Ehegattensplitting Steuer Familie

Aus für Splitting bringt höhere Steuern für Eheleute. Dem Ehegattensplitting soll der Garaus gemacht werden: Grüne, SPD und Linke fordern in ihren Wahlprogrammen seine Abschaffung, CDU und FDP befürworten höchst nebulös dessen Weiterentwicklung zu einem Familiensplitting. Ehegattensplitting darf man nicht wörtlich nehmen: Es ist keine harte Variante der Scheidung, sondern eine Einkommenssteuerregel: Die beiden Einkommen von Ehegatten werden nicht getrennt besteuert, sondern addiert, die Summe durch zwei geteilt. Für diesen Betrag wird die Einkommensteuer berechnet, die dann mit zwei multipliziert wird.
Ein Alleinstehender mit einem zu versteuernden Einkommen von 70 000 Euro muss 22 370 Euro Steuern zahlen. Ein Ehepaar mit dem gleichen Einkommen muss hingegen wegen der Splitting-Regel zweimal die Steuern auf 35 000 Euro zahlen. Das macht 15 266 Euro. Der Unterschied kommt durch die Steuerprogression zustande: Die Steuerlast pro Euro steigt mit dem Einkommen an. So beträgt der Grenzsteuersatz bei 35 000 Euro 34 Prozent, bei 70 000 Euro 42 Prozent. Beim Splittingtarif spielt es keine Rolle, welcher Ehegatte wie viel zu den 70 000 Euro beiträgt. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass Ehepaare steuerlich als eine Einheit zu sehen seien, in deren Arbeitsteilung – Einkommenserzielung, Haushaltführung, Kindererziehung – sich der Staat nicht einzumischen habe.
Wenn das Splitting abgeschafft wird, werden Ehepaare nicht mehr als wirtschaftliche Einheit behandelt. Dann muss jeder Ehegatte sein Einkommen selbst versteuern; nur das Existenzminimum eines nicht arbeitenden Gatten, derzeit 8124 Euro, ist aus verfassungsrechtlichen Gründen steuermindernd zu berücksichtigen. Wie wirkt sich das auf die Steuerschuld aus? Grenzfall eins: Wenn beide exakt gleichviel verdienen, also jeweils 35 000 Euro, ändert sich nichts. Es sind zweimal Steuern auf 35 000 Euro zu zahlen, also erneut 15 266 Euro. Sobald jedoch der eine – etwa wegen Teilzeitarbeit – nur etwas weniger als der andere verdient, steigt wegen der Steuerprogression die Steuerlast an, bis zum Grenzfall zwei: Wenn ein Ehegatte Alleinverdiener ist, sind – statt zweimal 35 000 Euro – einmal 70000 minus 8124, also 61 876 Euro zu versteuern. Jetzt sind 18 770 Euro fällig, also 3504 Euro mehr als mit Splittingregel. Das ist eine Steuererhöhung um satte 23 Prozent. Warum will man das Splitting abschaffen? Vordergründig geht es um die gesellschaftspolitische Frage, ob Ehe und Familie weiterhin als Einheit behandelt werden sollen – dann Erhalt des Splittings – oder nicht – dann Abschaffung. Bei Abschaffung hält sich der Staat bewusst nicht aus der ehelichen Arbeitsteilung heraus, sondern stellt die Ehen mit Alleinverdienern und mit Teilzeitarbeit eines Gatten gezielt schlechter, um das politische Modell einer Ehe durchzusetzen, in der beide möglichst gleich viel verdienen.

Doch lassen Sie sich keinen Sand in die Augen streuen: Hinter diesem Argument verstecken sich handfeste fiskalische Interessen unserer Politiker. Kein einziges Ehepaar in Deutschland wird durch die Abschaffung des Splittings weniger Steuern zahlen. Selbst in dem Extremfall, dass beide auf den Cent gleich viel verdienen, bleibt ihre Steuerschuld bestenfalls gleich. Für alle Familien aber, in denen sich die Einkommen der beiden Ehegatten auch nur geringfügig unterscheiden, ist die Steuerlast höher als heute.

Schätzungen zufolge würde die Abschaffung des Splittings die Steuerzahler mit weit über zehn Milliarden Euro belasten. Sie ist also ein gigantisches Steuererhöhungsprogramm. Dass die Abschaffung des Splittings per saldo aufkommensneutral erfolgen solle, steht denn auch in keinem Wahlprogramm. Klar ist: Die milliardenschweren Hilfen für die südeuropäischen Euro-Länder und die Profite der Wind- und Solarstrom-Investoren aus der Energiewende müssen genauso finanziert werden wie die Wahlgeschenke, die den Wählern zu den Bundestagswahlen im September versprochen werden.
Und wer blutet bei einer Abschaffung des Splittings am meisten? Ein Ehepaar, das 70 000 Euro verdient, muss wie beschrieben bis zu 23 Prozent mehr Steuern bezahlen. Für ein Ehepaar, das 1 000 000 Euro verdient, steigt die Steuerlast um maximal drei Prozent. Die Zeche zahlen also erneut die Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen. Aber auch das ist klar: Richtig kräftige Steuermehreinnahmen kann der Staat nur erzielen, wenn er die Masse der Bevölkerung zur Kasse bittet.
16.3.2013, Lüder Gerken, Vorsitzender der Stiftung Ordnungspolitik und des Centrums für Europäische Politik.

Grüne wollen Ehegattensplittung ab 60000 Euro Jahreseinkommen deckeln
Zitat:”Die Grünen fordern ein Abschmelzen des Ehegattensplittings. Zunächst soll der Splittingvorteil gedeckelt werden. Belastungen durch die Reform sollen zunächst nur Haushalte mit einem Einkommen ab 60 000 Euro treffen.” Da zeigt sich wie weit Politiker/innen von der Realität entfernt sind. Eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 60.000,- Euro jährlich wird sich herzlich bedanken, wenn die Steuerlasten steigen. Von diesen 5.000,- EUR pro Monat bleiben netto laut Steuerrechner aus dem Internet noch 3.311,- EUR hängen. Nehmen wir einmal an Aufwand für Essen, Trinken und Haushalt allg. 1.200,- EUR. Eine entsprechende Wohnung in zum Beispiel Freiburg würde mit warm 1.000,- EUR zu Buche schlagen. Der Familie bleiben also nach Wohnen, Essen, Trinken und Körperpflege noch 1.100,- EUR über. Davon gehen dann noch die Kosten für ein Familienauto ab, weil der Hauptverdiener/in mehrere Kilometer Arbeitsweg hat, sagen wir mal mit allen Kosten 600,- EUR im Monat. Also noch 500,- EUR zur freien Verfügung. Dann kommen noch ein bisschen Schulmaterialien, dann sind wir bei einem frei verfügbaren Nettoeinkommen von 400,- EUR im Monat. Glückwunsch liebe Grünen, nehmt diesen Familien den Rest auch noch weg. Mal sehen woher dann überhaupt noch Kaufkraft für die Wirtschaft kommt.
27.4.2013, Uwe Drescher
    
Kinder als Voraussetzung fürs Splitting
Wieso das Ehegattensplitting nicht exakt so weiterlaufenlassen und aber nur Eheleute begünstigen, die Kinder großziehen? Eigene oder adoptiert?
18.3.2013, Johannes Güntert

Echtes Kindergeld statt Splitting
Wenn statt des Ehegattensplittings dafür ein echtes Kindergeld (in mindestens der Höhe der Splitting-Vorteile für die Durchschnittsfamilie) gezahlt wird soll es mir recht sein. Dann müsste man auch keine Klimmzüge für die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft mehr machen. Geld gibts nur für Kinder!
18.3.2013, Oliver Breitwieser

Ehegattensplitting soll laut Forsa-Umfrage bleiben
Das Alleinverdiener-Modell ist out, aber das Ehegattensplitting keineswegs. Anspruch auf Kitaplatz ja, möglichst schnelle Rückkehr in den Beruf nach einer Geburt aber eher nicht. So lauten verkürzt die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage über Wünsche, Forderungen und Probleme von Eltern, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde….
Alles vom 10.4.2013 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/deutschland/eltern-erteilen-familienpolitik-einen-rueffel–70767626.html

Die Einzelbesteuerung ginge an der Realität vorbei
Es ist nicht Aufgabe des Staates und der Gesellschaft, den Ehepartnern vorzuschreiben, wie sie die Aufteilung der Erwerbs- und der Familienarbeit vorzunehmen haben. Eine Einzelbesteuerung von Ehepaaren, bei der die Ehepartner wie Singles besteuert werden, ginge doch völlig an der Realität vorbei.
Die Ehe ist eine Gemeinschaft, in der der die Partner füreinander einzustehen haben, obwohl das in unserer schnelllebigen Zeit wohl etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint.
Ausdruck dieser Gemeinschaft ist auch die gemeinsame Besteuerung des Einkommens, denn es wird ja auch gemeinsam ausgegeben. Oder ist es auch Ausdruck einer modernen Gesellschaft, dass jeder – auch die Kinder – sein eigenes Geld nur für sich ausgibt? Das Ehegattensplitting kommt aufgrund der Steuerprogression übrigens auch Ehepaaren mit geringeren Einkünften zugute. Für Einkommensmillionäre dagegen ergibt sich durch das Ehegattensplitting dagegen – wie Lüder Gerken zu Recht schreibt – kein Vorteil, sie zahlen sowieso den Höchststeuersatz.
Das Ehegattensplitting ist keine Steuersubvention, sondern ein Ausdruck normaler Lebenswirklichkeit.
17.4.2013, Dietmar Maldacker, Schönau

 

Abschaffung des Ehegattensplitting = Steuererhöhungsprogramm
Die Abschaffung des Ehegattensplittings ist nicht nur, wie von Lüder Gerken in dankenswerter Weise beschrieben, ein gigantisches Steuererhöhungsprogramm und nicht nur ein Programm, in dem Ehepartner getrieben werden, gleiche Einkommen zu erzielen, um die Steuerbelastung zu minimieren. Es ist auch ein Programm, das sie weiter zu willfährigen Wirtschaftsfunktionären verwandelt oder, wenn es nicht klappt, zur Teilnahme an politischen Umverteilungsideologien – sagen wir es mal euphemistisch – motiviert. Damit können sich dann “unsere” Politiker brüsten. Die zunehmende Marginalisierung von Ehe und Familie ist in vielfacher Hinsicht ein Angriff auf eine der Grundsäulen, die ich in unserer Gesellschaft wichtig finde: das gegenseitige Einstehen füreinander in Ehe und Familie. Dieses kann nie durch Dritte ersetzt werden – meine vielfältigen Erfahrungen mit Personen in sozialen Berufen zeigen deren Grenzen. Eltern werden zu Berufstätigen degradiert, Kinder zur Ware, an der viele verdienen wollen. Als Zeugungsprodukte sind sie in der Kita oder bei der Tagesmutter abzugeben. Dort sollen dann “Profis” alles richten. Die Industrialisierung von Ehepartnern und Kindern: Dazu passen die Allmachtsphantasien “unserer” Politiker, die anderen das Sparen predigen, aber selbst immer mehr Kosten verursachen. Da passen die von Herrn Gerken genannten zehn Milliarden Mehreinnahmen doch gut ins Bild: noch mehr Geld für die Politik des kläglichen Resignierens vor Lobbyisten und Wirtschaft.
18.4.2013, Manuel Kunst, Freiburg

Dieser Beitrag wurde unter Familie abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort