Denkmal

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Blick nach Osten in Burg-Höfen zwischen Kirchzarten und Himmelreich am 15.11.2012 – Thomashof, Herbstfarben

Denkmal, Denkmalschutz, Kleidenkmal, Naturdenkmal

 

Da steht bei Maria-Hilf ein Pfarrhaus mitsamt Nebengebäude ehemaliger Scheune als Saal – 1798 von einem kreativen Baumeister zu einem einzigartigen Ensemble geformt. So schön, dass man sich noch heute daran freut. Nun wird ein neuer Kindergarten gebraucht und als Lösung so gar nicht kreativ “Grundstücksverkauf + Abriß” gepriesen. Dabei sind pfiffige Ideen gesucht: Bestehende Gebäudedenkmale sanieren und umnutzen, Pfarrhaus zum Kindergarten umbauen, Saal anders verwenden? Warum bemüht man sich nicht in Richtung Denkmalerhalt? Man könnte ja den Bauunternehmenr Willi Sutte fragen

Der “Goldene Hirschen” als Landfrauencafe St.Märgen, die Birkenhofscheune in Kirchzarten-Burg als Dementen-WG.

 

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Denkmäler: Das Erbe auslöschen – Antirassismus – USA
Politische Umwälzungen waren immer mit einem Bildersturm verbunden
von Karlheinz Weißmann
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Der Stadtrat von Bristol hat angeordnet, die während einer „Black Lives Matter“-Demonstration in das Hafenbecken gestürzte Statue des Sklavenhändlers Edward Colston zu bergen und an sicherem Ort zu verwahren. Sie wird kaum auf das Podest zurückkehren, auf dem sie so lange stand. Das hat mit dem wachsenden Druck der Antirassismus-Bewegung zu tun, die mittlerweile zu einem globalen Phänomen geworden ist.
In den Südstaaten der USA wurden weitere Denkmäler der Konföderierten geschleift, Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, verlangt, daß man elf Figuren historischer Persönlichkeiten aus dem Parlamentsgebäude entfernt, während Sadiq Khan, der Oberbürgermeister von London, das gesamte Stadtgebiet durchkämmen läßt, um anstößige Monumente ausfindig zu machen. In Hamburg wurde immerhin ein Standbild Bismarcks beschädigt, weil der Reichsgründer auch Kolonialist war, und Akademiker denken laut darüber nach, ob Immanuel Kant als geistiger Vater des Rassismus aus dem Kreis der großen Denker verbannt werden muß.
An sich ist Ikonoklasmus – das rituelle Zerstören eines mißliebigen Bildes – nichts Neues. Seit unvordenklicher Zeit waren politische oder religiöse Umwälzungen von der symbolischen Vernichtung eines verhaßten Gottes oder Menschen begleitet.

Das heißt, es besteht im Prinzip kein Unterschied zwischen dem heutigen Protest und dem Furor, der zur Austilgung jedes Hinweises auf Pharao Echnaton durch seine Nachfolger führte oder zur Vernichtung der Pfahlgötzen im alten Israel oder zur damnatio memoriae im antiken Rom oder zur Zerstörung heidnischer Tempel durch die Christen oder zur Köpfung biblischer Könige an der Fassade von Notre-Dame während der Jakobinerherrschaft oder zur Bücherverbrennung beim Wartburgfest oder zum Niederreißen der Zarenbilder nach der Oktoberrevolution oder zur Sprengung der Buddhafiguren von Bamiyan durch die Islamisten.

Das Vorgehen kann spontan erfolgen oder angeordnet sein. In jedem Fall beruht es auf der tiefsitzenden Vorstellung, daß Symbol und Symbolisiertes nie vollständig zu trennen sind. Das eine hat Anteil am anderen. Weshalb das Symbolisierte durch den Angriff auf das Symbol getroffen wird. Carl Schmitt sprach vom „Mysterium“ der Repräsentation, verknüpft damit, daß „der Repräsentant eines hohen Wertes nicht wertlos sein kann“.

Dahinter steht selbstverständlich ein irrationales Moment. Was auf der Linken regelmäßig Zweifel weckt, ob die Fixierung auf Symbolpolitik das richtige ist. Eine unbegründete Sorge. Es muß nicht immer Klassenkampf sein. In der Medien- und Informationsgesellschaft zeigen gerade Attacken auf den Überbau verblüffende Wirkung auf die materielle Basis. Was jetzt als Durchsetzung des antirassistischen Konsensus stattfindet, ist also kein isolierter Akt und nichts, was mit dem Hinweis auf akute Empörung hinreichend erklärt wäre. Wir beobachten vielmehr Abläufe, die jene Meinungsmacher lenken, die seit je alles tun, um das Werk weißer Männer zu deformieren, zu beschädigen und zu zerstören.
Ihnen folgt eine Masse, die es unerträglich findet, daß das Leben überhaupt Bedingungen hat. Das erklärt die Aggressivität, mit der sie gegen jeden vorgeht, der anderer Meinung ist, die Naivität, mit der sie Verbündete akzeptiert, die nicht einmal vor Terror zurückschrecken, die Entschlossenheit, mit der sie ihre Bannflüche auf alles schleudert, was vor den Maßstäben der Hypermoral versagt. Aber das ist nicht nur das Ergebnis von Indoktrination.

Hier geht es um Entfremdung. Das Selbstbild des Fußvolks als Avantgarde, die vernichtende Urteile über die ganze bisherige Geschichte fällt, hat vor allem damit zu tun, daß die Akteure nicht wissen, wer sie sind. Daher rührt ihre Illoyalität gegenüber der eigenen Kultur, der eigenen Überlieferung, der eigenen Nation. Daher rührt ihre Bereitschaft, alles auszutilgen, was an diese Kultur, Überlieferung, Nation erinnert.

Erinnerung ist in dieser Phase des Kulturkriegs ein Schlüsselbegriff. Gemeint ist jene Erinnerung, die die Identität der Gemeinschaft verbürgt. Eine Erinnerung, die notwendig selektiv ist. In ihr wird das eine hervorgehoben, das andere in den Hintergrund gedrängt. Wie bei der Erinnerung des Einzelnen tritt im Normalfall das Positive hervor, das Negative zurück. Denn der persönliche wie der „unpersönliche Stolz“ (Max Weber) liegt darin begründet, daß man die Erfolge und die Heldentaten im Bewußtsein hält, nicht die Niederlagen und die Schandtaten.

Nur die Deutschen hatten das Verhältnis umgekehrt. Maßgeblich für die kollektive Erinnerung wurde Auschwitz als „Gründungsmythos“ (Joschka Fischer), Schuld als „Staatsräson“ (Thomas Schmid), das Geschichtsbuch als „Verbrecheralbum“ (Helmut Schmidt). Was auch erklärt, warum den alltäglichen Bildersturm niemand mehr zur Kenntnis nimmt: die Säuberung der Bibliotheken von heiklen Autoren, das Demolieren mißliebiger Gedenkstätten aller Art oder den Eifer, jedes Monument in jedem Winkel aufzuspüren – ganz gleich, ob Standbild, Straßenname oder Ehrenbürgerliste – und zu tilgen, was bei den Historisch-Sensiblen Anstoß erregt.
Bisher sprach viel für einen Sonderweg. Aber was sich gegenwärtig abspielt, deutet darauf hin, daß wir nur die Bahn gespurt haben, auf der uns der Rest der westlichen Welt folgt; kaum in ein besseres Morgen, eher in ein Dystopia, in dem diejenigen, die die „Konsensmaschine“ (Noam Chomsky) überwachen, noch mehr Möglichkeiten haben als zuvor.
… Alles von Karlheinz Weißmann zu “Denkmäler “bitte lesen in der JF, 26/20, Seite 2

 

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Siegesdenkmal: Geschichte bewahren
Nach dem Weltkrieg II haben die Kommunisten in Ost-Berlin das vom Krieg kaum beschädigte Berliner Schloss gesprengt. Heute wird das Schloss wieder aufgebaut. Es gab aber Streit, ob auf der Schlosskuppel wieder ein christliches Kreuz angebracht werden darf. Wahrscheinlich wird das Schloss nach seiner Wiederherstellung ein Museum aufnehmen und dann “Humboldt-Forum” heißen. Also nicht mehr “Berliner Schloss”. Einen gleichen, nicht enden wollenden Streit gibt es seit Jahrzehnten wegen des Siegesdenkmals in Freiburg, das leider (ironisch gemeint) im WK II ebenfalls nicht zerstört wurde. Wäre es zerstört worden, könnte es in Freiburg keinen Streit um dieses Denkmal geben. Aber was geschah 1945? Auch die siegreichen Franzosen haben das Denkmal nicht zerstört: Das war eine Heldentat ganz besonderer Art, das zeugt von Charakter, soldatischer Ehre und Tugend.
Aber etwa 50 Jahre nach der Erbauung des Denkmals und des Anlasses seiner Errichtung streiten Freiburger um das Denkmal. Wer will das verstehen? Vergangenes, das nicht ins Bild der heute Lebenden passt, soll vertuscht werden. Aber Geschichte war anders. Will, kann, darf man sie ungeschehen machen? Will man aus der Geschichte lernen, so darf man sie nicht vergessen machen. Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao Tse-tung? Niemand verbietet ihre Schriften und ihre Denkmäler. Wenn gewaltige Tempel und sonstige Bauwerke durch die Kriege im Nahen Osten zerstört werden, jammern die Deutschen, aber sie selbst zerstören ihre eigenen Denkmäler, von denen keine ideologische Gefahr ausgeht. Bei nächster Gelegenheit wird das Siegesdenkmal mit Graffiti verschmiert oder gar anderweitig beschädigt werden. Man wird achtlos mit ihm umgehen wie mit dem Denkmal der Alten Synagoge. Die Zerstrittenheit der deutschen Parteien und auch die der Freiburger Lokalpolitiker lassen Böses befürchten. Jeder gegen jeden. Ein Zusammen gibt es nicht mehr. Keine Gemeinsamkeiten.
5.3.2018, Ludwig Döring, Ettenheim, BZO

 

Sachzwänge gefährden in Freiburg immer wieder Baudenkmäler

Das Beispiel Maria Hilf zeigt: Vermeintliche Sachzwänge gefährden in Freiburg immer wieder Baudenkmäler. In Konstanz sieht das anders aus.
Freiburg boomt. Das hat zur Folge, dass auch im Altbestand kräftig modernisiert, nachverdichtet und nicht selten auch abgerissen wird. Dass dabei der Denkmalschutz häufig auf der Strecke bleibt, wird meist finanziellen Sachzwängen zugeschrieben. Die Verkaufspläne der Pfarrgemeinde Maria Hilf in der Wiehre, denen der historische Saalbau geopfert werden soll, bieten Anlass für einen Rück- und Ausblick: Wie gehen die Freiburger mit den baulichen Zeugnissen ihrer Vergangenheit um? Die Führungsriege der Pfarrgemeinde Maria Hilf hat Großes vor: Man will einen neuen Kindergarten und einen neuen Gemeindesaal bauen und zur Finanzierung Teile des Grundstücks an der Zasiusstraße an einen Investoren verkaufen. Der geschichtsträchtige Maria-Hilf-Saal stünde einer Neubebauung im Weg und müsste abgerissen werden. Pfarrhaus, Nebengebäude und Saal stellen ein in Freiburg einzigartiges historisches Ensemble dar: Es sind die Gebäude des früheren Hofgutes Böhringer. Der 1798 als Scheune errichtete Saalbau ist ein geschütztes Kulturdenkmal und in seiner Formensprache im Freiburger Stadtgebiet ohne Beispiel. Doch diese historische Bedeutung spielt in der aktuellen Diskussion offenbar keine Rolle, und der hohe Marktwert des Grundstücks lässt einen Abbruch unabwendbar erscheinen. Blickt man in die Vergangenheit, so scheint ein sorgloser Umgang mit baulichem Erbe in Freiburg seit einigen Jahrzehnten Tradition zu haben. Während es heute meist finanzielle Gründe sind, die eine Abbruchbereitschaft begünstigen, waren es früher stadtplanerische Vorgaben. Zwar bestach der Wiederaufbauplan von Oberbaudirektor Joseph Schlippe nach dem Bombardement von 1944 durch eine sensible Behandlung der erhaltenen Bausubstanz. Doch Ende der 1950er Jahre schlug die Stunde der Verkehrsplaner, die dem Stadtzentrum eine Radikalkur verordneten: Um die Altstadt sollte eine vierspurige Ringstraße entstehen. Den Plan setzte man im Schnellverfahren um und legte dabei zwischen 1960 und 1970 ganze Häusergruppen nieder. Dass sich darunter zahlreiche Kulturdenkmale befanden, war kein Hindernis. Proteste regten sich in der Bürgerschaft nur vereinzelt. Meist waren es unmittelbar betroffene Hauseigentümer. Wie etwa im Falle des stadtbildprägenden Hauses Schwabentorstraße 11, welches bis 1972 dem Bau der Leo-Wohleb-Straße im Weg stand: Solche Einzelgänger wurden von Öffentlichkeit und Behörden meist als “Querköpfe” attackiert. Auch in der Presse: “Schließlich können nicht Tausende von Kraftfahrern warten, bis ein Einzelner aufhört, sich einem wichtigen Projekt querzustellen” schrieb die BZ damals. Doch auch in neuerer Zeit genießt die Erhaltung gefährdeter Bausubstanz offenbar weder im Freiburger Gemeinderat noch in der Stadtverwaltung einen besonders hohen Stellenwert. Die Liste der Baudenkmäler, die in den vergangenen Jahren weichen mussten, ist beträchtlich. Auch die spektakulärsten Fälle gingen ohne größere Diskussionen über die Bühne: 2004 wird in der Altstadt das barocke Wirtschaftsgebäude des Adelhauserklosters bis auf die Außenfassaden abgebrochen. 2006 wird der stattliche Bau der landeseigenen, 1871 errichteten Landwirtschaftsschule verkauft und weggebaggert (Wohnbau). 2011 weicht in Günterstal das historische Gasthaus “Hirschen” trotz Protesten einem Neubau. Im selben Jahr geht es in Zähringen dem alten Gasthaus Tröscher und damit einem der letzten Reste des historischen Dorfkerns an den Kragen (Stadtbahntrasse).

Die Fälle, in denen gefährdete Bauten erhalten wurden, gehen fast immer auf das Konto engagierter Privateigentümer, denen der ideelle Wert ihres Baudenkmals am Herzen liegt. Ist der Denkmalschutz also nur noch etwas für Reiche oder Idealisten? Sind den kommunalen Behörden angesichts “eindeutiger Rechtslagen” wirklich immer die Hände gebunden? Nein, sagt Frank Mienhardt, Denkmalpfleger in Konstanz. Seine Stadt macht seit Jahren vor, wie ungeachtet vermeintlicher Sachzwänge eine Zusammenarbeit zwischen Rathaus, Denkmalbehörden, Eigentümern und Bauherren aussehen kann. Um weitere positive Beispiele zu finden, braucht man nicht in den fernen badischen Osten zu schweifen: Zu den wenigen, die nichts von “gebundenen Händen” wissen wollen, gehört der Bauunternehmer Willi Sutter aus Neustadt. Er hat sich auf die Sanierung von scheinbar nutzlosen Baudenkmälern spezialisiert, die oft kurz vor dem Abbruch standen – und das äußerst erfolgreich: Die Liste der Gebäude, die Sutter mit kreativen Ideen und viel Liebe zum Detail zu historischen Schmuckstücken gemacht hat, ist lang. Einige der Projekte sind regelrechte Publikumslieblinge geworden, etwa das Landfrauencafé “Krone” in St. Märgen oder die Rainhofscheune bei Kirchzarten. Und wie ist es mit der Kreativität in Maria Hilf bestellt? Wurde eine anderweitige Nutzung des Saalbaus ernsthaft geprüft? Hat man Überlegungen angestellt, das Pfarrhaus für Belange des Kindergartens umzubauen? Ist ein Neubau des Kindergartens tatsächlich unabdingbar, und gibt es für dessen Finanzierung keine Alternative zum Grundstücksverkauf? Man möchte den Verantwortlichen der Pfarrgemeinde den Mut wünschen, sich von ähnlichen Ideen wie die eines Willi Sutter inspirieren zu lassen und einen Blick über vermeintliche Sachzwänge hinweg zu werfen. An Unterstützung aus Kreisen kreativer Bürger und Bürgerinnen würde es in diesem Fall nicht fehlen. Und manchmal helfen ja auch Stoßgebete: Maria, hilf!
1.12.2012, Joachim Scheck,

Joachim Scheck leitet den Verein Vistatour, befasst sich seit langem mit Denkmalschutz und Veränderungen des Stadtbilds. Er ist Autor der BZ-Serie “Wiedersehen!”

 

 Denkmalschutz
Kulturdenkmale sind zum Beispiel archäologische Funde oder Bauten, an deren Erhalt ein öffentliches Interesse besteht. Besonders schützenswerte Objekte werden in eine Denkmalliste eingetragen. Sie dürfen grundsätzlich nicht abgebrochen werden, es sei denn die Erhaltung ist wirtschaftlich nicht zumutbar. Möglich ist aber auch ein Zuschuss vom Land. Es gibt auch “unerkannte” Denkmale, deren Denkmalwert erst beim Umbau erkannt wird.
Infos: http://www.denkmalpflege-bw.de 

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