Irak

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  • Im Irak mit Kriegsindex 5 wird es Unruhen geben (21.7.2017)
  • Gegen Auslandseinsätze der Nato (26.7.2016)
  • Irak = drei Teile
  • Iran
  • Kurdistan
  • Palästina
  • Syrien

 

Im Irak mit Kriegsindex 5 wird es Unruhen geben
Warum sollte es im Irak liebevoller zugehen? Jenseits der Erdölerträge rutscht seine Wirtschaftsleistung während des Kalifats um ein Viertel ab. Und bei einem 2015er Kriegsindex von 5,8 spricht wenig für Kampfesmüdigkeit. Er liegt fast neunmal beziehungsweise achtmal höher als Deutschlands 0,65 beziehungsweise Österreichs 0,75. Erst 2025 wird er – bei einer Gesamtbevölkerung von dann 47 Millionen – mit 3,8 unter Saddams 1980er Antrittswert von 4,4 liegen. Explosiv bleibt auch das.
Ein Aufstieg Iraks durch Einstieg in die Weltmärkte bleibt gegen Ostasiens Musterschüler aussichtslos. Die Konkurrenzfähigkeit seiner Bürger ist schwer zu ermitteln, aber die 230.000 Iraker in Deutschland mögen als Annäherung dienen. Sie bleiben auf den Arbeitsmärkten so unvermittelbar, dass sie sich zu 65 Prozent das Recht auf Versorgung durch die Steuerzahler erwerben.
Bis 2050, wenn Irak 82 Millionen Einwohner versorgen und der Kriegsindex endlich unter 2 liegen soll, könnte es – unter welchen gerechten oder frommen Vorwänden auch immer – Unruhen geben. Der Iran wird versuchen, seinen Schiitenkorridor bis ans Mittelmeer zu festigen, dabei aber mit den sunnitischen Jungscharen genau so heftig aneinandergeraten wie frühere Okkupanten. Dabei können die Opferzahlen absolut noch zunehmen. Der Anteil der Getöteten an der Gesamtbevölkerung jedoch sollte sinken. Am Ende wäre selbst ein fünfzigjähriger Krieg keine Überraschung.
… Alles von Gunnar Heinsohn vom 20.7.2017 bitte lesen auf
http://www.achgut.com/artikel/irak_ein_fuenfzigjaehriger_krieg_waere_keine_berraschung

Fünfzigjähriger Krieg?
Lieber Herr Heinsohn, Ihr Artikel “Irak: Ein fünfzigjähriger Krieg wäre keine Überraschung” lenkt den Blick auf die – sonst unbeachtete – demografische Entwicklung im Irak, die mir bisher nicht bekannt war. Soweit ist er interessant. Ihre Grundthese: Bevölkerungswachstum und interkonfessionelle Konflikte der Muslime machen die westlichen Bemühungen Wohlstand und Demokratie in die Region zu tragen zunichte, liegt trotzdem mit den Tatsachen über Kreuz und wird aus einem zu eingeschränkten Blick auf die Geschichte der Region entwickelt. Deshalb an dieser Stelle eine Replik:
Der erste Golfkrieg zwischen dem Iran und Irak ist maßgeblich durch Waffenlieferungen der USA verlängert worden. Dass dabei beide Parteien Kriegsgerät erhielten, führte jedenfalls nicht zur Stabilisierung der Region und zum Aufbau einer funktionierenden Staatlichkeit. Keines der Regime verdiente die Unterstützung in diesem Konflikt.
Der zweite Golfkrieg war eine notwendige Intervention, um das besetzte Kuwait zu befreien. Dank der guten militärischen Ausrüstung war der Überfall ja ein leichtes für den Irak. Das im zweiten Golfkrieg von Kriegspropaganda ganz unverfroren Gebrauch gemacht wurde, ist zudem auch eine historische Tatsache (Stichwort Brutkastenlüge), die man nicht unbeachtet lassen kann.
Der dritte Golfkrieg ist ein völkerrechtswidrige Intervention unter Fürhung der USA, die man mit zu vielen Lügen rechtfertigte (Verbindungen zu Al Kaida, Massenvernichtungswaffen), um den Blick nicht auf geopolitische Strategien zu lenken, welche die wirkliche Motivation darstellten.
Dass der Westen solche Kriege aus humanitären Erwägungen führt, stellt die Wirklichkeit von den Füßen auf den Kopf. Es ist noch nie ein Krieg aus humanitären Gründen geführt wurden und mit Blick auf den Irak muss bedacht, dass das Land über erheblichliche Erdölvorkommen verfügt. Die jüngste Entwicklung im Irak ist eine unmittelbare Folge der Eroberung des Landes im dritten Golfkrieg: Die sunnitische Führung wurde abgesetzt und durch eine schiitische ersetzt.
Die bisher benachteiligten Schiiten unterdrücken nun die Sunniten, was dazu führt, dass der IS in der sunnitischen Bevölkerung Akzeptanz findet. Eine einfache und vorrausehbare Gleichung, die bei dem Aufbau einer neunen Staatlickeit im Irak keine Beachtung fand. Ganz nach Wallenstein ernährt der Krieg weiter den Krieg und schon ist man dabei in Syrien sunnitische Extremisten mit Waffen zu beliefern, da sie gegen Assad kämpfen. So ist die jüngere Geschichte im mittleren Osten ein Perpetuum mobile der Gewalt, welches von der dortigen Bevölkerung UND den USA/Europa in Bewegung gehalten wird. Bevölkerungswachstum allein für nicht zu Terror und Zerfall der Staatlichkeit, wenn die wirtschaftliche Entwicklung mithalten kann. Im Falle des Irakes ist dies durch Kriege und Embargo verhindert worden. Ihre Argumentation kühl auf statitischen Betrachtungen auf, dies mag rational und auch nützlich sein. Die Milchmädchenrechnung von Kriegstoten gegen Bevölkerungswachstum, mit dem Verweis darauf das es ja trotzdem “immer noch mehr” werden, ist am Ende aber unerträglich. Hier bin ich – nach Richard Wagner – doch lieber durch Mitleid wissend, als durch Zahlenwerk. Mit freundlichen Gruß
21.7.2017, Dr. Adrian Richter, AO

Das Problem können wir nicht lösen. Wir müssen es uns durch Schließen der Grenzen vom Hals halten (containment) und es den Irakern und ihren religiösen und weltlichen Führern selbst überlassen. Vielleicht erkennen sie eines Tages, welch Unglück ihre Bevölkerungsentwicklung ist – oder sie erkennen es eben nicht. Da die islamischen Führer den Westen im wesentlichen verachten, kann der Westen nicht einmal helfen, indem er seinen guten Rat anbietet. Es ist nicht so, dass mir das nicht Leid tut. Aber es liegt auch eine Weisheit darin, Respekt vor Anderen zu haben, auch in ihrer Souveränität, ihre eigenen Fehler zu machen, und zu erkennen, wann man selbst machtlos ist.
Was aber wäre die Lösung aus europäischer, “westlicher” Sicht? Andere bevölkerungsreiche Staaten, wie Indien zeigen nicht dieses kriegerische Verhalten, da müssen noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Konsequente Abschottung gegen illegale Migration? Beschäftigungsprogramme für gering Qualifizierte in diesen Ländern, “Reichsarbeitsdienst” statt Kriegsdienst plus Bildungsprogramme für diese Länder? Das Reproduktionsverhalten dieser tribalistischen archaischen Gesellschaften wird sich doch kurz- und mittelfristig nicht ändern lassen? Für die Bezeichnung dieses Reproduktionsverhaltens ist ja ein prominenter AfDler kräftig als Rassist gescholten worden, aber hatte er nicht im Kern irgendwo recht? Ein Offizier der sowjetischen Besatzungstruppen äußerte einmal anläßlich eines Arbeitseinsatzes in der DDR: “Wa brauche ich Tech-nik, nehm’ ich 100 Mann!”
21.7.2017, Hjalmar Kreutzer, AO

 

 

Gegen Auslandseinsätze der Nato
Dazu fällt mir nur ein: Liebe NATO! Hör endgültig auf, Dich überall einzumischen!
Raus aus Irak, Syrien und Afganistan! Ihr habt da gar nichts zu verteidigen und Ihr bringt keinerlei Frieden oder Demokratie.Im Gegenteil:
Ihr bringt Kulturkampf, Unfrieden,Terror – und überall Oberwasser für die Rechten in Europa. Weil es doch so schön einfach ist, denen, die dann ihr nacktes Leben auf wochenlangen Fluchten wahlweise retten oder riskieren “dürfen”,die Schuld an all dem in die Schuhe zu schieben.
Lalula, 26.7.2016, WO

 

Irak = drei Teile

Irak ist weder Staat noch Nation, sondern ein künstliches Gebilde, das von den englischen Kolonialisten aus den drei Teilen Kurden (im Norden, 15% Bevölkerungsanteil, Erdöl), Sunniten (in der Mitte mit Bagdad mit Saddam Hussein, 20%, wenig Öl) und Schiiten (im Süden, 60%, viel Erdöl) zwangsweise eingerichtet wurde. Friede wird erst einkehren, wenn Irak in diese drei Teile zerfällt.
Mit dem Vormarsch der ISIS-Truppen (Islamischer Staat in Irak und Syrien) ab Mai 2014 wird dieser Zerfall beschleunigt. Die Schuld daran den USA und deren Einmarsch in den Irak 2003 zuzuschieben, greift zu kurz. Sicher hat die stümperhafte Besatzungszeit der USA im Irak dem Hass zwischen Schiiten und Sunniten freien Lauf gelassen, aber die Zuspitzung dieser islamischen Religionsrichtungen beginnt mit der schuiitischen Revolution von 1979 im Iran. Unter den weltweit 1,5 Mrd Muslimen machen die Schiiten nur ca 15 % aus.

Für die Regimes in Teheran wie Riad ist der Konfrontationskurs zwischen schiitischem Dschihadismus und sunnitisch-saudischem Wahabismus Tei der Legitimation ihrer Macht.
Glaubt man der multi-religiösen Organisation “Clerics without Borders “(Kleriker ohne Grenzen”, dann werden Chaos, Krieg und Brutalität im Irak erst enden, wenn die arabische Welt die entscheidende Frage zu diskutieren bereit ist: Ist der Ausdruck der Identität als Schia, Sunni, Kurde, Araber, Christ oder Perser ein Recht, das man allen zugestehen muß – oder aber ein Kampfslogan, um gegen die jeweils andere Seite in die heilige Schlacht zu ziehen.

 

 

 

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