Funkmast Dreisamtal 50 m hoch

Die ehemalige B31 zwischen Freiburg-Ebnet und Zarten wurde zurückgebaut zu einem Weg, auf dem viele Radler und Fußgänger unterwegs sind: Von Ebnet über die Annakapelle, den neuen Küferhof, das Wangler-Kreuz mit den uralten Eichen, Streuobstwiese Asal entlang eines Baches zur Johanneskapelle in Zarten. Hier soll ein 52 m hoher Funkmast entstehen, der eine der letzten freien, offenen Wiesenlandschaften im Dreisamtal verunstaltet.

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Wird nun doch ein ca. 50 Meter hoher Funkmast mitten im Dreisamtal gebaut?

Bereits in der Ratssitzung Januar 2015 befasste sich der Ortschaftsrat mit dieser Thematik, da die Telekom in Kooperation mit der Deutschen Funkturm GmbH den Bauantrag für eine Funkübertragungsstelle mit ca. 50 Meter hohem Antennenmast in Gitterbauweise und zwei Technikcontainern im Dreisamtal gestellt hatte. Den Standort mitten in der freien Fläche in der Wasserschutzzone II, östlich der Annakapelle,  westlich des Wangler-Kreuzes, nahe des Stalles des Biobauernhofs Reichenbach, lehnten die Ratsmitglieder mehrheitlich ab, ebenso wie die Badenova und das Umweltschutzamt der Stadt Freiburg. Weitere Standortoptionen, die das Landschaftsbild Dreisamtal nicht so gravierend beeinträchtigen, genügend Entfernung zu Wohnbebauung und Viehwirtschaft garantieren, sollten geprüft werden.
In der Ratssitzung am 15.06.16 stellten nun die beiden Vertreter der Telekom und Funkturmgesellschaft Kollecker und Völkner, sowie Holger Ratzel, stellvertretender Leiter des städtischen Baurechtsamtes, als einzige Alternative einen Standort etwas südwestlich (zwischen Gewann Hohäcker und Steinäcker), zwar nicht ganz so zentral, jedoch nach wie vor in Wasserschutzzone II und näher an der Wohnbebauung, vor. Obwohl die Räte vor der Sitzung keine Unterlagen erhalten hatten und, wie auf Nachfrage der Forum-Fraktion eingeräumt wurde, Badenova und Umweltschutzamt bisher nicht zustimmten, sollte zwischen den beiden Standorten entschieden und ein entsprechender Beschluss gefasst werden. Dies lehnte die Forum-Fraktion vehement ab – auch weitere Räte meldeten bzgl. dieser Verfahrensweise große Bedenken an.
Die beiden Vertreter der Telekom und Funkturmgesellschaft drohten mit einer eklatanten Versorgungsverschlechterung bzw. mit Antennenwildwuchs innerhalb des Ortes auf privaten Hausdächern, falls keiner der beiden Standorte Zustimmung finden würde. Sie verwarfen alle im Rat vorgetragenen Argumente hinsichtlich Landschaftsbild, Trinkwassergefährdung und Strahlenbelastung und bezeichneten den geplanten Standort als alternativlos. Die Einschränkungen im Landschaftsbild seien vertretbar und unumgänglich, zumal der bestehende Funkmast in der Großtalstraße (zwischen Kappel und Littenweiler) aus Alters- und Kapazitätsgründen nicht weiterbetrieben werden könnte. Ein Neubau an alter Stelle käme, insbesondere wegen schlechterer Zugänglichkeit des Geländes, nicht in Frage. Auf den Einwand der Forum-Fraktion, wirklich dringend für den Freiburger Osten sei eine ausreichend gute Festnetzversorgung über Glasfaserkabel (von der Telekom für 2017 zugesagt) – der Ausbau des Angebots an mobilem Internet per Funk (LTE) bietet dafür keine Alternative, gingen sie nicht ein.
Nicht zuletzt durch die Weigerung der Forum-Fraktion, ad hoc ohne ausreichend Informationsmöglichkeit/Vorlagen zu beschließen, der sich weitere Räte anschlossen, wurde die Entscheidung vertagt. Voraussichtlich wird in der Juli-Sitzung ein Beschluss herbeigeführt. Inzwischen gibt es eine Bürgerinitiative gegen die beiden geplanten Standorte, die auch eine Unterschriftensammlung gestartet hat. Den nachfolgend angeführten Argumenten schließt sich die Forum-Fraktion an:

Wir sind gegen das Aufstellen eines 52m hohen Funkmastes an den geplanten Standorten mitten im Dreisamtal / Wasserschutzgebiet am Rande Ebnets, denn:

1. Das Aufstellen eines Funkturms birgt Gefahren für unser Trinkwasser im Wasserschutzgebiet und den nahe angelegten Trinkbrunnen.

2. Elektromagnetische Strahlenbelastung durch einen Funkturm kann nach verschiedenen Studien Gefahren der Missbildung von Kälbern der in der Nähe weidenden Kühe verursachen.

3. Matthias Hampe, Professor für elektromagnetische Verträglichkeit, Ostfalia Hochschule in Niedersachsen, hat 2015 in 63 deutschen Städten, dabei auch Freiburg, die Strahlenbelastung gemessen. Freiburg-Ebnet gehört danach bereits heute zu den Bereichen mit einer mittleren Belastung. Durch den geplanten Funkturm mit Anlagen dreier großer Mobilfunkanbieter (u.a. mit 7 LTE-Antennen), befürchten wir eine zunehmende und damit hohe Belastung für Ebnet.

4. Ein Mast dieser Höhe (52m) wird das Landschaftsbild Dreisamtal erheblich negativ beeinflussen.

Fazit: Die von den Betreibern genannten Nachteile des bisherigen Standorts (Großtalstraße) wiegen die Risiken, die durch den Neubau und Betrieb der wesentlich größer konzipierten Anlage an den vorgesehenen neuen Standorten entstehen, längst nicht auf. Wir lehnen die geplanten Standorte daher ab und setzen uns dafür ein, weitere Möglichkeiten zu prüfen, auch wenn dies für die Funkmastbetreiber weitere Bemühungen und evtl. größeren Bauaufwand erfordert.
Gabi Dierdorf, 11.7.2016, Forum-Ortschaftsrätin FR-Ebnet,  dierdorf@t-online.de

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Blick nach Osten im Dreisamtal zwischen Ebnet und Zarten, Fotomontage von Gabi Dierdorf: Maßstäblich erstellt, Funkmast 52 m hoch, dahinter die drei Eichen beim Wangler-Kreuz 15 m hoch
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Unterschriftslisten gegen den Bau des Funkmastes
Wir reiben uns verwundert die Augen. Warum jetzt einen neuen Mega-Funkturm in sensiblem Gebiet errichten? Es gibt bereits Standorte – in der Wiehre und in Littenweiler gleich mehrere, die zum Teil gerade ausgebaut wurden, z.B. die Anlage auf dem GAGFA-Haus in der Wilhelm-Dürr-Straße, in Littenweiler verschiedene Anlagen auf den Wohnheimen und auf einem Hochhaus – und eine Anlage nahe der Großtalstraße die durch einen 52m-Turm neben dem Stall vom Bio-Bauernhof Reichenbach mitten im Wasserschutzgebiet ersetzt werden soll. Bestückt wird dieser dann zunächst mit 7 LTE und 3 GSM 900-Antennen der drei größten Mobilfunkanbieter Deutschlands und Kapazitätserweiterungen sind möglich. Wo ist der Bedarf, mit was für Frequenzen wird gefunkt und gesendet und welche zusätzliche Belastung mit elektromagnetischer Strahlung kommt durch dieses Großprojekt auf uns zu? Befriedigende Antworten auf diese Fragen konnten wir von den Antragstellern nicht erhalten – Transparenz bleibt auf der Strecke.
Muss sich der OR damit drohen lassen, dass bei einer Ablehnung der von den Betreibern favorisierten beiden Standorte im Wasserschutzgebiet östlich Ebnets, Hauseigentümer in Ebnet wegen einer Nutzung ihrer Dächer angesprochen werden würden und damit die Strahlenbelastung für Ebnet noch höher würde? Die Fraktion vom Forum Ebnet ist sich sehr einig. Wir werden dem Vorhaben in dieser Dimension und an den geplanten Standorten nicht zustimmen. Wir unterstützen daher die Unterschriftenaktion gegen einen 52 Meter hohen Funkmast im Dreisamtal. Falls auch Sie sich anschließen möchten: Unterschriftslisten liegen aus im Hof der Familie Reichenbach, in den Arztpraxen Dr. Wieland und Dr. Dorff und bei der Physiotherapiepraxis Susanne Lucht und Ulrike Palutt. Nur mit einem breiten Widerstand werden wir das Vorhaben verhindern.
Kommentar von Gabi Dierdorf, 11.7.2016, www.forum-ebnet.de, dierdorf@t-online.de

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Funkmast jenseits der Dreisam im Gelände des Golfplatzes bauen
Hauptprofiteur und deshalb im Hintergrund Initiator des Funkmastbaus am Wangler-Kreuz zwischen Ebnet und Zarten ist wohl der Golfclub zwischen B31neu und Dreisam bei Neuhäuser, der in einer Art von Funkloch liegt: Weit entfernt von Ebnet (Funkmast Galgenberg), Littenweiler, Kappel und Kirchzarten. Der Mobilfunkmast beim Wangler-Kreuz wäre da der ideale Standort, da vom Golfgelände selbst nicht einsehbar.
Zur Erinnerung: Der Golfclub hatte 2008 auch den Krüttweg als uralten Verbindungsweg zwischen Zarten und Kappel/Littenweiler für die Öffentlichkeit gesperrt bzw. umgeleitet: www.freiburg-dreisamtal.de/kruettweg.htm. Dies geschah auf Betreiben von Herrn von Oppeln (damals Bürgermeister von Kirchzarten, dann Präsident des Golfclubs).
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Es ist ein Skandal, dass der Öffentliche Raum dem kleinen Bürger mehr und mehr weggenommen wird. Früher der Krüttweg, heute der Funkmast am Wangler-Kreuz.
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Vorschlag: Den Funkmasten doch weiter südlich jenseits der Dreisam inmitten des Golfgeländes platzieren: Der/die Golfer/in kann am Handy mitteilen, wo er/sie gerade eingelocht hat und die Allgemeinheit sieht weniger von dem häßlichen Mobilfunkturm und kann sich am Wangler-Kreuz www.freiburg-schwarzwald.de/blog/wangler-kreuz bzw. der nahen Steuobstwiese www.freiburg-schwarzwald.de/blog/streuobst erfreuen und relaxen.
18.7.2016

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