Green-Economy

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Blick über ein blau blühendes Meer von Kornblumen zum Breitehof am 7.6.2012 im Dreisamtal

 

 

 1. Industrielle Revolution Produktionsfaktor Arbeit – 2. Industrielle Revolution Faktor Umwelt

Nach dem OECD-Umweltausblick bis 2050 vom März 2012 wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf rund 9 Milliarden Menschen anwachsen und sich die Weltwirtschaft vervierfachen. Ohne neue Politik bedeutet diese Entwicklung eine Erhöhung der weltweiten Energienachfrage um 80 Prozent , des Wasserbedarfs um 55 Prozent und einen Verlust an Land-Biodiversität um 10 Prozent – damit wird die Umweltverschmutzung zur weltweit zur häufigsten Todesursache.

Der Mensch nutzt die Natur in einer (Un-)Art und Weise, also ob die Erde anderthalb mal so groß wäre. Da die  Menschheit ihren Heimatplaneten nicht vergrößern kann, geschieht Raubbau an der Natur. Warum? Weil die Umwelt keinen Preis hat, gehen Verbraucher und Produzenten verschwenderisch damit um und schädigen sich so selbst. Die kontinuierliche Zerstörung der Natur wird erst aufhören, wenn sie nicht mehr scheinbar kostenlos ist, sondern einen Preis und damit einen Wert hat. Dieser Wert der Natur wird dann in unternehmerischen wie staatlichen Entscheidungen eine Rolle spielen – bei CO2-Emissionen etwa durch eine CO2-Steuer.

In der ersten industriellen Revolution wurde durch den Einsatz von Maschinen die Arbeitsproduktivität um das Zehnfache gesteigert. Nun fordert die Green Economy, diesen Erfolg in einer zweiten industriellen Revolution für den Produktionsfaktur Umwelt zu wiederholen: Für jede Tonne CO2-Emissionen die Produktion um den Faktor zehn  steigern, damit die Wirtschaft weiter wächst und die Umwelt- und Klimabelastung trotzdem zurückgehtum. “Ziel muss es sein, den ökologischen Fußabdruck bis etwa zum Jahr 2050 weltweit wieder auf die Kapazität einer Erde zu reduzieren, wie dies vor 1980 stets der Fall war” sagt Bruno Oberle vom Schweizer Umweltministerium Bafu. Und weiter: “Dieses Ziel lässt sich nur durch eine Entkoppelung erreichen, sprich durch eine Senkung des Ressourcenverbrauchs, auch wenn Bevölkerung und Wirtschaft weiter wachsen. Es braucht eine neue industrielle Revolution, eine Revolution der Ressourceneffizienz gepaart mit einer Veränderung des Konsumverhaltens und einem Zusammenspiel von Umwelt-, Rohstoff-, Wirtschafts- und Finanzpolitik”
http://www.bafu.admin.ch/dokumentation/medieninformation/00962/index.html?lang=de&msg-id=43988

Der Green-Economy-Report des UN-Umweltprogramms Unep benennt die Vorteile: Zwar müssen jährlich zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung investiert werden, dafür fällt das Wachstum höher aus. Dies deckt sich mit Berechnungen der EU: Diese beziffert den Investitionsbedarf auf 1,5 Prozent und verspricht sich davon 1,5 Millionen zusätzliche Jobs bis 2020.
http://www.unep.org/greeneconomy/greeneconomyreport/tabid/29846/default.aspx

 

 

UN-Gipfel in Rio – Regierungen verkennen, dass nachhaltiges Wirtschaften aus Krise fuehrt

Die Vision einer grünen Weltwirtschaft schimmerte immer wieder bei den Diskussionen auf dem UN-Erdgipfel von Rio de Janeiro durch. Doch nach Abschluss der Mammutkonferenz steht fest: Die grüne Weltwirtschaft wird vorerst eine Vision bleiben. Die Regierungschefs der wichtigsten Regierungen, auch die Bundeskanzlerin, sorgen sich derzeit mehr um Wirtschaft und Währungen als um Klimawandel, zerstörte Wälder und überfischte Meere. Allerdings ignorieren sie dabei, dass gerade Investitionen in eine grüne Weltwirtschaft einen Weg aus der Krise weisen könnten.
Immerhin zeigt das Abschlussdokument der Rio-Konferenz, dass das globale Bewusstsein für die ökologischen Probleme gewachsen ist. Dort finden sich viele Forderungen, die vor Jahren noch nicht mehrheitsfähig waren: ein Bekenntnis zu einem radikalen Klimaschutz, um eine Erderwärmung um mehr als zwei Grad zu verhindern; eine Kritik am Bruttosozialprodukt als Wohlstandsindikator; der Wunsch nach einer grünen und auch fairen Weltwirtschaft; die Forderung nach einem nachhaltigen Konsum, den Respekt vor indigenen Völkern und die Bereitschaft, mit ihnen die Tropenwälder zu schützen sowie ein Bekenntnis zum Schutz der Weltmeere. Dieser Wunschkatalog wurde von den Regierungen verabschiedet – allerdings erst, nachdem fast alle konkreten Maßnahmen zur Umsetzung dieser Forderungen aus der Erklärung gestrichen worden waren.
Bis auf die finanzielle Stärkung des UN-Umweltprogrammes fielen denn auch alle konkreten Schritte den globalen Interessenkonflikten zum Opfer. Die absteigende Weltmacht USA verteidigt den eigenen energieintensiven Lebensstil auf Biegen und Brechen. Trotz aller Bekenntnisse ihres Präsidenten Barack Obama zum Klimaschutz kennt die US-Regierung nur ein Ziel: möglichst viel Wirtschaftswachstum. Klimaschutz erwartet sie lieber von aufstrebenden Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien.
Deren Regierungen wiederum wollen mindestens so viel Wirtschaftswachstum, dass ihre Einwohner in wenigen Jahrzehnten so leben können wie Amerikaner und Deutsche. Dazu setzen sie zwar auch auf erneuerbare Energien, aber vor allem auf Hunderte von Kohlekraft- und Atomkraftwerken. Konkrete Umweltschutzziele kommen für sie nur in Frage, wenn die Industrieländer, die die Klimabedrohung bisher verursachten, um ein Vielfaches mehr einsparen als die Schwellenländer. Die Europäer argumentieren zwar ökologischer – aber dies so zurückhaltend, dass sie nicht gehört werden. Das Drängen nach mehr Wirtschaftswachstum wird nicht zuletzt von der Lobby der transnationalen Konzerne unterstützt. Diese hängen sich zwar gerne ein grünes Mäntelchen der Nachhaltigkeit um, doch letztlich wollen sie auf den großen Märkten der Industrie- und Schwellenländer expandieren.
Angesichts dieses Interessengeflechts werden Großkonferenzen à la Rio die Weltwirtschaft kaum grüner machen. Hoffnungen, dass sie dennoch grüner wird, kommt von anderen Entwicklungen. So stellten Kleinbauern aus der ganzen Welt in Rio de Janeiro parallel zur großen Konferenz Anbaumodelle vor, die mehr Nahrung produzieren und die Belastung der Umwelt verringern. 81 Bürgermeister aus der ganzen Welt verpflichteten sich zur entschiedenen Verringerung von Treibhausgasen in ihren Städten und wollen sich mit weiteren Städten vernetzen. Wie die Energiewende in Deutschland vor allem von Stadtwerken, regionalen Versorgern, Energiegenossenschaften und einzelnen Investoren eingeleitet wird, muss auch eine grüne Weltwirtschaft bei den Bauern und in den Städten und Regionen beginnen.

Wer weniger Ressourcen benötigt, produziert billiger

Doch die Basis wird es nicht alleine richten. Die Hoffnung ruht auf Regierungen, die den Verbrauch von Ressourcen und Energie eigenständig verringern – und davon auch wirtschaftlich profitieren. Das ist nicht abwegig: In einer Welt, in der die Preise knapper Ressourcen stark steigen, werden Länder mit geringem Ressourcenverbrauch billiger produzieren, weniger importieren und weniger Schulden anhäufen. Wenn mehr Regierungen erkennen, dass ihnen Investitionen in ressourcenarme Techniken und erneuerbare Energien aus der Krise helfen, wird die Weltwirtschaft grüner. Mammutkonferenzen wie jene in Rio, zu denen 50 000 Abgesandte anreisen, sind dann überflüssig.
Wolfgang Kessler, 30.6.2012, Wirtschaftspublizist und Chefredakteur der christlichen Zeitschrift Publik-Forum.

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