Elektroschrott von D nach Afrika

Von den jährlich 2 Mio Tonnen Elektroschrott (TV-Gerät, Tiefkühl,  Handy, Trockner, …) kommen nur 700.000 t ins deutsche Recyclingsystem, der Großteil der restlichen 1,3 Mio t verschwindet nach Afrika. Ein defekter Fernseher wird vom Einsammler kostenlos abgeholt und gelangt für 2 € zum Schrotthändler und für 5 € zum Exporteur, der in HH den Container nach Dakar/Senegal und weiter nach Accra/Ghana beläd (Containermiete incl. Verschiffung 2000 €, bei 900 TV-Geräten also 2,20 € pro Gerät. Dort wird er für 27 € erworben, hergerichtet und für 70 @ von einem Ghanesen gekauft, der zufrieden ist mit dem deutschen Röhrenfernseher, da er die häufigen Stromausfälle besser verkraftet als die Flachbildgeräte. Der in D wertlose Fernseher ist in Afrika 70 €  wert. Doch drei Viertel aller importierten Elektrogeräte landen sofort auf Ghanas größter Müllkippe Agbogbloshie – früher ein Brutgebiet für Zugvögel, heute eines der zehn am meisten verseuchten Gebiete der Welt, kontaminiert mit Quecksilber, Cadmium, Blei usw.  Auf der Müllkippe sind viele junge Ghanaer damit beschäftigt, den Elektroschrott zu zerlegen –  50 Cent läßt sich verdienen an den Innereien eines Fernsehers, wobei man Dioxine und Antimon einatmet.

Damit schließt sich der Kreis, denn die auf dem Schrottplatz in Ghana eingelösten Metalle bzw. Rohstoffe stammen ursprünglich aus Afrika: Nickel und Palladium aus Südafrika, Kupfer aus dem Kongo und Sambia verwendet man für Leiterplatten und Spulen, die in Asien, USA und Europa dann in Handy, Laptops und Kühlschränke eingebaut werden. Afrika als Lieferant der Rohstoffe auf der einen und die Industrieländer als Gerätehesteller auf der anderen Seite, wobei die Wertschöpfung bei letzteren liegt.

Das Rechercheteam von www.followthemoney.de gibt die Möglichkeit, den Weg des Schrotts zwischen Europa und Afrika zu verfolgen – über kleine Sender, die in die Geräte eingebaut sind und die Koordinaten melden bzw. deren Längen- und Breitengrad auf Google Maps übertragen.

Nach dem  deutschen Elektronikgerätegesetz ist der Export von defekten Fernsehern nach Afrika untersagt – so will man verhindern, dass Afrika zur Müllhalde von giftigem Schrott wird. Doch lasche Kontrollen bzw. notdürftiges Reparieren umgehen diese Regelung.

Es ist zu befürchten, dass das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA diesen Strom von Elektroschrott nach Afrika deutlich verstärken wird.
29.7.2014

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