Gelbwesten

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Fahrrad nach Rahmenbruch und Sturz am 12.9.2018

Fahrrad nach Rahmenbruch und Sturz am 12.9.2018

 

 

Gilets Jaunes – Gelbwesten

Die “Gilets Jaunes” [Demonstranten] werden Anfang Dezember 2018 von 84% der französischen Bevölkerung unterstützt. Sie fordern Macrons Rücktritt und einen sofortigen Regierungswechsel.

“Die Franzosen sagen: ‘Herr Präsident, wir schaffen es nicht, über die Runden zu kommen’, und der Präsident antwortet, ‘wir werden einen Hohen Klimarat schaffen’. Könnt ihr euch die Abgehobenheit vorstellen?”
Laurence Saillet, Sprecher der Mitte-Rechts-Partei Die Republikaner, 27. November 2018.

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13. Gelbwesten-Demo am 9.2.2019: Paris. Frankreich kocht
Zum 13. Mal gingen die Gelbwesten auf die Straße. Zum 13. Mal hatten die CRS-Gendarmen keinen freien Samstag. Zum 13. Mal heulten die Sirenen der Polizeifahrzeuge durch die Pariser Innenstadt. Zum 13. Mal flogen Tränengasgranaten, Knallgranaten und Gummikugeln in die Menge. Die „Revolution der Mittelschicht“ (Elie Cohen) etabliert gerade eine neue Tradition. Und die Meisten hatten doch Macron gewählt, um Le Pen zu verhindern.
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Der Riss in der französischen Gesellschaft verläuft nicht vertikal zwischen „lechts und rinks“, sondern horizontal zwischen „denen da oben und denen da unten“. Zwischen denen da oben, die keinerlei finanzielle Sorgen hegen und zum Teil auf Kosten derer da unten leben, die nicht mehr wissen, wie sie mit ihrem Einkommen auskommen sollen. Der Riss klafft zwischen denen, die das vermeintliche Klima-Ende der Welt auf Kosten derer verhindern wollen, die real irgendwie über das Ende des Monats kommen müssen, bis es die nächste Lohnzahlung gibt. Der französische Geldadel interessiert sich nicht für die Probleme der einfachen Franzosen, die Steuern für den Staat erarbeiten. Deshalb rufen die Gelbwesten: „Ihr redet vom Ende der Welt, wir reden vom Ende des Monats“. Und weil es 12 Monatsenden im Jahr gibt, hören sie auch nicht auf zu protestieren.
…. Alles vom 10.2.2019 bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/paris_am_samstag_macron_frankreich_kocht
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DLF: Es gibt keine Gelbwesten, kein Frankreich
Leben wir in “der Matrix”? Ich bin 53 Jahre alt, und erst jetzt, endlich, beginne ich zu begreifen: Wir leben in einer Matrix! Die einzigen Staatsnachrichten, die ich noch höre (DLF, im Auto), berichten von den Gelbwesten – nichts! Es gibt kein Frankreich, keinen Protest, keinen Volkszorn über Monate, keine Toten und Verletzten. (Die gibts nur in Gaza.) Vorgestern gab es dann plötzlich Macron: plötzlich wollte er “Nordstream II” stoppen – einen Tag später dann nicht mehr. (Wieviel Milliarden hat er der Raute mal schnell abgepreßt?) – – – Wir leben in einer Matrix, die ziemlich perfekt ist. Und das ist, was mir am meisten Angst macht: Die Matrix wurde geschaffen OHNE ein WAHRHEITSMINISTERIUM! Die Matrix entstand ohne offenen Terror (wie in der frühen DDR), sie entstand in einer Simulation von Demokratie! – – – Als ich 1985 aus der DDR nach Westdeutschland kam, erlebte ich Befreiung. War alles ein Traum? Ich glaube aber, die Freiheit damals in Westdeutschland war tatsächlich viel größer als heute. Freilich, es gab die Tabus – Martin Walser rührte eines an in seiner Rede über Deutschland (1986?). Aber was ich heute wahrnehme, läßt mich Tag für Tag an meinem Verstand zweifeln. Was soll ich denn tun, wenn plötzlich alle anderen links fahren? Unter Merkel schreitet die Gesinnungsdiktatur ihrer Vollendung entgegen. Wieso machen die (fast) alle mit?? Ist es tatsächlich “nur” die Öffentlichkeitsmacht des politisch-medialen Komplexes? Wo ist der Schalter, mit dem DIE VERNUNFT wieder eingeschaltet werden kann? Ob da einer sitzt, an diesem Schalter?
10.2.2019, P.P. AO

 

 

Alain Finkielkraut: Gelbwesten, Identität, Migration, Soziale Frage
Auch nach über zwei Monaten und erheblichen Konzessionen wollen die «gilets jaunes» nicht von der Bühne abtreten. Der Philosoph Alain Finkielkraut sieht in ihrer Präsenz ein Resultat der zerschlagenen Parteistrukturen – und der zunehmenden Macht sozialer Netzwerke.

Die untere Mittelschicht der «France périphérique» gehört einerseits zu den Globalisierungsverlierern, andererseits ist sie aber nicht so arm, dass sie von den Sozialgeldern des Staats profitieren würde. Die angekündigte Treibstoffsteuer war für diese aufs Auto angewiesenen Leute gewissermassen der Topfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Die vergessene Schicht zog eine gelbe Weste an, um sich sichtbar zu machen.

Ich halte die Grundbotschaft dieser Menschen für sehr wichtig. Sie sagten dem Präsidenten: Unser Land ist nicht einfach ein grosses globales Startup, es gibt hier auch eine ältere Welt, und mit der müsst ihr rechnen. Zu Beginn haben die «gilets jaunes» ihre Würde eingeklagt. Und auf völlig überraschende Weise hat sich dabei ein Teil der Bevölkerung zusammengetan, der zuvor weder in Gewerkschaften noch sonst wie organisiert gewesen war. Das war ein Moment der politischen Kreativität, und in diesem Zusammenhang fand ich es auch berührend und vielsagend, dass sich die Gelbwesten auf Kreiseln versammelten: Auf den Kreiseln kommen die Verkehrsflüsse zusammen, sie sind damit quasi eine moderne Form der alten Plätze, und durch die Proteste wurden sie zu echten Agoren oder Foren.

Es geht um das bedrückende Gefühl, kein Gewicht zu haben: Zum Beispiel ist Frankreich zu einer multikulturellen Gesellschaft geworden, ohne dass sich das Volk je zu Fragen der Immigration hätte äussern können. Daher ist es sehr wichtig, in der Debatte auch über Souveränität zu reden und sie zu stärken.

Nun, die Gewalt der Banlieues ist immer noch da. Allein in der Silvesternacht sind über tausend Autos angezündet worden, bloss interessiert das zurzeit keinen. Überhaupt gibt es viele Quartiere, in die sich die Polizei schlicht nicht mehr hineinwagt. Man darf nicht glauben, dass diese Probleme verschwunden seien. Dagegen ist auch interessant, dass man die «gilets jaunes» mit der Trikolore demonstrieren sieht: Sie zeigen Interesse an der Identität, sie singen die Marseillaise und sagen zwischen den Zeilen: Wir sind eine Nation, und wir wollen eine bleiben.

Solche Fragen und Ängste (um Migration und Identität) traten in den Protesten durchaus auf, etwa im Zusammenhang mit dem Migrationspakt. Aber es stimmt: Die sozialen Probleme dominieren, und sie verweisen auf einen innerfranzösischen Bruch: jenen zwischen den «gilets jaunes» und dem Progressismus, werde er nun von Macron oder von der Linken vertreten. Beide verfolgen Ziele, die weniger sozial als vielmehr gesellschaftlich sind. Man möchte zum Beispiel die Fortpflanzungsmedizin oder die Leihmutterschaft vorantreiben, das gilt als fortschrittlich – aber mit den medizinischen Problemen der einfachen Mittelschichtsleute hat das nichts zu tun. Folglich werden sie als «Reaktionäre» gesehen und vernachlässigt; gerade auch die Linke hat sich von ihnen abgewendet und sich lieber um Junge, Urbane oder Frauen gekümmert. Sowohl in der politischen als auch in der intellektuellen Welt hat sich so eine Opposition zwischen Progressisten und «Reaktionären» gebildet, und für die zahlen wir jetzt einen sehr hohen Preis.
…. Komplettes Interview mit Alain Finkielkraut vom 1.2.2019 bitte lesen auf
https://www.nzz.ch/feuilleton/alain-finkielkraut-ueber-die-gelbwesten-und-macrons-grosse-debatte-ld.1455336?mktcid=nled&mktcval=107&kid=_2019-2-1

Alain Finkielkraut:
Als Philosoph, Autor, Mitglied der Académie française und Moderater einer eigenen Radiosendung auf France Culture ist Alain Finkielkraut (* 1949) einer der bekanntesten Intellektuellen Frankreichs. Bis 2014 hat der Sohn eines polnisch-jüdischen Lederwarenhändlers als Professor für Ideengeschichte an der École polytechnique in Paris gelehrt. Immer wieder bringt er sich auch in die öffentliche Debatte ein, wobei sich um seine kritischen Einwürfe zur französischen Identität und zum Einfluss der Immigration regelmässig hitzige Debatten entspinnen.

 

 

Frankreich im freien Fall
Jedes Jahr werden mehr als 200.000 Aufenthaltstitel erteilt (262.000 im Jahr 2017), auch für illegale Einwanderer. Viele haben keine marktfähigen Fähigkeiten, einige erhalten jahrzehntelang das Mindesteinkommen, das jeder, der in Schwierigkeiten ist, erhält. Die soziale Unterstützung von Migranten, ob legal oder nicht, erhöht die Kosten eines immer teureren Sozialsystems.
Frankreich ist heute das am höchsten besteuerte Land der entwickelten Welt:
Die Zwangsabgaben machen mehr als 45% des BIP aus.
Die Arbeitslosigkeit ist mit 9,1% hoch.
Typische Löhne sind sowohl niedrig als auch stagnierend. Ein Lehrer, der an einer öffentlichen Schule zu unterrichten beginnt, verdient 1.794 Euro pro Monat (2.052 Dollar).
Ein Polizist verdient nach einem Dienstjahr noch weniger: 1.666 Euro pro Monat (1.906 Dollar).

Eine Gruppe pensionierter Generäle veröffentlichte einen offenen Brief, in dem sie erklärten, dass die Unterzeichnung des Globalen Paktes ein weiterer Schritt zur “Aufgabe der nationalen Souveränität” sei, und stellten fest, dass “80% der französischen Bevölkerung der Meinung sind, dass die Einwanderung gestoppt oder drastisch reguliert werden muss”.

Der Autor Éric Zemmour beschrieb die Revolte als das Ergebnis der “Verzweiflung von Menschen, die sich durch die Entscheidungen einer verächtlichen Kaste gedemütigt, vergessen und ihres eigenen Landes beraubt fühlen”. Er kam zum Schluss, dass er der Meinung ist, dass Macron jegliche Legitimität verloren hat und dass seine Präsidentschaft vorbei ist.
… Alles zu “Fankreich im freien Fall” von Guy Milliere vom 10.1.2019 bitte lesen auf
https://de.gatestoneinstitute.org/13522/frankreich-freien-fall
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Dr. Guy Millière, Professor an der Universität Paris, ist Autor von 27 Büchern über Frankreich und Europa.
Gelbwesten verlangen nach Volksabstimmungen
Weitgehend delegitimiert ist zudem das französische Parlament. Die Nationalversammlung bildet – wegen des Majorzsystems und des Wahlverfahrens in zwei Runden – das Meinungsspektrum der Bevölkerung nicht repräsentativ ab; das ist schon lange so und gehört zu den grundlegenden Mängeln der Fünften Republik. Wenn es jetzt von einer einzigen Partei vollkommen beherrscht wird, kann es den Anspruch einer demokratischen Volksvertretung nicht mehr überzeugend einlösen. Es bietet keine Bühne für den Austausch von Argumenten und den Ausgleich von Interessen, für den politischen Streit in demokratisch festgelegten Verfahren. Es passt ins Bild, dass die meisten gewählten Abgeordneten in der gegenwärtigen Krise so gut wie unsichtbar bleiben. Sie äussern sich nicht, sie beziehen nicht Stellung. Sie demonstrieren damit ihre eigene Bedeutungslosigkeit. Das Parlament und die Parlamentarier erfüllen ihre Aufgabe nicht. Die repräsentative Demokratie Frankreichs befindet sich in einer Krise. ….
Die protestierenden Gelbwesten erheben jetzt laut die Forderung nach direktdemokratischen Verfahren; das tut das Rassemblement national schon lange. Die Bürger sollen die Politik mit Volksinitiativen und Volksabstimmungen vermehrt selbst gestalten, sie sollen auch gewählte Amtsinhaber vorzeitig absetzen können. Das Zauberwort ist die Abkürzung RIC, sie steht für Référendum d’initiative citoyenne. Bisher gab es in Frankreich Volksabstimmungen nur, wenn sie «von oben» angeordnet wurden, vom Präsidenten. Die Vorstellung einer Demokratie «von unten» ist gewöhnungsbedürftig. …
Alles vom 7.1.2019 bitte lesen auf
https://www.nzz.ch/meinung/macron-jupiter-gilets-jaunes-ld.1447983?mktcid=nled&mktcval=107&kid=_2019-1-7
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Rassemblement National – früher Front National
La France Soumise (LFS) – die neue Linke, www.lafrancesoumise.fr
“La République en marche” von Macron nicht verwurzelt
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Wagenknecht sagte, die Proteste im Nachbarland seien weder links noch rechts, sondern „ein Aufbegehren gegen eine Regierung der Reichen“.
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Gelbwesten: Letzte Chance vertan
Montag abend hatte Emmanuel Macron seine letzte Chance, die Proteste der „Gelbwesten“ einzudämmen. Genutzt hat er sie nicht, denn er versteht sein eigenes Volk nicht. Die französische Elite hat die Realität im Sinne eines grenzenlosen, materialistisch-emanzipatorischen Welt- und Menschenbildes so sehr dekonstruiert, daß sie das menschliche Wesen und seine Sehnsüchte nicht mehr erfassen kann. Die Maßnahmen beschränken sich auf milde Gaben aus der finanzpolitischen Zauberkiste, die nun schon früher verteilt werden, als es sein Programm vorsah.
Dabei hätte Macron ohne große Unkosten ein paar Zugeständnisse machen können, die dem Volk gezeigt hätten, daß es ernst genommen wird: Ausstieg aus dem UN-Migrationspakt und eine Rückkehr zu den 90 ktundenkilometern auf Landstraßen. Die „Gelbwesten“-Proteste sind nämlich nicht rein wirtschaftlicher Natur, sondern auch das Zeichen einer kulturellen und identitären Verunsicherung.
Nicht umsonst sieht man bei den Demonstrationen auch die Flaggen der historischen Provinzen (Bretagne, Lothringens etc.). Es ist der Schrei der Verzweiflung des kleinen Mannes, dem „die da oben“ zuerst Gott, dann seine wirtschaftliche Grundlage und schließlich seine Identität geraubt haben. Es ist eine Revolte gegen die ad absurdum geführten Werte der Französischen Revolution, die mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Bürgerkrieg enden wird.
14.12.2018, Eva-Maria Michels: Emmanuel Macron und die „Gelbwesten“, Letzte Chance vertan ,
in: Junge Freiheit vom 14.12.2018, Seite 2

 

 

Frankreich: Eine Revolte gegen die Eliten Europas?
Englischer Originaltext: “France: A Revolt against Europe’s Elites?”
von Bruce Bawer
Gilets Jaunes – Gelbwesten
Vielleicht ist es das – der Beginn des Widerstandes der westeuropäischen Öffentlichkeit gegen das katastrophale multikulturelle und globalistische Projekt der Eliten.
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Seit Jahren wissen diejenigen von uns, die über den Aufstieg des Islam in Westeuropa schreiben und sich darüber Sorgen machen, dass letztendlich, wenn die Regierungen dieser Länder ihren Kurs nicht drastisch ändern, irgend etwas nachgeben muss. Bislang sind die Einheimischen größtenteils bemerkenswert zahm gewesen. Sie haben viel geschluckt. Ihre Führer haben ihre Länder mit einer großen Zahl von Einwanderern aus dem Nahen Osten und Nordafrika geflutet, von denen eine unverhältnismäßig große Zahl deutlich gemacht hat, dass sie keinerlei Absicht haben, sich ihren Aufnahmegesellschaften vollständig anzuschließen oder etwas an sie beizutragen, sondern dass sie sich damit begnügen, zu nehmen, zu schädigen, zu beschädigen und zu zerstören, und dass sie auf lange Sicht dazu entschlossen sind, zu erobern und zu herrschen.
Niemand hat die Bürger Westeuropas jemals gefragt,
ob sie wollen, dass ihre Länder auf diese Weise radikal verändert werden.

Diese Transformation (One World) hat sich im Verlaufe der Jahre noch verstärkt. Irgendwann würden die Ureinwohner Westeuropas sicherlich reagieren.
Doch wie würde das aussehen? Diejenigen von uns, die sich beruflich mit diesen Themen beschäftigen, haben sich ungezählte Stunden lang mit dieser Frage auseinandergesetzt. Wir fragten uns gegenseitig: Was wird deiner Meinung nach passieren? Einige prophezeiten die Balkanisierung. Schon jetzt gibt es No-Go-Zonen – Enklaven in und um Großstädte, in denen “Ungläubige” unerwünscht sind und in denen Polizei und Feuerwehr routinemäßig mit Steinen beworfen werden, wenn sie es wagen, einzudringen. Es ist leicht genug, sich vorzustellen, dass sich diese Gebiete ausdehnen, dass ihre de facto Souveränität nach der Scharia offiziell anerkannt und eine Art relative Stabilität hergestellt wird. Andere Beobachter prognostizieren Unruhen von Einheimischen – nicht der Eliten, deren Privatleben von der muslimischen Präsenz in ihren Ländern nur geringfügig betroffen ist, sondern die weniger privilegierten Menschen, deren Viertel und Schulen zu Gefahrenzonen geworden sind, deren Steuern immer wieder erhöht wurden, um massive Zahlungen an Mitglieder von Einwanderergruppen zu finanzieren, und deren Ärzte und Krankenhäuser durch die Neuankömmlinge dermassen überlastet sind, dass lebenswichtige Behandlungen immer mehr rationiert und Wartezeiten immer länger werden.
Im Jahr 2016 schockierten die Briten die Welt, indem sie für den Brexit stimmten, und später im selben Jahr zogen die Amerikaner mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten einen noch größeren Stunt ab. Einige Kommentatoren erwarteten, dass die Wahlen in Frankreich, Schweden und den Niederlanden ebenfalls sensationelle Ergebnisse bringen würden, doch obwohl es Fortschritte für Parteien gab, die Einwanderungskontrollen bevorzugen, wie Marine Le Pen’s Nationale Versammlung (ehemals Front National), die Schweden-Demokraten und Geert Wilders Freiheitspartei und Thierry Baudet’s Forum für Demokratie, beide in den Niederlanden, waren diese Gewinne geringer als erwartet. Andererseits haben die Österreicher im vergangenen Jahr Sebastian Kurz, einen entschiedenen Gegner der von der EU verhängten Asylquoten, zu ihrem Kanzler gewählt, und in diesem Jahr ging die italienische Premier League an Giuseppe Conte, der sich entschieden gegen illegale Einwanderer einsetzt und Migrantenschiffe von italienischen Häfen ausgesperrt hat.
Die wichtigsten Nachrichten an dieser Stelle waren jedoch nicht die von der Wahlurne. Dieses Jahr äußerten Briten wachsende Empörung über Theresa Mays verpfuschten Brexit und gingen im Sommer auf die Straße, um gegen die illegitime Inhaftierung von Tommy Robinson zu protestieren, der in Großbritannien zum eigentlichen Gesicht des Widerstands gegen die Islamisierung geworden war. Darüber hinaus haben sich in den letzten Wochen Bürger Frankreichs aus dem gesamten politischen Spektrum, vor allem aus Kleinstädten und ländlichen Gebieten, nicht nur an öffentlichen Protesten beteiligt, sondern auch in Paris und anderen Großstädten gewalttätige Ausschreitungen und Vandalismusakte begangen, ikonische Orte wie die Champs-Elysées geplündert, den Eiffelturm und den Louvre zur Schließung gezwungen und sogar Schäden am Arc de Triomphe verursacht.
Zuerst wurde berichtet, dass die französischen Randalierer wütend waren über eine Erhöhung der Kraftstoffsteuern, die durch die Umweltprioritäten von Präsident Emmanuel Macron motiviert worden war. “Der Benzinpreis ist unglaublich geworden”, sagte Ghislain Coutard, dem die Gründung der so genannten Gelbwesten-Bewegung zugeschrieben wird, und zitierte dann Freunde, die wegen der Kosten für den Besitz eines Autos “kaum überleben”. “Das kleinste Problem mit dem Auto wird zur Katastrophe”, erklärte er. “Du musst dich verschulden und dann hört es nie mehr auf.” Leider, selbst nachdem Macron, als er erkannte, dass er zu weit gegangen war, die Steuererhöhung zurücknahm, gingen die Ausschreitungen weiter.
Journalisten hatten Schwierigkeiten, von den Randalierern klare und prägnante Erklärungen über ihre Motive und Ziele zu erhalten. Vielleicht finden die Randalierer die Worte nicht – vielleicht drücken sie eine Wut aus, die sie noch nicht artikulieren können. Oder vielleicht zögern sie, ihre Meinung laut auszusprechen, aus Angst, als Fremdenfeinde, Islamophob oder Rassisten bezeichnet zu werden.
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Der französische Philosoph Alain Finkielkraut führte die Unruhen neulich in einem Interview auf die wirtschaftliche und kulturelle Unsicherheit der ethnisch französischen Unter- und Mittelschicht zurück – Menschen, die durch steigende Mieten aus den Großstadtzentren vertrieben wurden,
die ihre Arbeitsplätze und Kleinunternehmen durch “grüne” Steuern und Vorschriften zerstört sehen,
die das Gefühl haben, einen Machtkampf mit muslimischen Einwanderern verloren zu haben,
und die spüren, dass ihre herrschenden Klassen mehr Mitgefühl mit Einwanderern haben als mit ihnen.

Nun haben sich die Unruhen auf Belgien und die Niederlande ausgeweitet. Auch dort sind die Ziele der Randalierer schwer fassbar. Die Associated Press zitierte die Beschwerden einer älteren niederländischen Frau über hohe Steuern, den Wohnungsmangel und den Verlust von Sozialleistungen: “Das soziale Netz, mit dem wir aufgewachsen sind, ist weg”, sagte sie. “Die Regierung ist nicht für das Volk da. Sie ist dazu da, ihre eigenen Interessen zu schützen.” Zu diesen “Interessen” gehört natürlich auch die Priorisierung von Gratisgeschenken an Einwanderer auf Kosten der Niederländer, die ein Leben lang gearbeitet haben.
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Doch auch heute noch ist es für viele westeuropäische Einheimische wahrscheinlich einfacher, ein Aufständischer zu sein, als ehrlich über Islam und Einwanderung zu sprechen.
Werden sich diese Unruhen noch weiter ausbreiten? Irgendwie ist es schwer, sich gewöhnliche Skandinavier bei Unruhen vorzustellen – sie sind einfach zu zurückhaltend. Ihre Idee eines öffentlichen Protestes ist eine stille Mahnwache bei Kerzenlicht.
Was die Deutschen betrifft, so sind sie zu ordentlich, um in spontane Aufstände auszubrechen. Ja, sie sind gut darin, im Gleichschritt auf die Befehle eines hysterischen faschistischen Wahnsinnigen zu marschieren, aber sie neigen als Individuum nicht dazu, in Gewalt auszubrechen. Andererseits kann dieser Eindruck falsch sein.
Schließlich war es eine ziemliche Überraschung, als sich so viele gewöhnlich höfliche, ja sogar verklemmte Briten auf Londoner Plätzen versammelten, um ihre Solidarität mit Tommy Robinson zu bekunden. Vielleicht werden sich diese französischen Unruhen also über ganz Westeuropa ausbreiten. Vielleicht ist es das – der Beginn des Widerstandes der westeuropäischen Öffentlichkeit gegen das verheerende multikulturelle und globalistische Projekt der Eliten. Oder vielleicht ist es nur ein weiterer Schritt, der uns dem Tag der Abrechnung des Kontinents näher bringt. Wir werden es bald herausfinden.

13.12.2018, Bruce Bawer, https://de.gatestoneinstitute.org/13408/frankreich-revolte-eliten
Englischer Originaltext: France: A Revolt against Europe’s Elites?
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Bruce Bawer ist der Autor des neuen Romans The Alhambra (Swamp Fox Editions). Sein Buch While Europe Slept (2006) war ein Bestseller der New York Times und Finalist des National Book Critics Circle Award. Zu seinen weiteren Büchern gehören A Place at the Table (1993), Stealing Jesus (1997), Surrender (2009) und The Victims’ Revolution (2012). Der gebürtige New Yorker lebt seit 1998 in Europa.

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