Breitnau Rathaus Klaeranlage

Gespräch mit Breitnaus Bürgermeister, Josef Haberstroh. Dreisamtäler: Guten Morgen Herr Haberstroh! Seit ich das letzte Mal da war, hat sich das Rathaus innen ja komplett verändert! Haberstroh: Das Rathaus stammt aus den 50er Jahren und wir hatten innen bisher den Ursprungszustand. Zwar war alles sehr gepflegt, aber es war nun doch an der Zeit, eine Innenrenovierung durchzuführen. Die Räumlichkeiten wirken nun nach Abschluss der Renovierung viel transparenter, offener und einladender.
Dreisamtäler: Für die Mitarbeiter sind die neuen Arbeitsplätze eine deutliche Verbesserung.
Haberstroh: Vor allem weil mit der Sanierung auch ein Teil des Mobiliars ausgetauscht wurde. Wir haben höhenverstellbare Tische und Stühle und sind ergonomisch auf dem aktuellsten Stand. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen fühlen sich damit sehr wohl. Diese Büroausstattung hat zwar ein paar Euro mehr gekostet, wirkt sich aber positiv auf die Rückengesundheit der Mitarbeiter aus. Von daher sind diese Mehrausgaben von Arbeitgeberseite aus auch vertretbar!
Dreisamtäler: Was kostet diese Erneuerung?
Haberstroh: Für die Rathaussanierung waren 99.000,- Euro im Haushalt veranschlagt und damit kommen wir gut hin. 60.000,- Euro bekommen wir erfreulicherweise über den Ausgleichsstock des Landes. Im Zuge dieser Sanierung entsteht auch ein barrierefreier Zugang zum Rathaus und gleichzeitig eine barrierefreie Toilettenanlage. Rund um’s Rathaus haben wir ein kleines Dienstleistungszentrum mit Post, Tourist-Info, Sparkasse und der Feuerwehr, das nun mit einer barrierefreien Toilette aufgewertet wird. Das können wir realisieren, weil es uns gelang Leader-Fördermittel der EU zu generieren. An diesem kleinen Beispiel wird deutlich, dass wir Deutschen nicht nur die Zahlmeister der EU sind, sondern auch Nutznießer. Wir bekommen hier sogar einen erhöhten Fördersatz, weil wir zwei barrierefreie Maßnahmen umsetzen. Die Zweite ist der Umbau des Foyers beim Hallenbad in eine barrierefreie öffentliche Bücherei. Ohne diese EU-Mittel könnten wir uns diese Projekte nicht leisten!
Dreisamtäler: Können Sie das Bücherei-Konzept beim Hallenbad erläutern?
Haberstroh: Das jetzige Hallenbadfoyer war früher auch Kurhausfoyer mit großer Toilettenanlage und Garderobe. Nachdem das Kurhaus mit umgekehrter Eingangssituation neu gebaut wurde, passt heute diese Funktionalität nicht mehr. Deshalb bauen wir hier um. Das ganze Foyer wird ausgebeint und bekommt eine komplett neue Hülle mit leichten räumlichen Veränderungen, außerdem wird die WC-Anlage barrierefrei saniert. Der Zugang wird barrierefrei, da wir einen Treppenlift einbauen – das ist Bedingung der EU-Leader-Mittel. Die Idee ist die einer offenen Bibliothek. Die Bürgerinnen und Bürger können dort gut erhaltene Bücher, CDs und DVDs einstellen und wer möchte, kann sich mitnehmen, was ihn interessiert. Es wird kein Entleih-, sondern eher ein Austauschsystem sein. Diese Form hat sehr viel Charme. Wir als Gemeinde sind nicht verpflichtet, Medien zu beschaffen und viele Menschen sind froh, gut erhaltene Bücher oder Medien, die zu schade zum Wegschmeißen sind, der Bibliothek zur Verfügung stellen zu können. Ich könnte mir dann auch Projekte wie „Lesen und Schwimmen“ vorstellen. Bei einem Familienbesuch im Hallenbad können die Eltern, wenn sie genug vom Wasser haben, sich zum Lesen zurückziehen, während die Kinder weiter toben können.
Dreisamtäler: Im vergangenen Jahr sprachen wir darüber, dass Breitnau seine Kläranlage beim Birklehof aufgeben wird.
Haberstroh: Ja, das ist geschehen. Sie ist komplett zurückgebaut und das Abwasser wird bereits zur Hinterzartener Kläranlage gepumpt. Das ganze kostet uns rund 3,5 Millionen Euro. Die Bürger zahlen derzeit eine sehr hohe Abwassergebühr, nämlich über 5,- Euro pro Kubikmeter.
Dreisamtäler: Warum ist der Anschluss an Hinterzarten so teuer?
Haberstroh: Die Hinterzartener Kläranlage musste, um unser Abwasser aufzunehmen, erweitert werden und daran sind wir erheblich beteiligt. Im Prinzip haben wir – also Breitnau – dort ein zusätzliches Klärbecken gebaut. Die gesamte technische Ausrüstung des ersten Beckens muss erneuert werden – was derzeit geschieht -, das ist die Bedingung für eine neue Betriebserlaubnis. Auch an diesen Kosten sind wir beteiligt.  
Dreisamtäler: Gab es Alternativen?
Haberstroh: Wir haben auch den Anschluss an Neustadt geprüft, dann aber verworfen. Am liebsten wäre uns die Ableitung in den Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht gewesen. Forchheim hätte dafür auch ausreichende Kapazitäten. Aber da gibt es eine Engestelle, nämlich die Durchleitung in Ebnet. Die ist zu eng. Diese Option Forchheim haben wir uns mit der jetzigen Lösung nicht verbaut. Die Betriebserlaubnis wird irgendwann wieder auslaufen und in 20 bis 30  Jahren sieht die Situation in Ebnet möglicherweise ganz anders aus.
Dreisamtäler: Wie reagieren die Bürger auf diese hohe Abwassergebühr?
Haberstroh: Sehr verständnisvoll. Wir konnten die Notwendigkeit dafür in der Öffentlichkeit recht gut kommunizieren. Das ist ja auch keine willkürliche Maßnahme unsererseits. Abwassergebühren müssen kostendeckend sein und es dürfen keine Gewinne damit erwirtschaftet werden. Und weil wir so extrem hohe Abwassergebühren haben, kommen wir auch in den Genuss des höchsten Fördersatzes. Diese hohe Gebühr ist temporär. Durch den hohen Zuschuss verringert sich der Eigenanteil der Gemeinde, dadurch werden die gebührenwirksamen Kosten deutlich reduziert. Wir werden deshalb mit den Gebühren nach und nach wieder zurückgehen können. Das muss jedes Jahr neu kalkuliert werden.
11.12.2013, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

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