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Ligurische Mittelmeerküste  bei Genua am 4.10.2018

Ligurische Mittelmeerküste bei Genua am 4.10.2018

 

 

Gas: Erdgas Flüssiggas LNG CNG
Umgangssprachlich sprechen wir von Gas. Aber welches Gas? Das ist längst nicht immer klar. Einige Erläuterungen:

Was ist LNG?
Die Abkürzung LNG steht für Liquefied Natural Gas, also verflüssigtes Erdgas. LNG ist aus chemischer Sicht dem Erdgas identisch, das weitgehend aus Methan besteht. Ein Unterschied zwischen Erdgas und LNG besteht allein in physikalischer Hinsicht: Während normales Erdgas in gasförmigem Zustand transportiert wird, ist LNG flüssig, weil es auf unter minus 162 Grad Celsius abgekühlt wurde.

Warum verflüssigt man Erdgas?
Flüssigerdgas benötigt nur noch etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas. Damit lässt es sich auf Schiffen transportieren, es ist folglich nicht mehr an Pipelines gebunden. Als LNG kann Erdgas also rund um den Globus transportiert werden. Deutschland könnte mit einem LNG-Terminal die Zahl der Herkunftsländer für die Versorgung mit Erdgas erheblich ausweiten. Der Energieträger kann aber nur an einem Terminal angeliefert werden, wo er vom flüssigen in den ursprünglichen gasförmigen Zustand zurück transformiert und in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden kann. Der Endverbraucher, der im Keller eine Erdgasheizung hat und in der Küche vielleicht auch einen Gasherd, merkt nicht, ob sein Gas per Pipeline als Erdgas oder per Schiff als LNG nach Deutschland kam – Methan ist und bleibt Methan.

Was ist der Unterschied zu CNG?
CNG steht für Compressed Natural Gas, also komprimiertes Erdgas. Dieses wird zum Beispiel in Erdgasfahrzeugen eingesetzt, deren Tanks für einen Druck von 200 bis 250 bar ausgelegt sind. In Deutschland sind rund 75 000 Erdgasfahrzeuge zugelassen, es gibt aktuell 860 Erdgastankstellen. Beide Zahlen gingen in den letzten Jahren leicht zurück.

Was unterscheidet
Flüssigerdgas von Flüssiggas?
Flüssiggas besteht im Unterschied zum (Flüssig)-Erdgas (Methan) zumeist aus den Kohlenwasserstoffen Propan und/oder Butan. Die Anteile der beiden Gase können variieren. Flüssiggas wird auch als LPG (Liquefied Petroleum Gas) bezeichnet. Es wird aufgrund seiner chemischen Beschaffenheit (verglichen mit dem kleinen Molekül Methan sind Propan und Butan längere Ketten aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen) bereits bei einem relativ geringen Überdruck von rund acht bar flüssig und kann somit auch bei Raumtemperatur in Gasflaschen als Flüssigkeit gespeichert werden. Eine Flüssigkeit bietet im Vergleich zu einem Gas den Vorteil einer deutlich größeren Energiedichte. Bei der Verflüssigung von gasförmigem Propan/Butan reduziert sich das Volumen auf etwa 0,4 Prozent des ursprünglichen Maßes.
Wer nutzt Flüssiggas?
Während Erdgas per Leitung in die Häuser kommt, wird Flüssiggas in Flaschen oder Tankwagen transportiert. Es wird nicht nur beim Camping oder in abgelegenen Wanderhütten zum Kochen genutzt, es wird auch mitunter in Wohnhäusern zur Raumheizung eingesetzt, wenn kein Erdgasnetz vorhanden ist. Untergebracht wird der Energieträger dann in großen Tanks im Garten oder in der Erde. Unter dem Namen Autogas wird Flüssiggas auch als Treibstoff genutzt. Es ist in diesem Sektor in Deutschland weitaus stärker verbreitet als Erdgas. Anfang 2018 waren in Deutschland rund 420 000 Fahrzeuge mit Autogas-Antrieb zugelassen, auch die Zahl der Autogastankstellen übertrifft mit rund 6500 jene der Erdgastankstellen deutlich.

Das Verhältnis von Propan und Butan im Flüssiggas ist je nach Anwendung und je nach Umgebungstemperatur unterschiedlich. Beim Autogas liegt der Butananteil in den Sommermonaten bei 60 Prozent, der Propananteil entsprechend bei 40 Prozent. Im Winter wird das Mischungsverhältnis umgekehrt, weil ein hoher Butananteil bei Kälte dazu führen würde, dass der Treibstoff flüssig bleibt. In Gaskartuschen und -flaschen wird der Anteil von Propan und Butan je nach Land unterschiedlich gehandhabt. In kälteren Regionen bietet sich eher Propan an, in Südeuropa dominiert das Butan. In Heißluftballons wird in der Regel reines Propan eingesetzt.
Wie ist die Umwelt- und
Energiebilanz der Gase?
Bei der Verbrennung von Erdgas werden pro Kilowattstunde rund 200 Gramm CO2 frei, bei Flüssiggas sind es rund 230 Gramm. Das sind Werte, die durch die chemische Zusammensetzung der Gase bestimmt sind. Hinzu kommen die Treibhausgasemissionen bei Gewinnung, Verarbeitung und Transport der Gase einerseits durch Leckagen, andererseits durch der Energieverbrauch, der während der gesamten Prozesskette – für Aufbereitung und Transport – entsteht.

Vergleicht man verflüssigtes Erdgas aus Umweltsicht mit konventionellem Pipeline-Erdgas, so schlägt ein höherer Aufwand für die Verdichtung zu Buche. Bei LNG wird dieser typischerweise mit zehn bis 25 Prozent des Energiegehalts angenommen, bei Pipeline-Gas mit etwa zehn Prozent. Wird Erdgas mittels Fracking gefördert (was bei Importen aus den USA ein großes Thema ist), ist dessen Klimabilanz in Summe nicht mehr besser als jene von Erdöl, das pro Kilowattstunde 260 Gramm CO2 freisetzt.
11.10.2018, Bernward Janzing, BZ

 

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