empathischer) und weniger (zweck-) rational sind, im Vergleich zu den Deutschen, die das komplette Gegenteil davon sind. Die Italiener denken und handeln freier bzw natürlicher, was hierzulande oft als “Dolce Vita” bezeichnet wird und das steht im Widerspruch zur menschlich konstruierten und damit unnatürlichen Kapitalismusideologie, die nur nach dem sogenannten “Homo Oeconomicus” strebt, also dem idealen und zu 100% rationalen denkenden und handelnden Menschen, der die Wirtschaft auf Höchstleistung bringen – und folglich zu Wohlstand führen soll. Dies soll mit vernünftigen Tugenden wie Ordnung, Gründlichkeit, Pünktlichkeit Fleiß und Political Correctness erreicht werden.
Das problematische an dieser Mentalität ist aber, dass das wahre Wesen des Menschen dabei völlig entfremden wird (von Kindheit an) und dies wiederum zu Angststörungen und folglich auch zu Depressionen und Gefühlskälte führen kann, weil es eben kein natürlicher Zustand ist. Eben die typischen Krankheiten der Wohlstandsländer bzw. Leistungsgellschaften. Unsere Vorfahren vor 10 000 Jahren, von denen wir uns auch heute nicht großartig unterscheiden, kannten eine solche unnatürliche Lebensweise nicht.
Mag sein das die Wirtschaft und Politik von diesem Effizienz- und Effektivitätsdenken profitieren, aber diese Denkweise ist trotzdem extrem hinderlich für den natürlichen und zwischenmenschlichen Kontakt, weil man durch eine ständig vernünftige Denkweise, sich zu sehr auf menschengemachte -, statt auf natürliche sozial (empathische) Regeln beruft, die wiederum schnell mal zur Unfreundlichkeit führen und damit auf empathische Mitmenschen unsympathisch und gefühlskalt wirken.
Angelernte beziehungsweise heuchlerischen “Political Skills” werden da auch nicht weiterhelfen, sondern nur wirkliche Empathie und Selbstbewusstsein, denn spätestens die Körpersprache, durch die sich zum Beispiel Unsicherheit oder passiv-aggressives Verhalten bemerkbar macht, verrät was hinter dem Menschen wirklich steckt, denn die Körpersprache lügt niemals und sozial intelligente Menschen riechen das sofort.
Es dürfte also nichts neues sein, dass ein empathisch humorvoller Mensch weitaus mehr Sympathie und Vertrauen weckt, als ein rational gefühlskalter, sachlicher und damit langweiliger Mensch, denn Empathie/Emotionen sind nunmal etwas natürliches und werden von vernünftiger Denkweise unterdrückt.
Das ist der Grund weshalb die Deutschen die Italiener lieben, aber leider nicht immer auch umgekehrt.
Bereits der deutsche Soziologe Max Weber kam durch seine Italienreise zu dieser Erkenntnis und sprach davon das Rationalität (Vernunft) die Welt entzaubert und in ein stahlhartes Gehäuse führt.
Um es also auf den Punkt zu bringen:
– je rationaler ein Mensch, desto weniger sozial intelligent (empathisch) ist er
– je empathischer ein Mensch, desto weniger vernünftiger (rational) ist er

Man kann auch ein gesundes Gleichgewicht zwischen beiden haben, ist allerdings sehr schwer und meinen Beobachtungen zufolge, eher in sogenannten generationsübergreifenden “wohlhabenden Familien” vorzufinden.
Natürlich kann man das jetzt nicht verallgemeinern, aber es geht meiner Meinung nach ungefähr in diese Richtung.
Zu Berlusconi:
Er wurde deshalb immer wieder gewählt, weil er ein Narzisst ist und manipulativ auf die Emotionen der Menschen, durch Humor, eingegangen ist und sie daher an ihn geglaubt haben und natürlich auch wegen Korruption usw. In Deutschland hätte man Berlusconi nicht gewählt, weil man emotional viel schwerer zugänglich ist, aufgrund der vernünftigen Denkweise.
Man sieht also, es hat alles seine Vor-und Nachteile und ideal wäre es, wenn man es wirklich schaffen könnte die Vernunft und Empathie in einem gesunden Gleichgewicht zu bringen und das man nicht immer nur in einem extrem verharrt.
21.1.2019

 

Oktober 2018 – auch in Italien
Kaum zu glauben, auch der Oktober ist schon wieder vorbeigezischt! Wenn ich daran denke, wie quälend langsam meine ersten 18 Jahre verstrichen sind und wie schnell und schneller es inzwischen geht; je näher die Bahre, desto zügiger galoppieren die Stunden! Ist ja logisch, es geht schließlich in Richtung Singularität. Mit Kierkegaards hoffnungsfrohen Worten: “Dann den Hintern zusammengekniffen und ab in die Ewigkeit!”

italien-enge-gassen
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Apropos Ewigkeit und erst recht Hintern: Die Monatsendfigur ist wieder fällig Italien. Keine Hexe soll diesen Tag optisch dominieren. Morgen ist schließlich Allerheiligen.
31.10.2018, https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna

 

Was passiert, wenn Italien aus dem Euro austritt?

In Italien sind jetzt alle Oppositionsparteien gegen den Euro. Zunächst hat das nichts zu bedeuten. … Aber in Demokratien kommen Oppositionen irgendwann einmal an die Regierung. … Berlusconi will die geldpolitische Souveränität zurückgewinnen, indem er zu Hause eine Parallelwährung einführt, die frei gegenüber dem Euro gehandelt wird. Löhne und Gehälter und natürlich auch die Preise in den Geschäften würden in dieser neuen Währung ausgeschrieben. Man würde alte Euros und die neuen italienischen Euros zunächst eins zu eins umtauschen. Danach würde die neue Währung freigegeben, worauf ihr Wechselkurs sofort einbrechen würde, wahrscheinlich um 30 bis 50 Prozent. Die italienische Wirtschaft wäre mit einem Schlag wieder wettbewerbsfähig. Für den Rest der Eurozone  wäre ein solcher Austritt Italiens das schlimmste aller Krisenszenarien. …..
Alles vom 1.12.2014 bitte lesen auf
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-was-passiert-wenn-italien-austritt-a-1005904.html

 

 

 

Hans-Werner Sinn: Ordnungspolitik funktioniert immer

Haben konventionelle wirtschaftswissenschaftliche Lehrmeinungen in der Krise versagt? Ja, meint SPON-Kolumnist Wolfgang Münchau. Jetzt entgegnet ihm ifo-Chef Hans-Werner Sinn: Die gute, alte Ordnungspolitik vermag auch heute noch die richtigen Antworten zu geben.

Erstens: Wie geht man mit einer anhaltenden Rezession um?
Eine anhaltende Rezession wie in Japan mit ewigen Nullzinsen und einer explodierenden Staatsverschuldung bekämpfen zu wollen, hat sich als Flop erwiesen. Japans Schulden stiegen seit dem Platzen der Blase im Jahr 1990 von 69 Prozent auf mittlerweile 245 Prozent der Wirtschaftsleistung, und dennoch gab es ein Vierteljahrhundert Siechtum. Die Hinnahme von mehr Konkursen im Sinne der schöpferischen Zerstörung hätte zwar manche Vermögensportfolios vernichtet. Doch im Gegenzug hätte es wegen der Entwertung des Kapitals wieder attraktive Renditen für neue Unternehmer gegeben, und das Land wäre wieder schneller auf die Beine gekommen. Mit ihrer politischen Macht haben die Anleger und Banken, die sich verzockt hatten, diesen Weg verbaut.

Zweitens: Wenn die Ordoliberalen jetzt keine Monetaristen mehr sein wollen, was sind sie dann?
Man muss kein Ordoliberaler sein, um zu verstehen, dass eine Geldschwemme und Staatsschulden keine Lösungen für Europas Probleme sind. Die Länder Südeuropas wurden durch eine inflationäre Kreditblase ihrer Wettbewerbsfähigkeit beraubt. Diese Blase entstand, weil der Euro die Zinsen dieser Länder senkte. Spanien zum Beispiel erhöhte seine Produktpreise von 1995 – damals wurde auf dem EU-Gipfel in Madrid das Timing für den Euro festgelegt, was die Zinsen fallen ließ – bis zum Beginn der Krise um 25 Prozent schneller als der Rest der Eurozone. Es war, als ob das Land noch die Peseta hatte und sie um 25 Prozent aufwertete. Das hat Spanien in eine Double-Dip-Depression mit einem Einbruch der Industrieproduktion um 30 Prozent getrieben. Dagegen hilft es nicht, künstliche Nachfrage nach den überteuerten spanischen Produkten mit der Druckerpresse oder durch neue Schulden zu schaffen. Da niemand mehr bereit ist, Spaniens Lebensstandard mit frischen Krediten zu finanzieren, muss das Land vom Lohn- und Preishimmel auf den Boden der Tatsachen zurück. Der wird durch die Arbeitsproduktivität definiert. Das ist bitter, aber es geht nicht anders.

Drittens: Ist es möglich, das ordnungspolitische Modell von einer relativ kleinen offenen Volkswirtschaft wie Deutschland auf eine relativ große eher geschlossene Volkswirtschaft wie den Euroraum oder die USA zu übertragen?
Ordnungspolitik funktioniert immer, bei großen und kleinen Länden. Dessen ungeachtet ist es aber nur kleinen Ländern möglich, sich durch Abwertungen Nachfrage aus dem Ausland zu verschaffen. Hier ist Wolfgang Münchau zuzustimmen. Das hat Deutschland, wenn man so will, im Euroraum getan, indem es mit seiner Inflation hinterher hinkte. Aber eigentlich hat nicht Deutschland agiert, denn die Preisstabilität war ja als Ziel im Maastrichter Vertrag verankert. Agiert haben statt dessen die südlichen Euroländer, indem sie jahrelang Inflationsraten hatten, die weit oberhalb der Toleranzgrenze von 2% lagen. EZB und Politikern ist der Vorwurf zu machen, dass sie nicht gebremst haben. Jetzt haben wir den Kladderadatsch.

Alles vom 6.11.2014 bitte lesen auf
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oekonomie-kritik-hans-werner-sinn-antwortet-wolfgang-muenchau-a-1001214.html

 

 

Italien und die Schulden

Über Target2 ist Italien mit ca. 450 Mrd.€ der größte Schuldner Deutschlands.

 

 

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