Eliten

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Uni-Bibliothek in Freiburg am 17.9.2018

Uni-Bibliothek in Freiburg am 17.9.2018

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Eliten verlieren kulturelles Erbe bzw. Gemeingüter aus den Augen
Dankbarkeit mahnt an die Verlierbarkeit des kulturellen Erbes
Alle jene (kulturelle) Errungenschaften wurden teuer errungen, und wir können sie rasch wieder verlieren. Doch genau diese Verlierbarkeit ist aus den Diskursen zur kulturellen Selbstbesinnung entwichen. Der naiv gewordene Großteil der medialen und politischen Eliten hat sie längst aus dem Auge verloren, und auch eine zunehmende Quote der akademischen Elite bedenkt nicht mehr, dass wir alle Errungenschaften verlieren können. Falls es soweit käme, dass man sie für fraglose Gegebenheiten hielte, dann mutierten wir zu amnestischen Troglodyten, die als Parasiten durch die Geschichte stolpern.

Wenn Dankbarkeit in Ablehnung umschlägt
Eben das droht der westlichen Welt. Die Undankbarkeit – so betitelte 1999 Alain Finkielkraut ein Werk, in welchem er über das Verhältnis von kulturellem Erbe und republikanischer Tradition nachsinnt; seine Gedanken ähneln jenen, die während des ‚Historikerstreits‘ 1986/1987 gegen Habermas vorgebracht wurden: Wenn die westliche Memorialkultur überwiegend Verbrechen erinnert, dann wird der Bezug auf die kollektive Vergangenheit negativ, und dann entschwindet die Dankbarkeit gegenüber jeglicher vorangegangenen Generation und verkehrt sich in Ablehnung. Geschieht das, dann kommt der Gegenwart die Orientierung abhanden, und sie findet nur noch Halt in einem Hypermoralismus, der selber keine Maßstäbe mehr hat.
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Ohne Bezug zur kulturellen Vergangenheit keine Gemeinschaft
Demokratien sind Gemeinschaften. Gesellschaften beruhen auf dem Tausch, Gemeinschaften auf dem Opfer. Wären wir bloß Mitglieder der Gesellschaft, dann wären wir geschäftliche Partner ohne weitere Pflichten gegenüber den anderen. Gemeinschaften hingegen werden zusammengehalten zum einen von gemeinsamen Normen, zum anderen vom Bewusstsein einer Zusammengehörigkeit, das ihre Mitglieder dazu befähigt, füreinander einzustehen auch ohne Entlohnung, und eventuell das Äußerste für diese Zusammengehörigkeit zu geben. Republikanische Gemeinschaften verlangen noch mehr: Sie muten ihren Mitgliedern zu, aktiv an den Entscheidungen des Gemeinwesens zu partizipieren; das macht den Bürger aus, das unterscheidet ihn vom freien Untertan. Indes, das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit benötigt einen intensiven Bezug zur eigenen Vergangenheit. Da nirgendwo die Menschen als Erwachsene geboren werden, fungieren die Generationen als Scharnier zwischen der biologischen Reproduktion eines jeden Staates und der Sterblichkeit seiner Individuen.
… Alles vom 13.12.2017 von Egon Flaig bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/ohne_kulturelle_dankbarkeit_keine_demokratie

Egon Flaig, Professor Emeritus für Alte Geschichte, Autor zahlreicher Bücher, u.a. Weltgeschichte der Sklaverei (2009), Gegen den Strom. Für eine säkulare Republik Europa (2013), Die Niederlage der politischen Vernunft (2017).

 

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