Facharztmangel Privatpatienten

In meiner Facharztpraxis für Pneumologie und Schlafmedizin gibt es derzeit eine Wartezeit von über einem halben Jahr. Das liegt nicht, wie verschiedene Wichtigtuer den verständlicherweise verärgerten Patienten weismachen wollen, an den vielen Privatpatienten, die angeblich alle Termine in Anspruch nehmen. Nein, unter unseren Patienten sind viele chronisch Kranke, die regelmäßige Untersuchungen brauchen:

Sauerstoffpatienten alle drei bis sechs Monate, Menschen mit schwerem Asthma ein- bis viermal jährlich, Patienten mit Lungenkrebs müssen in den ersten zwei Jahren nach der Operation vierteljährlich nachuntersucht werden, Menschen mit nächtlicher Beatmungstherapie müssen mindestens jährlich gesehen werden. Allein mit diesen regelmäßig wiederkommenden Patienten ist die Praxis schon auf viele Monate im Voraus ausgelastet. Dazu kommen neue Patienten. Für solche mit Notfällen wie beispielsweise Lungenentzündung sind Notfalltermine eingeplant, aber natürlich nicht innerhalb von vier Wochen, sondern von wenigen Tagen.

Die Praxis hat einen durchschnittlichen Anteil an Privatversicherten von etwa fünf Prozent. Es ist kein Geheimnis, dass keine Praxis ohne diese Privatpatienten überleben kann, weil die Zahlungen von den gesetzlich Versicherten die Praxiskosten kaum decken. Wenn ich nun rein theoretisch keine bösen Privatpatienten mehr in meiner Praxis behandelte, würde sich die Wartezeit entsprechend um maximal zwei Wochen verkürzen. Ich will damit verdeutlichen, wie wenig Substanz das Gerede von den Privatpatienten hat, die den gesetzlich Versicherten angeblich die Termine wegnehmen.
Mein Problem ist vielmehr, dass es einfach zu wenige Fachärzte gibt. Zumindest in meinen Fachgebieten gibt es einen bedrohlichen Nachwuchsmangel. Und die wenigen Ärzte, die in Pneumologie und Schlafmedizin in den wenigen dafür geeigneten Kliniken weitergebildet werden, gehen nicht mehr gerne in eine Praxis. Das schrumpfende Einkommen, die hohen Praxisinvestitionen, die unsichere politische Zukunft und nicht zuletzt das sich verschlechternde Image sind die Hauptfaktoren. Jetzt sollen Klinikambulanzen die Patienten auffangen, die in den Facharztpraxen keinen schnellen Termin bekommen? Woher schütteln sich die Kliniken, die selbst unter einem massiven Ärztemangel leiden, die erforderlichen Ambulanzärzte aus dem Ärmel? Werden die Patienten, die mit ihrem Facharzt seit Jahren vertraut sind, begeistert sein, immer wieder auf einen anderen Klinik-Ambulanzarzt zu treffen? Wird das Geld zur Finanzierung der Klinikambulanzen aus dem Kontingent für die niedergelassenen Ärzte abgezweigt? Wahrscheinlich ja. Das verbessert die Situation der Praxen ganz sicher nicht. Die “dringliche Überweisung” Herrn Montgomerys gibt es doch schon längst: Wenn ein Kollege der Meinung ist, ich müsste einen Patienten dringend untersuchen, ruft er an und wir vereinbaren auf dem kleinen Dienstweg einen schnellen Termin
11.1.2014, Dr. Wolfgang Randelshofer, Bad Krozingen

“Wartezeit beim Facharzt – Halbherziger Vorschlag” vom 28.12.2013 bitte lesen auf

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