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Feigen im Herbst an der Gartenmauer 2.11.2015

Feigen im Herbst an der Gartenmauer 2.11.2015

 

Erosion der Meinungsfreiheit – Uwe Tellkamp
Auch mit Uwe Tellkamp wurde ähnlich verfahren. Nahezu alle großen Medien berichteten über den Schriftsteller, dieser habe bei einer Lesung „PEGIDA-Positionen“ vertreten. Eine glatte Lüge, die ihren Ursprung wieder einmal in einer einzelnen dpa-Meldung hatte. Tellkamp hatte behauptet, 95 % aller Flüchtlinge seien Wirtschaftsmigranten. Ist dies eine Behauptung, die genauso bei PEGIDA erklingen könnte? Natürlich! Um den kausalen Zusammenhang zu konstruieren, hätte Tellkamp die Bewegung aber positiv hervorheben, oder einem PEGIDA-Vertreter ausdrücklich zustimmen müssen. Nichts davon hatte er getan, wie aus dem Transkript der Lesung hervorgeht. Die Formulierung, Tellkamp hätte PEGIDA-Positionen vertreten, suggeriert allerdings, er hege Sympathien für die fremdenfeindliche Organisation. Das lässt sich jedoch allein aus einer Skepsis gegenüber der Flüchtlingspolitik nicht ableiten. So kann derjenige, der vor Ausländerkriminalität warnt, PEGIDA-Chef Lutz Bachmann ablehnend gegenüberstehen – denn dieser ist ein krimineller Inländer.
Wesentlich eleganter wäre es gewesen, Tellkamp nicht in die rechte Ecke zu stellen, sondern argumentativ zu widerlegen – denn nichts ist einfacher als das. Seine Zahl von den 95 % Wirtschaftsmigranten ist einer Studie entnommen, die hauptsächlich Flüchtlinge aus den Balkanstaaten untersuchte – dass aus einem Gebiet, in dem Frieden herrscht, keine Kriegsflüchtlinge stammen, ist logisch.
Die Medien mussten Thilo Sarrazin mit Lügen überziehen, weil sie ihn inhaltlich nicht widerlegen konnten. Umso erschreckender, dass sie in der Causa Tellkamp zur gleichen Methode griffen.
Die Lüge wird zur Normalität.
… Alles von Lukas Mihr zu “Die Erosion der Meinungsfreiheit” vom 7.11.2019 bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/die-erosion-der-meinungsfreiheit/

 

Uwe Tellkamp: Das Volk ist nicht links
Gespräch von Alexander Wendt mit dem Schriftsteller Uwe Tellkamp i
im KulturHaus Dresden-Loschwitz 
über das westdeutsche Unverständnis für den Osten,
die Angepaßtheit der Intellektuellen . 
und seine zerrissene Heimatstadt Dresden

Zum Gespräch mit Tichys Einblick ist Uwe Tellkamp, 50, mit der Schwebebahn ins Elbtal heruntergefahren. Er wohnt oben am Hang über dem Fluss, in jenem Dresdner Viertel, in dem auch sein Welterfolg „Der Turm. Geschichten aus einem versunkenen Land“ spielt. Man trifft sich auf dem durchgrünten Hof des Buchhauses Loschwitz – ein perfekter Gesprächsort an dem warmen Augusttag.
Der Autor kommt nicht allein, sein zwölfjähriger Sohn Meno ist dabei, hört zu und mischt sich an einer Stelle ein, als es um Frage geht, welche Musik im Hause Tellkamp gehört wird. Seit dem „Turm“-Erfolg galt der Dresdner Autor als hochgeschätzter Erklärer der DDR und des Ostens. Spätestens nach einer Diskussion im Dresdner Kulturpalast mit dem Lyriker Durs Grünbein Anfang 2018 kippte das bis dahin wohlwollende Bild der Medien: Der Schriftsteller, der in dem Gespräch die Migrationspolitik Angela Merkels kritisierte, wurde vom Kulturbetrieb als rechts einsortiert. Der Suhrkamp Verlag distanzierte sich von seinem Autor. Nach diesen Anfeindungen hatte sich Tellkamp für längere Zeit zurückgezogen und konzentrierte sich ganz auf seinen „Turm“-Fortsetzungsroman. Es ist das erste große Interview des Autors seit längerer Zeit.
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Tichys Einblick/Alexander Wendt: In Ihrem 100.000-fach verkauften Roman „Der Turm“ beschreiben Sie das bürgerliche Milieu am Dresdner Elbhang zu Zeiten der DDR. Sie selbst wohnen nach einigen Jahren in Süddeutschland wieder dort oben, wo sich seit 1990 viele Westdeutsche niedergelassen haben. Sind Sie einer der letzten Ureinwohner?
Tellkamp: Das ist tatsächlich der Punkt: Man kann irgendwo hinziehen. Oder man bleibt dort, wo man wohnt, übrig. Das ist mir und den wenigen Eingeborenen am Elbhang so gegangen. Die meisten, die heute in meiner Umgebung wohnen, sind vor 20, 25 Jahren aus dem Westen zugezogen. Sie leben also auch schon relativ lange dort.
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Haben Sie das Gefühl, zu Hause fremd zu sein?
Nein, fremd fühle ich mich nicht. Das Land der Kindheit kann man sowieso nicht wieder betreten.

Ihr Roman trägt den Untertitel „Geschichten aus einem versunkenen Land“. Für viele westdeutsche Leser waren Sie damals ein Erklärer. Können Sie uns auch die Dresdner Gesellschaft von 2019 deuten?
Es ist jetzt wieder so. Das ist das, was mich am meisten erstaunt. Ich hatte gedacht, mit dem „Turm“ eine umfangreiche Chronik eines vergangenen Lebensgefühls zu schreiben, das mit diesem Atlantis untergegangen ist. Zu meiner größten Überraschung erlebe ich jetzt das Gleiche auf andere Weise wieder. Es gibt wieder diese Türme, in denen die Milieus für sich sind, es gibt wieder diese Blasen.

Welche Blasen?
Die Bewohner des Elbhangs wählen überwiegend Grün, es sind viele Beamte darunter, Lehrer, Angestellte von Kulturinstitutionen, Künstler. Man macht sich Gedanken über CO2-Reduzierung, es gibt Hausmusik, das Milieu ist materiell gut abgesichert. Und gleichzeitig gibt es dort eine Arroganz, mit der sie von oben, vom Elbhang, auf andere Viertel der Stadt schauen, beispielsweise auf die Plattenbauten von Gorbitz. Dorthin, wo Dresden dreckig und relativ arm ist. Wo das sogenannte Pack wohnt, das bei Pegida mitmarschiert. Darüber, dass diese Leute ihre Unzufriedenheit äußern, gibt es hier oben wiederum große Verwunderung, großes Unverständnis, wie Leute so denken können.
Weil sie nicht von sich abstrahieren können?
Doch, das können sie. Sie kommen ja herum in der Welt. Aber das, was sie sehen, wird sofort mit dem Begriff der Schuld verbunden. Das ist die Erzählung, die ich hier oben immer höre: Es geht uns gut. Aber warum ist das so? Aufgrund welcher Schicksalsfügung ist es uns gestattet, so viel besser zu leben als andere in Afrika?
Also eine Glücksscham?
Ja. Je mehr Glück, desto größer die Scham.
Das scheint einer der tiefen Unterschiede zwischen West und Ost zu sein: Im Osten trifft man, anders als im Westen, kaum auf Leute, die glauben, am Elend der Welt schuld zu sein. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Dafür sehe ich zwei Gründe: Zum einen ist mit dem verordneten Antifaschismus in der DDR die Diskussion über Schuld – auch die weiter zurückliegende, die Kolonialschuld – abgeräumt worden. In der DDR galt ja die Staatsdoktrin: Wir sind die besten Antifaschisten. Zum anderen gibt es hier eben auch nicht die materielle Basis für diesen Schuldkomplex. Man muss schon sehr genau überlegen, welche Ostdeutschen hier in Häusern leben, die ihnen gehören. Hier gab es anders als im Westen für kaum jemanden die Chance, sich über 70 Jahre einen Wohlstand auf- zubauen. Und mit dem mangelnden finanziellen Vermögen gibt es eben auch nicht dieses Schuldgefühl, man würde seinen Wohlstand anderen verdanken. Dresden steht seit 2015 für viele Beobachter im Westen für Dunkeldeutschland, für Pegida.

Wie hat sich das Klima in der Stadt geändert?
Die Gräben sind 2015 mit der Migrationskrise sehr viel tiefer geworden.

Wodurch?
Weil die AfD und Pegida von dem Dresden der Elite von Anfang an nicht als Gesprächspartner akzeptiert und alle Probleme, die sie angesprochen hatten, in Bausch und Bogen zurückgewiesen wurden. Das hat auf der Seite von Pegida zu einer Radikalisierung geführt – was die Konfrontation zwischen dem Kultur-Dresden und dem Normalvolk-Dresden noch einmal sehr verstärkt hat.

Die Spaltung gab es also schon vorher?
Es gibt schon seit längerer Zeit eine Spaltung der Stadt zwischen, grob gesprochen, den Bewohnern der besseren, wohlhabenden Viertel, den Eliten, und den Arbeitern, die es auch in Dresden gibt, dem Normalvolk. Denjenigen, die dann, wenn die Sommerzeit zu Ende ist, im Dunkeln aufstehen und im Dunkeln von ihrer Arbeit nach Hause kommen. Die meisten in den guten und besseren Vierteln sehen sich selbst als freiheitlich, sozial- und christdemokratisch mit ökologischer Verantwortung. In Wirklichkeit sind sie elitistisch. Die Linke hat ihre ureigene Klientel verraten, stattdessen ist die AfD zur Arbeiterpartei geworden. Das ist für mich ein unerklärliches Phänomen.
Früher hatten sich Linke und linke Intellektuelle für soziale Fragen inter- essiert. Jetzt nicht mehr?
So sieht es aus. Vor allem diesen Verrat der Intellektuellen an den sogenannten einfachen Leuten halte ich für unverzeihlich. Sie halten sich selbst für liberal, für weltoffen. Und sie meinen, dafür, dass sie diejenigen, die schon wegen ihrer materiellen Lebensumstände nicht genauso denken können, dafür verachten müssen. Und das finde ich verachtenswert.
Sie selbst kommen ja aus einer Akademikerfamilie mit Hausmusik und großer Bibliothek. Was hatten Sie eigentlich vom Leben normaler DDR-Schichtarbeiter mitbekommen?
Ich war selbst einer. Unter anderem im Braunkohletagebau, in einem Lichtmaschinenwerk, in einer Kelterei. Ich stand instinktiv eher auf der Seite der Normalbevölkerung.

Hier oben in den Villen auf den Elbhängen war auch die DDR milder und erträglicher. Wann hatten Sie diese Enklave verlassen?

Als ich zur Nationalen Volksarmee gekommen war, bin ich aus meiner Dresdner Blase herausgefallen. Ich fragte mich: Was ist mit dir passiert, dass du jetzt auf einmal in einem Armeefeldlager hockst bei 20 Grad minus? Wer hat diese Macht über dich? Damals habe ich angefangen zu graben, zu lesen und nachzudenken.

Um wieder auf die Spaltung in postmaterielle Bürger und trotzige Normal-Ostdeutsche zu kommen: Viele westdeutsche Journalisten und Politiker sehen die Ursache für die tiefe mentale Ost-West-Spaltung in den Verwerfungen nach 1990. Das ist in der Tat eine verbreitete Erzählung: Die unzufriedenen Leute hier sind wirtschaftlich abgehängt, und schuld an den Verwerfungen ist die Treuhand. Wer so argumentiert, verkennt den Osten. Wer sich hier aufregt, ist nicht abgehängt, sondern eben mit konkreten politischen Entscheidungen der letzten Jahre nicht einverstanden. Eine Entgegnung, die wir vor allem aus dem Westen hören, lautet: Aber was wollt ihr denn? Euch geht es doch gut.
Und das stimmt nicht?
Es geht nicht unbedingt jedem gut, aber das ist nicht der Punkt. Wer die Unzufriedenheit, die sich auch in Dresden artikuliert, immer nur auf materielle Gründe zurückführen will, der begreift einfach nicht, dass es gerade hier viele Menschen gibt, denen kulturelle Werte, denen Tradition so wichtig ist, dass sie auch bereit sind, in der Auseinandersetzung ihren sozialen Status zu riskieren.
Das passt doch eigentlich perfekt zum westdeutschen Postmaterialismus!
Dieser Idealismus würde eigentlich perfekt zum idealistischen Westen passen, wenn es der richtige Idealismus wäre. Wären wir hier im Osten in dieser Weise grüne Idealisten – dann wären wir natürlich für die Medien die Allergrößten (lacht). Den Willen, eine Kultur zu bewahren, die ich als lebensrettend erfahren habe, das können viele Westdeutsche nicht verstehen. Gerettet hat mich und andere, denen es ähnlich ging, eine Ideenwelt. Ich akzeptiere es nicht, wenn die gesellschaftlichen Konflikte, die wir in Deutschland haben, immer wieder so einfach auf das Materielle heruntergebrochen werden. Aber das passiert trotzdem in fast jedem Bericht überregionaler Medien über Sachsen oder über den Osten. Ich weiß nicht: Wollen das viele Journalisten nicht hören, oder begreifen sie es nicht?
Was glauben Sie, warum reagieren so viele aus dem linkskorrekten Milieu des Westens so allergisch auf viele Wortmeldungen aus dem Osten?
Wahrscheinlich gibt es diese Reaktion, weil seit 2015 auch im Westen alte Fragen nach oben kommen: Was ist die gemeinsame Identität? Wie viel Fremdes verträgt das Eigene? Vor allem: Was ist das Eigene? Für viele Westdeutsche ist der Osten mittlerweile der Stellvertreterfeind, auf den sie eindreschen können, um genau diesen Fragen auszuweichen. Viele dieser Progressiven ahnen doch selbst, dass bestimmte Entwicklungen der letzten Zeit nicht gut sind für die Gesellschaft. Man ahnt, dass das nicht gut ist, wenn eine Gesellschaft nicht weiß, wer sie ist und was sie will. Vom Westen aus lautet die Diagnose: Die Ostdeutschen scheuen die Veränderung.
Dass es Veränderungen gibt, ist normal. Meine Eltern sind 1989 auf die Straße gegangen mit dem Bewusstsein: Nichts wird so bleiben. Es wird tiefe Brüche geben, wir werden unsere Jobs verlie­ren. Aber das ist es uns wert, wir wollen die Freiheit. Es geht doch nicht darum, dass es hier eine generelle Ablehnung von Veränderung geben würde.
Sondern?
Es kommt auf die Art der Veränderung an. Es ist doch eine sehr schlichte Einordnung: Das Progressive ist das Gute, das Bewahrende das Negative. Ziem­lich schlicht vor allem mit dem Blick in unsere Geschichte. Das Dritte Reich wurde von vielen damals auch als mo­dern empfunden, als Fortschritt. Als die Wehrmacht andere Länder über­fallen, als ihre Luftwaffe andere Städ­te bombardiert hatte: Das war ja eine Art Voranschreiten zu etwas Neuem, ein Plattmachen alter Strukturen. Und der Wiederaufbau des ausgebrannten Hauses nach dem Krieg, das war etwas zutiefst Konservatives. Da ging es um Bewahrung.
Den ostdeutschen Revolutionären von 1989 ging es auch um Bewahrung: Sie wollten ja auch den Zerfall der Städte stoppen. Zum anderen waren es natürlich Umstürzler: Ein ganzer Staat wurde abgeräumt. Gibt es auch einen westdeutschen Neid auf die Ostler als erfolgreiche Revolutionäre?
Das spielt vielleicht eine Rolle. Und nicht nur bei den Linken. Björn Höcke beispielsweise, der ja aus dem Westen kommt, bezieht sich immer wieder auf den Herbst 1989. Ich sehe bei ihm aller­dings eine ganz andere Nähe, nämlich zur RAF. Die Kader der RAF waren ra­dikal antibürgerlich, waren Fantasten, hingen der Überzeugung an, nur ein Umsturz brächte die große Lösung.
Sehen Sie sich als politischen Menschen?
Unbedingt. Das war ich schon immer.
Und als politischen Autor?
Mich interessiert Politik. Aber ich ma­che keine Politik. Ich bin kein deutender Essayist. Ich bin kein Intellektuel­ler à la Enzensberger. Dafür denke ich nicht scharf genug. Meine Sache ist eher das Erzählerische. Ich konnte nur irgendwann meinen Mund nicht mehr halten und habe mich geäußert, mit al­len Unschärfen.
Als Konservativer?
Ich verstehe mich als liberaler Mensch.
Tatsächlich? Wenn in irgendeiner Redaktion nach einem konservativen Autor in Deutschland gefragt wird, dann fallen meist zwei Namen: der von Martin Mosebach und Ihrer.
Mir wird das Etikett „konservativ“ an­geheftet. Ich bin mir da nicht so sicher. In der Kunst bin ich nach meinem Ver­ständnis libertär. Es ist nicht so ein­ deutig, wie die Kunst auf das Leben zu­ rückwirkt und umgekehrt. Über mich heißt es oft: Er ist konservativ, also muss seine Kunst konservativ sein. Bin ich konservativ? In der Lebensform ja, da ich drei Kinder habe. In der Musik zum Beispiel habe ich überhaupt keinen konservativen Geschmack. Zu Hause höre ich zum Beispiel ab und zu Rap. Das ist gar nicht schlecht, um Aggres­sionen abzubauen.
Haftbefehl zum Beispiel.
Nee, Haftbefehl nicht.
Was dann?
Eminem. Und Macklemore zum Bei­spiel. Und Al­-Gear.
Sie haben den Begriff „libertär“ verwendet. Was bedeutet der für Sie außerhalb der Kunst?
Beispielsweise, dass ich neben vielem anderem sowohl die Zeitschrift „Se­zession“ lese, die von Götz Kubitschek herausgegeben wird, als auch die weit linke Plattform Indymedia. Ich lese dort auch in den angebotenen Quellen nach, wenn sie mir interessant erscheinen. Ich verspüre da keinerlei Kontakt­schuld nach dem Muster: Ich darf das nicht lesen, sonst werde ich von den fal­schen Gedanken berührt. Ich vertraue mir selbst. Aber diese Angst, sich mit bestimmten Gedanken auseinander­ zusetzen, scheint mir vor allem unter Intellektuellen sehr weit verbreitet zu sein. Das ist paradox. Wenn diese Leute bunt sein wollen: Warum nageln sie sich dann die Buntheit im Denken selbst zu?
Wie nehmen Sie die intellektuelle Szene in Deutschland aus Ihrer Außenseiterposition als Nichtlinker wahr?
Das, was viele in meiner Branche von sich geben, ist ein krasser Widerspruch zu dem Bild, das sie von sich selbst haben. Sie sehen sich ganz selbstverständlich als kritisch, unangepasst, widerständig, unberechenbar und frei. Tatsächlich gibt es, wenn wir uns gerade die letzten Jahre ansehen, nichts Angepassteres, Berechenbareres, Unfreieres und Dümmeres als die Wortmeldungen von vielen Intellektuellen. Das beschäftigt mich sehr: Wo kommt diese Nähe zu Merkel her, dieses Unisono-Tröten für Grün, Links und eine links-grün gewendete CDU?
Was vermuten Sie?
Vielleicht liegt es daran, dass viele so tief in ihrer Position stecken, dass sie glauben: Wenn wir jetzt nicht an dem festhalten, was wir meinen, dann stehen wir plötzlich an der Seite der Dunklen, der Falschen, der Nazis. Es spielt wahrscheinlich auch ein tiefes Misstrauen gegen das Normalvolk eine Rolle, ein Wissen tief im Innern: Das Volk ist nicht links und wird es nie sein.
Zum eigentlichen Bruch zwischen großen Teilen des deutschen Kulturbetriebs und Ihnen kam es 2018, als sie im Dresdner Kulturpalast mit ihrem Autorenkollegen Durs Grünbein stritten. Für Ihre Aussage, 95 Prozent der Migranten kämen wegen der Sozialleistungen nach Deutschland, sind Sie damals massiv attackiert worden – auch von Ihrem eigenen Verlag. Hat Sie diese Heftigkeit damals überrascht?
Die ganze Kritik hat sich an diesen 95 Prozent festgemacht. Natürlich kommen nicht 95 Prozent nur oder vorrangig wegen der Sozialleistungen her, wenngleich die Gesetzeslage die Sozialleistungen für alle vorschreibt. Es gibt ja auch zunächst ein Arbeitsverbot. Gleichwohl spielen die Sozialleistungen für einen ins Gewicht fallenden Teil der Migranten, die zu uns kommen, eine Rolle. Es wäre naiv, das zu verkennen. Mir ging es um folgenden Punkt: Niemand, der in Griechenland angelandet ist, musste von dort nach Deutschland, um sein Leben zu retten. Aber das war ja nur ein Teil dessen, worüber ich mit Grünbein damals diskutiert hatte.
Was war denn damals der wahre Kern des Streits?
Die Frage, was diese Migration, die wir erleben, für Folgen hat. Schauen wir uns doch einmal die Orte an, in denen das Experiment der Gesellschaftsveränderung durch Einwanderung schon länger läuft. Gehen wir einmal von der These aus: Bunt ist gut, offen ist gut. Dann ergeben sich Fragen wie: Sorgt die Buntheit für eine Befriedung der Gesellschaft? Nein. Macht sie die Gesellschaft vielfältiger? Ja, natürlich, wenn ich überall türkisch und arabisch essen kann. Aber das beschreibt ja eher die Sicht des Konsumenten, der eine Vielfalt von Küchen mag. Als 2015 die Grenzen nicht geschlossen wurden und es im großem Stil zu einer Einwanderung aus muslimischen Ländern kam, haben viele Dresdner angefangen nachzulesen: In welchem Land, in dem der Islam die dominierende Rolle spielt, gibt es denn Demokratie und Liberalität nach unseren Vorstellungen? Und siehe da, sie finden keins.
Warum führen die Diskussionen über die Migration in Deutschland zu derart tiefen Brüchen – zwischen Kollegen, quer durch Städte, manchmal auch quer durch Familien?

Weil all diese Diskussionen immer wieder auf die Frage der Identität hinauslaufen: Was bedeuten wir uns selbst?
Seit Sie als der prominente „rechte” Autor gelten, kommen da auch Leute auf Sie zu, die Ihre Ansicht nicht teilen, aber verstehen wollen?
Das passiert ganz selten. Ich bekomme natürlich Zuspruch, ich bekomme von anderen meine Bücher zurückgeschickt, manchmal absichtsvoll zerstört. Aber dass jemand kommt und sagt: „Ich denke anders, aber ich will wissen, warum du so denkst“, das geschieht so gut wie nie.
Würden Sie gern mit diesen Leuten diskutieren? Nach dem Streit mit Grünbein, so schien es vielen jeden-falls, hatten Sie sich vorübergehend frustriert zurückgezogen.
Wir wollen den Diskurs, ich und einige andere hier in Dresden, beispielsweise die Buchhändlerin Susanne Dagen. Mit dem Kapitän der Mission „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, der Migranten über das Mittelmeer gefahren hat und übrigens hier in Dresden vor dem Buchhaus Loschwitz mit seinen Unterstützern demonstriert hatte, würde ich sehr gern diskutieren. Ich hätte dann allerdings auch gern den Kapitän Rainer Grunert dabei, den ich kenne: Der ist jahrzehntelang zur See gefahren, er ist natürlich auch für die Seenotrettung von Schiffbrüchigen. Aber er sieht eben die Frage, ob diese Schiffbrüchigen dann alle nach Europa gebracht werden müssen, ganz anders als Reisch.
Täuscht der Eindruck oder gibt es in Dresden seit einiger Zeit tatsächlich öffentliche Diskussionen, in denen die politischen Lager wieder miteinander reden?
Im Lingerschloss hat es vor einiger Zeit eine öffentliche Diskussion zwischen Susanne Dagen und ihren Kritikern gegeben, immerhin. Die Tatsache, dass in Dresden ab und zu diese Debatten stattfinden, hat vielleicht auch mit der Größe der Stadt zu tun. Man kann hier einander auf die Dauer nicht ausweichen.
Helfen Sie uns: Was ist das typisch Sächsische?

Der Dialekt sicherlich. Wobei der weiche Klang täuscht. In Sachsen gab es immer auch eine anarchistische Tradition, denken Sie an Max Hoelz …
… einen kommunistischen Anarchisten, der 1921 einen Aufstand im Vogtland anzettelte.
Dieser Typus hat auch immer zu Sachsen gehört. Außerdem gibt es in Sachsen einen ganz bestimmten trockenen Humor. Gerade in den Städten auch ein liberales Geltenlassen.
Seit Jahren arbeiten Sie an einem neuen Roman, sozusagen dem „Turm 2“, der das Gesellschaftspanorama in die Gegenwart verlängert. Wann kommt das Buch?
Aller Wahrscheinlichkeit nach im Herbst 2020. Das Manuskript ist noch nicht fertig.
Wird es bei Suhrkamp erscheinen, trotz der politischen Distanzierung durch den Verlag im vergangenen Jahr?
Davon gehe ich aus.
…. Alles vom 13.10.2019 von Alexander Wendt bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/uwe-tellkamp-das-volk-ist-nicht-links/
http://www.publico-magazin.de 
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Einige Kommentare:
Das Interview ist gut, es veranschaulicht viele Sichtweisen
Allerdings ist es nicht nur der Osten, der NICHT links ist, auch sehr, sehr viele im Westen sind es nicht, und auch hier zählt, wer arbeitet, also seinen Lebensunterhalt selbst bestreitet und zwar im „Normalverdienersektor“ (da habe ich den Niedriglohnsektor noch nicht einmal angesprochen), der ist definitiv nicht linkt, und vor allem auch nicht grün. Man gehe auch hier raus aus den Großstädten aufs Land….sogar bei den „reichen“ Bauern ist vor allem grün ein rotes Tuch Sicher hat der Westen mehr „Gehirngewaschene Doofis“ als der Osten….aber die Mehrheit? Ich glaube das immer noch nicht. Um so faszinierender, daß sich die Mehrheit der Gesellschaft von dieser Minderheit hertreiben lässt.
13.10.2019, Des, TO
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In Deutschland hat sich ein Meinungsmonopol gebildet
das den Anspruch erhebt, vom wahren und gerechten Leben zu künden. Die Vertreter dieses Monopols sind satte und zufriedene Wohlstandsbürger, gut situiert, beruflich etabliert und finanziell abgesichert. Das gibt ihnen Zeit und Muße, um auf ihren grünen Spielwiesen zu agieren, wo sie sich den Schmutz der Gesellschaft von ihren Schuhen wischen können. Dabei unterstützt werden sie von einem Medienverbund gleichgeschalteter Journalisten, die natürlich auch aus diesen Kreisen kommen, von Jugendlichen und Studenten ohne jegliche Lebenserfahrung, gleichfalls im Wohlstand der Vätergeneration aufgewachsen. Für sie ist die liberale Gesellschaft einzig bedroht durch Rechtsradikalismus, nicht durch organisierte Kriminalität, nicht durch Geldwäsche, Drogenhandel, Zwangsprostitution oder Steuerhinterziehung. Sie blicken, wie Tellkamp es geschildert hat, darauf von oben herab, weil es sie persönlich nicht tangiert. Sie kennen Gewalt lediglich aus den Medien, am eigenen Leib haben sie diese nie erfahren. Deshalb nehmen sie alle Klischees darüber bedenkenlos auf. In wirtschaftlichen oder militärischen Krisenzeiten würden sie vollständig versagen, weil sie weder psychisch noch körperlich belastbar sind. Sie würden davonrennen wie die Hasen – im Schlepptau all die Zugewanderten, die ebenfalls diesen Staat nicht verteidigen würden, weil sie keine tiefere Bindung zu ihm haben, als den Gang zum Sozialamt. Es ist Naivität gepaart mit Dummheit, die uns allenthalben umgibt und die von selbstzufriedenen Politikern, die ihre Karriere gesichert und die Pension vor sich haben, gefördert wird. Gib dem Volk Brot und Spiele, damit es ruhig bleibt und tut, was du von ihm verlangst. Soll es brüllen, brüllt es. Soll es schweigen, schweigt es. Soll es lachen, lacht es. Das grüne Spektakel auf den Straßen ist die frohe Botschaft: Wir sitzen alle in einem Boot. Eine Meinung, ein Ziel, ein Untergang!
13.10.2019, H.B., TO
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„Die Bewohner des Elbhangs wählen überwiegend Grün, es sind viele Beamte darunter, Lehrer, Angestellte von Kulturinstitutionen, Künstler. Man macht sich Gedanken über CO2-Reduzierung, es gibt Hausmusik, das Milieu ist materiell gut abgesichert (…)“
Die Berufe dieses Milieus sind auch ausschlaggebend. Je weiter jemand in der rot-grünen Ecke steht, desto weiter ist er von jenen Arbeitsprozessen entfernt, wo Geld erwirtschaftet werden muss. Die grünen Gedanken gedeihen dort am besten, wo man Geld per Budget zugeteilt bekommt und sich um das tägliche Hauen und Stechen mit Markt-Konkurrenten um Kunden keine Gedanken zu machen braucht. Man achte mal bei Kommunalwahlen auf die Berufe der Kandidaten: Unternehmer, Kaufleute und Handwerker sind nicht grün und selten rot. Ausnahmen bestätigen die Regel.

„Sie kommen ja herum in der Welt. Aber das, was sie sehen, wird sofort mit dem Begriff der Schuld verbunden. Das ist die Erzählung, die ich hier oben immer höre: Es geht uns gut. Aber warum ist das so? Aufgrund welcher Schicksalsfügung ist es uns gestattet, so viel besser zu leben als andere in Afrika?“
Schließt sich an obige Ausführungen an. Wer in der freien Wirtschaft arbeitet und sich dem hartem Wettbewerb stellen muss weiß auch, wie schwer und hart Geld erwirtschaftet werden muss. Solche Leute kommen kaum auf den Gedanken, sich für ihr erarbeitetes Geld schuldig zu fühlen.
„Dafür sehe ich zwei Gründe: Zum einen ist mit dem verordneten Antifaschismus in der DDR die Diskussion über Schuld – auch die weiter zurückliegende, die Kolonialschuld – abgeräumt worden“ Das war oberflächlich und unehrlich, hatte aber den Vorteil, dass die Ostdeutschen in ihrer deutschen Identität nicht in Frage gestellt wurden, die Psyche und Seele blieb intakt. Im Westen ging das andersherum. Die Bewältigung der NS-Verbrechen fand durch eine Verdammung des Deutschtums statt. Ein guter (West-) Deutscher ist jener, der sich gar nicht deutsch fühlt. Eine Aussage, die in Westdeutschland von hoher Tugendhaftigkeit zeugt. In Westdeutschland nach dem Krieg war daher der Vorwurf der „Deutschtümelei“ eine schwere Anschuldigung. Das war sozusagen die dunkelgelbe Karte. Nach dem Deutschtümler kam nur noch der Nazi bzw. er war eine Vorstufe davon und führte auf direktem Weg zu ihm. Man wollte Hitler entfliehen, indem man seine deutsche Identität abstreift. Deutsch = Nazi.

Irgendeine Jüdin (ich bin mir nicht sicher, ob es Hannah Arendt war) schrieb einmal, die einzige Identität, welche die BRD und die DDR als Nachfolgestaaten des Deutschen Reiches hatten, war die Abgrenzung zum Nationalsozialismus. Thomas Spahn schrieb hier mal treffend, dass die Bundesrepublik als „Hitler-2.0-Verhinderungsdemokratie“ konzipiert worden ist. Spätestens ab Ende der 1970er begann in Westdeutschland durch die US-Fernsehserie „Holocaust“ die Aufarbeitung der NS-Verbrechen im großen Stil. Es folgten unzählige deutsche TV-Dokumentationen über das Dritte Reich, besonders inflationär in den 1990ern und frühen 2000ern durch den ZDF-Historiker Guido Knopp (Hitlers Helfer, Hitlers Generäle, Hitlers Wehrmacht, Hitlers SS, Hitler hier und Hitler da usw.). Hitler lebt in der Bundesrepublik als Zombie weiter, die Distanzierung von ihm, seine Verteufelung und Verdammung, ist längst zum konstitutiven Element geworden. Ein guter Deutscher ist, wer kein Deutscher sein will und das zeigt man am besten, indem man das Land mit Migranten auffüllt, einen auf Weltbürger macht und wie Merkel den ganzen Tag von Multilateralismus schwafelt. Bloß nichts alleine entscheiden, bloß keine eigenen Interessen formulieren, denn das ist doch wieder der alte Nationalismus und wo dieser sich auch immer zeigt, kommt doch bald wieder ein neuer Adolf um die Ecke.
Doch das alles ist nur die Flucht der (West-) Deutschen vor sich selbst. Das zeigt sich auch am neusten Trend des jahrzehntelangen Eskapismus: wir sind jetzt alle bunt, vielfältig und tolerant – damit wir nicht darüber nachdenken müssen, was uns von den Migranten unterscheidet. Im Prinzip ist die Seele und Psyche der Bundesrepublik schwer gestört, was erstaunlicherweise mittlerweile in weiten Teilen Westeuropas der Fall ist. Ohne robuste Psyche und feste Identität aber, wird man in der grenzenlosen und globalisierten Welt, wo wir immer stärker mit anderen Völkern und Kulturen in Kontakt und damit auch Konflikt geraten, gnadenlos zerrissen werden.
13.10.2019, Jan, TO
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Unisono-Tröten für Grün, Links und eine links-grün gewendete CDU
Zitat Tellkamp: „Tatsächlich gibt es, wenn wir uns gerade die letzten Jahre ansehen, nichts Angepassteres, Berechenbareres, Unfreieres und Dümmeres als die Wortmeldungen von vielen Intellektuellen. Das beschäftigt mich sehr: Wo kommt diese Nähe zu Merkel her, dieses Unisono-Tröten für Grün, Links und eine links-grün gewendete CDU?“
Ich nehme an, dass sich viele Pseudo-Linke nicht sozial isolieren wollen. Es hängt mit der „Schweigespirale“ von Noelle-Neumann zusammen: „Widerspricht die eigene Meinung der als vorherrschend betrachteten Meinung, so gibt es Hemmungen, sie zu äußern, und zwar umso stärker, je ausgeprägter der Gegensatz wird.“
Wenn bereits ein Gespräch oder gemeinsames Essen mit Prof.Meuthen/AfD ausreichen kann, seinen Job zu verlieren, dann ist die „Anpassung“ zumindest doch nachvollziehbar. Hier hat sich aber inzwischen eine aus Politik und Medien bestehende „Riesenblase“ entwickelt, deren Entrücktheit vom Bürger soweit fortgeschritten ist, dass sich extremistische Gegenstrukturen bilden.
13.10.2019, H.N.

 

BuchHaus Loschwitz
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01326 Dresden
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Aus dem Programm der Buchhandlung:

„70 Jahre DDR“
Gespräch mit Vera Lengsfeld und Uwe Tellkamp
im BuchHaus Loschwitz
am Mittwoch, der 02. Oktober um 20 Uhr

Vera Lengsfeld
Die 1952 im Thüringer Sondershausen geborene Vera Lengsfeld siedelte 1958 nach Berlin und absovierte 1970-1975 Studium der Geschichte und der Philosophie in Leipzig und Berlin. Von 1975-1979 war sie Mitarbeiterin der Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Philosophie und erlebte dort ihr erstes Parteiverfahren wegen Abweichlertums. Darauf folgte eine Zwangsversetzung an das Institut für Wissenschaftliche Information. Von 1980-1983 war sie Lektorin am Verlag Neues Leben tätig. Schon seit den siebziger Jahren aktiv in der Opposition gegen das SED-Regime, begründete sie 1981 einen der ersten halblegalen Oppositionskreise der DDR, des Pankower Friedenskreises mit. Seitdem war sie Mitorganisatorin aller wichtigen Veranstaltungen der Friedens-und Umweltbewegung der DDR. 1983 erfolgte ein zweites Parteiverfahren wegen Mitarbeit in der Bürgerrechtsbewegung, der Ausschluß aus der SED, Berufsverbot und Reiseverbot.
1988 folgte eine Verhaftung wegen versuchter Teilnahme an der offiziellen Liebknecht-und Luxemburgdemonstration mit eigenem Plakat. Verurteilt wurde sie wegen „Versuchter Zusammenrottung“ nach einem Monat Haft. Darauf erfolgte die Abschiebung in den Westen, Aufenthalt in England und das Studium der Philosophy of religion am St. John´s College Cambridge
1989 am Morgen des 9.November Rückkehr in die DDR, war sie abends beim Mauerfall an der Bornholmer Straße dabei und später Mitglied der Verfassungskommission des Runden Tisches. 1990 war Vera Lengsfeld Mitglied der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR
1990 erhielt sie den Aachener Friedenspreis, 1996 Mitbegründerin des Bürgerbüros für die Verfolgten der DDR-Diktatur, 2003 Mitbegründerin des Gedenkstättenvereins des Stasigefängnisses Hohenschönhausen.
Von 1990-2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, Ausschüsse: Verteidigung, Umwelt, Wirtschaft, Kultur, Untersuchungsausschuß “Verschwundenes DDR-Vermögen”, 2008 wurde ihr das Bundesverdienstkreuze verliehen.
Heute arbeitet und lebt sie als freischaffende Autorin (Achse des Guten, PAZ, eigener Blog www.vera-lengsfeld.de) in Berlin.

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Uwe Tellkamp,
geb. 1968 studierte Medizin, widmet sich seit 2004 ausschließlich dem Schreiben. Sein 2008 erschienener Roman „Der Turm“ gilt als Wenderoman, obgleich er vor allem die letzten 7 Jahre der DDR im Dresdner Bildungsbürgertum beschreibt. Spätestens seit seiner Rolle als Erstunterzeichner der „Charta 2017“anläßlich der Vorkommnisse auf der Frankfurter Buchmesse 2017 die eine „Gesinnungsdiktatur“ und einen drohenden Verlust von Meinungsfreiheit anmahnt, wird er als kritische politische Stimme wahrgenommen.
Vor der Leipziger Buchmesse 2018 sorgten Äußerungen Tellkamps bei einer öffentlichen Diskussion im Dresdner Kulturpalast mit Durs Grünbein zur „Meinungsfreiheit in der Demokratie“ für wochenlange mediale Diskussionen und Anfeindungen des Autors. Als Erstunterzeichner der „Erklärung 2018“ stellte er wiederum seine kritische Position zur deutschen Migrationspolitik in den Fokus der Öffentlichkeit. Tellkamp lebt und arbeitet in Dresden.
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Der Rückweg ist das Ziel. 30 Jahre Mauerfall, 70 Jahre DDR“
Gespräch mit Michael Klonovsky und Alexander Wendt
im BuchHaus Loschwitz
am Montag, der 07. Oktober um 20 Uhr
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Klonovsky und Wendt verbindet so Einiges: Generation, Herkunft, Werdegang, publizistisches und politisches Wirken. Die acta diurna (www.michael-klonovsky.de) gehört zur Morgenlektüre, innerlich erfrischt wird im Laufe des Tages mit Wendts Notizen (www.publicomag.com). Beide haben den Journalismus während der Wende miterzählt, lange und längste Zeit auch bis in jüngste bundesdeutsche Tage mitgetragen. Tiefe Einblicke in die Alltags-Medien-Un-Kultur werden am heutigen gemeinsamen Aben zu erwarten sein.
Michael Klonovsky, 1962 in Schlema (Erzgebirge)geboren, Umzug nach Ostberlin mit darauf folgender Maurerlehre und Abitur. Bis 1989 Broterwerb als Maurer, Gabelstaplerfahrer, Sportplatzwart, zuletzt Korrekturleser bei der LDPD-Tageszeitung “Der Morgen”, seit ca. 1990 dortselbst Journalist. 1992 dann Übersiedlung nach München zur Anstellung bei “Focus” als Redakteur und später als Leiter des Debattenressorts. Von Juni 2016 bis November war er publizistischer Berater von Frauke Petry und danach Sprecher von Jörg Meuthen (beide AfD). Seit Februar 2018 ist er Persönlicher Referent des Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag, Alexander Gauland.
Alexander Wendt, geboren 1966 in Leipzig arbeitete von 1989 bis 1995 als Redakteur und freier Journalist für die “Wirtschaftswoche”, den “Stern”, den “Tagesspiegel” und andere Medien. Seit 1995 ist er Redakteur für Politik-, Wirtschafts- und Wissenschaftsthemen beim “Focus”. Wendt gründete im November 2017 das Onlinemagazin Publico, das er seitdem betreibt.
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Wut im Buch – Susanne Dagen
Susanne Dagen ist die Buchhändlerin des Dresdner Bürgertums. Doch seit man ihr nachsagt, “Pegida-nah” zu sein, wenden sich viele ihrer Kunden ab….
Wenn man Dagen, Jahrgang 1972, danach fragt, sagt sie: Dass sie mit Pegida sympathisiere, dürfe man durchaus schreiben. Sie wolle sich dafür nicht verstecken. Nur mit den Reaktionen habe sie nicht gerechnet. Statt mit ihr zu diskutieren, straften viele Kunden und Freunde sie mit Nichtbeachtung. Viele im Dresdner Kulturbürgertum seien nicht fähig zur Debatte. Dagens Wunsch, mehr zu streiten, werde mit lautem Schweigen beantwortet. So sieht sie das. Nun muss man wissen, dass Susanne Dagen selbst zu den zentralen Figuren des berühmten Dresdner Kulturbürgertums gehört. Ihr Laden, das Buchhaus Loschwitz, liegt am Fuße des Stadtteils Weißer Hirsch, unweit der berühmten Elbbrücke Blaues Wunder. Die Turmgesellschaft, wie sie Uwe Tellkamp 2008 in seinem Roman Der Turm beschrieb – diese Gesellschaft kauft ihre Bücher hier, bei ihr. Susanne Dagens Großvater war Arzt, ihre Großmutter Sängerin. Der Vater war Chemiker, die Mutter Galeristin. In ihrer Kindheit war Dagen von Künstlern, von Kulturbürgertum umgeben. In ihrem Buchhaus hat Dagen auch heute ständig Schriftsteller zu Gast, schart kluge Menschen um sich. Zu ihren Kunden, sagt Susanne Dagen, gehörten bekannte Politiker, etwa Thomas de Maizière. Den Lyriker Jörg Bernig zählt sie gar zu ihren Freunden. Ihr Laden ist mit dem Preis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, es gibt Stadtführer, die ihn Touristengruppen empfehlen. Ein wunderschöner Ort an einem wunderschönen Platz.
… Alles vom 23.3.2017 bitte lesen auf
https://www.zeit.de/2017/13/susanne-dagen-dresden-pegida-buchhaendlerin-buergertum

 

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