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Blick vom Lindenberg nach Süden übers Nebelmeer des Dreisamtals zum Feldberg (oben links) am 12.12.2013

 

Tierversuche – zum Wohle der Menschen?
Zum Leserbrief “Nicht zum Wohle der Menschen”, BZ vom 5. Oktober, meint ein Leser: Es ist immer wieder überraschend, mit welcher Selbstgewissheit Leute sich zu Tierversuchen äußern (natürlich negativ), die unbeschwert von jeder Sachkenntnis sind und sich nur an ihrer glaubensmäßigen Überzeugung orientieren. So tut es Maria Joannou, wenn sie schreibt: “Tatsächlich haben Tierversuche meist keinerlei praktischen Bezug”. Auf welche Tatsachen stützt sie sich? Was sie anführt, sind Effekte der Dosierung – und dabei Einzelbeispiele aus einer immensen Fülle von Fragestellungen. Dass die Zahl der Tierversuche abgenommen hat, ist eine Folge der Forschungsergebnisse, die bestimmte Fragestellungen unter anderem in Zellkulturen, Gewebeschnitten oder perfundierten Organen zu untersuchen gestatten. Die Industrie ist auch aus eigennützigen Motiven daran interessiert, denn Tierversuche sind außerordentlich teuer. Es ist völliger Unsinn, für Tierversuche “einflussreiche Interessengruppen” verantwortlich zu machen. Der Schreiberin ist offenbar auch nicht bekannt, dass die Ergebnisse von Tierversuchen in der Medikamentenentwicklung äußerst zurückhaltend publiziert werden. Sie finden in der Regel nur Eingang in die Dokumentationen, die die Zulassungsbehörden für die Beurteilung neuer Medikamente verlangen. Frau Joannou wirft auch universitäre Grundlagenforschung mit der Medikamentenentwicklung in einen Topf. Die erstere wird mit öffentlichen Mitteln (DFG) gefördert, und die gesamte Medizin profitiert von ihr, natürlich auch die industrielle Pharmaentwicklung, die neue Targets (Zielstrukturen für Medikamentenwirkung) geliefert bekommt. Die Ideologie-getriebene Argumentation entlarvt sich auch in den zitierten Zahlen: Der gesamte DFG-Etat (für alle Fachbereiche) für 2013 wird mit knapp 2,7 Milliarden Euro beziffert und mit vier Millionen Euro Fördergeldern für tierversuchsfreie Forschung verglichen. Dabei kostet die Entwicklung eines neuen Medikaments heute etwa eine Milliarde Euro, wovon nur ein sehr kleiner Teil in Tierversuche fließt. Als völlige Ignorantin entlarvt sich die Schreiberin, wenn sie die Erkenntnisse aus Tierversuchen pauschal als wertlos und irreführend diskreditiert. Sie hat offenbar nicht die leiseste Vorstellung von der Zahl und der Komplexität der Regelkreise im höheren Organismus, sowohl der organbezogenen und humoralen als auch der intrazellulären. Ich glaube nicht, dass meine Argumentation die Schreiberin überzeugen wird. Diese sehr kurze Entgegnung wurde geschrieben, um bei weniger ideologisch festgelegten Lesern keine falschen Vorstellungen zu bekräftigen.
26.10.2016, Prof. Dr. Hans-Dietrich Heilmann, Freiburg
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“Nicht zum Wohle der Menschen” vom 5.10.2016:
http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-freiburg/nicht-zum-wohle-der-menschen–128229865.html

 

Gemeinsam klug entscheiden – Ärzte-Initiative startet Ratgeber-Seite

Wer bei einer Suchmaschine im Internet das Stichwort “Gesundheit” eingibt, findet hunderttausende Treffer. In diesem Auskunftsdschungel will die Initiative “Gemeinsam klug entscheiden” nun Orientierung geben. Sie richtet sich an Ärzte wie Patienten gleichermaßen.
http://www.awmf.org/medizin-versorgung/gemeinsam-klug-entscheiden.html
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Nur so viel wie nötig
Ärzte in Deutschland verschreiben ihren Patienten immer wieder unnötige medizinische Leistungen. In anderen Fällen aber werden wirksame Behandlungen vorenthalten. Die Ärzte-Initiative „Gemeinsam Klug Entscheiden“ will beides ändern. …. Alle vom 25.5.2015 lesen auf
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/professor-ina-kopp-ueber-aerzte-initiative-gemeinsam-klug-entscheiden-13596252.html

AWMF
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) ist ein Netzwerk von 171 wissenschaftlich arbeitenden Fachgesellschaften in Deutschland. Professor Ina Kopp (47) leitet das Institut für Medizinisches Wissensmanagement der AWMF. Nach Medizinstudium und Promotion arbeitete Ina Kopp an der Uniklinik Marburg. Im Jahr 2004 habilitierte sie sich mit einer Arbeit über die systematische Entwicklung und Implementierung von Leitlinien in Deutschland. Aktuell ist Kopp auch die ehrenamtliche Vorsitzende des Internationalen Leitlinien-Netzwerks.
www.awmf.org 

 

Ist Homöopathie Unsinn?
Homöopathie ist ein Reizthema: Manche schwören drauf, andere lachen darüber. Wissenschaftsjournalist Christian Weymayr ist ein Kritiker. Ein Interview über Forschung, Globuli und Wunder.
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BZ: Herr Dr. Weymayr, ob ich eine Reliquie berühre oder homöopathische Globuli schlucke, die Heilchancen sind prinzipiell die gleichen, sagen Sie. Warum?
Weymayr: Weil in beiden Fällen nicht einmal theoretisch eine Wirksamkeit möglich ist. Ob Verdauung, Muskelbewegung oder das Denken – alle wichtigen Vorgänge im Körper sind biochemische Prozesse, bei dem ein Stoff den anderen beeinflusst. Wenn ich ein Mittel aber – wie bei einer d23- oder c12-Potenzierung – soweit verdünne, dass gar keine Moleküle der eigentlichen Wirksubstanz mehr in ihm enthalten sind, ist eine solche materielle Interaktion gar nicht mehr möglich. Genau wie bei einer Heilmethode, die nur auf übersinnliche Kräfte vertraut. ….
Alles vom 4.11.2014 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/ist-homoeopathie-unsinn-weil-wissenschaftlicher-beleg-fehlt
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Die Homöopathie scheitert
Gottglaube = Privatglaube = Religion
Homöopathie = Pseudowissenschaft = Unsinn ohne Beleg.

Glaube und Wissenschaft sind zu trennen. Homöopathie erhebt aber den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und agiert auf der selben Stufe wie Kreationismus. Erkenntnisgewinn in der Wissenschaft funktioniert in mehreren Schritten, grob auf zwei Wegen:
Weg 1: Beobachtung -> Studie -> Theorie -> peer review (gegenseitige Prüfung durch unabhängige Wissenschaftler) -> gesichertes Wissen -> Naturgesetz.
Weg 2: mathematisch/theoretische Betrachtung -> Bestätigung durch ein Experiment -> Theorie -> peer review -> gesichertes Wissen -> Naturgesetz.

Die Homöopathie scheitert auf beiden Wegen schon ganz früh:
– am ersten Weg bereits an Punkt 2, der Studie. Eine Einzelbeobachtung konnte in einer korrekt aufgesetzten und korrekt ausgewerteten Studie (bei der Medizin gilt wegen des Placebo und Nocebo-Effektes die doppelt verblindete randomisierte Studie) noch niemals signifikant verifiziert werden
– am zweiten Weg scheitert sie bereits an Punkt 1: Kein Wirkstoff überlebt eine “Hochpotenzierung” aufgrund der Avogadro-Konstante, nach der ein Mol eines Stoffes 10 hoch 23 Moleküle enthält. Nach C12 (12 x 1:100-Verdünnungen nacheinander) bzw. D23 (23 x 1:10) ist Schluss! Der pseudowissenschaftliche Ansatz über ein “Wassergedächtnis”, der einem Informatiker wie mir die Fußnägel aufrollen lässt, scheitert mit Pauken und Trompeten am zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, einem bewiesenen Naturgesetz.
Und, ganz wichtig, ein Grundsatz der Logik: Korrelation ist nicht Kausalität, wichtig für das Aufsetzen von Studien und wegen des oft ins Feld geführten Pseudoargumentes über eine Einzelbeobachtung der natürlichen Selbstheilung einer Viruskrankheit “mir hat es doch ‘geholfen'”: http://buggisch.wordpress.com/2014/08/07/korrelation-und-kausalitaet/
4.11.2014, Johannes Güntert

 

Giovanni Maio, Universität Freiburg, zum Symposium “Die Kunst des Hoffens”:
Hoffnung vermitteln ist ja keine Technik, sondern eine Grundhaltung. Begründete Hoffnung geben ist eine urärztliche Aufgabe. Der Arzt ist der erste Ansprechpartner für den Patienten. Er ist derjenige, der ihn durch seinen Befund in die Krise stürzt, und er sollte da sein, zuhören, verstehen, darauf achten, wie der Patient umgeht mit der Diagnose, und bereit sein, die Sinnziele des Menschen neu in den Blick zu nehmen. Ein Arzt, der erkennt, in welcher Welt sein Patient jetzt lebt, welche Perspektive durch die Diagnose zerbrochen ist, dem fällt es viel leichter, gemeinsam mit dem Patienten neue Horizonte auszumachen und ihn dabei zu unterstützen, sein Leben neu zu gestalten, um mit seiner Krankheit zu leben. ….
Alles vom 23.5.2014 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/zeigen-dass-es-sich-zu-leben-lohnt–85236619.html

Die Kunst des Hoffens: Kranksein zwischen Verlust und Neuorientierung.
3. Freiburger Symposium zu Fragen des Menschseins in der Medizin, Freitag, 23. Mai, 13 bis 18 Uhr, Audimax im Kollegiengebäude II der Universität Freiburg, Platz der Alten Synagoge, Eröffnungsvortrag von Karl Kardinal Lehmann um 13.15 Uhr; Samstag, 24. Mai, 9 bis 18 Uhr, Aula im Kollegiengebäude I der Universität Freiburg, Platz der Universität 3. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.
Das Programm steht im Internet unter http://www.menschsein-medizin.de.

 

Packungsgrößen von Arzneimitteln zu groß

Unter Altarzneimittel versteht man Medikamente, für die der Patient keine Verwendung mehr hat, weil zum Beispiel die Therapie beendet oder die Medikation gewechselt wurde, und die deshalb weggeworfen oder in Apotheken zurückgebracht werden. Studien zeigen erstaunliche Füllgrade:
19 % aller Altarzneimittel sind beim Entsorgen noch zu 100 Prozent gefüllt.
Der mittlere Füllgrad liegt bei rund 60 %, also fast zwei Drittel der Medikamente werden gar nicht genutzt.

Beispiel – eine einfache Bindehautentzündung des Auges
Eine solche Augenentzündung ist nach Aussage des Augenarztes in der Regel nach 3-5 Tagen abgeklungen. Es gibt aber keine Packungsgröße, die auf diesen “Normalfall” abgestimmt ist. Wählt mandie Augensalbe “Posiformin 2%”  und N1 als kleinste Packungsgröße, dann ist nach dieser Zeit jedoch ist höchstens 1/10 des Tubeninhaltes von 5 g verbraucht, also 90% der Salbe wird zwangsläufig weggeworfen, da die Packungsgröße nicht stimmt.
Fazit:
90% des Arzneimittels (4.5 g des Wirkstoffes Bibrocathol) landet im Müll
90% des Kaufpreises bzw. ca 9 Euro sind verschwendet bzw. der Pharmaindustrie zwangsweise transferiert.

Augensalbe Posiformin 2%, 5g, Kleinste Packungsgröße N1,  PZN-03515911, www.ursapharm.de, 9.95 Euro

- Anwendung: “3 mal täglich einen Salbenstrang von ca 0.5 cm in den Bindesack des erkrankten Auges einbringen”.
- Haltbarkeit: “Posiformin ist nach Anbruch vier Wochen verwendbar”.
Verfallsdatum auf dem am 23.12.2013 gekauften Arzneimittel: 30.9.3016

Packungsgrößen
Das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information DIMDI legt abgestimmt mit dem Bundesministerium für Gesundheiz BMD die Packungsgrößen von Arzneimitteln fest. Diese sogenannten Messzahlen müssen sich bei neuen Medikamenten seit Juli 2013 an ihrer Reichdauer orientieren, in der Regel:
N1: 10 Tage (+/- 20 Prozent)
N2: 30 Tage (+/- 10 Prozent)
N3: 100 Tage (- 5 Prozent)
N4: Klinikpackungen
www.dimdi.de ,

 

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