Gälfiässler – 40 Jahre Musik

Franz Schüssele aus Friesenheim hat die Gabe, mit allem Musik zu machen, laute Musik. Sogar mit dem Spazierstock, den er ausgehöhlt hat, um darauf zu posaunen. So lernte ich ihn im heißen Sommer 2003 kennen, als er mich zum Alphornspielen brachte. Aber nach Protesten der Nachbarn über dieses doch laute “Handy der Hirten” wandte ich mich wieder der dem eher leisen Hangspielen zu.

 

Alphorn – das Handy der Hirten:
http://www.freiburg-schwarzwald.de/hang.htm#Alphorn%20-%20das%20Handy%20der%20Hirten

Seit 2003 gab es Franz Schüsseles Alphorn-AG an der Haupt- und Realschule Friesenheim. Im September 2009 fand sogar ein Alphorn-Kurs am Haus der Natur auf dem Feldberg statt:
http://www.freiburg-schwarzwald.de/alphorn.htm#Alphorn%20spielen%20lernen%20am%20Feldberg

Musik macht glücklich. Dies konnte man Im Februar 2008 spüren als Franz Schüssele mit seinen Gälfiäßlern in Hinterzarten ihren 30. Geburtstag feierten. Das Kurhaus bebte – so eine ausgelassene und fröhliche Stimmung mit über 100 Instrumenten erlebte der kühle Hochschwarzwald selten:
http://www.freiburg-schwarzwald.de/musik2.htm#Die%20G%C3%A4lfi%C3%A4%C3%9Fler%20sind%2030,%20aber%20kei%20bissle%20leise

Von Franz Schüssele kann man viel lernen. Auch daß das, was so einfach (weil verquer und schräg?) aussieht, viel Geduld und Ausdauer beim Üben bedarf. Dieses doch anstrengende “Üben, üben” den Kindern zu vermitteln, gelingt ihm mit Begeisterung.

Zum 30. Geburtstag der Gälfiäßler war über die urbadische Musikanten zu lesen: “Gälfiässler – Diesen Spottnamen ihrer „ostbadischen Nachbarn“ auf die Badener haben sich 4 urbadische Musikanten zu eigen gemacht, um mit über 150 teils traditionellen, teils äußerst skurrilen, selbstgebastellten Musikinstrumenten unter der badisch/alemannischen Flagge. Dixieland, Swing und Rock beherrschen sie genauso wie mittelalterliche Musik auf Originalinstrumenten. Sie kommen jedoch immer wieder auf ihre Wurzeln in der alemannischen Volksmusik, ihre „Liedli und Lumpeliedli“ und ihre geliebte badisch/alemannische Sprache zurück. ”
http://www.freiburg-schwarzwald.de/musik.htm#G%C3%A4lfi%C3%A4%C3%9Fler%20-%20vier%20urbadische%20Musikanten

In diesem Jahr feiert das Musikquartett der Gälifiäßler seinen 40. Geburtstag. Wie immer laut und schräg, aber einmalig. mißreißend und kunstvoll. Und zudem badisch.
21.10.2018

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http://www.gaelfiaessler.de

 

Blödsinn gegen das Trauma
Eine Fahrradpumpe kann eine Flöte sein: Seit 40 Jahren machen die Gälifiässler Musik. Sie haben dem „Hans im Schnoogeloch“ neues Leben eingehaucht und einen Guinness-Buch-Eintrag als „Band mit den meisten Instrumenten“. Die Gälfiäßler sind 2018 40 Jahre alt. Am Freitag 26.10.2018 spielen sie in Riegel am Kaiserstuhl im Kumedi.

Wer auf die Idee kommt, „Just a gigolo“ zu covern und dabei „I ain’t got nobody“ in „Hit spannt nu de Ranze“ umdichtet, muss Humor haben. Franz Schüssler unterrichtet im richtigen Leben Posaune an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Freiburg, er hat ein Standardwerk über Alphorn und Hirtenhorn geschrieben. Aber schon als der aus dem Schuttertal bei Lahr stammende Schüssler ein junger Kerl und Student an der PH war, wollte er nicht nur Etüden üben, sondern auch „kreativen Blödsinn“ machen.

Das Ergebnis waren die Gälfiäßler und ihre Volksmusik. Schüssler und Bandmitgründer Klaus Himmelsbach haben ein Trauma, das sie mit den Gälfiäßlern ab 1978 aufarbeiten. Weil beide aus dem Schuttertal stammen, wurden sie auf dem Gymnasium in Lahr bereits nur noch rudimentär verstanden. „Manche Lehrer haben mich wegen meines Dialektes gemobbt“, erinnert er sich. So verwundert der Bandname nicht. Gälfiäßler, also Gelbfüßige,werden Badener mitunter im „Ausland“ genannt.
Das soll auf die gelben Gamaschen des badischen Regiments im 18. Jahrhundert zurückgehen. Bernie Weiss wurde für die Band entdeckt, weil er Spiritual Songs in Kirchen der Umgebung spielte. Herbert Wieber holten sie als Spezialisten für alte Instrumente. Und den heute 82- jährigen Wolfgang Miesmer,weil er „so eine große Gosch“ hatte. Fertig war die Band und Schüssler hörte sich bei alten Leuten und im Freiburger Volksmusikarchiv nach Liedern um, die sie neu arrangierten. Den „Hans im Schnoogeloch“ zum Beispiel. Der nit will, was er hat, und nit hat, was er will. Im Gegensatz zum Elsass sei das Lied im Badischen mehr und mehr in Vergessenheit geraten, erzählt Schüssler. „Wir haben da landauf, landab dagegen gearbeitet.“ Neben der Fokussierung auf traditionelles badisches Liedgut ist es die überbordende Instrumentenvielfalt, die die Band ausmacht. Das geht damit los, dass sie zu Konzertbeginn die Eurovisionsmelodie auf „wohltemperierten“ Gartenschläuchen spielen.
Mal wird eine Fahrradpumpe zur Flöte, mal eine Flöte mittels Fön betrieben und mal eine Schwarzwurstbüchse zur Trompete. So kommen sie auf über 150 Instrumente und kamen 2001 zu einem Guinness-Buch Eintrag. Die Gälfiäßler können auf einige hundert Radio- und TV-Auftritte und auf eine vierstellige Anzahl an Konzerten zurückblicken. „Und in den ersten 20 Jahren haben wir sogar richtig mit unserem Quatsch verdient“, lacht Schüssler. Seit 2000 sieht er einen raueren Wind wehen – nicht speziell für sie, sondern für Musikgruppen allgemein.
Im August waren die Gälfiäßler noch einmal ein Quintett. Zu einem Auftritt in Lahr kamen auch der vor zwei Jahren ausgeschiedene Klaus Himmelsbach und der vor rund 20 Jahren ausgeschiedene Wolfgang Miesmer auf die Bühne. In Riegel wird nur das Trio Schüssler/Weiss/Wieber zu sehen sein. Auch das ist in die Jahre gekommen. Ist ein Ende in Sicht? „Das kann einmal von heute auf morgen kommen, derzeit sehe ich das aber nicht“, sagt Franz Schüssler. Wie umtriebig der 66-Jährige noch ist, wird auch daran deutlich, dass er vor  kurzem ein neues Musikprojekt ins Leben gerufen hat. „Frapapepi“ heißt Schüsslers neue Band, mit einem Mongolen und einem Senegalesen spielt er Weltmusik.
21.10.2018, Otto Schnekenburger,, Der Sonntag, Seite 4

Gälifiässler „S’Bescht us 40 Johr“, Freitag, 26. Oktober, 20 Uhr,
Kumedi (Römerstraße 2), Riegel, Karteninfos: http://www.kumedi.de

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