Franz Gutmann – 90 Jahre alt

Der Prediger mit dem Hammer: Skulpturen aus Stein, Bronze und Holz – Der Bildhauer Franz Gutmann aus Münstertal wird 90 Jahre alt. Skulpturen des Münstertäler Bildhauers Franz Gutmann sind in der Region und weit darüber hinaus
zu finden. Sei es im öffentlichen Raum oder in Kirchen, wie etwa dem Freiburger Münster. Am Mittwoch 3.10.2018 wird Gutmann 90 Jahre. Eine Ausstellung in Staufen zeigt Werke des noch immer aktiven Künstlers.
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Der „Schnitzer vum Stohre“, wie ihn die Münstertäler bezeichnen, lebt und arbeitet auf etwa 1000 Metern Höhe auf dem Schauinsland, im Münstertäler Ortsteil Stohren. Nach einem Beinbruch vor zwei Jahren ist zwar das Laufen schwieriger geworden, das hindert den Künstler aber nicht daran, seinem Schaffensdrang weiterhin Gestalt zu geben. Gerade arbeitet er an einer Tafel aus Holz, die den heiligen Trudpert zeigt, den Heiligen des Münstertals. In der Gießhübelkapelle auf dem Stohren wird sie ihren Platz finden. Weit schweift der Blick vom Wohnhaus und Atelier auf Belchen und Blauen, die Vorberge des Münstertals, bis zur Rheinebene. Im Garten steht ein kapitaler bronzener Hirsch, eines seiner neueren Werke, an dem er fast ein Jahr gearbeitet hat. Die Holzskulptur dazu ist – weiß angestrichen – in der kürzlich eröffneten Ausstellung mit Franz Gutmanns Werken in der Galerie K in Staufen-Grunern zu sehen.
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Die Landschaft des Schwarzwalds und ihre Menschen haben Gutmann geprägt. Aufgewachsen auf einem Bauernhof in der Nähe des Klosters St. Trudpert als zweites von sieben Kindern fiel der damalige Ministrant und Schüler Franz den Geistlichen wegen seiner Ungeniertheit auf. Ein Vikar gab ihm Lateinunterricht, der langjährige Münstertäler Pfarrer Willibald Strohmeier überzeugte den Vater, ihn nach Freiburg aufs Gymnasium gehen zu lassen. Geistlicher sollte er werden, doch daraus wurde nichts.
Nach zwei Semestern Theologiestudium folgte Franz Gutmann seiner Leidenschaft und begann 1952 ein Kunststudium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ewald Mataré. „Ich habe als Kind schon dauernd gezeichnet, Kühe und Pferde auf der Schiefertafel. Habe als Hirtenjunge auf der Herbstweide mit feinem Regenwürmersand Figürchen modelliert und als Schüler habe ich während der Ferien ständig geschnitzt“, erinnert sich der Künstler. Der Rektor des katholischen Knabenseminars in Freiburg habe sich von ihm eine Skulptur der Heiligen Elisabeth von Thüringen schnitzen lassen, erzählt Gutmann. Erste Studien bei den Bildhauern Franz Spiegelhalter und Wilhelm Gerstel fanden schon während der Schulzeit und dem Theologiestudium statt.
Beim Studium in Düsseldorf wurde Joseph Beuys zu einem Freund. Es wurde eine Freundschaft, die viele Besuche und Familienurlaube des bekannten Aktionskünstlers in Münstertal nach sich zog. Nach dem Studium zog es den Künstler hinaus in die Welt. Er wollte frei werden von der strengen Lehre, wie er sagt. Dank eines Stipendiums des Landes Nordrhein-Westfalen reiste er Mitte der Fünfziger Jahre – beeindruckt von der Expressivität der afrikanischen Kunst – nach Zentralafrika. Viereinhalb Monate lang hielt er sich dabei bei Albert Schweitzer, dessen Theologie ihn nachhaltig beeinflusst hat, in Lambaréné in Gabun auf.
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Zu seinen wichtigsten Werken im öffentlichen Raum zählt Gutmann die Großskulptur „ Zwei Riesen – Schlucker und Spucker“ unter der Stadtbahnbrücke im Stühlinger Kirchpark in Freiburg, den Konstanzer Münsterbrunnen und den Brunnen vor dem Ministerium für Arbeit und Soziales in Bonn. Bekannt sind auch der Stier aus rotem Granit auf der Kaiser-Joseph-Straße in Freiburg; der Steinriese, ein Brunnen in Offenburgs Fußgängerzone, das Ross in Münstertal
und das in St. Märgen, um nur ein paar der Werke des Künstlers zu nennen. Auch in vielen Kirchen ist Gutmanns Kunst präsent, etwa die Hälfte seiner Werke seien sakrale, schätzt der Bildhauer, von dem auch als „Prediger mit dem Hammer“ gesprochen wird. Besonders wichtig sind ihm die Neugestaltung des Altarraums im Freiburger Münster und die Arbeiten in der Universitätskirche
in Freiburg – darin vor allem die lange Zeit umstrittene abstrakte Christusplastik. Es habe der Intervention des Universitätsdirektors beim damaligen Erzbischof Oskar Saier bedurft, bis die Plastik nach sieben Jahren genehmigt und schließlich auch bezahlt wurde, erinnert sich Gutmann, immer noch verärgert über diesen Vorgang. „Der Glaube ist mir wichtig, aber die katholische Kirche ist schon lange ein Ärgernis für mich, weil sie den Frauen keine Gleichberechtigung einräumt“, sagt der Künstler. Einmal hatte er ich so über die Einmischung kirchlicher Entscheidungsträger in sein künstlerisches Wirken geärgert, dass er zehn Jahre lang keine kirchlichen Aufträge mehr annahm.
Eigentlich sei er vom Glauben her in der evangelischen Kirche richtiger gewesen, sagt Gutmann. „Aber wenn ich an einem hohen Feiertag in der schönen Architektur der Barockkirche St. Trudpert die Musik von unserer Kirchenmusikerin Karin Karle höre, dann bin ich katholisch.“
30.9.2018, Gabriele Hennicke, Der Sonntag
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Franz Gutmann am 21.2.20107 im Freiburger Münster – an dem von ihm gestalteten Altartisch – mehr dazu auf
http://www.freiburg-schwarzwald.de/muensteraltar2.htm
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http://www.freiburg-schwarzwald.de/muenstertal3.htm#Die%20Einfachheit%20der%20Dinge%C2%A0-%20Franz%20Gutmann%2080%20Jahre

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Die Ausstellung „Franz Gutmann, Skulpturen, Zeichnungen und Holzschnitte“
in der “Galerie K – Haus der Modernen Kunst” in Staufen (Ballrechter Straße 19) ist donnerstag bis sonntags sowie
an Feiertagen von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Am Sonntag, 28.Oktober um 11 Uhr, findet eine Matinee statt. Gutmanns Ehefrau Karin wird eigene Gedichte vortragen, auch mit Bezug auf die ausgestellten Skulpturen. Sohn Stefan Gutmann sorgt dazwischen für „Trommelwirbel“. Ab 15 Uhr führt Elmar Bernauer von der Galerie Fluchtstab an drei Orte mit beeindruckenden Werken von Franz Gutmann im Münstertal. Der Künstler wird dabei sein.

Galerie K
Dorfstraße 48, 79219 Staufen Tel.: 07633 81617
https://www.art-valley.eu/de/galerien/haus-der-modernen-kunst-galerie-k
https://www.hausdermodernenkunst.de/

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