Konservativismus

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                                 Freiburg im November 2018: Blick nach Osten zu den Schwarzwaldbergen

Konservativ sein ist eine Lebenseinstellung – 
der Konservativismus seine politische Umsetzung.

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Politischer Konservatismus versus aktuelle Politik
Diese wesentlichen Punkte des politischen Konservatismus stehen – und hier sind nur die wichtigsten erwähnt – im Widerspruch zur heutigen Praxis der akademisch breit angelegten und äußerst einflussreichen Negation von Rationalität und Wahrheitsfähigkeit menschlichen Denkens (Heidegger, Derrida, Foucault, Rorty, Butler), des politischen Abbaus der Souveränität der nationalen Staatsvölker im Gleichschritt mit dem Aufbau eines demokratisch und staatsrechtlich nicht legitimierten Zentralstaates in Brüssel, der Verletzung des Naturrechts durch staatliche, usurpatorische Verfassungsbrüche (wie etwa Grenzöffnung, Eurorettung oder Einschränkung der Meinungsfreiheit mit dem NetzDG) oder der Zersetzung des Staates durch eine nicht tragfähige, die Autonomie des Menschen negierende Form der Sozialstaatlichkeit.
… Alles vom 25.2.2020 von Johannes Eisleben bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/konservativ_sein_echt_jetzt
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„Von der Idee, konservativ zu sein: Eine Anleitung für Gegenwart und Zukunft“ v
on Roger Scruton, 2019, München: FinanzBuch Verlag,
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Kommentare:
Die Linken sind diejenigen, die einer 200 Jahre alten Ideologie anhängen
und seit 100 Jahren versuchen, die Realität an diese Ideologie anzupassen. Wenn ausgerechnet diese gedanklich verbohrten Leute (vulgo: Holzköpfe) die (rationale!) konservative Haltung diffamieren, hat das durchaus das Potential für eine karnevalistische Büttenrede.
25.2.2020, J.SCH
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Links = progressiv – das ist nicht mehr
Jahrelang galt im Westen : Links = emanzipiert, progressiv, rebellisch, freiheitsliebend, antiautoritär, offen, demokratisch, tolerant, intelligent, flexibel, neugierig, leicht, witzig, gerecht, sozial, engagiert. Das ist nicht mehr.
Die Leichtigkeit ist verloren gegangen, aus antiautoritär wurde autoritär. Aus Offenheit wurde Verbissenheit. Aus Toleranz wurde absolute Intoleranz, aus Intelligenz wurde Dummheit, aus demokratisch wurde diktatorisch, aus Witz wurde totale Humorlosigkeit, Heute ist rebellisch, wer dagegen angeht. Der Konservative erkennt den Irrweg. Und weigert sich, ihn mitzugehen. Er verlässt nicht etwas Gutes zugunsten von etwas Schlechtem. Der heutige Konservative ist nicht identisch mit dem Konservativem der 50er-Jahre. Dieser mag noch faschistisch geprägt gewesen sein, er hat auch nicht viel gemein mit dem Konservativen katholischer Prägung. Nein, der heutige Konservative hat Humor, zeigt sich offen, tolerant und hasst das Autoritäre der linken Bewegung. Er liebt die Freiheit und ist neugierig auf das Leben, keinesfalls will er sich abschotten. Schon gar nicht vor Ausländern. Er ist selbstbewusst und intelligent. Er ist sich dessen, was er schützen möchte, voll bewusst. Und er steht dazu, konservativ genannt zu werden. Im Gegensatz etwa zur Parteispitze der CDU/CSU.
25.2.2020, W.A.
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Zu spät! Der Zug in Richtung inquisitorisches Autodafé ist längst abgefahren.
Schon wimmelt es überall im Land von Klima-Öko-Veggie-Flagellanten und CO2-Ablasshändler. Angeführt von hohepriesterlichen GEZ-Torquemada’s jagt der “gerechte Volkszorn” mit wildem religiösem Eifer Zweifler, Leugner und Häretiker. Vermutlich wird man bald auch nach Insurgenten suchen (also solche die man dazu erklärt .. keine echten .. die würden sich wehren). Das erfordert natürlich dann intensive Counterinsurgency-Maßnahmen. Denn das hier und jetzt muss das Purgatorium sein welches den Rechtgläubigen .. sorry .. Linksgläubigen vor der ewigen Damnation bewahren soll. Dazu gehört eben auch die Damnatio memoriae, die Verfluchung und demonstrative Tilgung des Andenkens an eine Person durch die Nachwelt (Namen von Straßen, Kasernen, das entfernen unliebsamer Schriften aus Bibliotheken, Redevorbot über Themen und Personen an Universitäten etc). Es wird das Paradies kommen. Das Land in dem Sojamilch und Kunsthonig fließen. In dem keiner mehr arbeiten muss (bedingungsloses Grundeinkommen und in dem der Strom einfach so aus der Wand kommt. Alle werden allzeit jubilieren und den/die/das Herren(in) preisen. Mir bleibt nur Max Liebermann und sein Zitat über Fressen & Kotzen. Amen!
25.2.2020, A.M.
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Im Zeitalter von Globalisierung, Genderspeak und Open Borders ist egal,
ob jemand konservativ oder links ist. Alles ist identisch, gilt auch für politische Parteien und für Kulturen ja sowieso. Es gibt nur die “die schon länger hier sind” und die, die “neu dazu gekommen sind”. Nation, Volk, Staat, Tradition und Kultur sind abgeschafft, alle Menschen sind nur Publikum einer gigantischen Shopping-Mall. Inzwischen ist das offizielles Programm der CDU, nicht nur unter Merkel, auch Herr Merz sieht das so, andernfalls würde er nicht bei Black Rock arbeiten (übrigens nicht an führender Stelle, dazu hat es auch bei Black Rock nicht gereicht).
25.2.2020, J.L.

Deutschland hat, weiß Gott, mehr konservative Menschen als die, die AfD wählen.
Auch große Teile der Unionswähler, sogar der Grünen, sind konservativ. Viele CDU-Wähler glauben immer noch die Partei zu wählen, die sie in der Vor-Merkel-Zeit gewählt haben. Dass Merkel diese Leute nach Strich und Faden vergackeiert, merken sie nicht. Einmal hat man als konervatives “Alibi” die Werte-Union und zum anderen sind viele Leute der Gehirnwaschmaschine des Polit/Medien-Katells zum Opfer gefallen. Nicht nur bei der Union, sondern auch bei den Grünen.
Das schlechte Gewissen, das ihnen von den Scharlatanen der Klima-Hysterie gemacht wurde, hat die Leute bewogen, die Apokalypse abzuwenden, indem sie die Grünen wählen, die angeblich das Klima retten, bei dem es gar nichts zu retten gibt. Eine konservative Haltung vor dem Hintergrund von Falschinformation (Gehirnwäsche). Wann endlich werden diese Leute wach und merken, dass sie nur an der Nase herum geführt werden? Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen der AfD dennoch die Stange halten, obwohl der Mainstream und das Polit/Medien-Kartell kein gutes Haar an dieser Partei lassen. Das ist sicherlich das Ergebnis eines besseren Informationsstandes dieser Leute. Wer sich abseits der System-Medien informiert, kann eigentlich -vor dem Hintergrund dessen, was sie hier anrichten- die Altparteien nicht mehr wählen. Und das wissen die auch.
Deshalb wird die AfD als wirkliche Partei der rechten Mitte, derart attackiert, verleumdet und diskreditiert. Die Stigmatisierung als Nazi-Partei tut ihr Übriges. Wer vor dem Hintergrund der Nazi-Verbrechen heute eine Partei und Menschen als Nazis bezeichnet, ist kriminell. Er relativiert diese Verbrechen und macht sich der Verleumdung nach § 187 StGB schuldig. Konservativ sein ist auf dem Boden der Tatsachen zu stehen.
25.2.2020, S.K.
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…. politische Stabilität kann nur aus gesellschaftlicher Stabilität heraus entstehen
Konservativ bedeutet für mich die Überzeugung, dass politische Stabilität nur aus gesellschaftlicher Stabilität heraus entstehen kann. Und gesellschaftliche Stabilität erfordert einen weitreichenden und tiefen Konsens des Gemeinsamen und Verbindenden. Denn das Grundcharakteristikum einer funktionierenden Gesellschaft ist die Gegenseitigkeit, die eine hohe Opferbereitschaft beinhaltet. Das beginnt mit dem Einverständnis in Steuern, d.h. vom selbst Erarbeiteten zum Wohle anderer und des Gemeinsamen abzugeben, und geht bis zur Bereitschaft, das eigene Leben im Krieg zu opfern. Aus diesem Grund ist das heutige progressive Modell der „vielfältigen“ Gesellschaft, in der beliebig gegensätzliche Menschen und Gruppen Gemeinsamkeit finden sollen, absurd und ein Rezept für den Untergang. Eine stabile staatliche Ordnung kann so nicht bewahrt werden. Die einzige rationale Begründung für einen solchen Ansatz ist das uralte Prinzip des teile und herrsche. Sprich: es ist ein Herrschaftsmodell einer kleinen, sich zur Elite aufschwingenden Gruppe, die die permanente Unordnung und Unsicherheit, die die Instabilität gebiert, zum Zwecke von Unterdrückung ausnutzt.
25.2.2020, R.G.
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Zeitgemäß ausgedrückt: Die Anywheres gegen die Somewheres! (David Goodhart).
Entwurzelung der Menschen (durch Sozialismus) gegen die heimatverbundenen und konservativen Dagebliebenen. Da die Globalisierung (für die Anywheres) m.E. langfristig keine Zukunft haben wird, (siehe Artikel “Die Gefahren des freien Handels” mit dem Untertitel: “In der Regel ignorieren die Wirtschaftsforscher die versteckten Kosten, die ein deregulierter Welthandel der Umwelt und dem Gemeinwesen aufbürdet” von Herman E. Daly aus dem Jahre 1994, Spektrum der Wissenschaft), werden die Konservativen langfristig gewinnen. (Wobei islamische Gesellschaften ebenso zutiefst konservativ, aber nicht frei sind).
Daher ist auch eine Zukunft unter dem Islam derzeit möglich! Es kommt hier nur auf die Sozialisierung an! Mit einem Zusammenbruch des globalen Finanzsystems und damit der Sozialsysteme werden sich die Anywheres, Sozialisten und Gutmenschen ideologisch und gesellschaftlich nicht mehr einordnen können. Wir gehen interessanten Zeiten entgegen.
25.2.2020, G.SCH, AO
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Konservativ sein bedeutet vor allem “bewahren”,
“an Bewährtem festhalten” – was nicht gleichbedeutend ist mit “alles Neue ablehnen”. Die vor 20 Jahren noch als konservativ geltenden C-Parteien haben unter der sozialistisch kadergeschulten Führerin nicht nur eine 180°-Wende hin zum Sozialismusterror vollzogen, sondern die Zerstörung des ehemals funktionierenden demokratischen Staats begonnen durch rechtswidrige, staatsschädigende EU-Entscheidungen (Euro-“Rettung” usw.), ebenso rechtswidrige Grenzöffnung und Einladung von rund 2 Millionen kulturfremder, moralisch und ethisch völlig inkompatibler Menschen mit einer hasserfüllten Ideologie, die Andersdenkende ausrotten will. Wer heute die Position der CDU 2000 einnimmt, wer heute klassisch konservativ ist, der ist wenigstens Rechtspopulist, meist aber Rechter oder auch Nazi. An dieser Kategorisierung haben SPD, Linke und vor allem Grüne erheblichen Anteil. Die ehemalige Mitte ist heute rechts. Ich bin ein Rechter. Und das ist gut so.
25.2.2020, H.W.
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Konservativ – mit einfacheren Worten erklären!
Ja, wenn wir auf diesem Niveau versuchen, für den Konservatismus zu werben, werden wir wohl wenig Erfolg haben angesichts der Bildungsmisere in diesem Land. Wir müssen mit einfachen Worten klarmachen, was einen Konservativen von einem Progressiven (so war ja mal die Aufteilung) unterscheidet. Z.B.
Konservative wollen Probleme eingrenzen, Progressive sind der Auffassung, sie dauerhaft lösen zu können.
Konservative gehen von einem permamenten Wandel der Gesellschaft aus, und wollen in diesem Wandel das Bewährte bewahren und Überlebtes oder Nebensächliches für Neues aufgeben. P. streben einen radikalen Wandel hin zu einer dann dauerhaft besseren Ordnung an.
Oder: Im Zweifel für Freiheit statt Gleichheit, Eigenverantwortung statt Fürsorge, Mäßigung statt Radikalität.
Der Konservative legt die Dinge ebenso permanent auf den Prüfstand wie der Progressive, aber eben auch die Hoffnungen der Progressiven. Selbstverständlich ist auch die Frage “der” Demokratie auf den Prüfstand zu legen, immer wieder.
25.2.2020, Dr. W.K.

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Nationalkonservatismus-Kongreß in Rom
Eine Rechte ohne Komplexe
Kongreß „Nationalkonservatismus – Gott, Ehre, Vaterland“ in Rom: Ungarns Premier besticht mit seiner Lässigkeit und formuliert eine Art Minimalkonsens
Im Französischen gibt es den Begriff der „droite décomplexée“ – der „Rechten ohne Komplexe“. Gemeint sind damit diejenigen Vertreter des konservativen und patriotischen Spektrums, die sich von der Linken weder die Themen noch die Argumente vorschreiben lassen, sondern selbstbewußt ihre Positionen vortragen.
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Der Kongreß „Nationalkonservatismus – Gott, Ehre, Vaterland“, der vergangene Woche in Rom stattfand, war eine Demonstration, wie so eine „Rechte ohne Komplexe“ aussehen kann. Die vertretenen Positionen waren durch die Bank politisch inkorrekt. Was aber weder die gute Stimmung noch den Offensivgeist beschränkt hat, ganz im Gegenteil. Dabei bildete das, was hier als „nationalkonservativ“ vorgestellt wurde, alles andere als eine monolithische Einheit.
Man hatte es mit Marktwirtschaftlern und Solidaristen wie dem amerikanischen Autor Rod Dreher, mit Nationalisten wie dem israelischen Theologen Yoram Hazoni, Regionalisten und Anhängern einer imperialen Idee (Marion Maréchal) zu tun, mit denen, die sich als Verteidiger der wahren Werte der Aufklärung betrachten (Douglas Murray) und mit solchen, die alle wesentlichen Fragen durch die katholische Lehre entschieden glauben, mit denen, die auf eine institutionelle Erneuerung setzen und denen, die einen „zweiten Reagan“ oder eine „zweite Thatcher“ erhoffen.
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Bis zu einem gewissen Grad erklärte sich der begeisterte Empfang, der dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán bereitet wurde, daraus, daß er sich nicht nur als Projektionsfläche für solche Erwartungen eignete, sondern auch in der Lage war, eine Art Minimalkonsens zu formulieren, auf den sich die genannten Strömungen einigen konnten.
Dominanz der Angelsachsen und Romanen
Der Humor und die Lässigkeit, mit der er das, was alle eint, „christdemokratisch“ oder „rechtspopulistisch“ oder eben „nationalkonservativ“ nannte, signalisierte schon, daß Orbán nicht glaubt, daß die Zeit schon gekommen ist, um dem, was sich da in Bewegung setzt, ein Etikett zu verpassen. Jetzt müßten erst einmal die Kräfte für eine „Konterrevolution“ gesammelt und gegen etwas in Stellung gebracht werden, das „liberale Demokratie“ heißt und seine destruktive Kraft bis dato hinreichend unter Beweis gestellt habe.
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Als passendes Gegengift will Ungarns Premierminister ein Rezept verwenden, das sich aus guter Regierung plus Identität zusammensetzt. Eine gute Regierung ist für ihn die, die Sicherheit, Aufstiegsmöglichkeit und soziale Gerechtigkeit – nicht soziale Gleichheit – verbürgt; Identität bedeutet, daß wir in unseren Ländern so leben können, wie wir es für richtig halten, unseren Traditionen entsprechend, ohne uns gegenüber Fremden oder einer politisch-medialen Klasse rechtfertigen zu müssen.
Für die Veranstaltung in Rom hatte man von vornherein einen weiten Rahmen gesteckt. Das machte deutlich, an wie vielen verschiedenen Stellen in eine ähnliche Richtung gearbeitet wird. Zu den Nachteilen des Ansatzes gehörte, daß Deutschland nur durch Einzelpersonen repräsentiert war. Die Dominanz der Angelsachsen einerseits, der Romanen andererseits, führte zu einer gewissen Schieflage, die man zukünftig korrigieren sollte. Bereitschaft dazu scheint vorhanden.
Jetzt ist vor Ort für Ansprechpartner zu sorgen, die den notwendigen Grad an Seriosität und Organisiertheit erreichen, um einer „Rechten ohne Komplexe“ auch hier den Weg zu bereiten.
… Alles vom 14.2.2020 von Karlheinz Weißmann bitte lesen auf JF, 8/20, Seite 9

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Roger Scruton: Warum Konservativismus die Zukunft ist
Konservatismus gilt längst als Schimpfwort à la „Ewiggestrige“, angeblich marschiert die Zukunft an Menschen dieser Denkungsart vorbei. Dabei ist der Konservatismus der Garant für Demokratie, Freiheit und Wohlstand, so der konservative Philosoph Roger Scruton.
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Scruton ist vermutlich der bedeutendste, mit Sicherheit aber einer der bekanntesten konservativen Denker der Gegenwart. Dass einem so wenige Namen auf die Frage nach konservativen Gelehrten einfallen, hat viel damit zu tun, dass es heute nicht nur für die wissenschaftliche Karriere, sondern auch für Leib und Seele ein gefährliches Unterfangen sein kann, sich im akademischen Milieu als Vertreter dieser Weltanschauung zu erkennen zu geben.
Die im Namen der Political Correctness geführten Hexenjagden lassen Konservative verstummen oder sich in die innere Emigration zurückziehen. Sie sind längst Fremde in den eigenen Institutionen geworden, bestenfalls belächelt und als Außenseiter geduldet.
Doch nicht Scruton. Er ficht für seine Ideen in Büchern, Artikeln, Lesungen und öffentlichen Debatten, weil er davon überzeugt ist, dass einzig Konservative eine rationale Antwort auf die großen Probleme geben können, die in unseren westlichen Gesellschaften durch Globalisierung, Migration und den Vormarsch universalistischer Identitätsbewegungen sowie radikalökologischer Ideologien entstanden sind.
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Das Leben lenkte ihn wie von selbst in diese Rolle, die ihm letztendlich auch am besten gefiel und seinem ruhigen und mutigen Naturell am meisten entsprach. Nach dem Studium in Cambridge gründete er 1982 mit wenigen Gleichgesinnten die „Salisbury Review“, ein kleines, konservatives Magazin, das kaum zwei Jahre nach seiner Gründung für einen Skandal sorgte.
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Der Schulleiter einer Mittelschule, in der 80 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien kamen, forderte in einem Artikel die bessere Integration seiner Schüler in die britische Gesellschaft. Der Artikel, in dem ein Lehrer zum ersten Mal gewagt hatte, die großen Probleme mit Migrantenfamilien in Schulen öffentlich anzusprechen, rief einen Sturm der Entrüstung unter den in den Medien und der Politik schon damals dominierenden universalistischen Eliten hervor. Dass Autor und Herausgeber Rassisten seien, waren noch die am wenigsten ehrabschneiderischen Anklagen.
Der Schulleiter einer Mittelschule, in der 80 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien kamen, forderte in einem Artikel die bessere Integration seiner Schüler in die britische Gesellschaft. Der Artikel, in dem ein Lehrer zum ersten Mal gewagt hatte, die großen Probleme mit Migrantenfamilien in Schulen öffentlich anzusprechen, rief einen Sturm der Entrüstung unter den in den Medien und der Politik schon damals dominierenden universalistischen Eliten hervor. Dass Autor und Herausgeber Rassisten seien, waren noch die am wenigsten ehrabschneiderischen Anklagen. Der Schulleiter wurde aus seinem Amt gejagt und konnte nie wieder als Lehrer arbeiten und Scruton war für die akademische Welt – zumindest fürs Erste – erledigt. Kapitulation kam für ihn nicht infrage, also beschloss er, sich in Zukunft dem Schreiben zu widmen. Dieser Entscheidung haben wir einige der besten Bücher und Essays der vergangenen 30 Jahre zum Thema Konservativismus zu verdanken.
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Was also versteht Scruton unter Konservativismus? Ganz gewiss nicht das Jammern über den Verlust einer längst versunkenen Welt. Aber durchaus den Widerstand gegen die Zerstörungen, die die globalistische Moderne in den westlichen Gesellschaften seit geraumer Zeit anrichtet.
Jede Nation verfügt über ein kollektives Erbe an bewährten Gemeinschaften, Einrichtungen und Prozeduren, das sich im Laufe der Geschichte herausgebildet und als Pfeiler des Zusammenhalts in der Gesellschaft erwiesen hat. Diese kollektiven Güter werden heute jedoch Schritt für Schritt zerstört: die Freiheit, unser Leben zu führen, wie wir wollen, eine unparteiische Gesetzgebung und Rechtsprechung, der Schutz der Natur vor Partikularinteressen, die Kultur der Offenheit und der freien Forschung, die demokratischen Prozeduren, um nur die allerwichtigsten zu nennen.
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Die wichtigste Kategorie des konservativen Denkens ist für Scruton die Idee der Zugehörigkeit. Die Ansicht Rousseaus, nach der der Mensch frei geboren und erst durch die Einfügung in vorgefundene Zusammenhänge, die Sozialisierung in Familie, Gemeinde, Schule und Arbeitszusammenhänge, „in Ketten gelegt“ werde, hält er für eine gefährliche Ideologie.
Scruton ist der Überzeugung, dass allen heute so bedrohten gemeinschaftlichen Gütern etwas unterliegt, was er als den „Erste-Person-Plural“ bezeichnet.
Er versteht darunter das gewachsene Gefühl von Zugehörigkeit zu einem Landstrich, einem Territorium, einer Gemeinschaft, das sich dadurch auszeichnet, dass man „Dinge auf die gleiche Art tut“, eine gemeinsame Sprache spricht und durch gemeinsame kulturelle Traditionen geprägt ist. Es mag paradox klingen, aber ohne Zugehörigkeit kann es keine Freiheit geben. Denn nur eine solche, durch gemeinsame Geschichte gewachsene Gemeinschaft kann Differenzen in Lebensgewohnheiten, politischen Ansichten und Zielen sowie die Opposition zu Mehrheitsmeinungen aushalten oder, noch viel mehr, dazu ermutigen.
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Programmatik des Konservatismus erwünscht
Scruton nennt das die „vorpolitische Loyalität“, die sich grundsätzlich vom religiösen sowie vom ethnischen „Wir“ unterscheidet, die beide exklusiv sind und keine Abweichung dulden. Dieses Gebilde, das wie von einer „unsichtbaren Hand“ gelenkt, durch zahllose in der Vergangenheit geschlossene Kompromisse, Einigungen und ausgefochtene Kämpfe entstanden ist, ist die Nation, die einzige Form, in der unter Fremden eine von Kompromissen geleitete Demokratie, der freie Austausch und der Schutz von Minderheitenmeinungen möglich ist.
Zu diesem gewachsenen „Wir“ gehören nicht nur die großen nationalen Institutionen, es sind vor allem die zahllosen privaten Vereine wie Sport- und Bildungseinrichtungen, Rosen- und Bienenzüchter, lokale Naturschutzvereine, Chöre und Volkssternwarten, eben all jene Formen, in denen sich freie Bürger zusammenschließen, um ihren besonderen Interessen nachzugehen. Solche Zusammenschlüsse entstehen immer von unten und werden sofort zerstört, sobald der Staat sich ihrer bemächtigt und ihnen vermeintlich höhere Ziele aufbürdet, wie die Förderung von Gleichheit oder Integration.
Alle Formen des Nullsummendenkens führen zur Legitimation und Verbreitung von Neid. Wozu diese staatlichen Eingriffe führen, kann jeder am Verfall des deutschen Schulwesens beobachten. Dort hat das Streben nach Gleichheit den ursprünglichen Zweck, nämlich die Vermittlung von Bildung, längst zerstört. Den von oben Regierenden sind unabhängige bürgerliche Zusammenschlüsse ein Dorn im Auge, weil sie sich der Kontrolle entziehen und ihren eigenen Regeln folgen. Deshalb gehört immer und überall das Verbot solcher Vereinigungen mit zu den ersten Maßnahmen totalitärer Diktaturen.
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Der Hass auf das eigene Land
Konservative erkennen die doppelte Gefahr, die den westlichen Gesellschaften durch grenzenlose Einwanderung aus vorzivilisatorischen Gesellschaften, aus Religions- und Stammeskulturen droht. Die Masseneinwanderung aus Afrika und Asien hat zur Entstehung von illoyalen, antinationalen Minoritäten in der Mitte der europäischen Gesellschaften geführt.
Aber schlimmer noch: Jetzt wird auch die gewachsene vorpolitische Loyalität unter den einheimischen Bürgern zerstört; warum sollten Einheimische sich um etwas kümmern, was Zugewanderte ausbeuten? Dass Fremde in ein Land kommen, das sie verachten, dessen Wohltaten sie aber trotzdem genießen wollen, ist durchaus verständlich. Dass jedoch Intellektuelle und in ihrer Gefolgschaft Politiker und Medien ihr eigenes Land verachten oder gar hassen, verlangt nach einer Begründung.
Scruton gibt dafür in seinem 2017 unter dem Eindruck des Brexit-Referendums entstandenen Buch „Where we are“ eine Erklärung: Die Wurzeln des Hasses gegenüber dem eigenen Land liegen tiefer, als dass man ihm mit Argumenten beikommen könnte, schreibt er. Diese Menschen verweigern jedwede anstrengende Loyalität, die ihre vermeintliche Freiheit einschränken könnte. Sie „definieren ihre Ziele und Ideale gegen die von anderen geschätzten Formen der Zugehörigkeit: gegen die Familie, die Nation, gegen alles, was von ihnen Loyalität einfordern könnte (…) Sie unterstützen ferne internationale Organisationen statt ihre Regierungen, verfolgen im Namen universeller Werte politische Visionen, die keinerlei Bezug mehr zu der Zugehörigkeit zu ihren historischen Gemeinwesen haben.“ Sie suchen außerhalb ihrer eigenen Gesellschaft die Dreh- und Angelpunkte, von wo aus sie die Fundamente der ererbten Gemeinschaften aushebeln können – auch deshalb üben kommunistische und radikalislamische Ideologien eine solche Anziehungskraft auf sie aus.
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Wenn wir nicht für das konservative Denken einstehen, droht eine kulturelle Finsternis .
Gerade weil Zugehörigkeit für ein gedeihliches Zusammenleben unerlässlich ist, begegnen Konservative dem Internationalismus mit Skepsis. Sie unterstützen vertragliche Regelungen von Konflikten, betrachten jedoch alle internationalen Organisationen, die die nationale Gesetzgebung von außerhalb der Grenzen kontrollieren oder bestimmen wollen, mit Argwohn. Diese Haltung nehmen sie ein, weil jede Verlagerung von Entscheidungsgewalt nach außen die Berechenbarkeit und die Verantwortlichkeit für die Entscheidungen und ihre Folgen aufhebt. Die ursprüngliche Gemeinschaft verliert damit die Kontrolle über ihr Schicksal und wird zum Spielball von Bürokratien, die außerhalb ihres Territoriums und ihrer Gesetzgebung angesiedelt sind und ihre eigene Agenda verfolgen.
Aufstieg statt verordneter Gleichheit
Konservative wünschen sich eine Gesellschaft, die den sozialen Aufstieg – in erster Linie durch Bildung – fördert, aber nicht dadurch, dass Gleichheit von oben erzwungen wird. Das zusammenhaltende „Wir“ kann nicht in Gesellschaften entstehen, die in sich gespalten sind, in der tiefe soziale Klüfte und der Klassenkampf jedes Verständnis vom gemeinsamen Schicksal unmöglich machen.
Aber in dieser Feststellung sehen Konservative keine Begründung für einen ausufernden Sozialstaat, da jener nicht den Aufstieg, sondern die Abhängigkeit von Alimenten fördert und darüber hinaus neue gesellschaftliche Widersprüche zwischen den Nutznießern und den zum Zahlen Verurteilten hervorruft.
Konservative lehnen alle Erscheinungsformen der Ideologie des Nullsummenspiels ab: die Behauptung, dass der Gewinn des einen immer den Verlust eines anderen bedeute. Die Tatsache, dass es hervorragende und begabte Schüler gibt, ist nicht die Ursache dafür, dass auch faule und unbegabte in der Klasse sitzen. Der Erfolg eines Unternehmens ist nicht die Ursache für die Armut anderer Menschen, und ebenso ist für das Elend Afrikas nicht der Erfolg des Westens verantwortlich. Alle Formen des Nullsummendenkens führen zu falschen politischen Maßnahmen und zur Legitimation und Verbreitung von Neid, der die gesellschaftliche Atmosphäre vergiftet.
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Auf lokale Initiativen vertrauen
Es ist ein natürliches Anliegen von Konservativen, die Natur, die historischen, prägenden Landschaften, die alten, den nationalen Traditionen entsprechenden Siedlungen und Städte, traditionelle Handwerke und Arbeitsformen zu bewahren. Sie akzeptieren nicht, dass wirtschaftliche und andere Partikularinteressen höher angesiedelt sein sollen als der Schutz jener Güter, die die prägenden Elemente der lokalen und nationalen Zugehörigkeit sind. Dabei vertrauen sie auf lokale Initiativen der Bürger, weil diese die einzig wirksamen sind. Im Gegensatz dazu werden von oben verordnete oder gar erzwungene Maßnahmen meist nur halbherzig, wenn überhaupt, befolgt, gehen in der Regel am Ziel vorbei und richten daher mehr Schaden als Nutzen an.
In der Klimadebatte sind Konservative deshalb Gegner von aktionistischen internationalen Großmaßnahmen und vertrauen stattdessen auf den technischen Fortschritt. Sie sind gegen die Unterordnung der Gesellschaft unter ein einziges uniformes Ziel, dessen Ergebnis unbekannt ist. Sie sehen die Gefährlichkeit aller Utopien, die das Irreale zu einer realen Zielsetzung zu machen versuchen, die Gegenwart der Zukunft unterordnen und alle gesellschaftlichen Aktivitäten am Kampf um dieses irreale und deshalb unerfüllbare Ziel ausrichten.
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Konservative sind für behutsame Anpassungen, die immer wieder überprüft werden können.
Ihre Haltung in der Klimadebatte ist ein gutes Beispiel dafür, welche Vorgehensweisen Konservative bevorzugen. Konservative sind gegen alle disruptiven Maßnahmen, die gesellschaftliche Erschütterungen hervorrufen. Sie warnen vor der Zerstörung des Bestehenden, ohne dass man weiß, ob das, was danach kommt, tatsächlich etwas Besseres ist. Sie lehnen radikale, irreversible und nicht mehr wiedergutzumachende Veränderungen ab. Sie sind Anhänger der Ansicht des konservativen Philosophen Edmund Burke, der die jetzt Lebenden in Verantwortung gegenüber den Toten und den noch Ungeborenen sieht. Sie sind überzeugt, dass wir Treuhänder des Ererbten sind: der Natur, der Bauwerke, der Kultur, der Sprache und der Ideen, die wir nicht nach Belieben verändern oder gar zerstören dürfen.
Unsere Zeit braucht Denker – besonders von konservativer Gesinnung
Deshalb sind Konservative für behutsame und vorsichtige Anpassungen an veränderte Verhältnisse, die immer wieder überprüft, geändert oder auch zurückgenommen werden können. Die zerstörerischen Veränderungen im Deutschland der vergangenen 20 Jahre, die Vernichtung der eigenen Währung, die Zerschlagung der gewachsenen Energiesysteme, der Vernichtungsfeldzug gegen den Verbrennungsmotor, die Immigration von Millionen kulturfremder, integrationsunwilliger Einwanderer, ohne dass die Folgen jemals realistisch abgewogen worden wären, ist sicherlich nicht im Sinne von Konservativen.
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Roger Scruton wurde einmal in einer Debatte gefragt, warum der Konservativismus nicht jene Anziehungskraft auf Intellektuelle und Eliten ausübe wie linke, universalistische Bewegungen. Er antwortete ungefähr Folgendes: Man möge sich einen linken Demonstrationszug vorstellen, dessen Teilnehmer „Vorwärts!“ schreien. Ein Konservativer würde stattdessen leise „Zögert!“ sagen.
Jeder sei ein Konservativer in dem Bereich, den er kenne, schrieb er an anderer Stelle, deshalb sei der Konservativismus die Weltanschauung der einfachen Leute. Eine revolutionäre Haltung sei vor allem unter Intellektuellen und der von ihnen beeinflussten Jugend populär, weil Bestehendes zu zerstören schnell gehe, einfach sei und man sich daran berauschen könne. Der Aufbau von Gemeinschaften, Institutionen, die Erprobung von Verfahren, bis sie sich bewährt hätten, gehe dagegen langsam, sei ermüdend und ziemlich langweilig.
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Reserven der Vernunft erschöpft
Konservative unterstützen Massenbewegungen nur in den seltensten Ausnahmesituationen, etwa im Verteidigungsfall. „Es wird immer Menschen geben“, schreibt Scruton, „die das politische Leben als eine Gelegenheit sehen, solidarische Massenbewegungen loszutreten“, natürlich mit ihnen selbst als Anführer. Die Entstehung solcher Bewegungen sehen Konservative als Alarmzeichen. Denn sie entstehen und erstarken immer dann, „wenn sich die Reserven der Vernunft erschöpft haben. Wir gelangen an diesen Punkt, wenn wir aufgehört haben zu verhandeln, wenn wir aufgehört haben, den anderen das Recht zuzugestehen, anders zu sein, und aufgehört haben, nach den Gesetzen von Demut und Kompromissbereitschaft zu leben.“. An diesem Punkt sind wir in Deutschland jetzt angelangt.
… Alles vom 4.12.2019 von Krisztina Koenen bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/warum-der-konservatismus-die-zukunft-ist/
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Roger Scruton, Von der Idee, konservativ zu sein.
Eine Anleitung für Gegenwart und Zukunft.
Edition Tichys Einblick im FBV, 288 Seiten, 22,99 €
ISBN 978-5-95972-272-8
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Einige Kommentare:
Konservativsmus gegen Beliebigkeit,
bedeutet individuelle Anstrengung gegen kollektives Laissez-faire. Es sind zwei völlig entgegengesetzte Systeme, in denen die Einen echte Anstrengungen anstellen, um für andere einen echten Mehrwert zu erzielen, für oder gegen den sich diese freiwillig entscheiden können. Dagegen stehen die Linksgrünen mit ihrem System der Beliebigkeit, die Anstrengungen nur insoweit unternehmen, damit sie anstrengungslos auf Kosten anderer leben können (z.B. Kevin Kühnert). Dieses System kann selbstredend nicht über das Prinzip der Freiwilligkeit, sondern nur über staatlichen Zwang funktionieren. Zwei diametral entgegengesetzte Systeme können auf Dauer in einer (gespaltenen) Gesellschaft nicht friedlich per Konsens ausgeglichen werden. Sie können nur getrennt funktionieren.
4.12.2019, St.B., TO
https://ungarnheute.hu/news/orban-lobt-sir-roger-scruton-fuer-das-erkennen-der-gefahren-der-illegalen-einwanderung-13075/
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Linke Lüge: Konservativ in braun umbenennen
Nun muß man sich als Konservativer schon verteidigen um seine Lebensart als unbedenklich darzustellen und das hängt mit dem Phänomen der linken Lüge zusammen, die es fertig gebracht hat, konservativ in braun umzunennen und sie selbst waren in ihrer Geschichte weltweit die größten Schlächter und haben nur Unheil angestiftet, wobei vom Konservatismus diese Art der Politik soweit bekannt nicht vorkam und das ist der qualitative Unterschied und man kann sich nur wundern, wie der konservative Teil der Bevölkerung alles in stoischer Ruhe über sich ergehen läßt, denn auch das ist ein Merkmal von friedliebenden Absichten im Gegensatz zur gesamten linken Bagage, die immer stets das verbraten wollen, was andere in Kontinuität errichtet haben.
4.12.2019, Nib
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Ich bezeichne – wo immer es nur geht – Linksgrün als ewiggestrig.
Genau das ist der Punkt: Die Linke arbeitet mit plakativen Einfachheiten, Verdrehungen und Lügen. Auch heute sind die Parolen auf den Plakaten der Grünen und Linken stets nur Abwandlungen des alten „Schwerter zu Pflugscharen“. Sie werden nicht müßig, zu etikettieren und zu verdrehen. „Ewiggestrig“ beispielsweise sind nicht die Konservativen, die wissenschaftlichem Fortschritt weitaus offener gegenüberstehen, als die Linksgrünen „Bewahrer“. Nur: Die Konservativen wehren sich nicht. Ich bezeichne – wo immer es nur geht – Linksgrün als ewiggestrig. Denn dort hängt man den ewig gleichen sozialistischen Vorstellungen nach, obwohl sie nie funktioniert haben und millionen von Menschen das Leben gekostet haben.
4.12.2019, J.S.
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Die erfolgreiche Verfemung des Konservatismus
basiert auf der größten (und leider erfolgreichen) von Linken betriebenen Geschichtsfälschung der letzten 100 Jahre. Diese ungeheuerliche Geschichtsfälschung ist die Deklarierung der Nazis als rechts, obwohl sie sich selbst als Sozialisten und Genossen bezeichnet haben und es keinerlei Zweifel an ihren kollektivistischen Ideen zur Vergemeinschaftung allen Produktivkapitals geben kann. Dass Nazis Rechte sind, ist nichts als eine blanke Lüge. Das Gegenteil ist richtig. Sie sind eine Spielart des totalitären linken Kollektivismus, der heute mit dem Aufkommen der Träume von einem One-World-Öko-Sozialismus wieder fröhliche Urständ feiert. Konservatismus bedeutet Individualismus bzw. den unbedingten Schutz des Einzelnen vor einem übermächtigen Staat und den unbedingten Erhalt dieses individuellen Schutzraumes an Rechten. Auch die Demokratie hat hinter diesen Rechten des Individuums zurück zu stehen. Denn ansonsten könnte mehrheitlich entschieden werden, dass ein geistig Abtrünniger bzw. politisch Unkorrekter auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen ist.
4.12.2019, IJ, TO
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Blackout
Wenn die Überschrift stimmt, muss es eine Möglichkeit geben, Grüne und Linke loszuwerden. Verrät mir jemand, wie? Ich wüsste nämlich gerne mal eine zweite Methode. Bislang kenne ich nur die: Zeit ins Land gehen lassen. Denn es ist ja -wie sich immer mehr rumspricht- zum Thema flächendeckender Blackout ja nur noch die Frage ‚wann‘ und nicht ‚ob‘. Und DER ist mit Sicherheit geeignet, grünen Utopien ein Ende zu bereiten!
4.12.2019, Mic, TO

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Jörg Meuthen: Konservative – Mehr Mumm wagen
Wenn ich durch die Straßen meiner Heimatstadt gehe, sehe ich den massiven Substanzverlust, den mein Land in den letzten Jahrzehnten erlitten hat. (…) Das Vulgäre, Dreckige, Chaotische, Unverschämte scheint Hochkonjunktur zu haben, im Großen wie im Kleinen. Umgangsformen und Ästhetik spielen keine Rolle mehr. Dekadenzphänomene und kollektiver Disziplinverfall sind Folgen des allgegenwärtigen moralischen Relativismus.
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Dieser moralische Relativismus ist für den Konservativen besonders unerträglich, denn der Konservative pocht auf Ordnung und Orientierung und hat einen klaren moralischen Kompaß. Für ihn gibt es Richtig und Falsch, Recht und Unrecht. Und deshalb hat er den Mut, Mißstände zu benennen, wenn er die Zerstörung des Lebens und der Ordnung durch mutwillige Eingriffe und inneren Verfall befürchtet. Genau das macht den Konservativen seit Jahrzehnten in einem von linken Kulturhegemonen dominierten Umfeld zum Außenseiter. Denn die vom Linken wie eine Monstranz vor sich hergetragene Toleranz gilt selbstredend nur für Gleichgesinnte, nicht für Konservative. Für den Linken ist jede Moral relativ.
Recht oder Unrecht, Richtig oder Falsch – all das gibt es für den Linken nicht. Alles kann. Nichts muß. Anything goes. Alles ist relativ, gleichberechtigt und unverbindlich. Alles ist vorgeblich gleich. Zivilisatorische Unterschiede werden geleugnet. Jede noch so archaische Lebensweise wird wie selbstverständlich auf eine Stufe mit europäischer Hochkultur gestellt. Die logische Konsequenz daraus ist eine inhärente Abwertung des Eigenen, das man nicht mehr zu verteidigen bereit ist, und eine Aufwertung des Fremden, das aus werterelativistischer Logik heraus zumindest gleichwertig sein muß.

Wozu und wofür noch kämpfen, wenn man sich selbst derart degradiert? Dieses Denken deimmunisiert gegen Gefahren – gegen die im Inneren wütenden wie die von außen drohenden. In einem solchen Umfeld kann der bedingungslose Multikulturalismus prächtig gedeihen – und verunmöglicht mehr und mehr eine gesellschaftliche Ordnung, wie sie dem Konservativen vorschwebt. Der fürchtet um Verlust seiner Kultur, und seine Befürchtungen sind heute berechtigter denn je. Kulturen wachsen über mehrere Generationen, über Mythen, Traditionen, Schicksale, selbst Erlebtes und Überliefertes.
Das gibt ihnen Sinn, Ordnung, Orientierung und die notwendige Identität. Irenäus Eibl-Eibesfeldt hat richtigerweise darauf aufmerksam gemacht, daß Menschen große Vertrauensvorschüsse brauchen, um im Alltag kooperieren und friedlich zusammenleben zu können. Und diese Vertrauensvorschüsse gibt es nur dann, wenn man sich auf vertraute Umgebungen, Gepflogenheiten, Traditionen, Sitten und Bräuche erlassen kann. Auf Regeln und Normen, über die allgemeiner und unausgesprochener Konsens besteht. Gilt das heute noch? Es ist im schrittweisen Verschwinden begriffen. Das liegt an der zunehmenden, von den vorherrschenden Multikulturalisten systematisch vorangetriebenen völligen Heterogenität der Gesellschaft und dem mangelnden Mumm der Autochthonen, die aus Gründen devoter Kultursensibilität das Eigene zum Maßstab nicht zu erheben bereit sind. Eine Kultur läßt sich nun mal nicht auf ein kleines Set ethisch-moralischer Grundsätze reduzieren, das ein paar simple Verhaltensregeln beinhaltet, an die sich alle zu halten haben, egal wie und wo sie sozialisiert worden sind.
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Aber genau das ist der weit verbreitete naive Irrglaube. Kulturen sind komplex. Diese Komplexität äußert sich in Regeln, Normen, Anschauungen, die allgemein und unausgesprochen geteilt werden und die eben nicht täglich neu ausgehandelt werden müssen, wie es linke Politiker wie etwa Aydan Özoğuz ernsthaft verlangen. Das zeichnet funktionierende Vertrauensgesellschaften aus. Im Chaos sehnt sich der Mensch nach Ordnung und Bindung. Doch die Institutionen, die hier eigentlich Abhilfe leisten sollten, versagen: etwa die Kirchen, die als verlängerter Arm der Politik ihrem spirituellen Auftrag nur noch eingeschränkt nachkommen. Multikulturelle Gesellschaften hingegen zeichnen sich durch immer größeres Mißtrauen aus, weil die Menschen sich nicht mehr sicher sein können, ob ihre Regeln, Normen und Auffassungen auch von den Mitmenschen geteilt werden. Formal mögen in Hamburg-Blankenese dieselben Regeln gelten wie in Duisburg-Marxloh, informell verhält es sich aber anders. Und gesamtgesellschaftlich nehmen diese Disparitäten zu. Die aufkommenden Parallelgesellschaften, die die bestehende Ordnung in Frage stellen, sind ein Beleg hierfür.
Das sind die Kehrseiten von Multikulti, das gerne auf die türkische Dönerbude, das italienische Restaurant, die arabische Shishabar, die indische Yogaschule, den Latino-Tanzkurs, afrikanische Musik und sonstige exotische Folklore und Banalitäten reduziert wird. Mag ja alles ganz nett sein, ist aber eine romantische Verklärung, die ignoriert, daß multikulturelle Gesellschaften im Kern Mißtrauensgesellschaften sind, in denen die gesellschaftliche Komplexität überstrapaziert, das soziale Kapital verzehrt wird und Konflikte vorprogrammiert sind. Entgegen all den beschönigenden Beschwichtigungen des multikultiberauschten Establishments merken das immer mehr Menschen. Berlin darf nicht Bagdad werden, und doch ist es das zuweilen leider schon.
Die Lage wird immer chaotischer. Und im Chaos sehnt sich der Mensch nach Ordnung, Orientierung, Halt und Bindung. Doch die typischen Institutionen, die hier eigentlich Abhilfe leisten sollten, versagen oder werden systematisch obsolet gemacht: etwa die Kirchen, die als verlängerter Arm der Politik ihrem spirituellen Auftrag allenfalls noch sehr eingeschränkt nachkommen. Oder aber die Familien als eigentliche Keimzelle der Gesellschaft, deren Funktionen durch einen omnipräsenten Staat sukzessive und durchaus gezielt ausgehöhlt werden.
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Durch die Allgegenwart des mächtigen Staates gerät das gesunde Gleichgewicht zwischen Institutionen wie der Familie, der Kirche und eben dem Staat aus dem Gleichgewicht. Der Fehler der meisten Konservativen besteht darin, im Staat nicht die Quelle des Problems, sondern seine Lösung zu sehen. Die in Kontinentaleuropa vorherrschende Staatsgläubigkeit bewirkt aber letztlich nichts anderes als eine Entsolidarisierung der Gesellschaft, eine Erosion christlicher und konservativer Werte wie der Nächstenliebe, eine massive Ressourcenverschwendung durch Ausschaltung des Preismechanismus und eine Schwächung der Familienbande und anderer natürlich gewachsener Institutionen und Beziehungen. Dies, weil alle sich nur noch auf den Staat verlassen, nicht mehr auf sich selbst und die Nächsten – also ihre eigentlichen sozialen Bindungen. Als Vater und inzwischen auch Großvater erscheint mir der letztgenannte Mißstand besonders beklagenswert: der Zerfall der Familie als wünschenswertes gesellschaftliches Leitbild.
Dazu muß an etwas ausholen: Über Hunderttausende Jahre lebten die Menschen in kleinen Horden von Jägern und Sammlern, in Sippen- und Stammesgesellschaften, in denen sich jeder kannte. Es galten dort natürliche Hierarchien und Regeln, anders hätte man kaum überleben können. Dazu gehörte auch das Teilen der Beute. Alles Verhaltensweisen, die sich tief in unsere Instinkte und unser genetisches Erbe eingeprägt haben. Das waren überschaubare Gemeinschaften der vormodernen Zeit. In der Gegenwart ist vieles komplexer. Wir leben nicht mehr in einer, sondern in zwei Welten – einerseits in der warmen kleinen, uns vertrauten Welt der Familie und Freunde, in der unsere urzeitlichen Verhaltensmuster nützlich und sinnvoll sind, andererseits in der kalten großen und anonymen Welt der Arbeitsteilung, in der völlig andere Regeln und Verhaltensweisen gefragt sind. Menschheitsgeschichtlich umfaßt dieses Leben in zwei Welten nur einen kleinen Zeitraum, bereitet uns große Schwierigkeiten und erweist sich zuweilen besonders dann als verhängnisvoll, wenn wir unsere atavistischen Neigungen, die Regeln der kleinen, warmen, vertrauten Welt der Familie und Freunde auf die große, kalte, anonyme Welt der arbeitsteiligen Großgesellschaft übertragen wollen.
Das ist ein tief verwurzelter Steinzeit-Instinkt, der wohl den weit verbreiteten und verhängnisvollen Hang vieler Menschen zu sozialistischen Gesellschaftsexperimenten erklärt. Optimismus ist P icht. Doch müssen wir heraus aus der Komfortzone: Der traditionell risikoaverse Konservative muß über seinen Schatten springen, wenn es ihm um die Sache geht. Ihm täte ein bißchen Mut zur Rebellion bitter not. Ohne wird das nichts mehr. Die größte Paradoxie der Linken ist, daß sie die anthropologischen Voraussetzungen des Menschen insgesamt verneinen, während sie gleichzeitig ausschließlich ihren steinzeitlichen Instinkten folgen, indem sie die Regeln der überschaubaren Stammesgesellschaft auf die großräumig arbeitsteilige Gesellschaft übertragen sehen wollen. Die Krux an der Sache besteht darin, daß jede der zwei Welten zerstört wird, sobald man die Verhaltensregeln der jeweils anderen auf sie überträgt – ein großes Dilemma der modernen Zeit, auf das der hier von mir paraphrasierte Ökonom Friedrich August von Hayek in Anlehnung an den bereits oben erwähnten Irenäus Eibl-Eibesfeldt aufmerksam machte. Die Kälte der großen Welt würde jede Familie und jede Freundschaft zugrunde richten. Die Wärme der kleinen Welt jede Großgesellschaft.
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Der Konservative muß lernen, gleichzeitig in beiden Welten zu leben. Er darf nicht re exhaft nach dem Staat rufen, um seine Ziele zu erreichen, denn dann macht er am Ende nur das kaputt, was er erhalten will. Den Fehler haben die Linken – einschließlich der Bundeskanzlerin und ihrer Regierung – in der Migrationskrise bereits gemacht: Sie wandten im Zuge der Migrationskrise „warme“ Regeln der Solidarität an, um dem Vorwurf der Kaltherzigkeit zu entgehen,wo kühle Rationalität notwendig gewesen wäre. Es liegt tief verwurzelt im Steinzeit-Instinkt der Menschen, nicht als kaltherzig gelten zu wollen.
Das führt zuweilen dazu, daß es für Menschen, die die Regeln der warmen Welt in die kalte übertragen, wichtiger ist als gut zu gelten, als tatsächlich Gutes zu tun. Die ethisch, logisch, rechtlich, ökonomisch, politisch und kulturell völlig irre Vorstellung, daß man Sozialstaat bei gleichzeitig für alle o enen Grenzen vereinbaren könnte, wird nicht als irre erkannt, sondern als menschlich und alternativlos empfunden, und wer dies anders sieht, ist ein kaltherziger Rechtsextremist, Faschist, Nazi, Menschenfeind. So suhlt man sich in linken Lebenslügen und merkt gar nicht, wie aus der bunten, toleranten, friedlichen Welt, nach der man sicht sehnt, eine burkaschwarze, intolerante und kon iktträchtige wird. Die Linken sind dabei, ihre Wunschwelt zu verlieren, weil sie es nicht scha en, gleichzeitig in beiden Welten zu leben, weil sie ausschließlich die Regeln der warmen auf die kalte Welt übertragen – gut, im Kampf gegen Rechts machen sie vielleicht eine Ausnahme. Das ist die Ignoranz des Instinkts, der aus der Steinzeit kommt. Den Konservativen droht ein ähnliches Schicksal. Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten zu einem gigantischen Laboratorium linker Sozialingenieure geworden.
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Die Frage, die sich stellt, ist, ob dieser Substanzverlust irreversibel ist. Die Mißtrauensgesellschaft samt all ihren Prämissen. Die Dekadenzerscheinungen und der Disziplinverfall. Die Schwierigkeit, in zwei Welten zu leben. Das Chaos und die Orientierungslosigkeit. Als konservativer Politiker muß man das verneinen, denn wozu sollte man sonst Politik machen? Optimismus ist Pflicht. Doch wäre dieser Optimismus sicherlich größer und vor allem begründeter, wenn man mehr mutige Mitstreiter an der Seite hätte. Menschen, die etwas riskieren, die sich nicht wegducken in ihren noch bestehenden Wohlfühl-Kleinräumen. Wahre Konservative. Nicht solche, die diesen Substanzverlust sehen, trotzdem nichts machen, die Wasser predigen und Wein trinken, die links reden und rechts leben, weil sie sich nicht aus ihrer Komfortzone heraustrauen. Der traditionell risikoaverse Konservative muß über seinen Schatten springen, wenn es ihm um die Sache geht. Ihm täte ein bißchen Mut zur Rebellion bitter not. Ohne wird das nichts mehr.

… Alles vom 13.12.2019 von Jörg Meuthen zu “Konservative – mehr Mumm wagen” bitte lesen
in der Jungen Freiheit, 51/19, Seite 18

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Der deutsche Konservatismus muss freiheitlicher werden
von Michael Klonovsky
Die deutsche Kultur ist nicht für die Ewigkeit geschaffen, kümmern wir uns um die Zivilisation
Text einer Rede vom 17. April 2018 in München
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Meine Damen und Herren,
Heinrich von Kleist hat einen großartigen Text geschrieben: „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“. Ein vergleichbares Prinzip gilt für die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben. Dieser Vortrag stand ursprünglich unter dem Motto: „Zukunft braucht Wurzeln“, doch bei der Niederschrift wurde mir ein Gedanke immer klarer, nämlich dass diese Wurzeln zunehmend zur Privatsache werden.
Das heißt, der Charakter meiner Darlegung ändert sich ein wenig. Ich werde zu Ihnen darüber sprechen, wer oder was an diesen Wurzeln herumschneidet und wie man als Konservativer damit umgehen könnte. Aber ich will auch darüber sprechen, wie man als Konservativer, falls die Gesellschaft sich wirklich von ihren Traditionswurzeln abtrennt, gewissermaßen freiheitliche Luftwurzeln schlagen kann.
Konservativ zu sein, heißt zunächst einmal, die Maximen zu beherzigen, die Gottfried Benn in seiner Prosaskizze „Der Ptolemäer“ niedergeschrieben hat:
„Erkenne die Lage! Rechne mit deinen Defekten! Gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen!“
Das ist, am Rande bemerkt, das genaue Gegenteil von dem, was die Oberste deutsche Heeresleitung ab 1917 getan hat, was Hitler ab 1939 veranstaltet hat, was Merkel seit spätestens 2015 tut. Wir sind offensichtlich Angehörige eines irrationalen, auf eine gefährliche Weise romantischen Volkes, das in den vergangenen 100 Jahren dreimal seine Bestände seinen Parolen geopfert hat. Beim ersten Mal waren die Konservativen beteiligt, das nur am Rande.

Erkenne die Lage. Wie ist sie?
Der heutige Welttag ist den Konservativen nicht günstig, sofern sie sich im Sinne des conservare, des Bewahrens verstehen. Die Klüfte zwischen den Generationen sind breiter und tiefer denn je, und zwar nicht, weil die jüngere Generation gegen die ältere rebelliert – das tat sie schon weit heftiger –, sondern weil durch die technische Entwicklung und all jene Prozesse, die man unter Globalisierung zusammenfasst, die Folgegeneration jener ihrer Eltern immer unähnlicher wird. Mit den Worten des IT-Gurus Ray Kurzweil: „Schauen Sie sich Ihr Kind genau an, wenn es erwachsen ist, wird nahezu nichts auf der Welt mehr so sein wie heute.“
In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts entstand durch die Nachrichtenelektronik und den Flugverkehr eine bislang ungekannte globale Gleichzeitigkeit. Plötzlich konnten sich Menschen über Kontinente hinweg als „Generation“ empfinden. Heute wird der gesamte Globus durch die Digitalisierung, durch Popmusik, Nachrichten und Sportereignisse auf synchron gestellt. Die sukzessive Verbreitung des Englischen als Weltsprache – gewissermaßen die beginnende Aufhebung der babylonischen Sprachverwirrung – ist ein integraler Bestandteil dieses Prozesses.

Die Synchronschaltung des Globus läuft, bei aller Ungleichzeitigkeit der technologischen und sozialen Zustände in den Ländern, auf eine Totalherrschaft der Gegenwart hinaus. Der moderne westliche Mensch lebt außerhalb der Geschichte, jedoch nicht so wie der Bauer des Mittelalters, dessen Leben sich in naturhaften Zyklen vollzog, in denen nichts normaler war als der Wechsel einander gleichender Generationen, sondern er verliert die Fähigkeit, in Zusammenhängen zu empfinden. Er würde diese Fähigkeit als sentimentale Schwäche bezeichnen. Vergangenheit schrumpft zu einem gleichförmigen „Früher“, dem zugleich das Etikett „Schlechter“ angeklebt ist. Tradition erscheint fast nur noch als Ballast.

Der moderne westliche Mensch betrachtet sich nicht mehr als Zwischenglied einer Kette, die Verbindung zum Gestern ist abgerissen, und ob er je eine zum Morgen herstellen wird, hängt von biografischen Zufällen ab. Viele maßgebliche deutsche und westeuropäische Politiker stellen diese Verbindung nicht mehr her; Merkel, Macron, Theresa May, Juncker, Göring-Eckart, Hofreiter, Scholz, Altmaier: Das sind alles Aussterbende.

Der moderne westliche Mensch denkt seine Enkel nicht nur nicht mehr mit, er glaubt oftmals gar nicht mehr an an die Existenz von Enkeln. Deswegen beginnt dieser Menschenschlag sich einzureden, es gebe zwischen seinen Nachkommen und denen der anderen keinen Unterschied, mögen die anderen auch von noch so fern kommen und noch so rustikale Sitten pflegen. Dem modernen Durchnittsdeutschen sind etwa der Kanadier, der Brasilianer oder der Taiwanese seiner Gegenwart näher und vertrauter als der deutsche Bürger des späten 19. Jahrhunderts, vom preußischen Freiwilligen des Jahres 1813 zu schweigen, denn diese Menschen essen dasselbe Fastfood wie er, sie sehen dieselben Filme, hören dieselbe Musik und träumen dieselben Träume.

Dass sich die Angehörigen eines Volkes oder eines Kulturkreises stärker von ihren Vorfahren getrennt fühlen als von anderen zeitgenössischen Völkern und Kulturkreisen, ist welthistorisch beispiellos. Die Zeit trennt mehr als der Raum, weil es den Raum nicht mehr gibt. Die modernen Verkehrs- und Kommunikationsmittel und die Ideologie der Globalisierung haben ihn aufgehoben.

Das heißt, dass die Verwurzelung in der Zeit quasi täglich schwächer wird, weil diese Wurzeln absterben. Die Menschen haben aus dem Fortschritt der Technik, der Medizin und der Unterhaltungsindustrie den Schluss gezogen, dass nichts mehr alt sein darf. Die Revolution ist quasi auf Permanenz gestellt. Deshalb werden einem heutzutage die Klassiker, wenn überhaupt, stets mit der Beifügung angedient, sie seien hochaktuell. Neuheit und Aktualität sind Werte an sich geworden; „gestrig“ ist ein Schimpfwort, steigerbar zur Exkommunikationsformel „ewiggestrig“. Alle traditionellen Gesellschaften wandelten in den Spuren ihrer Altvordern, wir verwischen sie – wenn wir nicht gerade damit beschäftigt sind, jene zu verurteilen, die sie hinterließen.

Die Geschwindigkeit, mit welcher der Mensch heute kulturelle Verluste hinnehmen und sich neuen Konstellationen anpassen muss, nimmt ständig zu. Die Komplexität der modernen Welt wird immer verwirrender und unüberschaubar. Es war einmal möglich, etwa vom Standpunkt Hegels, Darwins, Freuds, Marx’ oder Rudolf Steiners, komplette Gesellschaftsmodelle zu konstruieren. Das würde heute niemand mehr versuchen. Kein Kopf kann das globale Geschehen mehr zusammendenken.

In diesem Sinne ist jeder moderne Politiker ein tragischer Mensch: Die Spielregeln sind viel zu komplex, als dass er sie überschauen könnte, sobald er handelt, wird er schuldig – er ahnt nur noch nicht, woran genau. Deswegen sieht Nicht-Handeln zuweilen wie die Lösung aus.

Man muss sich zur Stützung dieser These lediglich anschauen, welche Faktoren in absehbarer Zukunft unser Land beeinflussen werden:
– rückläufiges Weltwirtschaftswachstum, exorbitante Staatsverschuldung, Finanzkrisen, Protektionismus;
– Abspaltungsbewegungen innerhalb der EU, mit welchen politischen Konflikten auch immer
– die künstlich erzeugte Konfrontation mit Russland; ein moderner Dreißigjähriger Krieg in Syrien, in den Russland und die USA noch mehr hineingezogen werden; der Antagonismus Iran – Saudi-Arabien, in den die Großmächte ebenfalls involviert sind;
– direkte Migration aus Afrika und dem Orient sowie Migration via Kreißsaal und Familiennachzug; die Abhängigkeit des europäischen Grenzregimes von der in Richtung Gottesstaat abdriftenden Türkei aufgrund von Merkels Alleingängen; die Einflussnahme der Türkei in die inneren Angelegenheiten Deutschlands über die türkische Minderheit;
– aggressive Re-Islamisierung des Orients, islamischer Terrorismus; islamische Landnahme in Europa;
– Energiebeschaffungsprobleme; wir stehen am absehbaren Ende der fossilenergetischen Epoche, im Verlauf des nächsten Menschenalters wird sich ein industrieller Muskelschwund einstellen und wahrscheinlich mittels Kernenergie therapiert werden, eine Energieform, aus deren Erzeugung und vor allem Erforschung wir ja triumphal ausgestiegen sind;
– Ernährungsbeschaffungsprobleme für eine unbeirrt wachsende Weltbevölkerung; in einer immer dichter bevölkerten Welt allzeit drohende Pandemien;
– Überfischung und Verschmutzung der Meere, Klimawandel (ich sage bewusst nicht: menschengemacht);
– das weitere Ausgreifen Chinas mit seinem Produktions- und Energiehunger; und wieder Konfrontation mit den USA
– das globale Nomadisieren der Wirtschaft und der Qualifizierten und parallel dazu das Wachsen des heimischen Prekariats, die immer weitere Technisierung und Elektronisierung des Alltags, die immer dichtere Vernetzung von immer mehr Personen und Institutionen;
– die Gentechnik mit ihren ungeahnten Möglichkeiten der Optimierung des Menschen bis zur Alterslosigkeit;
– die künstliche Intelligenz mit ihren ungeahnten Möglichkeiten, ein menschenunabhängiges Denken zu erzeugen, immer mehr von Maschinen und Computern geleistete Arbeit;
– dazu demografische Erschöpfung, Kriminalität, Verslumung, No-Go-Areas, Analphabetentum, zusammenbrechende Sozialsysteme… – halten wir an dieser Stelle erschöpft inne. Alles steht wie auf Treibsand.

Wie um alles in der Welt kann man sich in dieser Lage als ein Konservativer positionieren, ohne als ein Schrat zu erscheinen, als ein hinterwäldlerischer Narr, als ein Don Quichotte?
Zumal es ja noch andere, sozusagen konkurrierende Konservative gibt, auch hierzulande in wachsender Zahl, die eine konservative Revolution anstreben, totaler und radikaler, als wir sie uns heute überhaupt erst vorstellen können. Denn was ist der Islam aus westlicher Sicht anderes als eine konservative Revolution? Überraschenderweise wird sie von den Linken und Liberalen unterstützt, weil alle Relationen ins Rutschen geraten sind und Revolutionen eben immer ihre nützlichen Idioten finden.

Der westliche Konservative sieht sich in einer Zange. Auf der einen Seite die dahinschießende Zersetzung und Verramschung aller Bestände und Institutionen im Namen des Fortschritts, auf der anderen Seite ein restauratives Konkurrenzunternehmen, das zwar ein den westlichen Fortschrittlern komplett entgegengesetztes Ziel verfolgt, sie aber im Erfolgsfall an Zerstörungskraft noch überträfe. Beide Seiten haben einen universalistischen Anspruch – der Konservative ist von Natur aus Partikularist.
Der geradezu dialektische Witz wird darin bestehen, dass beide Universalismen, der globalistische wie der islamische, lauter neue Partikularismen erzeugen.
In einem grotesken Zugleich werden auf verstreuten Inseln der Seligen Designerbabys und künstliche Ersatzorgane für Eliten gezüchtet, während nebenan ein religiöser Text aus dem 7. Jahrhundert als unübersteigbare Wahrheit gilt, auf deren Nichtakzeptanz die Todesstrafe droht. Zonen hypertropher Ordnung und wildester Anarchie werden direkt nebeneinander bestehen, wissenschaftliche und wirtschaftliche „Kompetenzfestungen“ (Gunnar Heinsohn) direkt neben Clangebieten, wo das Faustrecht herrscht, Astronautenausbildung neben Ehrenmorden, höfliche Automaten neben Bandenkriegen, Gender-Studies neben Voodoo – das ist eigentlich kein Widerspruch, ich weiß –, genoptimierte Hundertjährige neben bereits zahnlosen Zwanzigjährigen, militante Tierschützer neben Schächtern, universitäre Schutzräume, in denen die geschlechtergerechte Sprache penibel beachtet wird und aus denen jeder Bub verwiesen wird, der einem Mädchen ein falsches Wort ins Ohr flüstert, während drei Straßen weiter Vergewaltigungen, Pädosex und die Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen zur Folklore gehören. Und, wie gesagt, das alles nebeneinander mitten in Europa. Wer Afrika importiert, wird selber zu Afrika.

Kann ein Volk die eben geschilderten Auflösungsprozesse überleben?
Israel scheint es zu können. Um die Vietnamesen muss einem nicht bange sein. Bei den Japanern stellen sich schon erste Zweifel ein; die haben zwar in ihrer beneidenswerten Inselsituation die Zugbrücken hochgezogen, aber demografisch sieht es bei ihnen nicht besser aus als bei uns.
Formulieren wir die Frage anders: Kann ein neurotisches, in Selbstverleugnug erstarrtes Volk diese Auflösungsprozesse überleben?
Ich könnte jetzt sagen: Nein, und den Vortrag beenden.
Meine These ist aber eine andere. Sie ist nicht besonders schön, gerade für einen deutschen Schriftsteller nicht, aber ich erinnere an Benn: „Rechne mit deinen Defekten! Gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen!“

Die deutsche Kultur ist nicht für die Ewigkeit gemacht, nicht einmal für den Äon. Ihr Überleben wird Privatangelegenheit und Stilfrage sein. Man kann sie vorleben, aber nicht vorschreiben. Als politisches Programm hat sie wahrscheinlich keine allzugroße Zukunft. Ohnehin ist Kultur im Normalfall kein politischer Gegenstand; ein Staat, der sie zu fördern versucht, schwächt sie. 1992 demonstrierten Mainzer Winzer – Wein ist immer auch Kultur! – gegen den Fiskus mit der treffenden Parole: „Was wir ererbt von unsren Vätern, wird verwaltet von Verrätern.“ Man kann Verräter nicht abschaffen oder umerziehen, aber man kann ihnen die Möglichkeit nehmen, zu verwalten.

Wer eine spezifisch deutsche Kultur jenseits der Sprache nicht zu erkennen vermag wie eine schlecht integrierte Integrationsbeauftragte, ist ein Barbar, aber wer über solche Äußerungen ein Geschrei anstimmt, anstatt diese deutsche Kultur zu verkörpern, ist auch nicht besser – ich will jetzt nicht über gewisse AfD-Twitteraccounts reden. Mir ist es übrigens egal, was deutsche Konservative von deutscher Kultur verstehen, ob sie Gedichte auswendig wissen, das Verhältnis von Schopenhauer zu Hegel erläutern oder den Weg der Fuge von Bach bis zur Prügelfuge in den „Meistersingern“ skizzieren können. Oder ob sie ein deutsches Weihnachtslied in der zweiten Stimme singen können. Ich will nur, dass deutsche Konservative aufhören, heimliche Sozialdemokraten zu sein.

Das deutsche Gemüt hat überhaupt so einen fatalen Hang ins Sozialistische, das hängt mit den Erfahrungen der geopolitischen Mittellage zusammen. Dem deutschen Konservatismus fehlt seit je der freiheitliche Zug. Das wird im Gefolge der Einwanderungskrise immer deutlicher. Als Vorbild schweben mir hier weniger die Angelsachsen mit ihrer Beutelust und ihrem Teflongemüt vor als vielmehr die Schweizer, Europas freiheitlichste Nation, und eine Willensnation überdies, keine ethnische. Beim deutschen Sozialismus indes muss man immer damit rechnen, dass er wahlweise zum National- oder Internationalsozialismus entartet.

Ein Beispiel. Typisch für den speziell linksdeutschen Dachschaden mag ein Leserbrief sein, der vor kurzem im Spiegel zu lesen stand und sich auf ein Interview mit Rüdiger Safranski bezog, der gesagt hatte, es gäbe keine Pflicht zur Fremdenfreundlichkeit. Der Leserbriefschreiber erklärte: “Einem Menschen, der zufällig derselben Ethnie entstammt wie man selbst und der zufällig den gleichen Pass hat, ist man in keiner Weise mehr verpflichtet als jedem anderen Menschen dieser Welt.”

Meine Damen und Herren, daneben ist die chinesische Hirnwäsche ein Schonprogramm gewesen. Aber im Grunde ist das die Position der Bundeskanzlerin.
Ich könnte jetzt historisch ausholen und fragen, inwieweit dieser Mensch seinen luxuriösen Standpunkt anderen verdankt, die ihn auf dieses solide Plateau gestellt haben und zufällig derselben Ethnie entstammten wie er. Ich könnte darüber hinaus fragen, ob er seiner Entsolidarisierungsadresse nicht noch die Formulierung hinzufügen möchte: “Menschen, die zufällig meiner Familie angehören, bin ich nicht mehr verpflichtet als jedem anderen Menschen auf der Welt”.
Es genügt aber bereits der Hinweis darauf, dass die Hypertoleranz dieses empfindsamen Edlen nur unter einer einzigen, allerdings unendlich unwahrscheinlichen Voraussetzung Geltung beanspruchen könnte, nämlich dass jeder Mensch auf der Welt so dächte wie er. Ansonsten bieten sich die von jener absonderlichen Identitätszirrhose Befallenen bloß denen als Opfer dar, die ihren Clan, ihren Stamm, ihr Volk oder ihre Glaubensgemeinschaft über alle anderen stellen. Als Einzelwesen sind sie nicht überlebensfähig, sie benötigen ein Kollektiv, von dem sie zehren und in dem sie sich auf anderer Leute Kosten als Tugendhelden aufspielen können. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber habe keine Lust, einem solcherart missbrauchtem Kollektiv anzugehören, und möchte mich meinerseits von solchen Figuren entsolidarisieren.
Dazu bedarf es in der Tat einer konservativen Revolution, einer konservativen Revolution der Bürger, aber es muss eben eine freiheitliche Revolution sein. Der Gegner ist nicht der Muslim, der hier einwandert, sondern der deutsche Umverteilungsstaat, der ihn anlockt und alimentiert – und natürlich jene Linke, die die moralische Erpressungsbegleitmusik beisteuert. Der innere Feind ist unser Problem, weil er sich völlig irrational verhält und Selbsterhaltung für Rassismus erklärt. Der afrikanische Einwanderer verhält sich damit verglichen völlig rational.

Ich sagte gerade „konservative Revolution der Bürger“ in Abgrenzung zur konservativen Revolution der Muslime. Es gab den lächerlichen Versuch von Alexander Dobrindt, CSU, der eine solche Revolution gefordert hatte und dann in einem Interview mit Marietta Slomka nicht erklären konnte, was das ist. Das mag zwei Gründe haben. Entweder er ist ungebildet, oder sein Maulkorb sitzt zu eng.
Dabei liegen die Antworten doch auf der Hand. Dobrindt hätte sagen sollen: Naheliegenderweise, Frau Slomka, wollen wir zuerst einmal die Alimentierung Ihres Belehrungs- und Erziehungssenders beenden; anstatt dem Steuerzahler Milliarden abzupressen, damit Sie agitieren, schlemmen und mit Personal aasen können, sollten Sie sich der Konkurrenz am Markt stellen, und wenn die linken Lautsprecher des Staatsfunks heruntergedimmt werden, wird automatisch das gesellschaftliche Klima besser.
Dann wollen wir erhebliche Steuererleichterungen, vor allem für Familien mit Kindern, sofern – und nur sofern! – die Eltern etwas zum Gemeinwohl beitragen. Wir wollen eine Befristung aller Sozialleistungen außer für wirklich schicksalhaft Bedürftige, und nach dem Ablauf dieser Frist gibt es keinen Cent mehr. Wir wollen die Wiederherstellung des Rechtes an den Grenzen und vor Gericht, die Rückkehr des Sühnegedankens in die Rechtspflege, mehr große, moderne und sichere Gefängnisse für die Schulung derer, die momentan mit lächerlich geringen Strafen für schwerste Gewaltverbrechen davonkommen, weil die Knäste mit dem Gold aus den Schiffen überfüllt sind.
Wir wollen die Rückkehr zu einem Bildungssystem, bei dem die Schüler nach Verlassen der Schule lesen, schreiben und rechnen können und mindestens eine Fremdsprache beherrschen, die Beendigung der Abiturienten- und Geisteswissenschaftsstudentenschwemme und die geordnete Überführung des Gender-Okkultismus in die „heute-show“. Außerdem die Streichung sämtlicher Mittel, die in den verfassungswidrigen “Kampf gegen rechts” fließen, die Kürzung der Kultur- und Bühnensubventionen, weil dort ja eh nur noch Kultur demoliert wird, und natürlich eine Einwanderungspolitik, die Neubürger bevorzugt, die ihre Rechnungen selber bezahlen wollen (und können) bei strikter Abweisung und Ausschaffung aller anderen, zumal der zahllosen Straftäter, die sich hier breitgemacht haben.

Wir wollen nicht weniger als einen Mentalitätswandel, wir wollen, dass Frühaufsteher, Buckelkrummmacher, Arbeitsplätzeschaffer, Erfinder und Patentanmelder mehr und die Schwätzer, Sozialabsahner, Ideologieverbreiter und Asylindustriespitzbuben weniger Geld verdienen. Wir wollen überhaupt den Menschenschlag abschaffen, der für seine schiere Existenz eine Belohnung zu verdienen meint, und den Menschenschlag fördern, der selber für sich sorgt. Das hätte fürs erste genügt. Mehr hätte Frau Slomka in ihrer Sendezeit eh nicht untergebracht.

Meine Damen und Herren, ich habe die Schweiz als Willensnation und als Vorbild genannt. Das führt zum vielleicht wichtigsten politischen Projekt, das dem Konservatismus derzeit obliegt: die Erhaltung der Souveränität der Nationalstaaten.

Der Nationalstaat ist die größte Leistung politischen Organisationsvermögens, welches die bisherige Geschichte kennt, und zwar aus einem Grund: Es gibt nirgendwo einen Rechtsstaat, der kein Nationalstaat wäre. Rechtsstaat heißt vor allem: Gewaltenteilung. Einzig der Nationalstaat gewährleistet Rechtssicherheit. Umgekehrt sind keineswegs alle Nationalstaaten Rechtsstaaten, schauen Sie sich die Türkei an oder China. Die Verbindung aus Nationalstaat, Demokratie und Rechtsstaat ist so selten und ihre Entstehung so unwahrscheinlich, dass man sehr gute Alternativen haben muss, sie aufzugeben. Und so lange die Alternativen nur Luftschlösser sind, muss am Nationalstaat festgehalten werden, so viele Einwände man auch gegen ihn haben mag.

Einer der albernsten, aber trendigsten besteht darin, dass man Nationen und Nationalstaaten heute als Konstrukte abqualifiziert. Aber eine Brücke und ein Haus sind auch Konstrukte. Die Menschenrechte und die Demokratie sind Konstrukte. Der Elfmeter beim Fußball ist ein Konstrukt. Sollen unsere Konstruktivisten doch einmal in eine Moschee gehen und dort vortragen, dass der Islam ein Konstrukt ist – es ist immer erhellend zu beobachten, wenn Konstrukte wild werden. Und selbstverständlich ist auch die EU ein Konstrukt.
Meine Damen und Herren, im Grunde ist gegen Konstrukte nichts einzuwenden, wir leben von ihnen und in ihnen. Das Besondere und Einzigartige – und Kostbare! – am Nationalstaat aber ist, dass er all die anderen Bindungen zwischen den Menschen, die des Blutes, der Sippe, der Ethnie, der Religion, eingehegt und befriedet hat. Er hat das Blutsrecht und das religiöse Recht durch das säkulare Recht ersetzt.
Vor unserer Haustür sehen wir, was geschieht, wenn Nationalstaaten zerfallen: Die Kräfte der Religion und des Blutes drängen in jene Machtpositionen, die der säkulare Staat geräumt hat. Die alten Clanstrukturen treten wieder zutage, Stämme teilen die Macht im Lande unter sich auf, religiöse und ethnische Minderheiten werden verfolgt. Und genau das wird derzeit unter dem beifälligen Gemurmel aller Systemparteien importiert. Was uns seitens der Linken und anderer Fortschrittsfreunde als tätige Humanität verkauft wird, ist tatsächlich eine schleichende Zerstörung des Rechtsstaates und der inneren Sicherheit, verbunden mit der Plünderung der Sozialkassen und der Spaltung der Gesellschaft.
Eine freiheitlich-konservative Politik darf nicht zulassen, dass sich das Blut und der Clan und die Religion wieder bei uns durchsetzen. Dass mit Religion nicht der Glaube als solcher gemeint ist, denn wir haben gottlob Religionsfreiheit in Deutschland, sondern ein politischer, auf Herrschaft über die Gesellschaft zielender Anspruch, versteht sich von selbst. Es gibt, von der Weltklimakirche abgesehen, nur eine Religion, die einen solchen Anspruch erhebt.

Der Nationalstaat hätte sich erst dann überlebt, wenn der Supranationalstaat seine Funktionsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Insofern ist die EU ein lehrreiches Exempel. Sie hat vor, Europa, diesen Kontinent der Vielfalt, im Namen der Vielfalt gleichzuschalten, koste es, was es wolle. Solange diese Pervertierung der europäischen Idee in Europa auf Widerstand stößt, lebt die europäische Idee!
Meine Damen und Herren, die Progressisten kommen mit Visionen und Verheißungen und stellen Forderungen in deren Namen. Sie legitimieren sich aus dem Versprechen einer gerechteren Zukunft, und wenn ihre Pläne scheitern, stehlen sich diese Wohlmeinenden heimlich davon und sagen, das hätten sie nicht gewollt. Der Konservative kann dergleichen nicht bieten, was ihn als Langweiler, Zukunftsverweigerer und Auf-der-Stelle-Treter erscheinen lässt.
Dabei bedeutet konservativ zu sein bloß, dass man sich die permanenten Kulissenwechsel nicht als das eigentliche Stück aufschwatzen lässt. Der Konservative hält die Gesellschaft nicht per se für schlecht und dringend veränderungsbedürftig, sondern für ihn ist es zunächst einmal erstaunlich, dass überhaupt etwas funktioniert. Nach seiner Ansicht muss sich also keineswegs das Bestehende legitimieren, sondern das sollen diejenigen tun, die es verändern wollen. Mit den Worten Giuseppe Prezzolinis: „Der Progressist denkt immer an morgen, der Konservative immer an übermorgen.“
Der Konservative möchte also nicht das altägyptische Bewässerungssystem oder den mechanischen Bohrer beim Zahnarzt wiederhaben, sondern im Gegenteil: Ein konservativer Hausbesitzer, um ein schönes Bild des Kabarettisten Ludger Kusenberg zu zitieren, wird sein Haus ständig renovieren und verschönern und technisch auf den neusten Stand bringen. Er wird sich aber davor hüten, jemals eine tragende Wand herauszureißen. Die Familie, das Recht und der Nationalstaat sind solche tragenden Wände.

Ich komme zum Schluss noch einmal zur deutschen Kultur und damit zu den für diesen Vortrag titelgebenden Wurzeln. Während die Freiheit zur Verfassung werden kann – in der gesegneten Schweiz werden sogar Steuererhöhungen per Volksabstimmung entschieden ­–, ist das Überleben der deutschen Kultur eine Frage des persönlichen Beispiels. Ich nannte es: eine Frage des Stils. Fordern lässt sich hier nichts.

Was ist dafür zu tun? Zunächst einmal hege und pflege man, was an Heimat noch übrig ist. Wer sich fürs Nomadentum entschlossen hat, führe seine Heimat eben mit sich. Die deutsche Kultur wird in den Einzelnen überleben oder gar nicht, und es ist keineswegs ausgemacht, dass dieser Vorgang nur auf dem Gebiet des heutigen Deutschland ausgetragen wird. Der öffentliche Kampf aber muss der Erhaltung der Zivilisation gelten. Wer immer die Zivilisation als solche, den Rechtsstaat, die Umgangsformen, das Eigentum, das Bargeld, die Freiheit der Meinung, des Bekenntnisses und des Wirtschaftens verteidigen will, ist ein Verbündeter, egal welche Sprache er spricht und welche Hautfarbe er hat.
Die Barbaren stehen überall bereit zum Angriff, in den Vorstädten wie in manchen Vorstandsetagen, in den Redaktionen, in den Banken, sogar in Gebetshäusern.
Ansonsten: Füllen und leeren Sie Ihre Weinbestände. Lesen Sie Bücher statt Zeitungen. Flanieren Sie, wo es noch geht. Bewaffnen Sie sich, wo es nicht mehr anders geht. Lassen Sie sich von der allgemeinen Verwahrlosung nicht anstecken. Seien Sie manierlich und heiter. Nennen Sie die Dinge beim Namen, aber gesittet. Seien Sie freundlich zu Ihren Nächsten und heißen Sie diejenigen willkommen heißen, die willkommen sein wollen. Halte Sie es mit Gilbert Chesterton: Wenn ich will, dass die Welt blauer wird, muss ich mit Farbe und Pinsel vor meiner Haustür anfangen. Sie wird danach in jedem Falle blauer sein als zuvor.

Ich danke Ihnen.
17.4.2018, Michael Klonovsky
Die Rede von Michael Klonovsky zu ” Der Konservativismus muß freiheitlicher werden” v
om 17.4.2018 in München bitte lesen auf
https://michael-klonovsky.de/artikel/item/841-der-deutsche-konservatismus-muss-freiheitlicher-werden
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Die Rede von Michael Klonovsky vom 17.4.2018 finden Sie auch in:
Michael Klonovsky: Der fehlende Hoden des Führers,
ISBN 978 3 85418 193 4, 2019, 235 Seiten
“Kultur und Stil”, Seite 99 – 111

 

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Egon Flaig: Gegen den Strom
Ein „Monument des historisches Stumpfsinns“, sei sie gewesen, die deutsche Wiedervereinigung, und der europäische Zusammenschluss seit den 80er-Jah­ren ein „Meisterwerk technokratischer Bankrotteure“. Da spricht ein Empörter. Mit den Entscheidungen der politischen Klasse zeigt er sich wenig einverstanden, und ihr übliches Delegitimierungsmittel – nämlich die Kritiker als halbseidene Gestalten zu denunzieren – wischt er mit einer Handbewegung fort: „Wem die Volkssouveränität etwas bedeutet, den sollte die Beschimpfung als ‚Populist‘ mit Stolz erfüllen.“
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Die Position scheint klar: Dieser Autor erhebt seine Stimme von außerhalb des Establishments; also muss er links sein. Oder kommt der Widerspruch aus einem ganz anderen Lager? „Die Linke jedweder Schattierung trägt die Male des leninistischen Dracula-Bisses: Sie hat das Volk vergöttert und auf dessen demokratisch geformten Willen gepfiffen.“
Egon Flaig gehört zur Riege der zornigen alten Männer. Mittlerweile ist Zorn ja kein Privileg der Jugend mehr, sondern eines des gesetzten Alters. Das hat substanzielle Vorteile – vielmehr: Vorteile in der Substanz –, denn die Jugend kann nur benennen und fordern, das Alter auch begründen. Unter den zornigen Alten ist Flaig, Jahrgang 1949, freilich der Benjamin und vielleicht deshalb mit juveniler Kraft versehen. Der Althistoriker betrachtet die Gegenwart vor einer zweieinhalbtausendjährigen abendländischen Tradition, die eine Erfolgs- und Befreiungs­geschichte sondergleichen darstelle: Befreiung von Bevormundung, Staatswillkür, Rechtlosigkeit und aus dem Joch der Religion.

Brillante konservative Publizistik (Johannes Gross, Egob Flaig, Michael Klonovsky)
„Für eine säkulare Republik Europa“ lautet daher der Untertitel seines furiosen Essays „Gegen den Strom“, mit dem Flaig das nicht gerade üppig gefüllte Regal brillanter kon­ser­vativer Publizistik bestückt. Seit dem Tode von Johannes Gross kurz vor der Jahrtausendwende gibt es kaum noch sprachmächtige und mit grimmigem Witz begabte Autoren aus dem rechtsintellektuellen Lager. Neben Flaig trifft das noch auf den scharfzüngigen Michael Klonov­sky zu, doch dann kommt lange nichts.
Dabei muss man Flaigs Thesen keineswegs zustimmen, um seinen Text mit heißem Ge­sicht lesen zu können, sticht er doch in gleich mehrere Wespennester: EU-De­batte, politische Partizipation, nationale Identität, Zukunft des Wohlfahrtsstaats und die Frage, ob der Islam eine Religion unter vielen sei – oder eine protofaschistische Ideologie, vor deren Machtanspruch der aufgeklärte Westen keinesfalls in die Knie gehen dürfe:

„Wenn die Scharia den Menschenrechten übergeordnet ist, dann gibt es keine Men­schenrechte, dann gilt eben die Scharia. Das ist so, als hätten Stalin oder Hitler die Menschenrechte proklamiert und hinzugefügt: ‚Alle diese Rechte unterstehen der kommunistischen Idee.‘ Beziehungsweise: ‚Sie unterstehen der nationalsozialistischen Ordnung.‘“
Gewiss, der Stammtisch fände hier ordentlich Munition für seine stummen Ressentiments – wenn er denn überhaupt läse! Doch diese Munition taugt etwas. Der Althistoriker verwendet keine Platzpatronen, sondern serviert eine argumentativ untermauerte Fundamentalkritik jener Religion, die ihre spirituellen Ansprüche zugunsten totalitärer Machtpraktiken aufgab, und das sehr früh. Ironischerweise – denn auf die antike Philosophie bezieht sich normalerweise das christliche Abendland – zeigten sich Korangelehrte als beste Schüler Platons, dessen totalitäre Gedanken eines „Idealstaats“ sie ins Klerikale des Gottesstaates wendeten; das lässt sich in der islamischen Platonrezeption nachweisen. Die bürgerliche Gesellschaft mit ihren Freiheitsrechten hatte und hat darin keinen Platz, meint Flaig, und die kurze arabische Hochkultur in Andalusien blieb eine Scheinblüte. Seither klafft die zivilisatorische Entwicklung zwischen islamischen Staaten und dem Westen weit auseinander:
„Unter Gesichtspunkten städtischer politischer Kultur – Selbstverwaltung, Partizipation der Bürger, Rathaus und öffentliche Plätze – ist das kleinste nordalpine Städ­tchen des Hochmittelalters den islamischen Riesenstädten überlegen.“
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Das ist polemisch, doch genau diese Polemik macht das Buch lesens­wert.
Wenn sie gelegentlich überschäumt, und der Text zum Hohelied des Christentums wird – das Flaig gleichwohl aus aller Politik verbannen will –, kann man das getrost als Schwärmerei verbuchen. Jede politische Richtung hat ihre eigenen Idole, Konservativismus ist ohne Glaubensfundament nicht zu haben. Dennoch kämpft Egon Flaig vorrangig an weltlichen Fronten. Er ist für den Universalismus der Menschenrechte, tritt für die Auflösung der EU in ihrer jetzigen Form ein, um sie durch einen von echten Wahlen kontrollierten Staatenbund jenseits der Regierenden-Willkür der Europäischen Kommission zu ersetzen.
Den fürsorglichen Staat mit seiner Regelwut betrachtet er als Entmün­digungsversuch und mahnt zu guter Letzt eine nationale Identität an, die auch noch in Zeiten der Lastenverteilung – statt wachsender sozialstaatlicher Umverteilung wie in den letzten 60 Jahren – unser Gemeinwesen stabil hält. Alles keine unbilligen Erwägungen, freilich alle quer zum trägen Strom jener politischen Mitte, die sich im Status quo gut eingerichtet hat. Wer jedoch – um im Bild zu bleiben – gegen den Strom schwimmt, riskiert, vom Wasser in die Gegenrichtung getragen zu werden. Und so erstaunt es nicht, dass sich etliche seiner liberalen Forderungen, etwa nach mehr Partizipation in Form von Volksabstimmun­gen, auch in linken Programmen wiederfinden. So groß, dass sich die Empörer nicht begegneten, ist die moderne Agora nämlich nicht. Und der Spiegel, der einem von Egon Flaig vorgehalten wird, scheint leise zu flüstern:
Ihr alle,
ob marxistische oder konservative Polemiker,
seid Erben der Antike und der Aufklärung.
Deswegen könntet ihr eigentlich ganz gut miteinander auskommen.
… Alles vom 20.2.2014 bitte lesen auf
https://www.deutschlandfunk.de/egon-flaig-gedanken-eines-zornigen-alten-mannes.700.de.html?dram:article_id=278589
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Egon Flaig: „Gegen den Strom“.
Verlag zu Klampen, 254 Seiten, 22 Euro

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