Dreisamtal-Windraeder windlos

Naturschutz im Konflikt mit Klimaschutz – Teilfortschreibung des Flächennutzungsplanes „Windkraft“ erweist sich im Dreisamtal als schwierig. Erklärtes Ziel aller Gemeinderäte und des Gemeindeverwaltungsverbandes Dreisamtal ist es, die Energiewende zu voran zu treiben und die Nutzung regenerative Energien auszubauen. Deshalb läuft im Dreisamtal derzeit die Teilfortschreibung des Flächennutzungsplanes „Windkraft“ mit dem Ziel, Konzentrationszonen für Windräder auszuweisen. Die Krux jedoch ist, so Oberrieds Bürgermeister Franz Josef Winterhalter auf der letzten Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbandes Dreisamtal, dass da wo der meiste Wind weht, keine Windräder stehen werden. Dabei ist es heute nicht mehr das Argument der Landschafts-Verspargelung, das jahrzehntelang Windkraft in Baden-Württemberg verhinderte. Heute steht der Natur- und Landschaftsschutz auf den meisten Schwarzwaldhöhen der Windkraft entgegen.
Der Gemeindeverwaltungsverband Dreisamtal, in dem die Gemeinden Kirchzarten, Stegen, Buchenbach und Oberried zusammengeschlossen sind, stieg mit dreizehn Standorten in das Flächennutzungsplan-Verfahren ein. Nach der Auswertung und Abwägung eingegangener Stellungnahmen und Anregungen von Bürgern, Verbänden und Fachbehörden im Rahmen des frühzeitigen Beteilungsverfahrens stehen jetzt nur noch acht Standorte zur Diskussion. Diese, beschloss der Gemeindeverwaltungsverband, sollen nun weiter untersucht werden. Insbesondere sind es die vogelschutzrechtlichen Untersuchungen, mit denen aufgrund der Jahreszeit jetzt begonnen werden muss. Möglich, dass aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchungen dann noch weitere Standorte kippen.

Alle Räte zeigten sich enttäuscht über die schwierige Standortsuche. Die Kirchzartener SPD-Rätin Petra Zentgraf brachte es auf den Punkt: da wo der Wind am stärksten weht, besteht das größte Konfliktpotential. Sie forderte die Planer auf, mehr Rückgrat zu zeigen und trotz bestehender Konflikte, Zonen auszuweisen, denn „wenn wir die Energiewende nicht schaffen, dann verschwinden aufgrund der Erderwärmung 25% aller Arten“. Bürgermeister Winterhalter betonte, dass die rechtlichen Grundlagen leider so seien, dass die Planer gar keine Handlungsfreiheit haben, denn sämtliche Schwarzwaldhöhenrücken sind als Schutzzonen deklariert, wenn auch mit unterschiedlicher Wertigkeit. Sie sind als Naturschutzgebiet, Bannwald, Waldbiotop, Vogelschutzgebiet oder Flora-Fauna-Habitat-Gebiet klassifiziert und gesetzlich geschützt und eine Herausnahme der möglichen Standorte aus diesen Schutzgebieten sei so gut wie nicht möglich.
Die Standorte mit denen das Verfahren nun fortgeführt wird, ist der nördlich ans Dreisamtal angrenzende Höhenrücken mit dem Streckereck, dem Flaunser und dem Brombergkopf. Diese Standorte befinden sich auf Stegener Gemarkung und grenzen ans Glottertal an. Eine Kooperation mit Glottertal würde sich hier anbieten und wäre wünschenswert.
Auf Buchenbacher Gemarkung werden der Ottenberg und der Hohwart, in dessen Nachbarschaft sich das Breitnauer Windrad dreht, weiter untersucht. Hier hat allerdings die Gemeinde St. Märgen schon Widerspruch eingelegt, da Windräder dort die Fernsichtbeziehungen zum Feldberg hin beeinträchtigen würden.
Im Süden könnten die Standorte Hundsrücken Nord, Truckenbach und Untergsand zu einer Konzentrationszone zusammengefasst werden. Vor allem der Hundsrücken liegt den Kommunalpolitikern am Herzen, denn dort weht der meiste Wind. Er wäre außerdem gut zu erschließen, wäre kombinierbar mit Freiburger Projekten und läge landschaftlich nicht in direkten Sichtachsen. Allerdings bestehen dort laut Eric Lippe vom Büro faktorgrün sehr starke Restriktionen, da der Hundsrücken Landschaftsschutzgebiet, Vogelschutzgebiet und Waldbiotop ist. Auerhühner und Rotmilane werden dort gesichtet und es ist ein Zug- und Wildtierkorridor.
Diese acht Standorte werden nun näher untersucht. Mit den Ergebnissen wird dann wieder in die Gremien und danach in die erneute Offenlage gegangen. Kaum einer geht davon aus, dass dies mit all diesen acht Standorten der Fall sein wird. Es bleibt also spannend, wo sich rund um’s Dreisamtal künftig Windräder drehen werden.
27.3.2013, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

http://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/windkraft-standorte-dreisamtal/ (10.4.2013)

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