Generation Z – Anpassung

Generation Z wie Zoomer: Die Shell-Jugendstudie sagt es: Rebellion war gestern, heute ist man angepaßt. 42% der 12-25jährigen kommen gut mit ihren Eltern aus (31% in 2002). Nur 16% der Jugendlichen wollen ihre Kinder später anders erziehen als die Eltern (37% in 1985). 57% heißen die Aufnahme so vieler Migranten gut. Aber 53% meinen, die Regierung verschweige der Bevölkerung die Wahrheit.
68% getrauen sich nicht, Schlechtes über Migranten zu sagen, da sie sonst als Rassist beschimpft würden. 34% glauben, der Islam unterwandere die deutsche Gesellschaft. 51% sagen, dass der Staat sich mehr um Migranten kümmert als um hilfsbedürftige Deutsche.
Erstmals in der Geschichte wachsen Jugendliche in einem volldigitalisierten Umfeld auf. Laut JIM-Studie besitzen 98% der Jugendlichen ein Smartphone, das tagtäglich genutzt wird. Ob das viele Zoomen, Teilen und Liken zu Anpassung und Nachgeben führt?
30.10.2019
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Die neue Shell-Jugendstudie von 2019 – lesen Sie selbst:
https://www.shell.de/medien/shell-presseinformationen/2019/shell-jugendstudie-2019-jugendliche-melden-sich-zu-wort.html

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Generation Z – Sie wollen gefallen
Generation Z: Noch nie waren Jugendliche formbarer – Gefahr und Chance zugleich
von Dushan Wegner
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Jedes Werkzeug formt seinen Benutzer. Wer an einem Zeichenkurs teilnimmt, sieht anschließend die Welt in mehr Details. Wer mit einem Architekten spazierengeht und ihm zuhört, gewinnt einen neuen Blick auf seine eigene Stadt. Mit Jugendlichen, die mit dem Internet als Werkzeug aufwachsen, wird es nicht anders sein. Wer einen Menschen verstehen will, der muß seine Denkwerkzeuge, seine Motivationen und Perspektiven kennen. Wer eigene Kinder hat – oder wem klar wird, daß Kinder buchstäblich „unsere Zukunft“ sind –, der will verstehen, wie der Geist dieser jüngeren Erdenbürger verschaltet ist.
Dieser Tage wurde die neue Shell-Jugendstudie veröffentlicht. Neben statistischen Fakten wie der Zahl von Jugendlichen mit Smartphones (fast alle), wurden auch gesellschaftspolitische Themen abgefragt – und das ist natürlich, wo die Medien einstiegen.
Auf der Website der „Tagesschau“ hieß es: „Die junge Generation ist mehrheitlich tolerant, zuversichtlich und umweltbewußt. Doch die neue Shell-Jugendstudie zeigt auch eine Affinität zu Rechtspopulismus und traditionellen Familienbildern.“ Kurz: Die Ergebnisse boten genug Stoff, den sogenannten „Kampf gegen Rechts“ fortzuführen, und doch war es für ein „im Prinzip ist alles okay“ nutzbar. (Bemerkenswert, daß in dem Bericht „traditionelle Familienbilder“ negativ bewertet werden.)
Ein Teil der Jugendlichen hege „populistische“ Ansichten, heißt es. „Populistisch“ ist ein Kampfbegriff, auch wenn Soziologen ihn als wissenschaftliche Einstufung behandeln. In der Welt fragt Sabine Menkens richtigerweise: „Wie aussagekräftig die Zuordnung ist, darf jedoch hinterfragt werden, denn typisch linkspopulistische Forderungen wurden nicht abgefragt.“ – Was ist es, das wirklich abgefragt wurde?
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Kinder, die mit sozialen Medien aufwachsen, werden zum Gefallenwollen erzogen. Jugendliche haben gelernt, nach Likes und Shares zu streben. Man könnte die Shell-Jugendstudie auch als eine Messung des aktuellen Grads an Gefallenwollen lesen. Doch die beiden politischen Aussagengruppen sind nicht spiegelbildlich. Jugendliche, die als deutsche Minderheit in einer Brennpunktschule aufwachsen, wo „Kartoffel“ noch die mildeste der rassistischen Beschimpfungen ist, brauchen keine Vorbilder, um einen kritischen Blick auf Migration zu entwickeln.
Es ist jedoch offensichtlich, daß kein einziger der öko-besorgten Jugendlichen aus eigenen Stücken auf die Angst vorm Weltuntergang kam. Man will gefallen, indem man eine „politisch korrekte“ Panik übernimmt. Wenn Kinder angeben, ihre größten Ängste seien „Klimawandel“ oder „Krieg in Europa“, dann sagen sie zuerst, wovon sie denken, daß es gefallen wird.
Die politische Seite der Shell-Jugendstudie wirkt auf mich wie eine Abfrage der Wirkung linker Meinungsmache – man kann festhalten, daß Meinungsmache wirkt, wenn auch zum Glück nicht flächendeckend.
Laut der Studie sind 77 Prozent der Jugendlichen mit der Demokratie, so wie sie in Deutschland praktiziert wird, „eher oder sehr zufrieden“. Was können Jugendliche, die gelernt haben, zu „gefallen“ und zu sagen, was Nichtregierungsorganisationen vorgeben, von der Demokratie halten?
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Jugendliche werden dubiosen Bewegungen in die Hände gegeben, die teils nach Diktatur im Namen von Moralpanik rufen, im Hintergrund angestachelt von rätselhaften Vereinen – und sie wollen auch dort zuerst gefallen. Jugendliche erleben eine Regierung, die rechtsstaatliche Aufgaben in Kerngebieten, wie etwa Meinungsfreiheit, in die Hände undurchsichtiger privater Konzerne legt („Netzwerkdurchsetzungsgesetz“), und die selbst bei Gelegenheit unabhängig von Recht und Zusagen zu handeln scheint. Wir erleben Jugendliche, die längst Konzernen mehr vertrauen als der Regierung – keine Regierung würde wagen, die Daten abzufragen, die Jugendliche ganz selbstverständlich an Social-Media-Konzerne geben (während sie angeben, das selbst kritisch zu sehen).
Sicher, Jugendliche werden sagen, daß sie Demokratie wichtig finden, weil es den Leuten gefällt, das so zu sagen – und das sind schon mal dieselben Jugendlichen, die gegen CO2 demonstrieren, um dann mit dem Flugzeug zur Kreuzfahrt zu fliegen.
Ich mache mir Sorgen um den Stellenwert demokratischer Prinzipien in Generation Z, was auch immer sie in Studien behaupten. Fragen Sie einen Social-Media-Jugendlichen, ob er bereit wäre, bei den nächsten Wahlen auszusetzen, wenn er dafür 1.000 virtuelle „Likes“ bekäme – die Antwort könnte Sie verunsichern. Jede Generation kritisiert die nächste, aber eines ist heute neu: Ich kritisiere meine Kinder, weil sie zu wenig rebellisch sind, nicht weil sie gerade die Revolution planen. Ihre Musik ist mir zu brav, ihre Meinungen sind mir zu brav, ihre Kleidung ist mir zu brav.
Im Gefallenwollen der Generation Z liegt eine Chance. Wir haben als Eltern die Möglichkeit, eine Generation zu formen, wenn wir nur die richtigen Weichen stellen. Kinder von heute wollen gefallen, ob es uns gefällt oder nicht – überlassen wir das nicht den Meinungsmachern!
Es liegt an den Eltern, der Generation Z kluge Denkwerkzeuge zu geben. Das kann auch bedeuten, die eigene Bequemlichkeit zu überwinden, in sich zu gehen, neu zu überlegen, welche Werte und Fähigkeiten es sind, die man weitergeben möchte. Noch nie war eine Generation so formbar wie diese – und damit gilt auch: Noch nie war die Verantwortung der Eltern größer als heute.
25.10.019, Dushan Wegner, JungeFreiheit, Seite 2

Dushan Wegner ist Essayist und bloggt auf http://www.dushanwegner.com

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