Fisch-Rampen statt Fluss-Wehre

Damit Fische auch bergauf schwimmen können, baut Kirchzarten an Flüssen Wehre zu Rampen um. Europa regelt bekanntlich viel. So beispielsweise in den Europäischen Wasserrahmenrichtlinien, wie die Durchgängigkeit von fließenden Gewässern sowie ihr ökologischer und chemischer Zustand ist. Und da längst nicht alle Fische und andere im Bach und Fluss lebenden Tiere ein 50 oder gar 100 Zentimeter hohes Wehr gegen den Strom hinauf überwinden können, müssen in den nächsten zehn Jahren auf der Gemarkung Kirchzarten noch mindestens 24 Wehre naturnah zu Rauen Rampen oder Riegelrampen umgebaut werden. Im Dreisamtal ist das in den letzten Jahren bereits bei über dreißig der früher z.B. für Mühlenbetrieb oder Wiesenbewässerung wichtigen Wehre geschehen.

Die Gemeinde Kirchzarten ist für rund 20 Kilometer Fließgewässer zuständig. Bis zum Jahresende sollen drei weitere Wehre erneuert werden: zwei an der Brugga beim Küchlehof und an der Bruckmühle sowie eines am Osterbach in der Nähe vom Altenpflegeheim. Am Montag begann die Baumaßnahme beim Küchlehof, wo die Brugga Grenzbach zwischen Oberried und Kirchzarten ist. Beide Kommunen teilen sich die Kosten, zu denen es nicht unerhebliche Landeszuschüsse gibt. Die neue Riegelrampe beim Küchlehof wird 55.788 Euro kosten, die Rauen Rampen am Osterbach 41.018 Euro und die an der Bruckmühle 73.661 Euro. Das Bauamt Kirchzarten mit Thomas Schmid übernahm hier in Abstimmung mit dem Landratsamt die Federführung bei der Bauausführung, unterstützt durch den Ingenieurbiologen Stefan Versemann als Planer. Die naturnahen Umgestaltungen hätten, so Schmid, übrigens keine Auswirkungen auf die Stromerzeugung von Kleinkraftanlagen durch Wasserkraft.

Bevor jedoch eine Wehranlage umgebaut werden kann und die Bagger im Flussbett arbeiten, hat unbedingt eine sogenannte Bestandsbergung der Fische und Krebse zu erfolgen. Das ist im Dreisamtal umso notwendiger, weil es hier z.B. mit der Mühlgroppe und dem Bachneunauge zwei besonders geschützte Kleinfischarten gibt. Diese Bestände gehören zu den Urfischarten im Dreisamtal, die nicht durch irgendwelche Einsetzungen in die hiesigen Bäche gelangten. Außerdem lebt hier der Dohlenkrebs, den es in Deutschland noch hier im Zartener Becken und bei Rheinfelden gibt.

Die Bestandsbergung mittels Elektrofischerei nahm am Montagnachmittag beim Küchlehof der Diplom-Biologe Ingo Kramer von „Fluvialis“ aus Ballrechten-Dottingen mit Unterstützung seiner Tochter Steffi vor. Elektrofischerei ist eine Sonderfischerei, bei der Fische mit der Hilfe von elektrischem Strom gefangen werden. „Es ist die schonendste Methode zum Fang von Fischen“, so Kramer, „richtig angewendet erleiden die Fische dabei keinen Schaden.“ Sie würden nur kurzzeitig betäubt und könnten dann von ihm leicht im Kescher gefangen werden. Die beim Küchlehof gefangenen Fische und Krebse, neben vielen Bachforellen auch Mühlgroppen, Bachneunaugen und Dohlenkrebse, ließ er anschließend dreißig Meter weiter bachabwärts wieder ins Wasser. Jetzt können die Bagger anrollen, denn bis Mitte Oktober müssen die Arbeiten an allen drei Wehren beendet sein. Dann braucht beispielsweise die Bachforelle Ruhe für ihre Laichzeit.

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Ingo Kramer holte unter den Augen vom Planer Stefan Versemann, Thomas Schmid vom Bauamt und Tochter Steffi (v.l.) Bachforellen, aber auch Mühlgroppen (r. oben) aus dem Wasser der Brugga. Fotos: Gerhard Lück

9.9.2015, Gerhard Lück

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