Franz Bucher 100 Jahre – Rezept

Im Stahlbad St. Antonius in FR-Littenweiler gehört Franz Bucher zu den drei ältesten Bewohnern. Derzeit leben im Pflege­heim eine 103- und eine 105-jährige Frau und Franz Bucher mit seinen bald 100 Jahren. Gibt es ein Rezept für ein langes Leben? Genetische Vorteile? Eine besondere Anpassungsfähigkeit? Wie sorgt man dafür, ein hohes Alter zu erreichen? Im Gespräch mit Gertrud Geiger, der Tochter Franz Buch­ers, leuchten Eigenschaften wie Bescheidenheit und die Hin­wendung zu einem bewusst gelebten Leben, geprägt durch tiefe Religiosität und Nächstenliebe, auf. 

Am 19. April 1913 wurde Franz Bucher in Littenweiler ge­bo­ren. Er besucht die Volksschule Littenweiler und wächst in der Sonnerbergstraße „Im Winkel“ zusammen mit seiner Schwester Hedwig auf. Nach der Schule macht er eine Lehre zum Schriftsetzer. Die Musik war ihm immer wichtig. Schon als Heranwachsender singt er im Kirchenchor, dem er über 70 Jahre treu sein wird, und spielt mit großer Begabung Geige. Doch dann wird er zum Kriegsdienst eingezogen. 1943, der Bräutigam erhält Hochzeitsurlaub, traut Pfarrer Grimm Franz Bucher und seine Jugendliebe Hedwig Steinhart aus der Steinackerstraße in der alten St.-Bar­bara-Kirche. Das Hochzeitsessen im Stahlbad muss warten, denn es gibt Fliegeralarm, als das Brautpaar aus der Kirche tritt, und schon drei Tage später wird Franz Bucher wieder an die Front berufen, kommt schließlich in russische Gefan­genschaft. Lange bangt seine Frau um ihn, ein ganzes Jahr bleibt eine Nachricht von ihm aus. Es wird das Jahr 1948, bis er endlich sehr krank zu Hause am Littenweiler Bahnhof ankommt. Worte über die Kriegserlebnisse verliert er nicht. Das Geigenspiel muss er wegen einer kriegsbe­dingten Verletzung aufgeben, aber der Gesang im Chor bleibt ihm. Pfarrer Leonhard Grimm, bei dem er vor dem Krieg schon Jugendleiter war und der ihn sehr schätzt, bietet den jungen Eheleuten die Wohnung im Obergeschoss des Hauses Alemannenstraße 4 an; heute steht an dieser Stelle der Kindergarten St. Barbara. Beim einstigen Gasthaus „Hirschen“, errichtet 1812, ging die Konzession im Jahre 1920 auf den Vinzentiusverein über, sodass aus dem Gasthaus eine Schwesternstation der Hegner Ordensschwestern mit einem Kindergarten, einer Kran­kenpflegestation und einer Nähstube wurde. Bis zum Bau des neuen Kindergartens blieb er im ehemaligen „Hirschen“.
Franz Bucher wohnte mit seiner Familie im Haus nebenan, kümmerte sich um das Gebäude und zusammen mit seiner Frau, ohne viel Aufhebens, um die Belange der Schwestern, wo immer es zu helfen galt; er übernahm im Ehrenamt den Posten des Rechners des Vinzentiusvereins, was bei der ihm eigenen Sorgfalt und Korrektheit und der damaligen großen Mitgliederzahl viele Stunden Schreibtischarbeit be­deu­tete. Beruflich ist er im Rombach Verlag/Badische Zeitung tätig und wird Leiter der Korrekturabteilung. Die Kin­der Martin und Gertrud werden geboren. Neben dem Enga­gement in Kirchenchor und Kirchengemeinde ist er passives Mitglied im Musikverein Littenweiler, bereits als Lehrling war er der Gewerkschaft Druck und Papier beigetreten, weshalb er vor kurzem von Ver.di für 85-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde. Sein Wahlspruch über all die Jahre, so seine Tochter: „Man lebt vernünftig.“ Er ist am Tagesgeschehen und an Vielem interessiert und pflegt seinen Freun­deskreis, besucht mit seiner Frau Konzert und Theater, widmet sich überhaupt viel der Musik und der Literatur. Im Kirchenchor singt er im Bass, ist über viele Jahrzehnte ein gewissenhafter Notenwart und organisiert Wanderungen und die jährlichen Chorwochen im Nördlinger Ries mit. Nach der Arbeit pflegt er täglich seinen großen Garten, in dessen Pflege er später mit viel Liebe auch seine Enkel ein­führt.

  Franz Bucher

Er lebt das Ehrenamt für die Pfarrei und sucht immer wieder den Ausgleich in der Natur. Beim Wandern mit der Fa­mi­lie im geliebten Schwarzwald ist er mit immer wacher Ent­deckerfreude am Aufspüren unbekannter Wanderwege und wählt bei Touren niemals den gleichen Hin- und Rück­weg. Auch bei seinen  Kindern legt er großen Wert auf deren mu­sikalische Ausbildung. Heute hat Franz Bucher sieben En­kel und bei jedem Enkel schwingt die Musik mit. Gertrud Geiger sagt über ihren Vater: „Mein Vater ist für mich ein Beispiel an Bescheidenheit, ein Vorbild für ehrenamtliche Arbeit im Stillen, ein großartiger Mensch.“ Bis vor zwei Jahren konnte man Franz Bucher noch mit Geh­hilfe im Park des Stahlbades, in dem er nun seit über zehn Jahren lebt, treffen. Nun sind die Beschwernisse des Al­ters spürbar,  körperliche Gebrechen binden ihn an sein Zimmer. All dies trägt er mit großer Gelassenheit und bewun­dernswerter Geduld; immer antwortet er mit  „Danke“.  Vielleicht ist es gerade das, was einen Menschen alt werden lässt? Ein „vernünftig“ gelebter Alltag, die Veränderungen des Lebens annehmen und anderen helfend zur Seite stehen? Das Littenweiler Dorfblatt gratuliert dem Jubilar Franz Bucher sehr herzlich.
11.4.2013, Beate Kierey , Littenweiler Dorfblatt

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