Hunger

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Blick von der Bergstation am Schauinsland nach Westen über den Rheintalnebel zu den Vogesen am 15.11.2012

 


Ganze Weltregionen profitieren nicht von der Globalisierung: Afrika, Mittelamerika, der Mittlere Osten und Teile Südasiens.
In einem Schwellenland wie Indien leben so viele Arme wie noch nie zuvor.
In China hat sich ein Mittelstand in den großen Städten etabliert. Auf dem Land leiden Millionen Menschen Hunger.
Weltweit leben knapp drei Milliarden Menschen von weniger als zwei Dollar am Tag.
Jede Kuh in der Europäischen Union wird höher subventioniert.
Die Finanzkrise wird die Armut vergrößern – darin sind sich alle Experten einig

 

Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern – Die Massenvernichtung in der Dritten Welt

Es sind gewohnt starke Worte, die Jean Ziegler gleich in der Einleitung seines neuen Buches Wir lassen sie verhungern verwendet. Als “Skandal unseres Jahrhunderts” bezeichnet den Hungertod von Millionen von Menschen im Jahr, als “Mord” gar den Hungertod von Kindern unter zehn Jahren, den es seinen Berechnungen nach alle fünf Sekunden gibt. Man mag das allzu kraftmeierisch und alarmistisch finden. Doch bei den Zahlen, die Ziegler vorlegt, so wie er argumentiert und sein Buch über die komplexen Zusammenhänge des globalen Hungerproblems aufbaut, kann die Wortwahl gar nicht kraftmeierisch und alarmistisch genug sein. Denn das Grundproblem des Ganzen wird leider auch die noch so genaue Lektüre dieses Buches nicht lösen können: die von Ziegler beklagte “eiserne Gleichgültigkeit” und “zerstreute Aufmerksamkeit” der westlichen Welt. Wo gemordet wird, gibt es auch Täter. Und die agieren eben vor allem in der sogenannten Ersten Welt: “die Kreuzritter des Neoliberalismus”, die die transkontinentalen Privatkonzerne leiten, die Nestles, BASFs und Bayers beispielsweise, aber auch der Internationale Währungsfonds, die WTO und die Weltbank; dann die Spekulanten an den Börsen, die mit Grundnahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Nutzflächen handeln und dadurch die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben; und nicht zuletzt die “Geier des grünen Golds”, wie Ziegler sie nennt, diejenigen, die auf Bioethanol und Biodiesel als Ersatz für fossile Brennstoffe setzen, die Konzerne, die diese sogenannten Agrotreibstoffe produzieren, dafür aber viel Nutzfläche brauchen und Unmengen von Wasser und anderer Energie benötigen.  ….
Gesamte Rezension vom 11.9.2012 bitte lesen auf
http://www.kulturradio.de/rezensionen/buch/2012/jean_ziegler_wir_lassen.html 

Jean Ziegler ist Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen. Von 2000 bis 2008 war der Schweizer erster UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. In seinen Büchern (u.a. “Die Schweiz wäscht weißer”, “Der Hass auf den Westen”, “Das Imperium der Schande”, “Die neuen Herrscher der Welt”) kritisiert der emeritierte Soziologieprofessor der Universität Genf massiv Schweizer Politiker, Großbanken und Finanzakteure. Deshalb wurde er mehrfach verklagt. Seine Schulden aus verlorenen Prozessen belaufen sich auf mehrere Millionen Euro. Zieglers neuestes Buch, “Wir lassen sie verhungern – Die Massenvernichtung in der Dritten Welt”.

Jean Ziegler
“Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt.”
Aus dem Französischen von Hainer Kober
C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 2012, ISBN 978-3-570-10126-1, Gebunden, 320 Seiten, 19.99 Euro

Als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung beklagt Jean Ziegler die vielen humanitärer Katastrophen, die den Hungertod mit sich bringen:
“Egal wo auf der Welt – ob nun in Peru, Bangladesch oder in Somalia – überall sterben die Kinder auf die gleiche Weise. Ohne ausreichend Nahrung gehen sie unter fürchterlichen Schmerzen zugrunde. Der Körper verbraucht erst die Zucker-, dann die Fettreserven. Das Immunsystem bricht zusammen. Durchfälle beschleunigen die Auszehrung. Mundparasiten und Infektionen der Atemwege verursachen schreckliche Schmerzen. Dann werden die Muskeln zerstört. Die Kinder können sich nicht mehr auf den Beinen halten. Sie schauen einen aus Greisengesichtern an. Dann folgt ein furchtbarer, schmerzvoller Tod. Solange meine Kraft reicht, will ich deshalb dafür kämpfen, dass dieser Horror ein Ende findet.”

In dem Buch “Wir lassen sie verhungern” klagt Jean Ziegler die Industrieländer der “Massenvernichtung in der Dritten Welt” an:
“Ein Kind, das jetzt, wo wir reden, an Hunger stirbt, wird ermordet. Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an den Folgen des Hungers. Dieser massenhafte Hungertod ist der Skandal unseres Jahrhunderts. Mehr als 37 000 Menschen verhungern jeden Tag, und fast eine Milliarde sind permanent schwerstens unterernährt – und das, obwohl laut der Welternährungsorganisation FAO die Weltlandwirtschaft in der Lage wäre, zwölf Milliarden Menschen zu ernähren – also nahezu das Doppelte der Weltbevölkerung. Es gibt grenzenlosen Überfluss und trotzdem sterben jedes Jahr Millionen Menschen an Hunger.”

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