Marktwirtschaft

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Blick am 12.12.2013 vom Lindenberg bei St.Peter nach Süden übers Dreisamtal im Nebel zum Schauinsland

 

 

 

Soziale Marktwirtschaft ist, was wir daraus machen
Die soziale Marktwirtschaft ist kein Ideal, sondern schlicht und ergreifend das, was wir draus machen. Es gibt nicht einmal “die soziale Marktwirtschaft”. Ich verstehe, was Sie meinen. Wir müssen uns aber klar sein, dass man einen Euro nur einmal ausgeben kann. Das gilt auch und besonders für den Staat, dem ein grosser Teil des sozial in der sozialen Marktwirtschaft zukommt.
Dieser Staat kann nicht eine Energiewende finanzieren, die Banken retten, den griechischen Staat retten, andere grosse Teile der EU retten, die Flüchtlingskrise finanzieren und noch die sozialen Leistungen bei sich selbst ausweiten. Dies alles zusammen überfordert das Hauptwort Marktwirtschaft. Sie haben recht, da kommt das Wort sozial schon einmal zu kurz.
Es ist aber nicht fair, wenn man die soziale Marktwirtschaft, die alle diese Plündereien sogar noch überstanden hat, am Ende für das Plündern verantwortlich macht. Es stellt die Dinge auf den Kopf. Ein Wirtschaftssystem braucht Input aus dem politischen System (z.B gute Gesetze) und aus dem kulturellen System (z.B gut ausgebildete Menschen) und gibt selber an diese Systeme Güter und Dienstleistungen für deren Funktion zurück.
Wenn das Wirtschaftssystem aber zu stark vom politischen System (z.B. TTIP etc.) oder vom kulturellen System (z.B. Schlecht ausgebildete Menschen, die sich auch noch weigern Steuern zu zahlen, siehe Griechenland, Investmentbanker, etc. ) ausgeplündert wird, dann ist es für mich ein Wunder wie gut es noch funktioniert.
Der Bauer, der seiner Kuh nichts zu fressen gibt und dann schimpft, dass sie kaum noch Milch gibt und er den Eindruck hat, dass es überhaupt keine Milchkuh ist, macht mehr falsch als die Kuh. :-)
8.2.2016, M. Synowzik

 

Papst kritisiert den Finanzkapitalismus

In seinem Rundschreiben “Evangelii gaudium” (Freude des Evangeliums) vom November 2013 kritisiert Papst Franziskus die “Tyrannei des vergötterten Marktes” und die damit verbundene Herrschaft des Geldes über den Menschen. Die 250 reichsten Menschen der Welt besitzen so viel wie 48% der Menschheit und eine Milliarde Menschen lebt von weniger als 1.25 Dollar pro Tag: “Diese Ausgeschlossenen sind nicht nur Ausgebeutete, sie werden behandelt wie Müll.” Der Papst geißelt die “Globalisierung der Gleichgültigkeit”.

Der Papst schließt sich keiner platten Systemkritik an im Sinne von “Weg mit dem Kapitalismus und hin zum Komunismus”; er bestreitet auch nicht, dass der Markt effizienter ist als der Plan, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Der Papst übt keine Kritik an der “Sozialen Marktwirtschaft”, die Wohlstand und eine breite Mittelschicht gebildet hat und bei den meisten bewußt gemacht hat, dass staatliche Sozialleistungen auch Kosten verursachen und staatliche Schulden von späteren Generationen zu bezahlen sind.
Der Papst prangert den globalen Finanzkapitalismus an, bei dem sich die Geldströme von den ursprünglich zugrundeliegenden Warenströmen abgekoppelt haben und der heute fast alle Wirtschafts- und Lebensbereiche in einen strengen Konkurrenzkampt zwingt. Dabei ist der “Homo oekonomicus” gefragt, der nur tut was ihm nutzt und was sich betriebswirtschaftlich rechnet – nicht nur in den Unternehmen, auch in Schule, Pflege, Uni, Klinik, sogar in zwischenmenschlichen Beziegungen. Fünf Jahre nach dem Beinahe-Bankencrah von 2008 geht die Spekulation  weiter und die Hedgefonds blühen.
Der Papst verurteilt den Finanzkapitalismus nicht als Ökonom und er bietet auch kein alternatives Wirtschaftsmodell an. Aber er setzt klare ethische Maßstäbe: Das Wirtschaftssystem – wie auch immer es heißt und wo auch immer es etabliert wird – muß den Menschen dienen und nicht umgekehrt.
27.12.2013

 

 

Soziale Marktwirtschaft und Arbeit

Eine soziale Marktwirtschaft ist eine reine Marktwirtschaft. Das besagt schon der Name. Das soziale an dieser Marktwirtschaft sind nicht die vielen Wohlfahrtsleistungen des Staates, die dieser ohne Gegenleistungen an seine Bürger verteilt, sondern die Möglichkeit aller Bürger (auch der schlecht ausgebildeten) an dieser Marktwirtschaft ohne Diskriminierung teilnehmen zu können, und durch ihre eigene Arbeitskraft (nicht Zwangsarbeit) ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Falsche Eingriffe in die soziale Marktwirtschaft zerstören das marktwirtschaftliche Element, und führen zu einer Staatswirtschaft. Wenn einem Unternehmer z. B. verboten wird, überzählige Arbeitnehmer zu kündigen, führt dies nicht dazu, dass viele Menschen ihren Job behalten. Es führt dazu, dass dieser Unternehmer selbst dann keine neuen Arbeitnehmer einstellen wird, wenn er sie durch gute Aufträge ohne weiteres beschäftigen könnte. Denn er weiß nicht, wie lange diese Auftragsflut anhält. Bei späterem Auftragsmangel kann er diese neu eingestellten Arbeitnehmer nicht mehr entlassen, und geht so möglicherweise wegen der überbordenden Lohnkosten in Insolvenz. Daher sorgt ein übertriebener Kündigungsschutz für hohe Arbeitslosigkeit und geringes Wirtschaftswachstum, weil die Unternehmer ihre wirtschaftlichen Chancen in guten Zeiten nicht ausreizen.

Staatliche Ausgabenprogramme machen nur dann Sinn, wenn die Bürger aus Angst vor der Zukunft sparen, statt das Geld in den Wirtschaftskreislauf einzuspeisen, und die Konjunktur am Laufen zu halten. Statt den ängstlichen Bürgern sorgt dann der Staat für die nötige Nachfrage, und nimmt die Spargroschen, und gibt sie statt der Bürger aus. Das geht aber nur solange, wie der Staat nicht völlig überschuldet ist. Daher muss ein Staat in guten Zeiten alte Schulden zurückzahlen, um in der nächsten Krise wieder neue Schulden aufnehmen zu können. In Deutschland haben wir derzeit keine Krise. Die Bürger sparen nicht aus Angst vor schlechten Zeiten. Die natürliche Nachfrage ist somit nicht gestört, so dass der Staat sie nicht rsetzen muss. Wenn der Staat in solch einer Situation trotzdem zu Konjunkturmaßnahmen schreitet, schafft er künstlich Kapazitäten, die dauerhaft mit einer schuldenfinanzierten Nachfrage ausgelastet werden müssen. Steuererhöhungen sind hierfür nutzlos, weil diese Steuern dann den Bürgern für die private Nachfrage fehlt. Das führt zu staatlicher Überschuldung, die irgendwann zum Kollaps führt (siehe Griechenland).

Wenn bei qualifizierten Arbeitnehmern Vollbeschäftigung herrscht, nutzen staatliche Konjunkturprogramme nichts. Um den unqualifizierten Arbeitnehmern Jobs zu verschaffen, kann der Staat allenfalls Beschäftigungsprogramme speziell für diese Menschen schaffen. So könnten Grünanlagen besser gepflegt werden, oder andere einfache Dienstleistungen für die Bürger mit Steuermitteln erbracht werden, für die diese Menschen angestellt werden. Sinnvoll wäre dabei, dass man die Bezahlung von Sozialleistungen von der Aufnahme einer solchen Tätigkeit abhängig macht. Dann kostet das den Steuerzahler nämlich nur den Mehrbetrag, den ein Arbeitslohn zur Hartz IV Leistung ausmacht.
Hierbei handelt es sich nicht um Zwangsarbeit. Zwangsarbeit liegt nur dann vor, wenn ein Mensch unentgeltlich zur Arbeit gezwungen wird. Im Gegensatz dazu ist der Mensch wie jedes andere Lebewesen auch schon aus natürlichem Erhaltungstrieb gezwungen, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten. Solange ein Staat seine sozialen Leistungen von der Erbringung einer Gegenleistung in Form von Arbeit abhängig macht, verlangt er keine Zwangsarbeit, sondern lediglich die natürliche für die Existenz der Menschheit unabdingbare Verhaltensweise. Ein das Überleben der Menschheit überhaupt erst möglich machendes Verhalten kann aber nicht menschenrechtswidrig sein. Es ist schließlich die Voraussetzung für die menschliche Existenz.
Bei der Wahl eines Berufes kann die Gesellschaft dem Einzelnen nicht den “Traumberuf” ermöglichen. Solange der Einzelne anderenfalls von der Unterstützung seiner Mitbürger abhängig ist, muss er einen nachgefragten Beruf ergreifen, wenn der Traumberuf den Lebensunterhalt nicht sichert. Daher ist es grundsätzlich richtig, dass man staatliche Berufsbildungsmaßnahmen von der Nachfrage nach dieser Qualifikation abhängig macht. Wenn der Arbeitslose eine Qualifikation in einem Beruf einfordert, an dem nicht anerkannt ein Mangel herrscht, muss er die Nachfrage eben durch ein Jobangebot beweisen.
Langzeitarbeitslose werden nur dann verwaltet, wenn sie keine Eigeninitiative ergreifen. Wer darauf wartet, dass der Staat ihm hilft, kann sich nicht beklagen, dass die staatliche Verwaltung tätig wird. Verwaltungen verwalten.
25.12.2013

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