Freier Debattenraum für Bürger

Leider wird vielen Menschen, die das Gesetz achten, im Sozialen oder in der Wirtschaft konstruktiv aktiv sind, die selbst Statistiken lesen und einschätzen können, unterstellt, viel Angst vor der Krise zu haben und somit fast ganz ohne eigenes Zutun Verschwörungstheoretikern anzuhängen, ja gleichsam zu “verfallen”. Mir scheint da doch eine gewisse Abwertung und Absprache der Mündigkeit dieser Menschen mitzuschwingen.

Unsere Demokratie benötigt dringend einen freien Debattenraum. Also einen Raum, der es allen Mitgliedern unserer Gesellschaft erlaubt und ermöglicht, sich in Ruhe frei zu äußern und gehört zu werden. Dieser Debattenraum muss von Regierung, Medien und Wissenschaft mit vielen verschiedenen, unverzerrten Informationen versorgt und vor überflüssiger Angst bewahrt werden. Es geht nicht um bloße Meinungen oder gar Worthülsen oder apokalyptische Prophezeiungen, sondern um Argumente und um den achtsamen Umgang mit anderen. Aus diesem vielfältigen Raum können dann kluge Entscheidungen getroffen werden, man nutzte die Kompetenz vieler.

Bisher kann man auf die Straße gehen, um seine Haltung zu äußern. Oft ist jedoch der Druck schon so hoch, dass Empörung oder Ärger über das Überhörtwerden deutlich mitschwingt. Es ist also bereits zu spät, in Ruhe Standpunkte im Staat auszutauschen. Zugleich beurteilen und verurteilen offizielle Stellen kluge, richtige und fundierte Äußerungen vorschnell, ohne die Argumente zu hören oder gar selbst zu argumentieren. Reflexartig werden Personen Verschwörungstheoretikern, rechten oder linken Blöcken zugeordnet. Es werden dadurch No-go-Areas geschaffen, die eine Debatte sofort unmöglich machen und den Druck der Menschen erhöhen. Mehr noch: Plattformen, auf denen sich viele Menschen austauschen, werden mehr und mehr als Quell von Verrückten und Fanatikern erklärt, wo Falschinformationen in Hülle und Fülle kursierten.
Diese Urteile blockieren Kommunikation auf Augenhöhe und erzeugen mehr Emotionen bis zur Gewalt. Die Schweden geben ein Beispiel dafür, wie mit mündigen Bürgern auf Augenhöhe kommuniziert werden kann.
31.5.2020, Rainer Wahl, Gutach,

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