Gastro – Handicap Himmelreich

Mit dem Modul Frühstücksbuffet weitergebildet – Der Integrativen Akademie Himmelreich fehlt das Geld für hilfreiche Maßnahmen. Anna Gabelmann ist ein Glückspilz. Sie ist eine der rund 80 Absolventen der bisher sieben Berufsvorbereitungskurse für Menschen mit Behinderung der Integrativen Akademie im Hofgut Himmelreich, die nach der achtzehn Monate dauernden Vorbereitung in einen versicherungspflichtigen Job im Hotel- und Gaststättengewerbe vermittelt wurden. Sophie Altenburger, Bildungsbegleiterin der Akademie freut sich sehr, dass sich inzwischen immer mehr gastronomische Betriebe der Region für die Einarbeitung und Anstellung eines jungen Mitarbeiters mit geistiger Behinderung interessieren.
Das Hotel-Restaurant „Paradies“ in Freiburgs Stühlinger ist einer der engagierten Gastrobetriebe. Hier ist Anna Gebelmann seit zwei Jahren, achtzehn Monaten davon war Praktikumszeit im Berufsvorbereitungskurs, im Service des Restaurants angestellt. Mit 136 Innen- und 300 Biergarten-Plätzen sowie vierzehn Hotelzimmern ist das kein kleiner Betrieb. Restaurantleiter Thomas Herzig ist von der einundzwanzigjährigen sympathischen Frau begeistert: „Es ist enorm, welche Fortschritte sie in dieser Zeit gemacht hat. War sie anfangs sehr verschlossen, ist sie jetzt offen und erklärt sogar neuen Kollegen die Abläufe.“ Sie sei sehr arbeitswillig und selbstbewusst geworden: „Wir spüren, wenn sie nicht da ist.“
Wie für jeden Arbeitnehmer ist es auch für die Absolventen der Himmelreicher Berufsvorbereitungskurse wichtig, sich ständig weiter zu qualifizieren. Mit der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein wurde dazu ein Modulkonzept entwickelt, das für die Bereiche Service, Küche, Housekeeping und Rezeption ganz konkrete Weiterbildungen vorsieht, die mit einer Prüfung und einem Zertifikat abgeschlossen werden. Anna Gabelmann hat vor drei Monaten das Modul „Gästebetreuung im Restaurant“ erfolgreich geschafft und jetzt auch unter den Augen der IHK-Prüferin Anette Stetter das Modul „Frühstückbuffet“ erworben. Vorbereitet darauf wurde sie von der Mentorin Eugenie Reber, die sich seit dem ersten Akademiekurs im Himmelreich um die praktische Begleitung der Kursteilnehmer kümmert.
Rund 1.000 Euro fallen je nach individueller Vorbereitungszeit für Mentoren- und Verwaltungskosten bei einem Modul an. Der Betrieb leistet seinen Teil, in dem er die Mitarbeiter freistellt. Da die Integrative Akademie für dieses Weiterbildungsangebot keinerlei Zuschüsse bekommt, ist sie auf Spenden oder Beteiligung der Angehörigen angewiesen. „Manchmal zahlt das dann die Oma“, erinnert sich Sophie Altenburger, „oder wie bei Anna die Eltern.“ Für Albrecht Schwerer, Kreisgeschäftsführer der Diakonie und ehrenamtlicher Akademieleiter, ist das unhaltbar: „Wir erwarten von der Politik, dass sie den Bildungsanspruch auch für Menschen mit Behinderung anerkennt und unsere Maßnahme z.B. über die Agentur für Arbeit finanziert.“ Schließlich fördere sie ja den Verbleib von behinderten Mitarbeitern im ersten Arbeitsmarkt und erspare eine Menge Sozialleistungen.

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Anna Gabelmann (2.v.r.) schaffte jetzt im Hotel-Restaurant „Paradies“ zum Thema Frühstücksbuffet ein zweites Weiterbildungs-Modul. Mit ihr freuten sich Sophie Altenburger, Thomas Herzig, Anette Stetter und Eugenie Reber (v.l.). Foto: Gerhard Lück

Nicht nur Anna strahlte bei der Zertifikatsübergabe. Auch Paradies-Gastronom Thomas Herzig ist stolz auf „seine Anna“. Schließlich hat sie es jetzt sogar geschafft, einen richtigen Ausbildungsplatz in seinem Restaurant zu bekommen. Ab Oktober macht Anna eine zweijährige Ausbildung zur Restaurant-Fachfrau und das „Paradies“ ist ihr Lehrbetrieb.
5.9.2014, Gerhard Lück, www.dreisamtaeler.de

 

 

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