Gemeingueter und Dankbarkeit

Ist Deutschland ein Land von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit? Wer all den “Hetzjagden“-Berichten zu Chemnitz vertraut – ja. Auch im Ausland ist das gute seit der Fussball-WM 2006 erworbene Sommermärchen-Image dahin. Statt “Die Welt zu Gast bei Freunden” nun “Die Deutschen als Volk von Nazis und Ausländerhassern”. Von unseren Verwandten aus den USA erhalten wir besorgte Mails. Unseren Antworten, dass man auch in Chemnitz sicher auf die Straße gehen kann, ohne von neuen Nazis überfallen zu werden, glauben sie nicht. Die “Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft” (Regierungssprecher Seibert) wurden von den Medien weltweit verbreitet, auch wenn sie inzwischen als Lüge dementiert worden sind:  So Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) in der Regierungserklärung am 5.9.2018:
“Es gab keinen Mob,
es gab keine Hetzjagd und
es gab keine Pogrome in dieser Stadt.”
Die Realität: Beim Rechtsextremismus durch Neo-Nazis rangiert Deutschland in der EU seit Jahren erfreulicherweise und unverändert am unteren Ende der Skala.

Ursache für Fremdenfeindlichkeit ist nicht Rassismus, sondern der drohende Verlust der Gemeingüter.
Dazu Gerd Held (s.u.): “Die Bedrohung besteht nicht darin, dass hier Menschen agieren, die eine andere Hautfarbe, andere Blutsverwandtschaften oder ein Herkunft von einem anderen „Boden“ haben. Solche biologischen, naturalistischen „Fremdheiten“ sind kein prinzipielles Hindernis, um modern zu sein.”
Stattdessen sehen die Bürger ihre über Generationen hinweg aufgebauten Gemeingüter (Commons) wie Bildung, Sozialkassen, Innere Sicherheit, Gesundheitswesen, öffentl. Raum, Infrastruktur, Rechtssystem, … durch die Massenimmigration bedroht.
Dazu Gerd Held weiter: “Dies – und nicht irgendwelche (Vor-)Urteile über unterschiedliche Menschen – ist der Grundkonflikt, der die Migration so brisant macht. Das Einwandern in ein Land und die Bildung von Gemeingütern durch dieses Land sind zwei wesensverschiedene Dinge. Die Immigration nutzt die fertigen Gemeingüter, die das Land in einem mühevollen, langwierigen Aufbauprozess gebildet hat. Wo daher eine massenhafte, willkürliche Migration auf ein institutionell und zivilisatorisch entwickeltes Land stößt, wird sie zum Raubbau und zur Zerstörung. „Migration“ und „Gemeingüter“ befinden sich in einem Grundkonflikt. Migration bedeutet, sich durch eine simple Ortsveränderung Zugang zu den Ergebnissen einer langwierigen Aufbauanstrengung anderer Menschen zu verschaffen. Wird Migration nicht eingehegt, wird sie zur Enteignung und stellt eine eklatante soziale Ungerechtigkeit dar. Hier ist inzwischen wirklich eine neue „soziale Frage“ entstanden.”

“Die Gemeingüter als kritischer, rationaler Maßstab: Vielleicht hat es der Leser bemerkt: Ich habe die Bedrohung, die die heutige Massenmigration für die Errungenschaften der Neuzeit darstellt, mit aller Schärfe beschrieben. Aber ich bin ganz ohne Grundsatzurteile über Menschen, Völker und Weltregionen ausgekommen – ganz ohne „Fremdenfeindlichkeit“ und erst recht ohne „Rassismus“. Die Gemeingüter (die „Commons“, die „res publica“) sind entscheidend. Sie sind der Maßstab, an dem Unterschiede des institutionellen und zivilisatorischen Entwicklungsstandes und historische Errungenschaften messbar sind.
Der so oft in Bezug auf die Migranten geforderte Blick auf den reinen „nackten“ Menschen abstrahiert von diesen Unterschieden. Dieser Blick hilft ihnen nicht, sondern hält sie in ihren Bedingungen gefangen. Er ist das Gegenteil von Aufklärung. Die Migrationskrise kann und muss also anders verstanden werden: als eine Unvereinbarkeit zwischen Massenmigration und Gemeingütern. Als ein Konflikt, der sich nicht an den Unterschieden „zwischen Menschen“ entzündet, sondern an dem Unterschied zwischen Aufbau durch eigene Leistung und Zugriff durch bloße Einwanderung. An den Unterschieden zwischen Entwicklungsstufen bei Institutionen und Zivilisation. Der leichte Zugang durch Zuwanderung wird hier zu einem Vorgang der Enteignung. Zu einem sozialen Konflikt. Die Diskussion über die Migrationskrise braucht eine Präzisierung und Schärfung ihrer Grundbegriffe.

Die irrsinnige Erzählung von der „Ausländerfeindlichkeit“
Wenn man einmal in Ruhe zuhört, was die Bürger an der Migrationswelle am meisten erzürnt, sind es mitnichten irgendwelche völkisch-rassischen Eigenschaften der Migranten, sondern ihre Übergriffe auf das in Deutschland Geschaffene. Auch wenn die Bürger das Wort „Gemeingüter“ selten gebrauchen, so sind es doch die Erfahrungen in Bahnen und Bussen, auf öffentlichen Plätzen, in der Schule, beim Zugang zu Sozialleistungen, die sie am meisten bewegen. Vor diesem Hintergrund wird klar, was für ein Irrsinn die ganze Kampagne gegen eine neue „Gefahr von rechts“ ist. Die Ablehnung und Abwehr gegen die Massenmigration ist generell in Ländern stark, die starke Commons kennen und deren Bürger sich diesen Commons verbunden fühlen. Es geht nicht um die menschlichen Eigenheiten der Fremden. Es geht um ihr Handeln als Migranten. Der Unterschied, an dem sich die Kritik der Massenmigration entzündet, ist der Unterschied zwischen dem Aufbau von Gemeingütern und dem Missbrauch von Gemeingütern.”
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Gemeingüter werden auch als Commons, “Res Publica”, Club-Güter (Hans-Werner Sinn), Kulturelles Kapital (Rolf Peter Sieferle), Sozialkapital (Alexander Dill) bezeichnet. Sie gehören weder dem Staat noch der Regierung, letztere ist lediglich mit deren Erhaltung beauftragt. Im Grunde ist die Bewahrung der Gemeingüter die wichtigste Aufgabe der handelnden Politik.

Warum lassen wir es kritiklos zu, dass immer mehr Migranten ins Land kommen und viele unsere Gemeingüter nicht schätzen bzw. sich ihrer bemächtigen? Uns fehlt es an Dankbarkeit gegenüber den von unseren Vorfahren geschaffenen und über Generationen hinweg tradierten Gemeingütern – entsprechend gering ist die Wertschätzung, die wir ihnen entgegenbringen.
Immanuel Kant mahnt mit “Dankbarkeit ist Pflicht” den intergenerationellen Transfer an: Die Zeitgenossen nehmen den kulturellen Reichtum bzw. die Gemeingüter dankend an, um ihn an die nächste Generation weiterzugeben. Dankbarkeit gegenüber der kulturellen Vergangenheit ist Voraussetzung für unseres gesellschaftliches Selbstverständnis, für unsere Demokratie. Wenn wir den Gemeingütern keine Dankbarkeit mehr entgegenbringen, dann haben wir die Wertschätzung verloren. Sie sind für wertlos (siehe Beitrag “Ohne kulturelle Dankbarkeit keine Demokratie” weiter unten).

Ist Deutschland ein Land von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit?
Nein, meinen die zur Migration entschlossenen Afrikaner, Araber, Iraner, Afghani usw.. Sie orientieren sich weiterhin an den  offiziellen Websites deutscher Behörden, die ihnen auch bei abgelehntem Asylbescheid nach wie vor die weltweit höchste Sozialtransfers bei langem Bleiberecht garantieren.
22.9.2018 (eine Zusammenfassung finden Sie ganz unten)

…. Alles zum oben zitierten Beitrag von Gerd Held vom 13.9.2018 bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/wenn_migration_zum_angriff_auf_die_gemeingueter_wird

 

Sozialstaat oder offene Grenzen
Lieber Herr Held, mit Ihren Ausführungen bestätigen Sie ja letztendlich die alte Erkenntnis von Milton Friedman, dass man entweder einen Sozialstaat haben kann oder offene Grenzen, aber nicht beides zusammen. Unbegrenzte Einwanderung in einen bisher abgegrenzten Sozialstaat führt zwangsläufig zur Übernutzung der überkommenen Gemeingüter. Die Reaktion der Gesellschaft ist dann zwangsläufig die Abschaffung der Gemeingüter: niemand zahlt mehr in ein Fass ohne Boden ein, aus dem er niemals mehr etwas zu erwarten hat. Dies ist dann eben die Abschaffung des Sozialstaats als einzige Möglichkeit, um der Ausbeutung der Gemeingüter zu entkommen. Diese Dynamik der unbegrenzten Einwanderung wird in der Debatte völlig ausgeblendet.
13.9.2018, Jürgen Struckmeier, AO

Kosten
Prof. Raffelhüschen hat für die Flüchtlingskosten p.P. = 450.000 € berechnet. Prof. Sinn hält diese Kosten für optimistisch, da man nicht davon ausgehen kann, dass die unterqualifizierten, neuen Zuwanderer so schnell in den Arbeitsprozess kommen, wie früher. Sinn meint, dass viele Deutsche nicht begriffen hätten, dass die Kosten nur begrenzt werden können, wenn die Zuwanderung gestoppt würde: “Ohne Zäune ist die Zuwanderung nicht beherrschbar.” Raffelhüschen kommt auf 900 – 1.500 Millirden € Gesamtkosten für die nächsten 25 Jahre. Bislang sollen diese Kosten bei rd. 20 Mrd. € / p.a. gelegen haben, was stark untertrieben ist. Die Kosten aus allen gesellsch. Aufwändungen sind freilich nicht schätzbar. Da das Verhalten—und damit die Kosten aus der Integrationsverweigerung—nicht kalkulierbar sind. Es besteht zudem kein Interesse der Regierung daran, die Bevölkerung mit hohen Zahlen zu verschrecken.
13.9.2018, Andres Dairie, AO

Grundgsetz ist mehr als nur Niederschrift der Gemeingüter
Es gibt kein “Wir” oder “unser” ohne ein “Die” und “deren”. Identität entsteht durch Abgrenzung und Ausgrenzung. Diese elementare Wahrheit außer Acht zu lassen und gar eine Ideologie des “grenzenlosen Wir alle” zu fordern und zu fördern, ist so naiv und dumm, wie teuflisch. Zudem erscheint das große Ganze auch noch zutiefst verlogen, denn das links-grün-kapitalistische Establishment meint mit “Wir” gar nicht alle, sondern nur “uns”, also doch nur die anderen und nicht sich selbst. Die Ideologie der Willensnationen von Menschen aller Herkunft, Hautfarbe, Religion usw. , die ihrerseits dann wiederum aufgehen soll in einem großen “Wir alle zusammen auf der Welt” ist nichts weiter als eine gigantische Lüge und eine Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt, nachdem sie aus dem Sack gelassen wurde. Am Ende bleiben unterm Strich nämlich nur die privilegierten, kosmopolitischen Bessermenschen auf der einen Seite und der Pöbel auf der anderen Seite übrig. Gemeingüter kann man nicht verordnen. Sie sind , wenn sie nicht organisch gewachsen sind, nur Gemeinplätze, ohne wirkliche Rückbindung des Individuums. Bedrucktes Papier versammelt keine Menschenmassen hinter sich. Das Grundgesetz z.B. als eine Niederschrift der Gemeingüter ist das Papier nicht wert auf dem es gedruckt ist, wenn nicht eine über Generationen hinweg gewachsene Überzeugung und Lebensart dahinter steckt. Die bloße nach außen hin gerichtete Anerkennung eines Gesetzestextes oder ein Lippenbekenntnis zu einer freiheitlichen Gesellschaft, macht aus einem Zugereisten weder einen Bürger dieses Landes, noch ein tragfähiges Mitglied dieser Gesellschaft. Erst die Identifikation mit diesem Land und die Abgrenzung zur Herkunftsgesellschaft macht aus einem Zugereisten eben einen Deutschen
13.9.2018, Paul Diehl , AO

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Das verschleuderte Gemeingut – ein Nachtrag zu Gerd Held
Von Gerd Held finden sie auf achgut.com eine treffende Analyse dessen, was wirklich hinter dem von der Migrationskrise ausgelösten Unwohlsein, dem allgemeinen Grummeln, Murren und den Protesten steckt. Es geht eben gerade nicht um die vorschnell unterstellte Fremdenfeindlichkeit, Rassismen aller Art oder politische Abdrift nach Neunzehnhundertschwarzweiß, sondern allein um die Frage, mit welcher Dreistigkeit die Bundesregierung unsere Gemeingüter verschleudert und wer willens und in der Lage ist, das zu erkennen.
Die Gemeingüter, von denen Gerd Held spricht, sind zum Beispiel die Innere Sicherheit, Landesverteidigung, Sozialkassen, Bildungswesen, Rechtssystem, Infrastruktur. All die Institutionen also, an deren Aufbau, Ausstattung und Funktionieren wir hier im Land jahrzehntelang hart gearbeitet haben, sind substanziell unter Druck durch ungesteuerte Zuwanderung von Profiteuren, die letztlich zwar die Äpfel pflücken, den Baum aber nie mitgepflegt haben.

Die Vorstellung, das könnte irgendwie noch gut für uns ausgehen, wenn die Zuwanderer nur deutlich mehr Potenzial mitbringen, als sie an Gemeingut aufzehren, entstammt ganz offensichtlich mathematisch unterdurchschnittlich begabten Geistern. Gemeingüter gehören jedoch nicht einem anonymen Staat oder einer Regierung, diese sind lediglich mit deren Schutz und Erhaltung beauftragt. Diese Bewahrung der Gemeingüter ist die vordringliche, wenn nicht gar einzige Aufgabe der handelnden Politik – und dieser Aufgabe kommt sie aktuell mehr schlecht als recht nach.

Einen Aspekt möchte ich dem sehr lesenswerten Beitrag von Gerd Held noch hinzufügen – und dieser Aspekt wird besonders deutlich, wenn man sich die Struktur der Proteste ansieht, die das Land durchziehen. Das, was die Medien und viele Politiker als aufkeimende braune Gefahr heraufbeschwören, entpuppt sich bei näherem Hinsehen nämlich keinesfalls als die renitente Jugend, der zu allen Zeiten Revolutionen und Umstürze zuzutrauen waren, sondern als Generation 40–50plus – jene also, die durch ihr Berufsleben den immanenten Wert unserer funktionierenden Gemeingüter nicht nur wertschätzen, sondern selbst mit erzeugt und solidarisch finanziert haben.
Im Osten wird dies noch verstärkt durch die Erfahrung, wie sich der Missbrauch von Gemeingütern (etwa Justiz, Innere Sicherheit) gegen diejenigen richten kann, die diese Gemeingüter erst schufen. Die DDR endete mit dem totalen Zusammenbruch aller Gemeingüter, der vorausgegangene Kippvorgang und die sich dabei einstellenden Schwindelgefühle haben sich in das Gedächtnis der Ostdeutschen gerade dieser Generation tief eingebrannt.

Naturkonstanten ohne Geschichte? Ein Blick zur „anderen Seite“ der Barrikade – also zum Beispiel auf viele Vertreter von SPD, Linken, Grünen und besonders deren Jugendorganisationen, auf die vermummten Antifanten und alternativen Szenen – offenbart, dass dort der Missbrauch und die Erosion der Gemeingüter gar nicht als solche erkannt wird. Sie haben diese „Bäume“ nie wachsen sehen, für sie sind dies alles Naturkonstanten ohne Geschichte, mit endloser Zukunft und unbegrenzter Belastbarkeit – und die optimistischen Äußerungen der Politik, die Wachstumszahlen der Wirtschaft und die Sonntagsreden bestärken sie in dieser Annahme.
Die Überlastung und den Raubbau am System, den Gerd Held diagnostiziert, sehen sie nicht. Doch es ist bei den Gemeingütern nicht anders als beim Überdrehen von Schrauben: nach „fest“ kommt irgendwann „ab“. Dabei ist es gleich, auf welches Gemeingut wir blicken, die Risse und Überlastungen treten schon sehr deutlich zutage, Brüche drohen. Die Innere Sicherheit ist punktuell nicht mehr zu gewährleisten, die Landesverteidigung ächzt unter Missmanagement, Verschwendung und Fehlentscheidungen, die Sozialkassen werden sachfremd geplündert und das Blüm-Plakat „Die Rente ist sicher“ wurde gerade endgültig überklebt. Das Bildungswesen stöhnt unter maroden Schulen, Lehrermangel und der Tatsache, dass vielerorts Deutsch nur noch die Sprache der Minderheit ist, unser Rechtssystem arbeitet „kultursensibel“ und macht lokal bereits „Friedensrichtern“ und dem Faustrecht Platz, die Infrastruktur bröckelt entweder bedrohlich, oder sie kommt nur mühevoll (S21) oder gar nicht (BER) an den Start. Ich breche hier ab und überlasse den Lesern die Bewertung der Ursachen, Wirkungen und Querverbindungen dieses allgemeinen Verfalls.
Die Spaltung der Gesellschaft verläuft heute zwischen jenen, die unsere Gemeingüter de facto preisgeben und verschleudern und denen, die sie erhalten und bewahren wollen. Da Preisgabe in Ruin und Untergang führt und deshalb das eher konservative „Bewahren“ Gebot der Stunde ist, wird eine besondere Tragik überdeutlich: dass nämlich die denkbar perfekteste Allespreisgeberin, Jedepositionräumerin und Keinewerteverteidigerin, die jederzeit immer nur das tut, was ihr eine Mehrheit verschafft und sie politisch am Leben hält, ausgerechnet Angela Merkel ist – die Vorsitzende der größten „konservativen“ Partei Deutschlands, die unter ihrer Führung und mit Hilfe von willigen Sekundanten wie Kauder und Altmaier ein Gemeingut nach dem anderen zur politischen Verfügungsmasse erklärt. Doch der gesammelte Honig hat den Zweck, die Bienen am Leben zu halten und ins nächste Jahr zu bringen. Wer die Waben den Bären öffnet, hat den Zweck und den Wert von Gemeingütern nicht verstanden. Und der Winter, so viel steht fest, wird kommen.
14.9.2018, Roger Letsch,

Dieser Beitrag erscheint auch auf Roger Letschs Blog „Unbesorgt“
https://unbesorgt.de/das-verschleuderte-gemeingut-ein-nachtrag-zum-artikel-von-gerd-held/

https://www.achgut.com/artikel/das_verschleuderte_gemeingut_ein_nachtrag_zu_gerd_held

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Jugendliche sowie infantil gebliebene Erwachsene schätzen Gemeingüter nicht
Ich habe eigentlich erst mit zunehmenden Alter ein Bewusstsein für Geschichte und damit auch für das Gewachsensein unseres Sozial- und Rechtsstaates bekommen – und auch dafür, wie mühsam dieser errungen wurde und wie schnell er aber auch wieder zerstört werden kann. Ich denke, diese Problematik ist den meisten Jugendlichen nicht klar. Es KANN ihnen auch nicht klar sein. Sie sind zu jung und haben noch kaum ein Zeitverständnis, geschweige denn ein Geschichtsverständnis. Und so setzen sie, aber auch viele infantil gebliebene Erwachsene, unseren Nationalstaat/Sozialstaat leichtsinnig auf’s Spiel, weil sie meinen, auf ihn verzichten zu können. Zu selbstverständlich ist ihnen alles geworden: Bildung/Ausbildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur, Kindergärten, Erziehungsgeld, Schwimmbäder, Sportstadien, Altersheime etc. Sie sind damit groß geworden und können sich nicht vorstellen, dass diese Errungenschaften nicht unbedingt für die Ewigkeit einbetoniert sind. Sie sind es gewohnt, auf ihre “Rechte” zu pochen: auf Wohnung, Nahrung, Bildung, Urlaub, Kultur, Gesundheit, intakte Umwelt. Sie sind wie verwöhnte Kinder, die denken, es geht so flott weiter, und das Geld kommt aus dem Automaten. Es ist den Menschen (und nicht nur den Jugendlichen) nicht klar, dass jenseits des Rechtsstaats und mit vielen Migranten aus archaischen Ländern die Herrschaft der Clans liegen könnte. In ihren Köpfen wabert dominierend die Idee universeller Menschenrechte, die – wenn sie von Millionen in Anspruch genommen würden – jeden Staat zerreißen würden, also vollkommen unpraktikabel sind! Dass das manch Jugendlicher/Erwachsener in seinem Weltverbesserungswahn nicht erkennt, ist schlimm genug, dass unsere Politiker sich blind und taub stellen für Kritik, ist ein Verbrechen!
14.9.2018, Gertraude Lenz, AO
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Egon Flaig: Ohne kulturelle Dankbarkeit keine Demokratie
Dankbarkeit gegenüber den Vorfahren: Jede Kultur verwirklicht sich durch die Kommunikation und die Interaktion zwischen den Generationen. Der kulturelle Reichtum stellt sich dar als ungeheure Ansammlung von Artefakten und Institutionen. Dieses Kapital ist geronnene Arbeit und Mühe, ist objektivierte Tätigkeit, akkumuliert mittels der Tradition, d. h. der Weitergabe von Errungenschaften, von Fertigkeiten und Wissen – von einer Generation an die andere. Dieser intergenerationelle Transfer übertrifft den Transfer zwischen Kulturen um ein Vielfaches.

Dankbarkeit als Voraussetzung unseres Selbstverständnisses: Dankbarkeit gegenüber der kulturellen Vergangenheit ist kardinale Voraussetzung für ein hinreichendes zivisches Selbstverständnis, aus welchem unsere Demokratien sich nähren. Um Missverständnissen vorzubeugen: Diese Vergangenheit ist keine biologische, keine genealogische, sondern eine kulturelle. …. Denn niemals entsteht eine politische Zusammengehörigkeit durch die ökonomischen Interessen, sondern immer nur durch gemeinsame Werte und Bezüge auf eine gemeinsame Geschichte, an denen man Halt findet und für die man dankbar ist. Vielleicht benötigen wir eine politische Philosophie der Dankbarkeit. …

Dankbarkeit mahnt an die Verlierbarkeit des kulturellen Erbes: Alle jene (kulturelle) Errungenschaften wurden teuer errungen, und wir können sie rasch wieder verlieren. Doch genau diese Verlierbarkeit ist aus den Diskursen zur kulturellen Selbstbesinnung entwichen. Der naiv gewordene Großteil der medialen und politischen Eliten hat sie längst aus dem Auge verloren, und auch eine zunehmende Quote der akademischen Elite bedenkt nicht mehr, dass wir alle Errungenschaften verlieren können. Falls es soweit käme, dass man sie für fraglose Gegebenheiten hielte, dann mutierten wir zu amnestischen Troglodyten, die als Parasiten durch die Geschichte stolpern.

Wenn Dankbarkeit in Ablehnung umschlägt: … Wenn die westliche Memorialkultur überwiegend Verbrechen erinnert, dann wird der Bezug auf die kollektive Vergangenheit negativ, und dann entschwindet die Dankbarkeit gegenüber jeglicher vorangegangenen Generation und verkehrt sich in Ablehnung. Geschieht das, dann kommt der Gegenwart die Orientierung abhanden, und sie findet nur noch Halt in einem Hypermoralismus, der selber keine Maßstäbe mehr hat.
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Eine undankbare Jugend wird zur orientierungslosen Jugend: Wird die junge Generation herausgelöst aus ihren intergenerationellen Verpflichtungen, dann ist sie der enormen Gewalt der Momentaneität wehrlos ausgeliefert, denn es kippen jene normativen und semantischen Leitplanken, die uns orientieren und davor bewahren, den lächerlichsten Imperativen zu gehorchen und jedweden moralischen Konjunkturen anheimzufallen.

Die Verfemung der Dankbarkeit zerstört die Kultur: Unsere öffentliche Kultur leidet unter einer Verfemung der Dankbarkeit in fast allen kulturellen Hinsichten. Anspruchsberechtigte sind prinzipiell undankbar, und die gesamte mediale Welt – in gleichschrittiger Eintracht mit fast sämtlichen NGOs – ist darauf programmiert, Ansprüche ins Absurde weiterzutreiben oder immer neue zu erfinden.
Freilich ist die Haltung „Ich schulde nichts, daher muss ich nichts rückerstatten“ für jede Kultur selbstmörderisch, für eine politische Gemeinschaft sowieso. Es sollten daher die Aussprüche alarmieren, welche die Existenz von nationalen Kulturen überhaupt abstreiten.
… Alles vom 13.12.2017 von Egon Flaig bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/ohne_kulturelle_dankbarkeit_keine_demokratie

Egon Flaig, Professor Emeritus für Alte Geschichte, Autor zahlreicher Bücher, u.a. Weltgeschichte der Sklaverei (2009), Gegen den Strom. Für eine säkulare Republik Europa (2013), Die Niederlage der politischen Vernunft (2017).

Dankbarkeit als Auftrag, die Freiheit sogar auszubauen
Wenn dem so ist, mache ich den Anfang. Ich bin dankbar. Vor allem Ihnen, sehr geehrter Herr Flaig, für die aufbauenden Worte; denn seit Jahrzehnten gehen mir ähnliche Gedanken durch den Kopf und seit Jahrzehnten merke ich zunehmend, wie selten diese Gedanken, im Gespräch geäußert, noch auf ein Gegenüber treffen, der versteht; und je jünger das Individuum, desto kleiner ist die Chance, hier haben die von Ihnen geschilderten Ideologen oftmals schon “ganze Arbeit geleistet”. Das Konzept der Dankbarkeit für all das, was über Generationen erkämpft, erdacht, erlitten wurde, kann durchaus die Rettung sein. Es muss ja keine Dankbarkeit in erstarrter Demut sein, vielmehr ein Auftrag, das Erworbene zu erhalten oder gar, soweit möglich, die Freiheit sogar auszubauen.
14.12.2017, Andreas Rühl, AO

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Zusammenfassung: Unsere Gemeingüter aus Dankbarkeit verteidigen
Mit Rechtsextremismus die von Angela Merkel initiierte Migrationskrise erklären zu wollen, ist falsch und weder unserer Demokratie noch dem innerdeutschen West-Ost-Frieden dienlich. Die Kritik an der unkontrollierten Massenmigration ist nicht rassistisch, sondern mit dem drohenden Verlust an Gemeingütern (Commons) zu erklären. Und darin ist der Osten dem Westen an Sensibilität glücklicherweise voraus:
Die dortige Generation 40-50plus hat in 1989 den Zusammenbruch aller DDR-Gemeingüter schmerzhaft erlebt und danach selbst mitgearbeitet, neue Commons zu schaffen. Darauf ist man zu recht stolz. Im Westen hingegen waren die Gemeingüter “immer schon da”, die jüngere Generation erlebt sie als selbstverständlich, kann sie vermeintlich gar nicht verlieren, und da die Memorialkultur vorwiegend an Verbrechen erinnert, erfahren diese Gemeingüter immer weniger Wert.
Deutschlands Osten mahnt den Westen: Wir sollten unsere Gemeingüter aus Dankbarkeit – unseren Vorfahren wie auch unseren Kindern gegenüber – verteidigen. Und wenn es die Regierung mitsamt Medien nicht tun, dann müssen wir als Bürger sie darauf hinweisen.

Die Medien sollten sich ihrer Kontrollaufgabe als “Vierte Gewalt im Staat” besinnen, ihre seit Merkels Machtantritt klägliche Rolle als GroKo-Meinungsmacher aufgeben und unabhängig wie ausgewogen Fakten liefern – die eigene Meinung bilden sich mündige Bürger dann gerne selbst. Für TV-Talkshows heißt das: Diese sind entweder einseitig (Beispiel: Angela Merkel alleine bei Anne Will) oder aber ausgewogen vielseitig (das Parteienspektrum des Bundestags spiegelt sich in der Besetzung) zu moderieren.
Es ist erbärmlich, wenn die Regierung ihr eigenes Volk (Chemnitzer, Sachsen und “Die schon länger hier Lebenden”) des Rassismus bezichtigt, nur weil sie die eigene Migrationspolitik nicht im Griff hat.
Es sind inzwischen integrierte Migranten wie Imad Karim, die die politische Lage hierzulande ehrlich zur Sprache bringen: “In Deutschland traf ich auf eine freie, offene, liberale, demokratische und aufgeschlossene Gesellschaft, die mir Respekt, würdevollen Umgang und menschliche Neugierde entgegenbrachte. Diesen Nazi, vor dem ich nicht zuletzt von meinen linken Mitstudenten stets gewarnt wurde, traf ich nie. Natürlich begegnete ich ein paar rückwärtsgewandten, völkisch bis rassistisch angehauchten Chauvinisten, aber diesen bedauerlichen Menschenschlag traf ich auch in über 50 Ländern, in denen ich später für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten Filme und Reportagen realisierte. … Als mündiger Bürger dieses Landes bin ich der Ansicht, dass gerade diese unkontrollierte Masseneinwanderung unsere offene Gesellschaft gefährdet” – so Imad Karim, gebürtiger Libanese und Muslim, der seit über 40 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, am 9. Mai 2018 in seiner vielbeachteten Rede auf dem “Hambacher Fest”.
22.9.2018

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