Eliten

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Uni-Bibliothek in Freiburg am 17.9.2018

Uni-Bibliothek in Freiburg am 17.9.2018

 

Linksintellektuelle versagen als Eliten
Weder in der Wirtschaft noch in der Alltagspolitik, weder in der Wissenschaft noch in der Technik kann von einem Versagen der Eliten die Rede sein. Die einzige Elite, an deren Leistungsfähigkeit Zweifel angebracht sind, sind die Linksintellektuellen, die sich von Kritikern der Macht zu ihren Steigbügelhaltern zurückentwickelt haben. Dafür gibt es ein deutliches Symptom. Jeden Tag warnt die Medienelite vor Populismus, der, da die Medienelite ja links steht, notwendigerweise „Rechtspopulismus“ sein muss.
… Alles vom 5.12.2018 von Norbert Bolz zu “Der Journalist als Oberlehrer” bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/der_journalist_als_oberlehrer
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Norbert W. Bolz, geb. 1953 in Ludwigshafen, ist ein deutscher Medien- und Kommunikationstheoretiker. Er lehrt als Professor für Medienwissenschaften an der TU Berlin.
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Journalisten als Experten?’
Schöner Text, jedoch sei ein kleiner Einwand eines Menschen gestattet, der sich weder als “intellektuell”, noch als “Experten” sieht. Diese Begriffe halte ich inzwischen für “verbrannt”, wie man immer so schön sagt. Scherz beiseite: Es ist nachvollziehbar und richtig, dass sich Ratio und der Sachverstand bei der Meinungsbildung wieder stärker durchsetzen muß. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass zum Beispiel studierte Fachleute zu einem speziellen Thema fundiertere Kenntnisse besitzen, als ein Laie. Die Betonung muß jedoch auf dem “speziellen Thema” liegen! Wenn ein erfahrener, promovierter und habilitierter, international anerkannter Käferforscher mit Drittwohnsitz in Berlin-Grunewald sich zum Zustand der Gesellschaft äußert, dann hat seine Stimme nicht mehr Gewicht, als die des jungen Rettungsassistenten Max Müller aus Köln, der jede Nacht mit der Realität der Straße konfrontiert wird. Eher im Gegenteil. Max Müller wird aber nie in irgendeiner Talkshow sitzen. Trotzdem lauschen Hunderttausende dem Professor oder Leuten wie Schweiger oder Grönemeyer, die zu jedem Thema ihren Senf als besondere Weisheit verkünden dürfen. Bestimmte Themen sind nicht auf einzelne Fachgebiete zu reduzieren. Dazu gehört Lebenserfahrung und Allgemeinbildung, die bei so manchem Laien größer ausgeprägt ist, als bei vielen der “Experten” die uns die Massenmedien immer vorsetzen. Das Problem der Gier und der Eitelkeit spielt auch eine riesige Rolle: Nur wer das “Richtige” sagt, wird wieder eingeladen, kann verkaufen, seine Bekanntheit vergrößern. Deshalb sind die Gesichter immer gleich. Was mich schon lange stört, ist allgemein das Prinzip “Meinungsgeber/ Meinungsnehmer”. Das selbstständige Denken der Masse muß gefördert werden. Echte Experten sollen dazu nüchterne Fakten liefern, während das Denken wieder den Leuten zugetraut werden muß. Das jedoch fürchtet die Politik! Hier halte ich das Internet viel stärker für eine Chance, als für ein Problem.
5.12.2018, Thomas Schmied, AO
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Selbsternannte journalistische Elite
Der Beitrag von Prof. Bolz seziert die Perfidie der sogenannten oder selbsernannten journalistischen Elite mit ihrem Umgang von Wahrheit und Dichtung gekonnt und nachvollziehbar. Daher sollte er Eingang in Schule, Universität und eine breitere Öffentlichkeit finden. Jeder kann dabei mitwirken: versorgen Sie einfach Ihren Freundeskreis mit einer Kopie, auch auf die Gefahr, dass Sie möglicherweise nie wieder von einigen Adressaten etwas hören. Macht nichts, denn diese sind für den offenen Diskurs schon verloren und daher kein Verlust. Übrigens: die Lektüre der überwiegenden Zahl der Leserbriefe in diesem Blog macht Hoffnung, auch wenn das Alter der Verfasser der Jugend entwachsen sein dürfte.
5.12.2018, Ludeloff Klaus, AO
“Die größte Gefahr für die Wahrheit ist nämlich nicht die Lüge, sondern der Bullshit. Und die größte Gefahr für die Demokratie ist nicht der Hass der radikalen Verlierer, sondern das Schweigen der vielen, die sich vom Paternalismus der Medienelite bevormundet fühlen.” Dieser Satz allein ist schon der Hit! Vielen Dank dafür, Herr Bolz!
5.12.2018, Stefan Schlitt, AO

Eliten verlieren kulturelles Erbe bzw. Gemeingüter aus den Augen
Dankbarkeit mahnt an die Verlierbarkeit des kulturellen Erbes
Alle jene (kulturelle) Errungenschaften wurden teuer errungen, und wir können sie rasch wieder verlieren. Doch genau diese Verlierbarkeit ist aus den Diskursen zur kulturellen Selbstbesinnung entwichen. Der naiv gewordene Großteil der medialen und politischen Eliten hat sie längst aus dem Auge verloren, und auch eine zunehmende Quote der akademischen Elite bedenkt nicht mehr, dass wir alle Errungenschaften verlieren können. Falls es soweit käme, dass man sie für fraglose Gegebenheiten hielte, dann mutierten wir zu amnestischen Troglodyten, die als Parasiten durch die Geschichte stolpern.

Wenn Dankbarkeit in Ablehnung umschlägt
Eben das droht der westlichen Welt. Die Undankbarkeit – so betitelte 1999 Alain Finkielkraut ein Werk, in welchem er über das Verhältnis von kulturellem Erbe und republikanischer Tradition nachsinnt; seine Gedanken ähneln jenen, die während des ‚Historikerstreits‘ 1986/1987 gegen Habermas vorgebracht wurden: Wenn die westliche Memorialkultur überwiegend Verbrechen erinnert, dann wird der Bezug auf die kollektive Vergangenheit negativ, und dann entschwindet die Dankbarkeit gegenüber jeglicher vorangegangenen Generation und verkehrt sich in Ablehnung. Geschieht das, dann kommt der Gegenwart die Orientierung abhanden, und sie findet nur noch Halt in einem Hypermoralismus, der selber keine Maßstäbe mehr hat.
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Ohne Bezug zur kulturellen Vergangenheit keine Gemeinschaft
Demokratien sind Gemeinschaften. Gesellschaften beruhen auf dem Tausch, Gemeinschaften auf dem Opfer. Wären wir bloß Mitglieder der Gesellschaft, dann wären wir geschäftliche Partner ohne weitere Pflichten gegenüber den anderen. Gemeinschaften hingegen werden zusammengehalten zum einen von gemeinsamen Normen, zum anderen vom Bewusstsein einer Zusammengehörigkeit, das ihre Mitglieder dazu befähigt, füreinander einzustehen auch ohne Entlohnung, und eventuell das Äußerste für diese Zusammengehörigkeit zu geben. Republikanische Gemeinschaften verlangen noch mehr: Sie muten ihren Mitgliedern zu, aktiv an den Entscheidungen des Gemeinwesens zu partizipieren; das macht den Bürger aus, das unterscheidet ihn vom freien Untertan. Indes, das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit benötigt einen intensiven Bezug zur eigenen Vergangenheit. Da nirgendwo die Menschen als Erwachsene geboren werden, fungieren die Generationen als Scharnier zwischen der biologischen Reproduktion eines jeden Staates und der Sterblichkeit seiner Individuen.
… Alles vom 13.12.2017 von Egon Flaig bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/ohne_kulturelle_dankbarkeit_keine_demokratie

Egon Flaig, Professor Emeritus für Alte Geschichte, Autor zahlreicher Bücher, u.a. Weltgeschichte der Sklaverei (2009), Gegen den Strom. Für eine säkulare Republik Europa (2013), Die Niederlage der politischen Vernunft (2017).

 

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