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  • Tang Freiburg – “Lost Dreams” klärt in Afrika auf (3.2.2019)

 

 

Tang Freiburg – “Lost Dreams” klärt in Afrika auf
Rund 2 200 Menschen ertranken 2018 beim Versuch, über das Mittelmeer von Afrika nach Europa zu gelangen, noch mehr fanden UN-Schätzungen zufolge in der Sahara den Tod. “The African Network of Germany” mit Bundessitz in Freiburg will dem mit Aufklärung entgegentreten und legale Wege aufzeigen.
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In den vergangenen zwei Jahren stand Sylvie Nantcha viele Male vor Schulklassen und die Situation war stets ähnlich. Sie fragte: Wer von euch will nach Europa? Alle Finger gingen hoch. Wer weiß, wie viele Migranten unterwegs sterben? Betroffenes Schweigen. Wer weiß, wie viele in Europa bleiben dürfen? Ratlosigkeit. “Die Menschen in Afrika haben einen riesengroßen Traum von Europa, sie hoffen auf bessere Perspektiven, auf Jobs und ein gutes Leben, doch sie haben keine Ahnung, dass das die allerwenigsten erreichen können”, sagt Nantcha. Als Bundesvorsitzende von “The African Network oft Germany” (Tang) hat die Freiburger Stadträtin (CDU) die Aufklärungskampagne “Lost Dreams” initiiert, mit der sie und ihr Team in acht afrikanischen Ländern unterhalb der Sahara unterwegs waren, um die Menschen über die Gefahren der Reise und das Leben in Europa zu informieren.
Das Bundesnetzwerk Tang wurde im Mai 2013 anlässlich des 50. Geburtstags der Organisation für Afrikanische Einheit vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck gegründet. Ziel ist es, die in Deutschland lebenden Menschen afrikanischer Herkunft zu vernetzen und ihre Potenziale zur gesellschaftlichen Mitgestaltung zu fördern. Inzwischen ist die Entwicklungszusammenarbeit mit den Herkunftsländern dazugekommen. Die Freiburger Tang-Geschäftsstelle, in der es unprätentiös und geschäftig zugeht, ist in dem Mischgebiet im Mooswald über einem Musikhandel untergebracht. Sie vertritt rund 600 deutsch-afrikanische Vereine und verwirklicht ihre Projekte in der Regel in Zusammenarbeit mit Bundesministerien.
“Viele meinen, weil jeder Afrikaner ein Smartphone hat, müsste es ein Leichtes sein, sich vor der Reise zu informieren”, sagt Sylvie Nantcha. Doch das Gegenteil sei der Fall: Wer es als Asylbewerber nach Europa geschafft hat, verschweige aus Scham oft, dass er mit fünf Fremden das Zimmer im Flüchtlingsheim teilen und mit Abschiebung rechnen muss und poste stattdessen Bilder, die ihn in geschenkten Markenklamotten oder vor einem schicken Auto am Straßenrand zeigen. “Oft hat die Familie daheim Schulden gemacht, um die Reise zu bezahlen”, sagt die 44-Jährige und beziffert die Schlepperkosten auf 8 000 bis 12 000 Euro.
Bei “Lost Dreams” ging es darum, Menschen in Niger, Burkina Faso, Senegal, Nigeria, Mali, Elfenbeinküste, Ghana und Kamerun über Gefahren und Folgen der irregulären Migration aufzuklären. In Pressekonferenzen wurden heimischen Journalisten Videos gezeigt, in denen Migranten in Spanien und Deutschland von ihren bitteren Erfahrungen berichten, zudem wurden mehrere Hundert Schülerinnen und Schüler als Multiplikatoren gewonnen und geschult, die dann wiederum andere für das Thema sensibilisierten. Geld oder Vergünstigungen habe dafür niemand bekommen, versichert Nantcha – wohl aber das gute Gefühl, realitätsferne Träumer vor Leid, Gefahren oder sogar Tod zu bewahren. Ministerien und NGOs vor Ort unterstützten das Projekt, hinzu kam eine Facebook-Kampagne. “So haben wir 65 Millionen Menschen erreicht”, sagt Nantcha.
Das Auswärtige Amt hat “Lost Dreams” mit rund 100 000 Euro gefördert. Projekte wie dieses sind für die EU-Staaten neben dem Schließen von Häfen und Außengrenzen und der Bekämpfung von Fluchtursachen in den Herkunftsländern ein Schritt zur Eindämmung der globalen Flüchtlingsbewegung. Was diese Politik vor Ort bedeutet, konnte Nantcha in Agadez in Niger beobachten, dem traditionellen Drehkreuz für Afrikaner, die nach Europa wollen. Seit 2016 stehen dort gemäß dem auf Druck der EU erlassenen Gesetz 2015-036 alle Schleuser-Aktivitäten unter Strafe: “Hunderte Taxifahrer und Busunternehmer, die bis 2016 legal Menschen durch die Wüste nach Libyen und Algerien brachten, haben so ihre Einnahmequelle verloren”, sagt Sylvie Nantcha. Eine Milliarde Euro bekommt der bettelarme Staat bis 2020 dafür, dass er als Türsteher Europas fungiert. Von 6 565 Anträgen auf Förderung eines landwirtschaftlichen oder handwerklichen Vorhabens, das ehemalige Schleuser beim “Emergency Trust Fund for Africa” der EU eingereicht hätten, seien nur 371 bewilligt worden. “Das ist viel zu wenig – ein Witz”, sagt Nantcha, die selbst mit 17 Jahren aus Kamerun zum Studieren nach Freiburg kam, mit Nachdruck.
Laut Auswärtigem Amt soll “Lost Dreams” nun evaluiert werden. Ob es eine Fortsetzung der Kooperation geben wird, sei noch offen. “Wir würden das Projekt gern erweitern”, sagt Nantcha: “Allein in Agadez gibt es 70 Schulen, in die wir gehen könnten – wir waren in zwölf.” Ihr Ziel sei nicht die Eindämmung der Migration, sondern die Rettung von Leben und das Aufzeigen legaler Wege, die mit dem neuen Einwanderungsgesetz hoffentlich zunähmen. Ihre Arbeit bei Tang erlebe sie als sinnvoll und wichtig. Wie es abseits davon für sie persönlich weitergeht, sei derweil noch offen. Nach ihrer Erklärung im November, wegen des ihr angebotenen hinteren CDU-Listenplatzes nicht erneut für den Freiburger Stadtrat kandidieren, hätten ihr andere Parteien einen – guten – Platz auf der eigenen Liste angeboten. “Ich habe mich noch nicht entschieden”, sagt Nantcha. Klar sei, dass sie der Politik treu bleibe.
…. Alles von Sigrun Rehm vom 3.2.2019 bitte lesen auf www.der-sonntag.de

Das Bundesnetzwerk TANG vernetzt aktuell mehr als 500 afrodeutsche Vereine. Schwerpunkte der Arbeit sind die Integration von Menschen mit afrikanischer Abstammung in Deutschland und die Stärkung der Deutsch- Afrikanischen Beziehungen. Die Geschäftsstelle des Bundesnetzwerks TANG befindet sich in Freiburg:
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Bundesnetzwerk TANG e.V.
c/o. Dr. Sylvie Nantcha
bei Musikschule – Haas , Mülhauserstr. 10a, 79110 Freiburg
Telefon: 0761 590 209 81, Mobil: 0176 638 969 12
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